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Urlaubsanspruch als Werkstudent: So viel steht Dir zu!

Sechs junge Menschen springen am Strand ausgelassen in die Luft.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Bezahlter Urlaub als Werkstudent? Darauf hast Du einen gesetzlichen Anspruch.
  • Die Anzahl der Urlaubstage richtet sich anteilig nach Deiner Arbeitszeit.
  • Besondere Regelungen zum Urlaubsanspruch für Werkstudenten sind im Arbeitsvertrag festgelegt.
  • Du kannst Dir Deinen Urlaub nicht auszahlen lassen.

Werkstudenten: Urlaub gehört dazu

Die Semesterferien stehen vor der Tür und nach einer harten Prüfungsphase hättest Du Entspannung unter Palmen bitter nötig. Du haderst aber noch bei der Planung, weil Du Dir einen Ausfall auf der Arbeit eigentlich nicht erlauben kannst... Moment: Schon mal an Deinen gesetzlichen Anspruch auf Urlaub gedacht? Viele Werkstudenten wissen zunächst vielleicht gar nicht, dass sie Urlaubsanträge beim Arbeitgeber einreichen können, weil ihnen bezahlter Urlaub zusteht. Damit entgeht ihnen was: Sie gelten nämlich ganz normal als Teilzeit-Arbeitnehmer im Sinne des Bundesurlaubsgesetzes (BUrlG). Du hast deshalb auch als Werkstudent gesetzlichen Urlaubsanspruch.

Der gesetzliche Mindesturlaub

Dein Urlaubsanspruch richtet sich nach Deinen Arbeitstagen: Das BUrlG sieht vor, dass ein Arbeitnehmer bei einer 6-Tage-Woche einen Mindestanspruch auf 24 Urlaubstage hat – bei einer 5-Tage-Woche 20 Urlaubstage. Je nach individuellem Arbeits- oder Tarifvertrag können die Urlaubstage aber auch höher ausfallen. Der volle Urlaubsanspruch entsteht erst, wenn Du seit mindestens einem halben Jahr bei dem Unternehmen arbeitest – vorher wird er anteilig berechnet.

Achtung: Selbst wenn das Thema Urlaub in Deinem Arbeitsvertrag mit keinem Sterbenswörtchen erwähnt wird – Du musst welchen bekommen! Der gesetzliche Mindesturlaub steht Dir auch ohne individuelle Regelung auf jeden Fall zu.

Der Urlaubsanspruch in Teilzeit

Für Werkstudenten ist besonders die Teilzeitregelung interessant. Das Gesetz sieht vor, dass jeder Arbeitnehmer 4 Wochen Urlaub pro Jahr nehmen kann. Der gesetzliche Mindesturlaub bei Teilzeitbeschäftigung sieht so aus:

  • 5 Tage-Woche: 20 Tage Urlaub/Jahr
  • 4 Tage-Woche: 16 Tage Urlaub/Jahr
  • 3 Tage-Woche: 12 Tage Urlaub/Jahr
  • 2 Tage-Woche: 8 Tage Urlaub/Jahr
  • 1 Tag in der Woche: 4 Tage Urlaub/Jahr
Dem Gesetz sind Stunden ganz egal – es kennt nur Tage. Die Regelung gilt auch dann, wenn Du als Werkstudent in Teilzeit arbeitest und an festen Tagen jeweils nur wenige Stunden ableistest.

Unregelmäßige Zeiten als Werkstudent? Urlaubsanspruch berechnen!

Wenn Du eine Werkstudentenstelle hast, bei der Du wirklich unregelmäßig arbeitest und dadurch unterm Strich auf völlig unterschiedliche Wochenstundenzahlen kommst, müssen auch Deine bezahlten Urlaubstage berechnet werden. Dazu musst Du zunächst Deine durchschnittliche Wochenstundenzahl errechnen. Anschließend nimmst Du den betrieblich vereinbarten Urlaubsanspruch zur Berechnung heran.
Beispiel: Deine durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche beträgt 17 Stunden. Der jährliche Urlaubsanspruch bei Vollzeit beträgt 30 Tage beziehungsweise 240 Stunden. Um Deinen tatsächlichen Anspruch zu berechnen, kommt folgende Formel zum Einsatz:
240 x 17 : 40 = 102 Urlaubsstunden – Der volle Urlaubsanspruch wird mit der geleistete Wochenstundenzahl multipliziert und anschließend durch 40 Stunden (Vollzeit) geteilt.

