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Direktversicherung: Lohnt sich das?

Mit einer Direktversicherung kannst Du als Arbeitnehmer für das Alter versorgen und zugleich schon heute Abgaben sparen. Doch Du solltest bedenken, dass bei Deiner späteren Rente aus der Direktversicherung die Krankenkasse kräftig zulangt! Wir sagen Dir, in welchen Fällen sich eine Direktversicherung trotzdem lohnt, wann sie zur Kostenfalle wird und mit welchen Alternativen Du möglicherweise besser dran bist.

Was ist eine Direktversicherung?

Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, ihren Mitarbeitern eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) anzubieten. Die Direktversicherung ist eine mögliche Variante. Dabei schließt der Arbeitgeber für seine Mitarbeiter eine Lebens- oder Rentenversicherung ab. Ein Teil des Gehalts fließt dann direkt in die Versicherung. Vor allem kleinere und mittelständische Betriebe nutzen diese Möglichkeit gerne, weil sie für den Arbeitgeber wenig Aufwand bedeutet.

Für die Versicherungsbeiträge kommen entweder der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer oder beide zusammen auf. Wenn Du als Arbeitnehmer selbst Geld in die Direktversicherung einzahlst, spricht man auch von einer Entgelt- oder Gehaltsumwandlung.

Weil der Staat die betriebliche Altersvorsorge fördern will, können sich sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber durch eine Direktversicherung Steuern und Sozialabgaben sparen. Allerdings wird später auf die Rente aus einer Direktversicherung ein Krankenkassenbeitrag eingehoben.

Welche Leistung erbringt eine Direktversicherung?

Aus einer Direktversicherung beziehst Du im Alter eine Betriebsrente. Wie bei jeder anderen betrieblichen Altersvorsorge auch gibt es folgende Auszahlungsmodelle:

  • lebenslange monatliche Zusatzrente
  • Einmalauszahlung des Kapitals bei Rentenantritt
  • Teilauszahlung von bis zu 30 Prozent bei Rentenantritt, der Rest wird als lebenslange monatliche Zusatzrente ausgezahlt

Die Auszahlung der Betriebsrente beginnt normalerweise mit dem regulären Renteneintrittsalter (derzeit 67 Jahre). Eine Auszahlung vor Rentenbeginn ist frühestens ab Deinem 62. Geburtstag möglich. Bei Verträgen, die vor 2012 abgeschlossen wurden, ist eine Auszahlung der Direktversicherung vor Rentenbeginn bereits ab 60 Jahren erlaubt.

Häufig beinhalten die Verträge auch zusätzliche Leistungen:

  • Todesfallschutz: Das bedeutet, dass Angehörige eine bestimmte Summe aus der Versicherung bekommen, falls Du vor Rentenbeginn verstirbst.
  • Berufsunfähigkeitsversicherung: In diesem Fall bekommst Du eine Rente, falls Du Deinen Beruf schon vor dem normalen Renteneintrittsalter aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kannst.

Welche Arten der Direktversicherung gibt es?

Normalerweise handelt es sich bei Direktversicherungen um eines der folgenden Produkte:

  • Kapitallebensversicherung: Bei dieser Versicherung zahlst Du regelmäßig Sparbeiträge ein und bekommst nach Vertragsende eine vereinbarte Versicherungssumme - entweder als monatliche Rente oder als Einmalzahlung. Zusätzlich kannst Du eine variable Überschussbeteiligung erhalten. Verstirbst Du noch vor Vertragsende, erhalten Deine Angehörigen die Versicherungssumme. Deine Sparbeiträge werden zum Großteil in sichere Anlageformen investiert. Weil der Zinssatz für konventionelle Sparprodukte derzeit unter 1 Prozent liegt, sind Kapitallebensversicherungen aber wenig rentabel.
  • Klassische private Rentenversicherung: Auch diese Versicherungen investieren Deine Sparbeiträge in sichere Anlagen wie etwa Staatsanleihen. Von dem aufgebauten Kapital bekommst Du später eine private Rente. In der Regel garantiert der Anbieter entweder eine monatliche Mindestrente oder eine Mindestverzinsung. Auch klassische Rentenversicherungen werfen bei einem Garantiezins von rund 0,9 Prozent kaum Rendite ab und können daher leicht zum Verlustgeschäft werden.
  • Fondsgebundene Rentenversicherung: Hier werden die Sparbeiträge in Aktienoder Anleihenfonds investiert. Fondsgebundene Rentenversicherungen bieten derzeit die höchsten Renditechancen. Dafür garantiert der Anbieter meist nur den Erhalt der eingezahlten Beiträge, nicht aber eine monatliche Mindestrente. Wie hoch die Betriebsrente später tatsächlich ausfällt, hängt von der Entwicklung der Finanzmärkte ab.

