Was ist ein Groß- und Außenhandelskaufmann?
Der Kaufmann im Groß- und Außenhandel beziehungsweise die Kauffrau im Groß- und Außenhandel ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, der sämtliche in der Sparte Handel anfallenden kaufmännischen Tätigkeiten umschließt. Offiziell heißt der Beruf seit der Neuordnung der Ausbildung Kaufmann für Groß- und Außenhandelsmanagement, umgangssprachlich wird aber weiterhin die frühere Bezeichnung genutzt.
Der Beruf des Groß- und Außenhandelskaufmanns zählt zu den wichtigsten und beliebtesten Ausbildungsberufen in Deutschland. Im Jahr 2025 wurden 9.294 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Der Trend ist dabei rückläufig: Gegenüber dem Vorjahr 2024 ging die Zahl der neuen Ausbildungsverträge in diesem Beruf um 6,5 % zurück. Dieser Rückgang spiegelt eine Entwicklung wider, die sich auch über alle Ausbildungsberufe in Deutschland hinweg zeigt.
Was macht ein Groß- und Außenhandelskaufmann?
Als Kaufmann im Groß- und Außenhandel kaufst Du verschiedene Güter aller Art bei ihren Herstellern oder Lieferanten an und verkaufst sie an Handwerk, Industrie oder Handel weiter. Zudem gehören zu Deinen Aufgaben die kostengünstige Lagerhaltung und der reibungslose Warenfluss. Du überwachst also die Logistikkette, prüfst den Wareneingang und die Bestände im Lager, kümmerst Dich um die Nachbestellung und planst die Auslieferung von Ware.
Wie wird man Kaufmann im Groß- und Außenhandel?
Interessierst Du Dich für eine Karriere als Kaufmann oder Kauffrau im Groß- und Außenhandel, musst Du zunächst eine Groß- und Außenhandelskaufmann-Ausbildung absolvieren. Die Kaufmann im Groß- und Außenhandel-Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, kann aber in bestimmten Fällen auch verkürzt werden. Eine Verkürzung auf 2 bis 2,5 Jahre ist möglich, zum Beispiel mit (Fach-)Abitur oder bei sehr guten Leistungen. Mit Hochschulreife oder Fachhochschulreife kann die Ausbildung um bis zu 12 Monate verkürzt werden, mit Mittlerer Reife um bis zu 6 Monate. Die Verkürzung musst Du gemeinsam mit Deinem Ausbildungsbetrieb bei der zuständigen Kammer, in der Regel der Industrie- und Handelskammer (IHK), beantragen.
Ganz grundsätzlich wird bei der Ausbildung im Groß- und Außenhandel zwischen den beiden Fachrichtungen „Großhandel” und „Außenhandel” unterschieden, wodurch sich eine unterschiedliche Gewichtung der Ausbildungsinhalte ergibt. Dein Weg zum fertig ausgebildeten Kaufmann im Groß- und Außenhandel kann zum Beispiel wie folgt aussehen:
Die Inhalte des ersten und zweiten Ausbildungsjahres sind für beide Fachrichtungen identisch. Erst im dritten Ausbildungsjahr erfolgt die Spezialisierung auf Großhandel oder Außenhandel. Die Entscheidung für eine Fachrichtung musst Du also erst zum dritten Jahr treffen. Zu den gemeinsamen Ausbildungsinhalten der ersten beiden Jahre gehören unter anderem Wareneinkauf, Verkauf, Kundenberatung, Kalkulation und Logistik. Fachliche Unterschiede werden ab dem dritten Jahr relevant: Der Großhandel legt den Schwerpunkt auf den Handel innerhalb Deutschlands und des europäischen Binnenmarkts, der Außenhandel auf internationale Geschäftsbeziehungen, Fremdsprachen und Zollbestimmungen.
Schulabschluss
Interessierst Du Dich für eine Ausbildung im Groß- und Außenhandel, solltest Du am besten einen Realschulabschluss oder das Abitur vorweisen können. Doch auch mit einem Hauptschulabschluss kannst Du Dich auf einen Ausbildungsplatz als Kaufmann im Groß- und Außenhandel bewerben. Da es sich um einen ganz klassischen dualen Ausbildungsberuf handelt, lernst Du die typischen Groß- und Außenhandelskaufmann-Aufgaben einerseits in Deinem Ausbildungsbetrieb kennen, während Du ein- bis zweimal wöchentlich oder blockweise die Berufsschule besuchst, wo Dir ergänzendes theoretisches Wissen zu Deinem zukünftigen Beruf vermittelt wird.