Beispielrechnung zu Urlaubstagen bei 20 Arbeitsstunden/Woche

Semesterferien im Anmarsch: Svenja und ihr Freund Max wollen gemeinsam 4 Wochen nach Australien fliegen und im Urlaub nicht auf ihr Werkstudenten-Gehalt verzichten. Svenja arbeitet als Werkstudentin in einem Architekturbüro 20 Stunden pro Woche, die sie an 3 Tagen ableistet. Max arbeitet als Werkstudent in einer Werbeagentur. Seine wöchentliche Arbeitszeit beträgt ebenfalls 20 Stunden, die er aber an 5 Tagen à 4 Stunden ableistet. Svenja hat demnach Anspruch auf 12 Tage Urlaub pro Jahr, Max auf 20 Tage. Hat Max also mehr Urlaub als seine Freundin? Nein: Beiden ist es durch die Regelung möglich, 4 Wochen Urlaub zu machen, da Svenja ja regulär nur 3 Tage die Woche arbeitet und die restliche Zeit sowieso frei hat – die 12 Urlaubstage decken also auch bei ihr den Wunschzeitraum ab.

Urlaub als Werkstudent: Arbeits- oder Tarifvertrag checken

Nähere Regelungen zu Urlaubsanspruch von Werkstudenten finden sich häufig in den jeweiligen Arbeitsverträgen. Der Urlaub wird immer anteilmäßig berechnet, auch wenn Deine Stundenzahlen variieren und Du mal mehr oder mal weniger als 20 Stunden die Woche arbeitest. In dem Fall wird Deine durchschnittliche regelmäßige Arbeitszeit ermittelt. Dazu wird die gesetzliche/tarifliche Urlaubsdauer durch die Jahreswerktage geteilt und mit der Anzahl der tatsächlichen Arbeitstage multipliziert.

Vertragliche Begrenzungen für Urlaub als Werkstudent

Oft verhängen Arbeitgeber im Vertrag eine temporäre Urlaubssperre, die ebenfalls für Dich als Werkstudent gilt. Diese ist aber nur bis zur Höhe des Mindesturlaubs nach BUrlG möglich. Der gesetzliche Anspruch darf vom Arbeitgeber nicht unterschritten werden. Besonders, wenn im Arbeitsvertrag keine konkrete Urlaubsregelung aufgeführt sein sollte.


Bezahlter Urlaub als Werkstudent: Wie hoch ist die Summe?

Wie hoch der ausgezahlte Betrag auf Deinem Konto sein wird, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Nicht alle Werkstudenten arbeiten das ganze Jahr über konstant 20 Stunden die Woche. Meistens wird den Studis ein fester Stundenlohn gezahlt, die Arbeitszeit fällt jeden Monat ganz unterschiedlich aus. In dem Fall hast Du einen Anspruch auf Zahlung des Durchschnittsgehalts der letzten 13 Wochen.


Beispielrechnung bei unregelmäßiger Stundenzahl und frischem Beschäftigungsverhältnis

Fritz hat von der Australienreise seiner Freunde erfahren und spontan entschieden, sich anzuschließen. Auch er arbeitet fleißig: Seit April schuftet er in einer Softwarefirma als Werkstudent, im August soll es in den Urlaub gehen. Pro Stunde verdient er 10 Euro. Er arbeitet durchschnittlich 18 Stunden in der Woche, die er an 3 Tagen ableistet. Also hätte er eigentlich Anspruch auf 12 Urlaubstage pro Jahr – weil er aber noch kein halbes Jahr bei der Firma angestellt ist, wird sein Urlaub anteilig berechnet. Und zwar ganz einfach mit Dreisatz: Die 12 Urlaubstage werden durch 12 Monate geteilt und mal 4 Monate genommen. Das ergibt 4 Urlaubstage für Fritz nach 4 Monaten in der Firma. Aber wie sieht es mit dem Gehalt während des Urlaubs aus? Hier bekommt er den Durchschnittslohn der letzten 13 Wochen gezahlt. Da er im Schnitt dreimal die Woche 6 Stunden pro Tag gearbeitet hat, macht das bei 4 Urlaubstagen 24 Arbeitsstunden à 10 Euro – also in seinem Fall insgesamt 240 Euro. 4 Urlaubstage reichen für 4 Wochen in Australien kaum aus: Für die restliche Zeit kann sich Fritz zwar mehr Urlaub nehmen, bekommt diesen dann aber nicht bezahlt.

