Was ist ein Aktuar?
Aktuare sind Experten, die Risiken für Versicherungen, in der Altersversorgung oder in der Kapitalanlage bewerten und berechnen. Dafür nutzen sie mathematisch-statistische Methoden. So kennen Aktuare Versicherungen und wissen, zu welchen Kosten sie Risiken wie Diebstähle, Unwetter oder Krankheitsfälle absichern. Die Arbeit von Aktuaren hat einen großen Einfluss auf die Versicherungsnehmer, weshalb mit der Tätigkeit eine hohe Verantwortung verbunden ist.
Was macht ein Aktuar?
Mit Deinen Kollegen im Aktuariat erstellst Du mathematische Modelle, in denen Du anhand einer Vielzahl an Daten aus der Vergangenheit berechnest, wie wahrscheinlich ein bestimmtes Ereignis eintritt, zum Beispiel ein Erdbeben in einer bestimmten Region oder ein Autounfall in einer Stadt. Außerdem berechnest Du, wie wahrscheinlich es ist, dass diese Ereignisse nicht passieren oder in anderer Form verlaufen. Darauf aufbauend erstellst Du eine Beitragskalkulation, die besagt, wie viel Versicherungsnehmer zahlen müssen, um gegen das Ereignis versichert zu sein.
Daneben kannst Du auch in der Produktentwicklung arbeiten und Konzepte für neue Versicherungen erarbeiten. Dann musst Du wissen, in welche Richtung sich der Markt entwickelt und welche Versicherungsprodukte für die Kunden interessant sein könnten. Da es immer mehr Daten gibt, gehört es mittlerweile auch zur Aufgabe, diese Daten (über die Umwelt, Finanzmärkte oder die Menschen selbst) zu organisieren und auszuwerten.
Wie wird man Aktuar?
Wenn Du Aktuar werden willst, ist es der gängigste Weg, Mathematik an einer Universität zu studieren. Doch auch andere Fächer eignen sich, zum Beispiel Physik, Statistik oder Finanz- und Wirtschaftsmathematik. Wichtig ist, dass Du im Studium Stochastik-Kenntnisse erworben hast. In der Regel reicht ein Bachelor nicht aus, Du solltest also auch einen Master machen. Eine Promotion eröffnet Dir schnellere Aufstiegsmöglichkeiten und hohe Positionen, ist aber nicht nötig.
Die Berufsbezeichnung Aktuar ist nicht geschützt, allerdings kannst Du über die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) den Titel „Aktuar DAV” machen. Dafür musst Du bei der DAV nach dem Studium eine berufsbegleitende Ausbildung machen und Prüfungen im Grund- und Spezialwissen ablegen. Viele Arbeitgeber legen großen Wert auf diese Zusatzqualifikation der DAV und nennen sie als Einstellungsvoraussetzung, insbesondere für leitende Aufgaben.
Die Ausbildung zum Titel „Aktuar DAV” erfolgt berufsbegleitend über die Deutsche Aktuar-Akademie (DAA) und dauert rund zweieinhalb Jahre. Während der Ausbildung legst Du insgesamt acht Prüfungen ab: sechs im Grundwissen (unter anderem Versicherungs- und Finanzmathematik sowie Risikomanagement) und zwei im Spezialwissen. Die Ausbildung ist zweistufig aufgebaut: Zunächst erwirbst Du das grundlegende Fachwissen, danach folgt die Spezialisierung auf eine Fachrichtung. Für die Verleihung des Titels „Aktuar DAV” ist zusätzlich zum Bestehen aller Prüfungen der Nachweis mehrjähriger einschlägiger Berufserfahrung erforderlich. Viele Arbeitgeber übernehmen die Kosten der Ausbildung. In Deutschland gibt es nur eine Aktuars-Qualifikation; die einzelnen Praxisfelder wie Leben, Kranken, Pension, Schaden oder Actuarial Data Science sind Spezialisierungen innerhalb dieser Qualifikation.
Voraussetzung für die Zulassung zur DAV-Ausbildung ist ein abgeschlossenes Mathematikstudium an einer Hochschule in Deutschland oder ein gleichwertiger Abschluss. Ausländische Abschlüsse werden von der Zulassungskommission individuell auf Vergleichbarkeit geprüft. Alternativ kannst Du nachweisen, dass Du im Studium mindestens 90 Leistungspunkte (ECTS) in mathematischen Prüfungsleistungen erworben hast. Sind diese mathematischen Voraussetzungen nicht erfüllt, musst Du eine mathematische Zulassungsprüfung der DAV absolvieren. Zusätzlich musst Du Grundkenntnisse in Stochastik nachweisen, entweder durch eine Bescheinigung der Hochschule oder durch eine Zulassungsprüfung in Stochastik vor der DAV. Als gleichwertige Abschlüsse anerkannt werden unter anderem ein Diplom in Physik, ein Diplom in Statistik oder das Erste Staatsexamen für Sekundarstufe II in Mathematik. Seit dem 1. Januar 2021 ist die Zulassung auch mit Abschlüssen differenzierterer Studiengänge (Mathematik, Statistik, Informatik oder mathematisierte Wirtschaftswissenschaften) möglich, sofern Du ausreichende Grundkenntnisse in Mathematik und Stochastik nachweist.