Welche Steuern und Sozialabgaben fallen an?

Der Staat fördert die betriebliche Altersvorsorge, indem er auf die Beiträge zu Direktversicherungen weniger Steuern und Sozialabgaben einhebt. Allerdings musst Du später die Leistungen aus der Direktversicherung versteuern und dafür Sozialabgaben zahlen - man spricht auch von einer nachgelagerten Besteuerung.

Die genauen Regelungen sind komplex und unterscheiden sich zudem noch je nach Abschlussdatum. Für Verträge, die schon vor 2005 abgeschlossen wurden, gelten etwas andere Spielregeln.

Neue Verträge seit 01.01.2005

Einzahlphase

Sozialabgaben

Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitnehmer sparen sich Beiträge in die Kranken- und Pflegeversicherung, Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung. Diese machen immerhin rund 20 Prozent des Brutto-Lohns aus! Sozialabgabenfrei sind Beiträge bis zu einer Höhe von 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze zur gesetzlichen Rentenversicherung (West). Im Jahr 2019 liegt die 4-Prozent-Marke bei 268 Euro monatlich bzw. 3.216 Euro jährlich.

Für Gutverdiener hat die Sache einen Haken: Ersparen kannst Du Dir nur dann etwas, wenn Dein Gehalt unterhalb der Beitragsbemessungsgrenzen für die gesetzliche Krankenversicherung (2019: 4.537 Euro) bzw. die Rentenversicherung (2019: 6.700 Euro) liegt. Wenn Du nach Abzug der Versicherungsbeiträge immer noch mehr als die Beitragsbemessungsgrenze verdienst, zahlst Du gleich viel Sozialabgaben wie vorher.

Falls Du die Beiträge zur Direktversicherung komplett aus eigener Tasche bezahlst, erspart sich übrigens auch Dein Chef seinen Arbeitgeber-Anteil zur Sozialversicherung. Einen Teil dieses Vorteils muss er künftig an Dich weiterreichen. Für neu abgeschlossene Verträge ab 2019 muss er Dir 15 Prozent zu den Beiträgen zuzahlen. Ab 2022 gilt das sogar rückwirkend für jeden Altvertrag.

Steuern

Für bis zu 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze zur gesetzlichen Rentenversicherung (West) hebt der Staat keine Lohnsteuer ein. Beiträge von bis zu 536 Euro monatlich bzw. 6.432 Euro jährlich bleiben bei einer Direktversicherung somit steuerfrei. Du musst die Beiträge zur Direktversicherung in der Steuererklärung nicht extra angeben. Die Besteuerung der Direktversicherung wird bereits bei der Lohnabrechnung automatisch berücksichtigt.

Auszahlung der Betriebsrente

Sozialabgaben

Bei der Renten-Auszahlung aus der Direktversicherung fallen für gesetzlich Krankenversicherte volle Sozialabgaben an! Das beinhaltet den Krankenkassenbeitrag von rund 15,5 Prozent, den Beitrag zur Pflegeversicherung (2,55 Prozent) sowie den kassenindividuellen Zusatzbeitrag. Insgesamt holt sich der Staat so rund 20 Prozent der Betriebsrente wieder zurück.

Das ist sogar mehr als bei einer gesetzlichen Rente! Denn hier übernimmt die Rentenversicherung die Hälfte des Krankenkassenbeitrags - so wie vorher der Arbeitgeber. Diesen Vorteil gibt es bei einer Betriebsrente nicht.

Die Sozialabgaben zahlst Du unabhängig davon, ob Du eine monatliche Rente oder eine Einmal-Auszahlung in Anspruch nimmst. Bei einer Einmal-Auszahlung wird der Betrag rechnerisch auf 10 Jahre verteilt und Du stotterst die Sozialversicherungsbeiträge monatlich ab.

Es gibt nur die folgenden Möglichkeiten, sich bei einer Direktversicherung den Krankenkassenbeitrag zu ersparen:

  • 1. Deine Betriebsrente beträgt weniger als 155,75 Euro monatlich (Stand 2019).
  • 2. Du bist privat krankenversichert
  • 3. Du lässt die Versicherung auf Dich als Privatperson überschreiben - für den Privatanteil der Rente zahlst Du keine Sozialabgaben.
Besteuerung der Direktversicherung

Zusätzlich zu den Sozialversicherungsbeiträgen wird Dir unter Umständen Einkommenssteuer abgezogen. Die Besteuerung der Direktversicherung bei der Auszahlung erfolgt mit Deinem persönlichen Steuersatz, der einkommensabhängig ist. Die Rente aus der Direktversicherung ist in der Steuererklärung in der Anlage R anzugeben.