💡 TIPP

Sei clever – stelle Deinen Urlaubsantrag im richtigen Moment

Die Regelung mit dem Durchschnittsgehalt der vergangenen 13 Wochen gibt Dir die Möglichkeit, das maximale Urlaubsgeld rauszuholen. Spare Dir den Urlaub für die Zeit auf, in der Du einen möglichst hohen Durchschnittslohn erreicht hast.
Beispiel: Werkstudentin Lisa nimmt sich ihren Urlaub im Oktober. In den Monaten zuvor gibt sie während der Semesterferien richtig Gas und arbeitet viel. Entsprechend höher fällt ihr durchschnittliches Gehalt aus. Sie arbeitet – wie Fritz – als Werkstudentin in der Softwarefirma und kriegt 10 Euro die Stunde. Zu Beginn der Semesterferien stockt sie ihre Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden auf. Im Oktober profitiert sie dann während ihres Urlaubs von höherem Durchschnittsgehalt, weil sich das direkt auf ihre 4 Urlaubstage und die Gehaltsabrechnung auswirkt.

Auch der Werkstudent muss Urlaub beantragen

Du hast gar nicht die Zeit, in den Urlaub zu fahren, weil Dich diverse Hausarbeiten in den Semesterferien in der Bibliothek festhalten? Leider kannst Du Dir kein Urlaubsgeld auszahlen lassen. Du musst als Werkstudent Urlaub nehmen wie jeder andere Arbeitnehmer auch. Trage Dir also einfach Deinen Urlaub ein, wenn Du ihn gerade irgendwie gebrauchen kannst und lass Dich im besten Fall einfach fürs Lernen bezahlen – Win-Win!

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Kommentare

Hallo ich habe eine wichtige Frage und zwar: ich habe zwar Urlaubsanspruch jedoch bin ich mir bei der Berechnung nicht sicher. Mein Vertrag gilt ja immer nur für das jeweilige Semester. Ich arbeite jede Woche jedoch immer verschieden viele Stunden. Wie genau berechne ich meinen Urlaub und mein Urlaubsgeld?

Vielen Dank für eure Hilfe

Hallo Simi90, wie im Beispiel oben gezeigt berechnest Du bei unregelmäßigen Wochenarbeitsstunden einen Durchschnittswert. Nähere Angaben zu Deinem Jahresurlaub findest Du normalerweise auch in Deinem Arbeitsvertrag - davon ausgehend kannst Du Deinen anteiligen Anspruch berechnen. Mit Deinem Arbeitgeber kannst Du außerdem individuell klären, ob Du Dir weitere unbezahlte Urlaubstage nehmen kannst.

Guten Tag, ich habe eine Frage zum Urlaubsanspruch von Werkstudenten. Ist dieser Anspruch abhängig von der geleisteten Stundenzahl im Monat? Mir wurde gesagt, dass ich keinen Anspruch auf bezahlten Urlaub hätte, weil ich nur 38 Stunden im Monat arbeite.
Vielen Dank schonmal im Voraus für eure Antwort!

Hallo Dustycus, die Aussage, die Du bekommen hast, stimmt nicht.
Als Werkstudent hast Du auch bei weniger als 20 h Arbeitszeit / Woche einen gesetzlichen Anspruch auf bezahlten Urlaub - er verringert sich nur entsprechend. Wie Du in der Beispielrechnung im Artikel siehst, stehen Dir selbst bei nur einem (vollen) Arbeitstag in der Woche - also 32 Arbeitsstunden im Monat - ganze 4 Urlaubstage im Jahr zu.
Und bedenke: "Dem Gesetz sind Stunden ganz egal – es kennt nur Tage. Die Regelung gilt auch dann, wenn Du als Werkstudent in Teilzeit arbeitest und an festen Tagen jeweils nur wenige Stunden ableistest." Wenn Deine Arbeitszeit sich normalerweise auf zwei, drei, vier oder sogar fünf Tage pro Woche aufteilt, erhöht sich dadurch also auch Dein Urlaubsanspruch. Im Abschnitt 'Arbeits- oder Tarifvertrag checken' findest Du nochmal genauere Infos zur Berechnung!

