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Mindestrente in Deutschland: Wie hoch ist sie & wann kommt sie?

Viele europäische Länder verfügen über eine sogenannte gesetzliche Mindestrente, die jedem Bürger unabhängig von seinem Einkommensverhältnis zusteht. Wir verraten, was es mit der sogenannten Grundrente auf sich hat, wie hoch diese in den unterschiedlichen europäischen Ländern ausfällt und wie es um die Mindestrente in Deutschland aktuell steht.

Was ist die Mindestrente?

Bei der Mindestrente handelt es sich um die niedrigste zulässige Rente – also eine Art Minimalrente, mit der das Existenzminimum gedeckt wird. Das System soll vor allen Dingen benachteiligte Geringverdiener und Versicherte mit einem ungünstigen Versicherungsverlauf finanziell auffangen. Darunter fallen zum Beispiel sehr häufig Eltern, die die wertvolle und wichtige Aufgabe der Erziehung von Kindern übernommen haben, aus diesem Grund aber nicht berufstätig waren und somit auch nicht in die Rentenkasse einbezahlt haben.

Vielen europäischen Bürgern nehmen die Rentenkassen auf diese Art die Angst vor der Altersarmut, doch eine Mindestrente gibt es in Deutschland derzeit in dieser Form noch nicht.

Wie hoch ist die Mindestrente?

Es gibt keine einheitliche Mindestrente in Europa, die Grundrente fällt von Land zu Land unterschiedlich aus, wie Du anhand der folgenden Auflistungen sehen kannst.

Wie hoch ist die Mindestrente in Deutschland?

Eine Mindestrente gibt es in Deutschland zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Die Grundrente in Deutschland richtet sich bisher nach Deinem individuellen Versicherungsverlauf und hängt davon ab, wie viel Du über die Jahre in die Rentenkasse einbezahlt hast, denn das Rentensystem in Deutschland ist bisher nach dem sogenannten Leistungsprinzip organisiert. Das bedeutet, dass für jeden Versicherten ein Rentenkonto geführt wird, in dem alle Leistungen und Beitragszahlungen festgehalten werden. Die dort zusammengetragenen Leistungen werden in eine speziell entwickelte Rentenformel berechnet, für die verschiedene Faktoren, darunter zum Beispiel das Renteneintrittsalter, berücksichtigt werden.

Vereinfacht lässt sich sagen: Je länger Du arbeitest und je mehr Du dabei verdienst, desto höher fällt Deine Rente in Deutschland am Ende auch aus.

Wie hoch ist die Mindestrente in anderen Ländern?

Die folgende Übersicht bietet Dir einen kleinen Überblick über die Mindestrente in anderen europäischen Ländern.

Frankreich

Die Franzosen verfügen über ein allgemeines Rentensystem für Arbeitnehmer. Hier erhalten Rentner einen Mindestsatz von 629 Euro. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sie einen Anspruch auf die volle Rente haben. Haben sie in der Arbeitslebenszeit Beiträge zur Rente geleistet, erhöht sich der Mindestrentenbetrag auf 687,32 Euro. Er entspricht mindestens 120 Versicherungsquartalen.

Griechenland

In Griechenland wird für allen Bürger ein Betrag von 486,84 Euro Mindestrente gezahlt – sofern ihr Versicherungsbeginn vor dem 1. Januar 1993 liegt. Personen, deren Rentenversicherung erst zu einem späteren Zeitpunkt startet, erhalten immerhin noch 70 Prozent des Mindestlohns eines Vollzeitbeschäftigten und verheirateten Arbeitnehmers. Somit entsteht in Griechenland ein Mindestbetrag liegt von 495,74 Euro pro Monat.

Italien

Die niedrigste monatliche Rente, die in Italien an Staatsbürger ausgezahlt wird, liegt bei 6.531,07 Euro pro Jahr für alle, die vor dem 1. Januar 1996 der Versicherung beigetreten sind. In vielen Fällen wird die gesetzliche Altersrente aufgestockt, bis der Mindestbetrag der Rente erreicht ist. Es gibt jedoch auch Personen, die nicht vom Mindestrentensystem abgedeckt werden. Dazu zählen all diejenigen, die während ihres Berufslebens im beitragsorientierten System versichert waren.