Altverträge bis 31.12.2004

Einzahlphase

Sozialabgaben

Entscheidend ist bei Altverträgen, wer die Beiträge bezahlt: Übernimmt sie der Arbeitgeber, muss er dafür keine Sozialabgaben leisten. Das gilt auch, wenn Sonderzahlungen (z.B. Weihnachtsgeld) verwendet werden. Zahlst Du Deine Versicherungsbeiträge hingegen aus eigener Tasche, wird darauf der volle Arbeitnehmer-Anteil fällig.

Steuern

Bei der Besteuerung der Direktversicherung greift in der Einzahlphase eine Pauschale: Für Beiträge von bis zu 1.752 Euro pro Jahr werden Dir pauschal 20 Prozent an Lohnsteuer abgezogen, egal wie hoch Dein individueller Steuersatz ist. Das geschieht bereits bei der Lohnabrechnung, Du musst die Direktversicherung in der Steuererklärung daher nicht extra angeben.

Auszahlung der Betriebsrente

Sozialabgaben

Betriebsrenten wurden ursprünglich als steuer- und abgabenfrei beworben. Doch mit dem Gesundheitsmodernisierungs-Gesetz aus dem Jahr 2004 hat sich das geändert. Und zwar auch rückwirkend für Altverträge! Seither fällt bei der Auszahlung der Direktversicherung der Krankenkassenbeitrag von rund 15,5 Prozent an, außerdem der individuelle Zusatzbeitrag sowie der Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung.

Es gelten also dieselben Regeln wie für Neuverträge - mit dem Unterschied, dass Arbeitnehmer bei Altverträgen bereits in der Ansparphase Sozialversicherungsbeiträge geleistet haben. Es kommt somit zu einer "doppelten" Beitragslast. Gegen diese oft als unfair angesehene gesetzliche Regelung wurden bereits mehrfach Klagen beim Verfassungsgerichtshof eingebracht. Sie wurden jedoch alle abgewiesen.

Wenn Du einen Altvertrag abgeschlossen hast, solltest Du prüfen, ob Dein Rentenanspruch derzeit weniger als 155,75 Euro monatlich (Stand 2019) beträgt. Falls ja, kannst Du eventuell die Direktversicherung beitragsfrei stellen und so die Sozialabgaben vermeiden. Alternativ könntest Du die Direktversicherung auch privat weiterfühhren, also vom Arbeitgeber auf Dich als Privatperson überschreiben lassen. Du zahlst dann später nur auf den betrieblichen Anteil der Rente Krankenkassenbeiträge.

Steuern

Die Besteuerung der Direktversicherung bei der Auszahlung fällt hingegen bei Altverträgen etwas günstiger aus. Es muss nur der sogenannte Ertragsanteil der Rente versteuert werden. Dieser hängt im Wesentlichen davon ab, in welchem Alter Du in Rente gehst. Bei einem Rentenantritt mit 67 Jahren sind es 17 Prozent, mit 62 Jahren sind es 21 Prozent. Die verbleibende Rente aus der Direktversicherung ist steuerfrei.

Was passiert beim Wechsel des Arbeitgebers?

Welche Möglichkeiten Du beim Jobwechsel hast, hängt u.a. davon ab, ob es sich um einen Alt- oder Neuvertrag handelt. Für Neuverträge ab 2005 ist ein Mitnahmeanspruch im Betriebsrentengesetz (§ 4 Abs. 3 BetrAVG) rechtsverbindlich verankert worden. Das bedeutet, dass Deine erworbenen Ansprüche auf das Versorgungssystem des neuen Arbeitgebers übertragen werden. Das muss nicht notwendig eine Direktversicherung sein, es kann sich auch um eine Pensionskasse, Pensionsfonds oder Ähnliches handeln. Voraussetzung für die Mitnahme ist, dass der Übertragungswert die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung nicht übersteigt.

Bei einem Altvertrag ist eine Übertragung Deiner Ansprüche nur möglich, wenn alle Beteiligten - also Arbeitgeber und Versicherung - dem zustimmen.

