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Karenzzeit ist der Versicherung: Definition & Anspruch

Wenn Du eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchtest, bist Du wahrscheinlich bereits über den Begriff „Karenzzeit“ gestolpert. Dieser Begriff hat zwar verschiedene Bedeutungen, bezeichnet im Versicherungswesen aber eine Wartezeit innerhalb eines Vertrags, in der die Leistung noch nicht erbracht werden muss. Was genau sich hinter den Begriff verbirgt, welche Vorteile die Karenzzeit beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung mit sich bringt und welcher Versicherungsanbieter der Beste für Dich ist, erfährst Du hier.

Was ist eine Karenzzeit?

Die Karenzzeit bezeichnet eine Wartezeit oder auch Sperrfrist, die mit einem Vertrag einhergeht. Wenn Du also einen Vertrag mit Karenzzeit abschließt, können Deine Leistungen nicht umgehend, sondern erst nach Ablauf der Wartezeit in Anspruch genommen werden. Die Ansprüche, die mit dem Vertrag einhergehen, können erst nach Ablauf der vereinbarten Frist geltend gemacht werden.

Dabei hat der Begriff Karenzzeit in verschiedenen Bereichen eine unterschiedliche Bedeutung. Welche Bedeutung der Begriff bei Versicherungen, im Bankwesen oder in der Landwirtschaft hat, erfährst Du hier:

Versicherungen

Verträge mit Karenz werden in vielen verschiedenen Bereichen angeboten. Dabei bezeichnet die Karenzzeit die leistungsfreie Zeit innerhalb eines Vertrags. Es gibt auch innerhalb der Versicherungen zwei Formen der Karenzzeit:

Berufsunfähigkeitsversicherung

Bei gewissen Versicherungen – wie der Berufsunfähigkeitsversicherung – bezeichnet die Karenzzeit den Zeitraum zwischen dem Zeitpunkt, an dem die Berufsunfähigkeit eingetroffen ist und dem Zeitpunkt, ab dem die Leistung ausgezahlt wird. Im Vertrag wird die Karenzzeit vereinbart – je länger diese ist, desto günstiger sind in der Regel die Beiträge zur Versicherung. Dabei beträgt die Sperrfrist je nach Versicherung und Tarif zwischen sechs und 24 Monaten. Bei einigen Versicherungen kann es dazu kommen, dass Du Deine Beiträge auch während der Wartezeit weiterzahlen musst.

Des Weiteren kann es je nach Vertrag wichtig sein, dass die Berufsunfähigkeit während der Karenzzeit fortlaufend besteht. Beträgt die Frist sechs Monate, Du arbeitest aber bereits nach fünf Monaten wieder, so erhältst Du keine Auszahlung. Kommt es aber aufgrund derselben Erkrankung wieder zu einer Berufsunfähigkeit, so rechnen viele Versicherungen die bereits abgelaufene Frist von fünf Monaten auf die Frist an, sodass Du nicht erneut sechs Monate warten musst, bis Dir Deine monatliche Auszahlung zusteht.

Beispiel:

Lena ist Maschinenschlosserin. Sie schließt schon im Alter von 21 Jahren eine Berufsunfähigkeitsversicherung für den Fall ab, dass sie ihren Beruf irgendwann nicht mehr ausüben kann. Der Vertrag sieht eine Karenz von einem Jahr vor. Mit 45 hat Lena tatsächlich einen Unfall, der dazu führt, dass sie nicht mehr als Maschinenschlosserin arbeiten kann, sodass sie nun von der Versicherung eine monatliche Rente erhält. Aufgrund der Karenz bekommt Lena das Geld aber nicht sofort, sondern erst ein Jahr nach dem Unfall. Dieses Jahr muss sie selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen können – etwa durch angespartes Geld, Krankengeld oder auch Sozialhilfe.

Nicht zu verwechseln ist die Karenzzeit übrigens mit den Karenztagen: Diese bezeichnen Tage, an denen ein Arbeitgeber kein Geld bekommt, wenn er krank ist. Wenn Joachim also von Montag bis Mittwoch krank ist, jedoch in einem Land arbeitet, in dem zwei Karenztage festgelegt sind, so erhält er für die ersten zwei Tage kein Gehalt, sondern erst wieder für den Mittwoch – also den dritten Tag.