Portugal

Auch Portugiesen bekommen auch bei der Rente einen Mindestsatz gezahlt. Dieser liegt 30 Prozent des durchschnittlichen Monatsverdienstes, darf allerdings nicht weniger als 419,22 Euro betragen.

Spanien

Die spanischen Rentner bekommen eine Mindestrente. Sie beträgt 593,50 Euro für Rentner, die in Einpersonenhaushalten leben. Verheiratete Paare erhalten eine höhere Zahlung. Ab einem Alter von 65 Jahren fällt die Rente in Spanien ebenfalls höher aus. Sie liegt in einem Einpersonenhaushalt dann bei 634,50 Euro. In Spanien hängt die Höhe der Rentenzahlung allerdings grundsätzlich vom Wohnsitz ab.

Zypern

Die Einwohner Zyperns bekommen 85 Prozent der vollen Grundrente als Mindestbetrag ausgezahlt. Für Alleinstehende bedeutet das, dass sie 88,22 Euro pro Woche erhalten. Wenn unterhaltspflichtige Personen bei der zur Rente berechtigen Person mit im Haushalt leben, erhöht sich auch der Rentenbetrag, den sie erhält.

Niederlande

In den Niederlanden ist der Mindestsatz der Rente an die Höhe des gesetzlichen Mindestlohns gekoppelt. Hier bekommen alle Bürger – unabhängig von ihrem früheren Einkommen - im Alter einen monatlichen Mindestbetrag ausgezahlt.

Schweden

In Schweden erhalten alle Bürger eine sogenannte Einheitsrente, die der Mindestrente entspricht. Haben die Arbeitnehmer während ihres Berufslebens in die Rentenkasse eingezahlt, erhöhen sich die Beiträge, die sie im Alter als Rentenzahlung erhalten.

Was ist der aktuelle Stand zur Mindestrente?

In der Politik ist man sich bei dem Thema bisher nicht einig geworden. Zwar drängt die SPD seit Jahren auf die Einführung einer Mindestrentenzahlung, doch sind die politischen Diskussionen in Deutschland längst nicht abgeschlossen. Dabei können bereits heute viele Neurentner lediglich eine Rentenhöhe erwarten, die dem Niveau der Grundsicherung entspricht. Obwohl Deutschland als Sozialstaat gilt, gibt es immer mehr Rentner, die von Altersarmut betroffen sind ihren Lebensunterhalt mit der Altersrente allein gar nicht mehr bestreiten können. Immer mehr Menschen droht im Alter der soziale Abstieg. Dennoch wird es wohl noch einige Jahre dauern, bis eine Mindestrente beschlossen wird, die deutsche Bürger auch im Alter finanziell unter die Arme greift.

Was spricht für die Mindestrente - was dagegen?

Das System der Grundrente gibt es in anderen europäische Ländern zwar seit mehreren Jahren, doch weichen die Höhe der Mindestrente, Anspruch und Ziele teilweise recht stark voneinander ab. Die folgenden Argumente sprechen anhand der Erfahrungen anderer Länder für beziehungsweise gegen die Mindestrente in Deutschland:

Gründe dafür

Zu den Gründen, die für die Einführung einer Grundrente sprechen, zählen zum Beispiel:

  • Absicherung für Eltern: Personen, die ein oder mehrere Kinder bekommen und sich der Erziehung dieser widmen, mangelt es im Alter häufig an Geld. Das liegt daran, dass sie während der Zeit, in der sie keiner Lohnarbeit nachgehen, auch kein Geld in die Rentenkasse einzahlen, aus der sie im Alter dann schöpfen können. Eine Solidarrente könnte diese Personen vor der Altersarmut schützen und so auch die wertvolle Arbeit, die sie mit der Kindererziehung für die Gesellschaft leisten, zumindest teilweise entlohnen.
  • Absicherung für Geringverdiener: Geringverdiener zahlen im Laufe ihres Lebens weniger Geld in die Rentenkasse ein als Personen, die in ihrem Beruf viel Geld verdienen – und das, obwohl beide Gruppierungen in der Regel in ihrem Job auf die gleiche Anzahl von Wochenstunden kommen. Auch hier wäre eine Solidarrente ein fairer Ausgleich für die Personen, die nur niedrige Löhne beziehen und dennoch hart arbeiten.
  • Verminderung der Altersarmut: Durch die Einführung einer Mindestsumme an Rente könnte die Altersarmut im Allgemeinen verringert werden und damit in Teilen auch Erkrankungen, die mit Armut im Alter oder der Angst vor Altersarmut zusammengebracht werden. Dazu zählen zum Beispiel Depressionen und Angststörungen.
  • Entlastung der Sozialkassen: Eine sogenannte Lebensleistungsrente würde überwiegend durch Steuereinnahmen finanziert werden, wodurch man die Sozialkassen entlasten würde, weil die Bezieher von Mindestrenten keine Grundsicherung mehr beantragen müssten.