Für die Übertragung Deiner Ansprüche musst Du aber manchmal Gebühren bezahlen! Alternativ hast Du bei einem Jobwechsel folgende Möglichkeiten:

  • Weiterführung beim neuen Arbeitgeber: Wenn der neue Betrieb damit einverstanden ist, kannst Du Deinen Altvertrag zu den alten Konditionen weiterführen. Der Vertrag wird dann auf den neuen Arbeitgeber überschrieben.
  • Direktversicherung privat weiterführen: Üblicherweise kannst Du die Versicherungspolice auch auf Dich selbst überschreiben lassen und so die Direktversicherung privat weiterführen. Die Beiträge musst Du dann natürlich selbst leisten. Dafür zahlst Du später für den Privatanteil der Rente keine Sozialabgaben und weniger Steuern (nämlich nur auf den Ertragsanteil). Der betriebliche und private Anteil an der Direktversicherung werden in der Steuererklärung getrennt erfasst.
  • Direktversicherung beitragsfrei stellen: Wenn Du keine weiteren Beiträge zahlen willst, bleibt Dir nur die Möglichkeit, die alte Versicherung ruhend zu stellen.

Eine vorzeitige Auszahlung der Direktversicherung ist dagegen nicht möglich. Bei einem häufigen Jobwechsel ist diese Form der Altersvorsorge daher recht unflexibel.

(Wie) lässt sich eine Direktversicherung kündigen?

Privat abgeschlossene Lebens- oder Rentenversicherungen kannst Du kündigen und Dir den sogenannten Rückkaufwert auszahlen lassen. Die Kündigung einer Direktversicherung ist dagegen nicht möglich!

Denn laut Betriebsrentengesetz (§ 2 Abs. 2 BetrAVG) ist eine Auszahlung der Direktversicherung vor Rentenbeginn ausgeschlossen. Willst Du die Versicherung nicht mehr fortführen, bleiben Dir daher nur folgende Möglichkeiten:

  • Direktversicherung beitragsfrei stellen: Du kannst den Vertrag ruhend stellen lassen und keine weiteren Beiträge mehr einzahlen. Diese Strategie kann auch bei Altverträgen sinnvoll sein, um hohe Sozialabgaben auf Deine spätere Rente zu vermeiden.
  • Abfindung: Wenn Du erst sehr wenig eingezahlt hast, erlaubt die Versicherung möglicherweise eine Abfindung. Du bekommst einen Teil Deiner Beiträge ausbezahlt und kannst vom Vertrag zurücktreten.
  • Auszahlung vor Rentenbeginn ab 62: Eine Auszahlung der Direktversicherung vor Rentenbeginn ist normalerweise nicht möglich. Erst ab 62 Jahren (bei Verträgen vor 2012 ab 60 Jahren) ist eine Auszahlung der Direktversicherung erlaubt, auch wenn Du noch nicht in Rente bist.

Welche Vor- und Nachteile hat eine Direktversicherung?

Bei Direktversicherungen kommt es sehr auf die Details an: Je nachdem, wieviel Dein Arbeitgeber beisteuert und welche Abgaben Du persönlich zahlst, kann diese Form der Altersvorsorge lukrativ oder ein Verlustgeschäft sein. Und auch das Sparprodukt selbst ist ein entscheidender Faktor - das sucht aber der Arbeitgeber für Dich aus. Die Vor- und Nachteile lassen sich daher immer nur individuell beurteilen.

Mögliche Vorteile im Überblick

  • Geförderte Altersvorsorge: Je mehr Dein Arbeitgeber beisteuert und je weniger Beiträge Du selbst bezahlst, desto günstiger für Dich. Ist Dein Chef großzügig, dann kann die betriebliche Altersvorsorge für Dich lukrativer sein als eine rein privat finanzierte.
  • Besteuerung der Direktversicherung: Vor allem bei Neuverträgen kannst Du in der Einzahlphase viel sparen, weil Einzahlungen von bis zu 536 Euro monatlich (Stand 2019) in die Direktversicherung steuerfrei bleiben. Die Höhe des Steuervorteils hängt von Deiner persönlichen Steuerlast ab. Die nachgelagerte Besteuerung der Direktversicherung bei der Auszahlung muss nicht notwendig ein Nachteil sein, weil der Steuersatz in der Rente bei den meisten Menschen niedriger ist.
  • Weniger Sozialabgaben: Für Einzahlungen von bis zu 268 Euro monatlich (Stand 2019) ersparst Du Dir zusätzlich Sozialversicherungsbeiträge - zumindest dann, wenn Dein Einkommen unterhalb der Beitragsbemessungsgrenzen liegt.
  • Sicherheit: Wie jede betriebliche Altersvorsorge sind auch Direktversicherungen in Deutschland gut abgesichert. Falls das Unternehmen oder die Versicherungsgesellschaft in Konkurs geht, greifen staatlich organisierte Sicherungseinrichtungen und Deine Betriebsrente ist nicht gefährdet.
  • Beitragsfreiheit für privat Krankenversicherte: Bist Du bei einer privaten Krankenkasse versichert, dann ist die Auszahlung der Direktversicherung für Dich in der Rentenzeit abgabenfrei.
  • Zusätzliche Berufsunfähigkeitsversicherung: Manchmal ist bei einer Direktversicherung ein zusätzlicher Berufsunfähigkeits-Schutz eingeschlossen. Das nützt vor allem jenen, die aufgrund bestimmter Vorerkrankungen keine günstige private Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen können. Denn meistens ist für den Zusatzschutz keine Gesundheitsprüfung erforderlich.

