So unbeliebt die Steuererklärung ist, so lohnend kann sie sein, denn oftmals können Arbeitnehmer mit einer hohen Rückzahlung rechnen. Für einige Arbeitnehmer ist die Steuererklärung Pflicht, während für andere keine Abgabepflicht besteht. Diese können die Steuererklärung jedoch freiwillig einreichen – und oftmals rentiert sich der Aufwand. Hier erfährst Du, was es mit der Steuererklärungspflicht auf sich hat, wer eine Steuererklärung abgeben muss und welche Vorteile es hat, auch als Arbeitnehmer ohne Steuererklärungspflicht eine Steuererklärung abzugeben.
Wer muss eine Steuererklärung machen?
Für Selbstständige ist die Steuererklärung Pflicht. Für Arbeitnehmer in einem Angestelltenverhältnis zieht der Arbeitgeber die Lohnsteuer hingegen jeden Monat vom Gehalt ab. Die Steuer landet dann direkt beim Finanzamt, ohne dass der Arbeitnehmer viel davon mitbekommt. In diesem Fall besteht keine Pflicht zur Steuererklärung, da der Fiskus davon ausgeht, dass ein ausreichender Steuerbetrag vom Gehalt abgezogen wurde.
Dennoch sind nicht alle Arbeitnehmer automatisch von der Steuererklärung befreit. Verschiedene Faktoren entscheiden darüber, ob die Einkommensteuererklärung Pflicht ist oder nicht. Genauer ist dies in § 46 des Einkommensteuergesetzes geregelt. Wenn einer der folgenden Punkte auf Dich zutrifft, hast Du als Arbeitnehmer die Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung:
- Du hast mehrere Arbeitslöhne parallel bezogen.
- Du hast Freibeträge beim Lohnsteuerabzug in Anspruch genommen.
- Du hast einen Verlustvortrag aus dem Vorjahr.
- Du und Dein Ehepartner haben Arbeitslohn bezogen und einer von Euch die Steuerklasse V oder VI.
- Dein im EU-Ausland lebender Ehepartner wird auf Deiner Lohnsteuerkarte berücksichtigt.
- Dein Wohnsitz liegt außerhalb Deutschlands, Du hast aber unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland beantragt.
- Du bist geschieden oder Dein Ehepartner ist verstorben und Du oder Dein Ex-Partner habt im selben Jahr wieder geheiratet.
- Neben Deinem Gehalt hast Du weitere Einkünfte, etwa durch Lohnersatzleistungen wie Kinder-, Kranken- oder Arbeitslosengeld, von mehr als 410 € erhalten.
- Du hast eine andere Form von steuerlichen Nebeneinkünften, die den Betrag von 410 € übersteigen.
- Du hast spezielle Sonderzahlungen erhalten.
- Du und Dein Ehepartner wählen nicht die Zusammenveranlagung und wollen den Ausbildungsfreibetrag oder den Behindertenpauschbetrag nicht hälftig aufteilen.
Dennoch ist die Lohnsteuererklärung nicht für jeden Arbeitgeber Pflicht: Die Steuererklärungspflicht besteht nicht, wenn
- Du ein Einkommen unter dem Grundbetrag hast. Aktuell liegt dieser bei 12.348 € im Jahr. Für verheiratete Paare und eingetragene Lebenspartner gilt zusammen der doppelte Betrag von 24.696 €.
- Du unter die Steuerklasse I fällst und Einkünfte aus nur einer Anstellung als Arbeitnehmer bezogen hast.
- Du und Dein Ehepartner bzw. Dein eingetragener Lebenspartner unter die Steuerklasse IV fallen und Einkünfte nur aus einer Anstellung bezogen haben.
Warum jeder eine Steuererklärung abgeben sollte
Viele Menschen verbinden die alljährliche Steuererklärung damit, sich stundenlang mit bürokratischen Einzelheiten beschäftigen zu müssen, und vermeiden es daher oftmals, eine freiwillige Steuererklärung abzugeben. In der Regel lohnt es sich, die Steuererklärung freiwillig einzureichen, da ein großer Teil der Arbeitnehmer mit einer Steuerrückzahlung rechnen kann. Oftmals profitieren gerade die Arbeitnehmer von einer Steuererklärung, die nicht von der Steuererklärungspflicht betroffen sind.