Restschuldversicherung

Die zweite Form der Karenzzeit innerhalb von Versicherungen bezieht sich auf die Wartezeit, bis eine Leistung in Anspruch genommen werden kann. So gibt es zum Beispiel eine Restschuldversicherung, die im Falle einer eintreffenden Arbeitslosigkeit Deine Ratenzahlungen übernimmt. Diese Versicherung wird zum Beispiel bei Immobilienkrediten verwendet. Wirst Du arbeitslos, zahlt die Versicherung Deinen Kredit. Findest Du erneut einen Job, bist Du wieder für die Ratenzahlung zuständig. Kommt es dann erneut zu einer Arbeitslosigkeit, zahlt die Versicherung nicht umgehend. Erst wenn Du die Karenz überwunden hast, kannst Du die Leistungen der Versicherung erneut in Anspruch nehmen.

Beispiel:

Peter ist seit 10 Jahren als Architekt beschäftigt und hat sich nun mithilfe eines Kredits ein Haus für sich und seine kleine Familie gekauft. Um im Fall einer Kündigung den Kredit weiter abbezahlen zu können, schließt Peter eine Restschuldversicherung ab. Tatsächlich wird Peter fünf Jahre, nachdem er das Haus gekauft hat gekündigt. Während der Arbeitslosigkeit springt die Restschuldversicherung ein und übernimmt die Ratenzahlung, damit der Kredit weiter abbezahlt wird. Peter findet nach knapp einem Jahr eine neue Position – nun übernimmt er wieder selbst die Ratenzahlung. Die Leistung der Versicherung kann er vorerst nicht wieder in Anspruch nehmen, auch wenn er wieder arbeitslos wird. Erst nach der im Vertrag vereinbarten Karenz übernimmt die Restschuldversicherung wieder Peters Ratenzahlung.

Bankwesen

Im Bankwesen bezieht sich der Begriff Karenzzeit auf den Zweitraum zwischen der Auszahlung eines Kredits und der Beginn dessen Rückzahlung. Wenn Du im Januar 2019 einen Kredit mit einer Karenzzeit von 18 Monaten beantragt hast, dann musst Du im Juni 2020 beginnen, den Kredit abzubezahlen – die Wartezeit dazwischen wird Karenzzeit genannt.

Landwirtschaft

Im Bereich der Landwirtschaft beschreibt der Begriff Karenzzeit wiederum den Zeitraum zwischen der Anwendung eines Pflanzenschutzmittels und dem Zeitpunkt, an dem der Landwirt das besprühte Anbauprodukt ernten darf.

In landwirtschaftlichen Betrieben, die mit Nutztieren arbeiten bezeichnet die Karenzzeit dagegen den Zeitraum, der zwischen dem Verabreichen von Arzneimitteln und der Schlachtung des Tieres liegen muss.

Warum gibt es die Karenzzeit?

Die Karenzzeit bei der Berufsunfähigkeitsversicherung hat den Zweck, die Versicherungsunternehmen davor zu schützen, dass die Leistungen ausgenutzt werden. Denn durch die Karenz muss die Versicherung nicht unmittelbar nach Vertragsabschluss Leistungen erbringen, ohne zuvor Beiträge erhalten zu haben. Will jemand also einen Vertrag abschließen, da er in absehbarer Zeit arbeitsunfähig wird, so muss er dennoch mindestens über einen bestimmten Zeitraum Beiträge zahlen, bis die Versicherung greift.

Warum macht eine Karenzzeit bei der Berufsunfähigkeitsversicherung besonders Sinn?

Die Karenzzeit bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung hat durchaus ihre Daseinsberechtigung und kann sinnvoll sein. Besonders da Du nicht plötzlich ohne Mittel dastehst, sondern im Fall einer Berufsunfähigkeit oftmals Anspruch auf andere Auszahlungen hast.

Lohnfortzahlung

Wenn Du durch einen Unfall oder eine Krankheit arbeitsunfähig wirst, hast Du als Arbeitnehmer erstmal Anspruch auf eine Lohnfortzahlung. Diese Zahlung wird Dir über bis zu sechs Wochen ausgezahlt. Ihre Höhe richtet sich dabei nach dem Lohn, den Du in den letzten drei Monaten erhalten hast, wobei Sonderzahlungen wie Überstunden bei der Berechnung nicht berücksichtigt werden.

Um die Lohnfortzahlung aber in Anspruch nehmen zu können, musst Du mindestens vier Wochen ununterbrochen bei Deinem Arbeitgeber beschäftigt gewesen sein. Geregelt ist dies in § 3 des Entgeltfortzahlungsgesetzes.

Krankengeld

Ist die Frist, während der Dir Dein Arbeitgeber Lohnfortzahlung auszahlt, abgelaufen, erhältst Du von Deiner Krankenkasse Krankengeld. Ab diesem Zeitpunkt hast Du bis zu 78 Wochen – also rund 1,5 Jahre – Anspruch auf das Krankengeld, welches 70 Prozent Deines Bruttoverdienstes bis zur Beitragsbemessungsgrenze beträgt.