Fernstudiengangsempfehlungen
Betriebswirtschaftslehre, Spezialisierung Controlling (B.Sc.)
Standorte:
- online
Betriebswirtschaftslehre, Spezialisierung Accounting (B.Sc.)
Standorte:
- online
Wo arbeitet ein Aktuar?
Nach der Aktuar-Ausbildung arbeitest Du in der Regel bei Versicherungen, Einrichtungen der Altersvorsorge, Banken oder Behörden. Immer wichtiger werden Versicherungsmathematiker jedoch auch in der Kapitalanlage und im Risikomanagement, Du kannst also auch bei Investmentgesellschaften arbeiten. Auch bei Unternehmensberatungen kannst Du als Aktuar arbeiten.
Wie sieht der Arbeitsalltag aus?
Wenn Du Aktuar werden möchtest, unterscheidet sich Dein Arbeitsalltag davon, ob Du in der Produktentwicklung tätig bist oder versicherungstechnische Risiken berechnest. In der Regel wirst Du folgende Punkte in der täglichen Arbeit erleben:
Wie sieht der Arbeitsplatz aus?
In der Regel hast Du als Aktuar einen Schreibtischjob, denn die komplexen Berechnungen und Simulationen führst Du am Computer durch. Allerdings ist es auch möglich, Kundenkontakt zu haben, zum Beispiel, wenn Du in einer Unternehmensberatung arbeitest. Dann bist Du viel unterwegs und arbeitest direkt beim Kunden.
Was verdient ein Aktuar?
Aktuare verdienen im Schnitt rund 6.130 € brutto im Monat (etwa 73.560 € im Jahr). Als Berufseinsteiger kannst Du je nach Quelle mit rund 5.100 bis 5.844 € brutto im Monat rechnen. Dabei hängt Dein Gehalt auch davon ab, ob Du im öffentlichen Dienst bei Ministerien arbeitest oder eine Führungsposition bei einer großen Versicherung hast.
Wo finde ich einen Job als Aktuar?
Wie sind die Berufsaussichten für Aktuare?
Die Berufsaussichten könnten fast nicht besser sein. Aktuare werden gesucht und sind begehrte Fachkräfte. Laut Versicherungsaufsichtsgesetz muss nämlich jedes Lebens- oder Krankenversicherungsunternehmen einen Verantwortlichen Aktuar benennen, der wiederum eine Vielzahl an Mitarbeitern hat. Durch die Digitalisierung und die damit einhergehenden Datenmengen und große Fragen rund um die Altersversorgung in einer alternden Gesellschaft hast Du in Zukunft noch bessere Jobchancen. Übrigens steigt die Frauenquote kontinuierlich an: In der DAV sind rund 35 % der Mitglieder weiblich.
Konkret regelt § 141 des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG), dass jedes Lebensversicherungsunternehmen einen Verantwortlichen Aktuar bestellen muss. Dieser muss zuverlässig und fachlich geeignet sein, das heißt über ausreichende Kenntnisse in der Versicherungsmathematik und über Berufserfahrung verfügen. Eine ausreichende Berufserfahrung wird in der Regel angenommen, wenn eine mindestens dreijährige Tätigkeit als Versicherungsmathematiker nachgewiesen wird. Vor der Bestellung muss der in Aussicht genommene Verantwortliche Aktuar der Aufsichtsbehörde benannt werden. Liegen Tatsachen vor, aus denen sich ergibt, dass er nicht zuverlässig oder nicht fachlich geeignet ist, kann die Aufsichtsbehörde verlangen, dass eine andere Person benannt wird.
Welche Spezialisierungen gibt es?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich zu spezialisieren. Du kannst Dich bereits im Master auf eine bestimmte Richtung fokussieren, zum Beispiel auf Risikomanagement, oder Du machst während des Studiums Praktika bei einer Bausparkasse. Auch bei der DAV-Ausbildung hast Du die Möglichkeit, Dich auf zwei dieser Bereiche zu spezialisieren:
- Lebensversicherung
- Krankenversicherung
- Pensionen
- Schadenversicherung
- Investment und Finanzmathematik
- Bausparen
- Enterprise Risk Management
Die beiden Spezialwissen-Prüfungen sind an eine nachgewiesene Berufspraxis geknüpft: Voraussetzung ist der Nachweis einer mindestens dreijährigen Tätigkeit in einem Aktuariat oder in einer vergleichbaren Stelle. Die gewählte Spezialisierung muss zu dieser nachgewiesenen Praxis passen, und die Anmeldung setzt die Teilnahme an den jeweiligen Pflichtseminaren voraus.
Passt der Beruf Aktuar zu mir?
Nach der Aktuar-Ausbildung erwarten Dich sehr gute Jobaussichten und ziemlich hohe Gehälter. Wenn Du Dir die Arbeit vorstellen kannst, solltest Du folgende Eigenschaften mitbringen:
* Individuelle Ergebnisse können je Portal und je nach Deinem Profil variieren. Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn Du auf einen Affiliate-Link klickst, bekommt myStipendium.de von dem betreffenden Anbieter eine Provision. Für Dich verändert sich der Preis bzw. das Angebot nicht. Dein Klick hilft bei der Finanzierung unserer kostenfreien Seite.