Es gibt viele Gründe, die für die Abgabe einer Steuererklärung sprechen:
- Höhere Werbungskosten: Die Werbungskostenpauschale beträgt momentan 1.230 € und wird automatisch vom Finanzamt berücksichtigt. Wenn Deine Werbungskosten aber höher liegen als der Pauschalbetrag, lohnt es sich, die Steuererklärung abzugeben und die angefallenen Kosten so geltend zu machen. Unter Werbungskosten fallen alle Kosten, die aufgrund Deiner Arbeit anfallen. Unter anderem Fahrtkosten, Kosten für Arbeitskleidung oder Wohnungskosten bei einer doppelten Haushaltsführung. Neben den beruflich anfallenden Kosten zählen auch Ausgaben zu Werbungskosten, die bei der Jobsuche entstehen: etwa Kosten für Weiter- oder Fortbildungen oder solche für Bewerbungsfotos.
- Höhere Sonderausgaben: Hier liegt der Pauschalbetrag bei 36 €. Wenn Deine Ausgaben höher ausfallen, solltest Du eine freiwillige Steuererklärung abgeben. Zu Sonderausgaben zählen zum Beispiel Ausbildungskosten, Schuldgeld oder Unterhaltskosten bei einer Scheidung. Auch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sind absetzbar, ebenso wie Spenden, Altersvorsorgemaßnahmen oder gewisse Beiträge für Mitgliedschaften in gemeinnützigen Vereinen.
- Außergewöhnliche Belastung: Gewisse Kosten, die als außergewöhnliche Belastung unzumutbarer Härte gelten, kannst Du von Deiner Einkommensteuer absetzen. Hierzu zählen unter anderem Krankheitskosten, Scheidungskosten oder Kosten, die aufgrund einer Beerdigung eines nahen Angehörigen entstanden sind. Ebenso zählen Pflegeheimkosten für die Eltern und bestimmte notwendige medizinische Behandlungen zu den außergewöhnlichen Belastungen. Eventuell kann auch durch Hochwasser entstandener Schaden von der Steuer abgesetzt werden.
- Haushaltsnahe Dienstleistungen: Haushaltsnahe Dienstleistungen können steuerlich geltend gemacht werden, unter haushaltsnahen Dienstleistungen versteht man Dienstleistungen, die in einem privaten Haushalt entstehen und die in der Regel ein Familienmitglied übernimmt. Unter anderem Betreuungsarbeit, Reinigungsarbeiten oder Gartenarbeit fallen unter haushaltsnahe Dienstleistungen.
- Handwerkskosten: Wie haushaltsnahe Dienstleistungen sind auch gewisse Handwerkskosten, die im eigenen Haushalt anfallen, steuerlich absetzbar. Hierzu zählen unter anderem Arbeitskosten bei Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen.
- Unterschiedliche Gehälter: Dein Gehalt hat sich innerhalb eines Kalenderjahres verändert oder Du hast eine Zeit lang keinen Job gehabt, dann kann sich eine Steuererklärung positiv auswirken.
- Alleinerziehend: Alleinerziehende Eltern können in Steuerklasse II durch Steuervorteile entlastet werden.
- Vier Jahre Zeit: Du kannst Deine Steuererklärung rückwirkend bis zu vier Jahre später abgeben.
- Alles nur halb so schlimm: Zudem sind Steuererklärungen nicht so unangenehm, wie man sie im Kopf hat. Heute gibt es Steuererklärungssoftware wie WISO Steuer, die das Ausfüllen der Steuererklärung stark vereinfacht und Dich mit wenig Aufwand ans Ziel bringt.
Du kannst auch einen Steuerberater bezahlen, der sich Deiner Steuererklärung annimmt, wenn der Lohnsteuerjahresausgleich Pflicht für Dich ist oder Du die Steuererklärung ohne Pflicht abgeben möchtest. Ebenso kannst Du einen Lohnsteuerhilfeverein aufsuchen, der Dir bei gewissen Problemen Deiner Steuererklärung zur Seite stehen kann.
Beispiel: Für Lars ist als Arbeitnehmer die Steuererklärung nicht Pflicht. Dennoch entscheidet er sich dafür, seine Ausgaben in einer Steuererklärung aufzuführen, da seine Werbungskosten den Pauschalbetrag von 1.230 € deutlich überschreiten. Neben seiner Bahncard musste er Ausgaben für Arbeitskleidung und Reisekosten tragen. Zudem hat er aufgrund seiner Arbeitszeiten eine Betreuung für seinen Hund sowie eine Putzkraft angestellt. Diese Kosten kann er als haushaltsnahe Dienstleistungen geltend machen. Das alles verursacht Kosten von 4.500 €. Da Lars’ Ausgaben die Pauschale übertreffen, lohnt es sich, dass er eine Steuererklärung abgibt, obwohl die Einkommensteuererklärung nicht Pflicht für ihn ist.