Mögliche Nachteile im Überblick

  • Keine Kündigungsmöglichkeit: Eine Kündigung oder Auszahlung vor Rentenbeginn ist grundsätzlich nicht möglich. In der Regel kannst Du zwar die Direktversicherung beitragsfrei stellen lassen, den Vertrag wirst Du aber nicht mehr los.
  • Direktversicherung und Krankenkasse: Zwar hebt in der Einzahlphase der Direktversicherung die Krankenkasse geringere Beiträge ein. Für Deine spätere Betriebsrente zahlst Du aber die vollen Beiträge in die Kranken- und Pflegeversicherung, falls Du gesetzlich versichert bist. Das bedeutet, dass Dir rund 20 Prozent Deiner Betriebsrente abgezogen werden!
  • Weniger gesetzliche Rente: Als beruflich aktiver Arbeitnehmer ersparst Du Dir durch eine Direktversicherung Sozialabgaben, was zunächst ein Vorteil ist. Wenn Du weniger in die Sozialversicherung einzahlst, erwirbst Du aber auch weniger Ansprüche. Das wiederum hat zur Folge, dass Deine gesetzliche Rente oder das Arbeitslosengeld später geringer ausfallen.
  • Unflexibel: Wenn Du häufig den Job wechselst, musst Du Dir jedes Mal überlegen, ob Du die Direktversicherung privat weiterführen, auf den neuen Arbeitgeber übertragen oder ruhend stellen willst. Unter Umständen hast Du mehrere parallele Verträge, die Du nicht mehr kündigen kannst. Auch eine Auszahlung der Direktversicherung vor Rentenbeginn ist nicht möglich.
  • Hohe Kosten und wenig Rendite: Klassische Kapitallebens- und Rentenversicherungen sind derzeit schlecht verzinst und kommen dem Versicherungsnehmer im Vergleich zur Rendite sehr teuer. Verbraucherschützer haben berechnet, dass man bei vielen Versicherungen über 100 Jahre alt werden müsste, um seine eingezahlten Beiträge später wieder herein zu bekommen! Hat Dein Chef eine fondsgebundene Versicherung gewählt, steigst Du möglicherweise etwas besser aus, musst aber auf bestimmte Garantien verzichten.
  • Geringe Transparenz: Der Arbeitgeber oder die Versicherungsgesellschaft sind nicht verpflichtet, Dir die Gebühren des Sparprodukts genau aufzuschlüsseln. Dadurch hast Du wenig Einblick, ob die Kosten im Rahmen sind oder der Vertrag überteuert ist.

Für wen lohnt sich eine Direktversicherung?

  • Großzügiger Arbeitgeber: Je höher der Zuschuss Deines Chefs ist, desto eher lohnt sich eine Direktversicherung. Als Faustregel gilt, dass Dein Chef zumindest 25 Prozent der Beiträge übernehmen sollte, damit die Betriebsrente für Dich lukrativ wird.
  • Gering- und Mittelverdiener: Wenn Du brutto mehr als 6.700 Euro monatlich verdienst (Stand 2019), liegst Du über der Beitragsbemessungsgrenze für Kranken- und Rentenversicherung und kannst Dir in der Einzahlphase keine Sozialabgaben ersparen. Deshalb lohnt sich die Sache eher für Gering- und Mittelverdiener. Für Gutverdiener bleibt nur der Steuervorteil: Du brauchst Einzahlungen von bis zu 536 Euro monatlich in die Direktversicherung nicht versteuern. Ein Nachteil für Gutverdiener kann jedoch die Besteuerung der Direktversicherung bei der Auszahlung sein. Je höher Deine Rente ist, desto höher fällt auch Dein persönlicher Steuersatz aus.
  • Privat Krankenversicherte: Bei einer Direktversicherung ist die Krankenkasse ein wichtiges Kriterium. Nur wenn Du privat versichert bist, ersparst Du Dir bei Rentenzahlungen aus der Direktversicherung den Krankenkassenbeitrag.
  • Personen, die Berufsunfähigkeit versichern wollen: Eine Direktversicherung mit zusätzlichem Schutz gegen Berufsunfähigkeit kann sich lohnen, wenn Dir diese Art der Versicherung privat zu teuer kommen würde.