Sollte Deine Karenzzeit über die Auszahlung von Lohnfortzahlung und Krankengeld hinausreichen, so kannst Du – solltest Du über kein eigenes Vermögen verfügen – Sozialhilfe in Anspruch nehmen.

Selbstständige

Bist Du selbstständig oder als Freiberufler tätig, hast Du keinen gesetzlichen Anspruch auf Krankengeld. Bist Du gesetzlich versichert, kannst Du Dir diesen Anspruch als Selbstständiger aber sichern, indem Du nicht den ermäßigten Beitrag – also 14 Prozent plus Zusatzbeitrag – an Deine Krankenkasse zahlst, sondern den regulären Beitrag von 14,6 Prozent plus Zusatzbeitrag. Wählst Du diese Variante, so hast Du ab dem 43. Tag Anspruch auf Krankengeld. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, einen Wahltarif abzuschließen. Die Konditionen variieren hier, sodass Du je nach vertrag schon nach dem 15. Tag einer Krankheit abgesichert bist.

Zudem gibt es die Möglichkeit, dass Du Dich über eine separate Krankentagegeldversicherung absicherst. Hierbei gilt aber zu beachten, dass das Krankentagegeld die Auszahlung der Berufsunfähigkeitsversicherung beeinflusst, wenn beide zur selben Zeit ausgezahlt werden. Zudem ist eine solche Versicherung vielmehr für eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit gedacht, weshalb die Versicherung im Falle einer Berufsunfähigkeit nicht zwangsläufig zahlt.

Warum sollte ich eine Karenzzeit vereinbaren – und warum nicht?

Die Karenzzeit hat dabei auch für den Versicherten ihre Vor- und Nachteile. Du solltest diese genau abwägen, bevor Du Dich für einen Vertrag entscheidest.

Vorteile

Der große Vorteil der Karenzzeit für den Versicherten ist wohl, dass die Beiträge geringer ausfallen. Denn je länger die Karenzzeit, desto weniger Versicherungsbeiträge musst Du zahlen. Gerade wenn Du durch Krankengeld über einen längeren Zeitraum abgesichert bist oder über genügend Eigenkapital verfügst, kann eine Karenz also durchaus positiv für Dich sein.

Nachteile

Mit dem Vorteil der geringeren Beiträge geht aber das finanzielle Risiko einher: Kommt es zu einer Berufsunfähigkeit, so musst Du die Phase, bis die Karenz abgelaufen ist, finanziell überstehen. Achte deshalb vor Vertragsabschluss unbedingt darauf, ob es eine solche Wartezeit gibt und in welchem zeitlichen Rahmen diese fungiert. Mach Dir ein Bild von Deiner Situation: Hast Du Anspruch auf Krankengeld? Oder verfügst Du über eigene Mittel, um die Karenz zu überbrücken?

Wenn Du also einen Vertrag mit einer langen Karenzzeit wählst, solltest Du sicher sein, dass Du diese Zeit finanzieren kannst. Im Zweifel solltest Du eher einen höheren Beitrag für einen leistungsstarken Tarif zahlen, bevor zu zwischenzeitlich ohne finanzielle Mittel dastehst.

Wo finde ich eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung mit und ohne Karenzzeit?

Um die richtige Berufsunfähigkeitsversicherung – ob mit oder ohne Karenz – für Dich zu finden, lohnt es sich, dass Du die verschiedenen Anbieter miteinander vergleichst. Wenn Du zum Beispiel eine monatliche Berufsunfähigkeitsrente von 500 Euro erwartest, beginnen die Beiträge bei den Versicherungen schon ab 9,40 Euro pro Monat. Hast Du wiederum den Anspruch im Falle einer Berufsunfähigkeit eine monatliche Rente von 1.000 Euro zu erhalten, fangen die Mitgliedsbeiträge bei knapp unter 18 Euro an. Möchtest Du hingegen eine Absicherung von 2.500 Euro, so beginnen die Beiträge bei fast 43 Euro im Monat. Dabei variieren die Preise auch nach dem Alter, bis zu welchem Du Dich versichert wissen möchtest: Wenn Du Dich zum Beispiel bis zum 60. Lebensjahr über eine Berufsunfähigkeitsrente von 1.000 Euro versichern möchtest, beginnen die monatlichen Beiträge bei knapp 18 Euro. Entscheidest Du Dich hingegen für einen Versicherungsschutz bis zum 67. Lebensjahr, so starten die Angebote bei rund 32 Euro – und kosten damit nicht ganz das Doppelte.

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