Wie Du mit der Steuererklärung in 15 Minuten fertig bist
Egal ob die Steuererklärung Pflicht für Dich ist oder nicht: Um Dir die Arbeit mit Deiner Steuererklärung zu erleichtern, gibt es Steuererklärungssoftware wie WISO Steuer. Mithilfe einer solchen Software kannst Du innerhalb von nur 15 Minuten im Durchschnitt 935 € an Steuerersparnissen erreichen. Die Software erkennt, welche Daten erforderlich sind und bezieht die für Dich vorteilhaften Pauschalen automatisch mit ein. Sie funktioniert online und ohne Vorkenntnisse.
Die Steuererklärungssoftware hilft Dir, Deine Steuererklärung schnell und effizient zu bearbeiten, und ist dabei deutlich günstiger als ein Steuerberater.
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Features
- Komplett online
- Live-Steuerrechner
- Werbekostenpauschalen hinterlegt
- Steuererklärung bzw. Verlustvortrag auch komplett ohne Einkommen möglich
- Automatische Anrechnung aller Pauschalen
Konditionen
- Steuererklärung erstellen: 0 €*
- Online einreichen: 35,99 €
* Hinweis: Du kannst zunächst alle Deine Daten in die Steuererklärung eintragen und siehst anhand des Erstattungsrechners, ob sich die Abgabe einer Steuererklärung für Dich lohnt. Wenn Du Zugriff auf Deine fertige Erklärung haben und diese ans Finanzamt senden willst, fällt eine Gebühr von 35,99 € an.
Bis wann musst Du die Steuererklärung abgeben?
Bist Du zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet, musst Du diese bis zum 31. Juli des Folgejahres beim Finanzamt eingereicht haben. Schaffst Du es nicht, die Steuererklärung fristgerecht einzureichen, kannst Du bei Deinem Finanzamt um eine Fristverlängerung bitten. Diese wird mit einer guten Begründung oftmals gewährt. Je nach Antrag und Grund kann sich die Frist so um einige Monate verschieben. Beachte hierbei jedoch, dass Du die Fristverlängerung rechtzeitig und begründet schriftlich einreichst. Zwar kannst Du die Verlängerung Deiner Frist auch telefonisch beantragen, in gewissen Fällen ist es jedoch von Vorteil, eine schriftliche Bestätigung der Fristverlängerung zu haben.
Ist die Steuererklärung Pflicht und hast Du einen Steuerberater beauftragt oder Dich bei einem Lohnsteuerhilfeverein beraten lassen, gewährt das Finanzamt auch ohne Antrag eine Fristverlängerung bis zum 28. Februar des Zweitfolgejahres. Für das Steuerjahr 2025 endet diese Frist also am 28.02.2027. Auf Antrag lässt sich auch diese Abgabefrist nach hinten verschieben.
Besteht keine Steuererklärungspflicht, kannst Du Deine freiwillige Steuererklärung sogar bis zu vier Jahre nach Ende des Steuerjahrs bei Deinem Finanzamt einreichen. Wenn Du also Deine Steuererklärung für das Jahr 2023 freiwillig einreichen willst, hast Du bis zum 31. Dezember 2027 dafür Zeit.
Beispiel: Jonas ist selbstständig; für ihn ist die Steuererklärung Pflicht. Er muss seine Steuererklärung bis zum 31. Juli eingereicht haben. Seit Mitte Februar hat er jedoch viele neue Aufträge bekommen und seine Frau Anette hat noch dazu Anfang Juli ihr gemeinsames Kind auf die Welt gebracht, weshalb Jonas es nicht schafft, die Steuererklärung fristgerecht einzureichen. Jonas schreibt seinem zuständigen Finanzamt und bittet um eine Fristverlängerung aufgrund seiner Umstände. Das Finanzamt wird mit dieser Begründung mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Fristverlängerung zulassen.
Was passiert, wenn Du die Abgabefrist versäumt hast?
Falls Du die Frist für die Abgabe der Steuererklärung versäumt hast, kann das Finanzamt einen Verspätungszuschlag einfordern. Rechtsgrundlage ist § 152 der Abgabenordnung (AO). Unter entschuldbaren Umständen kann das Finanzamt ganz auf den Verspätungszuschlag verzichten.
Der Verspätungszuschlag beträgt für jeden angefangenen Monat der Verspätung 0,25 % der festgesetzten Steuer, vermindert um Vorauszahlungen und anzurechnende Abzugsbeträge wie die einbehaltene Lohnsteuer. Als Mindestsatz werden 25 € pro angefangenem verspätetem Monat festgesetzt, unabhängig davon, ob eine Nachzahlung oder eine Erstattung erwartet wird. Der pro Monat berechnete Betrag wird auf volle Euro abgerundet. Insgesamt gilt eine Höchstgrenze von 25.000 €. Der Verspätungszuschlag betrifft nur Personen mit Abgabepflicht; bei freiwilliger Abgabe fällt er nicht an.