Hallo, in meinem Werkstudentenvertrag ist geregelt, dass mein Urlaubsanspruch mit 1€ den ich zusätzlich für jede geleistete Arbeitsstunde bekomme, abgegolten ist. Ist das rechtlich erlaubt?
Danke im Voraus und viele Grüße

Hallo, wie verhält es sich wenn ich Mitte des Monats mit meiner Arbeit in den Semesterferien beginne und 4 Wochen nur arbeite - also z. B. vom 12.02. bis 09.03. - das sind genau 4 Wochen. Habe ich hier Anspruch auf Urlaub oder nicht? Weil im Gesetz steht unter §5 BUrlG "...Anspruch auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs für jeden vollen Monat des Bestehens des Arbeitsverhältnisses...". Wäre super, wenn ich paar Infos bekommen könnte.

Hallo, ich fange demnächst einen Werkstudentenjob (20 h pro Woche à 4 Tage) bei einer Firma an. Die Stelle ist befristet auf ein halbes Jahr und ich habe davor noch nicht dort gearbeitet. Ist es korrekt, dass ich gar keinen Anspruch auf Urlaub in dem halben Jahr habe, oder könnte ich trotzdem Anspruch auf Urlaub haben ( evtl. zumindest 8 Tage oder so).
Liebe Grüße

Hallo clot27,
Dir steht auf jeden Fall Urlaub zu. Den vollen Urlaubsanspruch erwirbt man zwar erst nach sechs Monaten - sprich, erst dann darf man den Jahresurlaub auf einmal nehmen. Das ist bei Dir durch die Befristung logischerweise nicht der Fall.
Trotzdem hast Du auch vor Ablauf der Sechs-Monats-Frist das Recht, den Urlaub zu nehmen, den Du Dir anteilig pro Monat 'verdienst'. Sofern im Vertrag nichts anderes vereinbart ist, stehen Dir gesetzlich bei 4 Arbeitstagen/Woche dann im Jahr 16 Urlaubstage zu. Aufs halbe Jahr gerechnet sind das, wie Du vermutest, insgesamt 8 Urlaubstage. Durch die anteilige Berechnung 'erarbeitest' Du Dir jeden Monat rechnerisch 1,34 Urlaubstage. Wie mit halben Tagen verfahren wird, musst Du mit Deinem Arbeitgeber klären. Häufig wird hier einfach auf- oder abgerundet.
Nach einem Monat dürftest Du demnach einen Urlaubstag nehmen, nach zwei Monaten 2 Urlaubstage, nach drei Monaten aber schon 4 (3 Monate x 1,34 Tage = 4,02) usw.
Viele Grüße
myStipendium

Hallo, ich habe eine wichtige Frage. Seit 11 Monaten arbeite ich 20 Stunden/Woche (3 Tage) als Werkstudentin. In meinem Vertrag ist nichts über den Urlaubstage geschrieben. Soll ich aber trotzdem einen Anspruch auf bezahlten Urlaub zu haben?
Danke im Voraus für eure Antwort!

Hallo Frau Grabowska,
per Gesetz müssen Sie definitiv bezahlten Urlaub bekommen - auch wenn davon nichts im Arbeitsvertrag steht! Weil nichts individuell vereinbart wurde, gilt in Ihrem Fall der gesetzliche Mindesturlaub. Die Stundenanzahl ist dabei nicht so entscheidend, die Anzahl der Arbeitstage pro Woche schon. Die Norm sind bei 6 Arbeitstagen/Woche dann 24 Tage Urlaub im Kalenderjahr, bei weniger Arbeitszeit weniger.
Sie haben also mit 3 Arbeitstagen/Woche dieses Jahr Anspruch auf 12 Tage bezahlten Urlaub.
Viele Grüße
myStipendium