Welche Alternativen gibt es zur Direktversicherung?

Wenn Du Dich in den oben genannten Gruppen nicht wiederfindest, ist eine Direktversicherung für Dich wahrscheinlich ein Verlustgeschäft! Verzichte dann besser auf die betriebliche Altersvorsorge und spare auf andere Art und Weise Geld für Deine Rente an. Beliebte Altersvorsorge-Modelle sind:

Riester-Rentenversicherung

Die Riester-Rente ist eine staatlich geförderte Form der Altersvorsorge. Du schließt eine private Renten- oder Lebensversicherung ab und wirst dabei vom Staat durch direkte Zulagen und Steuervorteile unterstützt. Deine spätere Altersrente musst Du ähnlich wie bei einer Direktversicherung versteuern. Es fallen aber keine Krankenversicherungsbeiträge an.

Eine Riester-Rentenversicherung lohnt sich vor allem für kinderreiche Familien oder Alleinerzieher mit geringem bis mittlerem Einkommen, weil sie besonders hohe staatliche Zulagen bekommen.

Gutverdiener profitieren andererseits stärker vom Steuerbonus.

Fondsgebunde private Rentenversicherung

Wenn Du eine rein private Rentenversicherung abschließen willst, empfehlen wir Dir derzeit eher fondsgebundene Produkte. Klassische Rentenversicherungen sind bei einem Garantiezins von rund 0,9 Prozent kaum noch rentabel. Die meisten Versicherungsgesellschaften sind dazu übergegangen, zumindest einen Teil der Sparbeiträge in Aktien- und Anleihenfonds zu investieren. Das bringt höhere Renditechancen bei einer leicht reduzierten Sicherheit. Zumindest der Erhalt Deines Kapitals ist in der Regel aber garantiert.

Während Du die komplette Rente aus einer Direktversicherung versteuern musst, zahlst Du bei einer privaten Zusatzrente nur auf den Ertragsanteil Steuern. Bei einem Rentenantritt mit 67 Jahren sind das 17 Prozent der Rente.

ETF-Sparplan

Du kannst auch mit flexiblen Sparformen für das Alter vorsorgen. Deutlich höhere Renditechancen als konventionelle Sparprodukte bieten derzeit Aktien- und Anleihenfonds. Wertpapier-Fonds verteilen das Verlustrisiko auf viele Einzeltitel und sind daher sicherer als einzelne Aktien.

Besonders kostengünstig sind sogenannte Indexfonds (auch ETF-Fonds genannt), die sich auf einen Wertpapier-Index stützen. Du kannst entweder einen Sparplan auf einen ETF-Fonds abschließen oder eine bestimmte Summe als Einmalzahlung investieren. In beiden Fällen brauchst Du zunächst ein Wertpapier-Depot.

Mit einem ETF-Fonds oder -Sparplan sorgst Du flexibel vor: Eine Auszahlung vor Rentenbeginn ist jederzeit möglich.

Festgeld-Sparkonto oder -Sparplan

Die Finanzmärkte sind nicht Dein Ding? Du kannst auch mit einem konventionellen, fest verzinsten Sparprodukt wie einem Festgeld-Sparkonto oder einem klassischen Banksparplan privat für die Rente vorsorgen. Du musst derzeit zwar mit geringen Zinsen vorlieb nehmen. Dafür weißt Du von Beginn an, wie hoch der Ertrag sein wird, und Kursschwankungen an der Börse müssen Dir keine schlaflosen Nächte bereiten.

Die geringere Rendite hat auch einen Vorteil: Du kannst im Unterschied zu einer Direktversicherung steuerfrei sparen, solange die Erträge unterhalb des Sparer-Pauschbetrags von 801 Euro jährlich (Stand 2019) liegen.