Gründe dagegen

Es gibt allerdings auch Gründe, mit denen man gegen die Einführung einer Grundrente argumentieren kann, darunter:

  • Steigende Ausgaben: Die Einführung eines Mindestrentensystems würde die Ausgaben der Rentenkasse deutlich ansteigen lassen. Nach dem jetzigen System könnten die so entstehenden Kosten nicht durch höhere Rentenversicherungsbeiträge gedeckt werden.
  • Steuerbelastung für den Bürger: Um die durch ein neues Rentensystem entstehenden Kosten zu decken, würden eventuell höhere Steuerbeträge für die Bürger fällig werden.
  • Fehlende Haushaltsausgaben: Ein Mindestrentensatz würde für fehlende Haushaltsausgaben in anderen Bereichen sorgen.
  • Große finanzielle Unterschiede: Die großen finanziellen Unterschiede, die derzeit zwischen sehr armen und sehr reichen Bürgen Deutschlands bestehen, würden trotz Einführung eines Mindestrentensatzes weiterhin bestehen bleiben.

Was ist der Unterschied zwischen Mindestrente und Grundsicherung?

In Deutschland existiert die sogenannte Grundsicherung. Diese wird sehr häufig fälschlicherweise für eine Mindest- oder Basisrente gehalten. Die Grundsicherung greift in Deutschland allerdings nur dann, wenn die Rente bei Personen im Ruhestand so gering ausfällt, dass sie diese aufstocken lassen müssen, um auch im Alter noch Geld zum Leben zu haben. Diese Aufstockung nennt man Grundsicherung.

Die Grundsicherung bemisst sich in der Höhe mit Stand von 2019 derzeit auf die folgenden Werte:

  • Hilfe zum Lebensunterhalt: 416 Euro für Alleinstehende beziehungsweise 748 Euro für Ehepaare oder Paare, die eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen sind.
  • Kosten für die Wohnung: Die Höhe des Zuschusses für Wohnungen ist abhängig von der anrechenbaren Warmmiete, die Kosten müssen sich dabei in einem angemessenen Rahmen befinden.

Im direkten Unterschied zu einem Mindestrentensystem werden bei der Grundsicherung die Rente, die Du erhältst und Deine persönlichen Rücklagen berücksichtigt. Möchtest Du also Grundsicherung beantragen, musst Du Dein Vermögen weitestgehend aufbrauchen, bevor Du Deine Rente aufstocken lassen darfst. Alleinstehende Personen dürfen gerade einmal 5.000 Euro besitzen, für den Partner kommen weitere 5.000 Euro hinzu.

Warum sollte ich in jedem Fall vorsorgen?

Da immer mehr Menschen von Altersarmut betroffen sind und in eine ungewisse Zukunft blicken, solltest Du in jedem Fall für später vorsorgen, um auch im Alter noch einen angemessenen Lebensstandard zu haben. Dafür bietet es sich unter anderem an, in eine private Rentenvorsorge zu investieren, die im Ruhestand für Deine finanzielle Absicherung sorgt. Zwar werden Mindest- und Basisrenten von der Politik in Deutschland diskutiert, doch ob und wann sie kommt, ist nach derzeitigem Stand noch nicht vorhersehbar. Dich bereits jetzt abzusichern sorgt dafür, dass Du ein bisschen entspannter in die Zukunft sehen kannst.

Möchtest Du bereits jetzt einmal einen Blick auf die Dir zustehenden Rentensätze werden, kannst Du das mit diesem kostenlosen Rentenschätzer machen.