Bei einer Verspätung von bis zu 14 Monaten nach Ablauf des Steuerjahrs liegt die Festsetzung im Ermessen des Finanzamts, bei einer Erstattung wird der Zuschlag in diesem Zeitraum häufig erlassen. Ab mehr als 14 Monaten nach Ablauf des Steuerjahrs ist die Festsetzung zwingend. Der Mindestsatz von 25 € gilt in beiden Fällen.
Beispiel: Für Bianca ist die Einkommensteuererklärung Pflicht. Diese gibt sie jedes Jahr ab, hat dieses Jahr aber unbemerkt die Frist verpasst. Vom Finanzamt bekommt sie ein Schreiben, das besagt, dass sie ihrer Steuererklärungspflicht nicht nachgekommen ist und nun einen Verspätungszuschlag von 250 € zahlen muss. Bianca kontaktiert das Finanzamt und bittet darum, auf den Verspätungszuschlag zu verzichten, da sie sich um ein enges Familienmitglied aufgrund schwerer Krankheit kümmern muss. Sie verspricht, ihrer Steuererklärungspflicht so schnell wie möglich nachzukommen. Je nach Ermessen wird das Finanzamt auf den Zuschlag verzichten.
Wie Du die Steuererklärung abgibst
Du kannst Deine Steuererklärung sowohl in Papierform als auch elektronisch einreichen. Entscheidest Du Dich für die Variante in Papierform, gibt es dafür einen amtlichen Vordruck, den Du als Original oder als Kopie ausfüllen und unterschreiben musst.
Möchtest Du die Steuererklärung lieber online ausfüllen, kannst Du dies über das Steuerprogramm der Finanzverwaltung „Elster” machen. Hier sind alle nötigen Formulare online gespeichert und eine Abgabe ohne Ausdruck möglich. Neben Elster kannst Du auch andere Steuersoftware für Deine Steuererklärung verwenden.
Ist die Steuererklärung verpflichtend für Rentner?
Auch Rentner stehen unter bestimmten Voraussetzungen in einer Steuererklärungspflicht. Für Rentner, die selbst kein Arbeitsentgelt beziehen, ist eine Steuererklärung Pflicht, wenn
- ihre Einkünfte über dem Grundfreibetrag von 12.348 € liegen. Bei einer Ehegemeinschaft gilt der doppelte Betrag von 24.696 €. Werbungskosten oder andere nachweisbare Kosten können diesen Betrag erhöhen,
- sie vom Finanzamt dazu aufgefordert werden,
- sie einen Verlustvortrag geltend gemacht haben,
- der Ehepartner noch Arbeitnehmer ist und unter die oben genannten Voraussetzungen fällt.
Arbeitest Du neben der Rente, kommst Du um die Steuererklärung meist nicht herum. Was die neue Aktivrente dabei ändert, haben wir eigens erklärt.
Kann die Steuererklärung Pflicht sein, wenn ich keinen Job habe?
Wenn Du keinen Job hast, kann die Einkommensteuererklärung trotzdem Pflicht sein. Nämlich dann, wenn Deine jährlichen Einkünfte aus Lohnersatzleistungen höher als 410 € sind UND Du erst im selben Jahr arbeitslos geworden bist. Zu Lohnersatzleistungen zählen zum Beispiel Arbeitslosengeld 1, Elterngeld, Krankengeld oder Insolvenzgeld. Du musst jedoch keine Sorge haben, dass von Deinem Arbeitslosengeld 1 Steuern abgezogen werden. Allerdings stehen die Lohnersatzleistungen unter Progressionsvorbehalt und können Deinen Steuersatz beeinflussen.
Auch wenn die Steuererklärungspflicht für Dich nicht zählt, kann es sich durchaus lohnen, diese einzureichen, wenn Du keinen Job hast. Du kannst zum Beispiel Werbungskosten geltend machen. Zu diesen Werbungskosten zählen Ausgaben, die Du aufgrund Deiner Jobsuche hattest, wie:
- Ausgaben für die Fahrten zu Bewerbungsgesprächen
- Ausgaben für Bewerbungsunterlagen wie Mappen oder Bewerbungsbilder
- Ausgaben für gewisse Bewerbungstrainings oder Fortbildungen
Wenn Du erst im Laufe des Jahres arbeitslos geworden bist, hast Du dennoch in den vorigen Monaten die Lohnsteuer gezahlt, als seist Du das ganze Jahr über beschäftigt gewesen. In diesem Fall lohnt sich eine Steuererklärung ebenfalls.
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