Betriebliche Ausbildung im Groß- und Außenhandel
Während Deiner betrieblichen Ausbildung lernst Du nicht nur die unterschiedlichen Groß- und Außenhandelskaufmann-Aufgaben kennen, sondern auch, die typischen dazugehörigen Tätigkeiten auszuführen. Die Wahl der Fachrichtung wird in der Regel durch den von Dir gewählten Ausbildungsbetrieb und dessen geschäftlichen Schwerpunkt bestimmt. Dieser ist entweder vermehrt im Inlands- oder aber überwiegend im Auslandsgeschäft zu suchen. Die betriebliche sowie die schulische Ausbildung vermitteln eine Reihe gemeinsamer Fertigkeiten und Kenntnisse, darunter unter anderem die Organisation des Ausbildungsunternehmens, die Personalwirtschaft, die Warenwirtschaft, die Absatzwirtschaft und das Rechnungswesen. Bei der Fachrichtung Großhandel stehen vermehrt die speziellen Inhalte der Waren- und Lagerwirtschaft im Mittelpunkt, während bei der Fachrichtung Außenhandel die Themenkomplexe Auslandsmärkte und die Abwicklung von Außenhandelsgeschäften sowie die Anwendung von Fremdsprachen den überwiegenden Schwerpunkt bilden.
Folgende Tätigkeiten, die Du erlernen wirst, gehören zum Beispiel zum Bereich Einkauf:
- handelsspezifische Logistik planen
- Planung, Koordination und Organisation von Einkäufen
- Angebote einholen und vergleichen
- Bestellungen schreiben und Liefertermine überwachen
- Durchführung von Wert- sowie Kosten-Nutzen-Analysen
Im Bereich Absatz erwarten Dich die folgenden Groß- und Außenhandelskaufmann-Aufgaben:
- Angebote ausarbeiten
- Kundenaufträge bearbeiten
- Versand der Ware
- Ausfertigung von Frachtpapieren
- Steuerung der Logistikprozesse
- Kundenakquise
- Durchführung von Verkaufsverhandlungen
- Pflege der Beziehung zu Kunden und Geschäftspartnern
- Abschluss von Miet- und Serviceverträgen
Daneben fallen auch die folgenden Aufgaben in Deinen Tätigkeitsbereich:
- Durchführung der Finanzbuchhaltung
- Durchführung der Kostenrechnung
- Durchführung von Markt- und Konkurrenzanalysen und Auswertung der Marktforschungsergebnisse
- Führung von Personalakten sowie Lohn- und Gehaltskonten
- Planung und Organisation von Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen
- Allgemeine Verwaltungs- und Bürotätigkeiten
- Schriftverkehr mit Lieferanten und Kunden abwickeln
- Postverteilung erledigen
Schulische Ausbildung im Groß- und Außenhandel
Du besuchst während Deiner Ausbildung die Berufsschule. Das kann entweder ein- bis zweimal pro Woche sein oder aber blockweise, indem Du alle drei bis vier Wochen für eine Woche am Stück die Schulbank drückst. In der Berufsschule lernst Du in erster Linie Dinge wie:
- Sicherheit am Arbeitsplatz
- Rechnungswesen
- Betriebswirtschaftslehre
- Fachenglisch
- Mathematik
- Deutsch
- Sozialkunde
Abschluss der Ausbildung im Groß- und Außenhandel
Die Ausbildung wird mit einer Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer abgeschlossen. Die Prüfung ist als gestreckte Abschlussprüfung aufgebaut und besteht aus zwei zeitlich getrennten Teilen. Teil 1 wird im vierten Ausbildungshalbjahr abgelegt, also gegen Ende des zweiten Ausbildungsjahres, und ersetzt die frühere Zwischenprüfung. Teil 2 folgt am Ende der Ausbildung und umfasst mehrere Prüfungsbereiche, darunter die kaufmännische Steuerung von Geschäftsprozessen, die prozessorientierte Organisation von Großhandels- oder Außenhandelsgeschäften, Wirtschafts- und Sozialkunde sowie ein fallbezogenes Fachgespräch.
Wo arbeitet ein Kaufmann im Groß- und Außenhandel?
Nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel findest Du Beschäftigung in Unternehmen nahezu aller Wirtschaftsbereiche, darunter zum Beispiel:
- Handel
- Chemie, Pharmazie, Kunststoff
- Elektro
- Fahrzeugbau und -instandhaltung
- Glas, Keramik, Rohstoffverarbeitung
- Holz und Möbel
- IT, DV, Computer
- Metall, Maschinenbau, Feinmechanik, Optik
- Nahrungs-, Genussmittelherstellung
- Textil, Bekleidung, Leder
- Versorgung und Entsorgung
- Transport und Verkehr
Wie sieht der Arbeitsalltag aus?
Dein Arbeitsalltag ist sehr vielfältig und Du kannst sicherlich jeden Tag neue aufregende Dinge erleben. Er kann zum Beispiel wie folgt aussehen:
Wie sieht der Arbeitsplatz aus?
Klassischerweise umfasst Dein Arbeitsplatz ein Büro mitsamt PC und Telefon, von wo aus Du anfallende Organisations- und Büroaufgaben erledigen kannst. Daneben gehört auch das Lager zu Deinem Arbeitsgebiet, denn dort musst Du beispielsweise den Warenbestand überprüfen. Zudem bist Du häufig außerhalb unterwegs. Das heißt, Du triffst Deine Kunden außerhalb Deines Büros, zum Beispiel bei ihnen in der Firma, in einer fremden Stadt oder sogar im Ausland.
Was verdient ein Groß- und Außenhandelskaufmann?
Ausbildung
Im ersten Jahr der Groß- und Außenhandelskaufmann-Ausbildung verdienst Du je nach Tarif, Branche und Bundesland als Richtwert etwa 750 bis 1.190 € brutto pro Monat. Im zweiten Jahr der Kaufmann im Groß- und Außenhandel-Ausbildung liegt Dein Monatsgehalt bei rund 804 bis 1.251 € brutto. In Deinem dritten Lehrjahr kannst Du dann mit etwa 921 bis 1.324 € brutto monatlich rechnen.
Beruf
Nach erfolgreich abgeschlossener Kaufmann im Groß- und Außenhandel-Ausbildung erwartet Dich ein Einstiegsgehalt von etwa 2.490 bis 2.900 € brutto monatlich. Mit zunehmender Berufserfahrung steigt auch Dein Gehalt. Im Median verdienen Groß- und Außenhandelskaufleute rund 3.714 € brutto monatlich, mit langer Betriebszugehörigkeit sind auch über 4.200 € brutto möglich.
Möchtest Du noch mehr Geld verdienen, kannst Du verschiedene Weiterbildungen absolvieren, die Dir zu einem höheren Gehalt verhelfen. Als staatlich geprüfter Betriebswirt kannst Du zum Beispiel rund 6.000 € für Deine Arbeit verlangen. Als Fachwirt sind es sogar bis zu 7.000 € brutto, die Du pro Monat verdienen kannst. Hängst Du an Deine Groß- und Außenhandelskaufmann-Ausbildung noch ein Studium zum Handelsbetriebswirt an und kannst einen Master-Abschluss vorweisen, kann Dein Monatsgehalt auf bis zu 8.000 € brutto ansteigen.
Wo finde ich einen Job als Groß- und Außenhandelskaufmann?
Wie sind die Berufsaussichten für Groß- und Außenhandelskaufleute?
Der Beruf gilt laut Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit 2025 nicht als Engpassberuf. Auf eine gemeldete Stelle kommen 8,9 Arbeitsuchende, die durchschnittliche Vakanzzeit liegt bei 85 Tagen. Auf dem Ausbildungsmarkt gab es 2025 zugleich 882 unbesetzte Ausbildungsplätze und 300 unversorgte Bewerber. Im Schnitt bewerben sich mehrere Personen pro potenzielle Arbeitsstelle im Bereich Handel.
Welche Spezialisierungen gibt es?
Grundsätzlich hast Du die Wahl zwischen der sogenannten Anpassungsweiterbildung und einer Aufstiegsweiterbildung.
Bei der Anpassungsweiterbildung geht es vor allem darum, das berufliche Wissen aktuell zu halten und an neue Entwicklungen anzupassen, zum Beispiel in den Bereichen:
- Rechnungswesen
- Einkauf
- Verkauf
- Großhandel
Die Aufstiegsweiterbildung hingegen bietet Dir die Möglichkeit, beruflich voranzukommen und schneller in Führungspositionen zu gelangen. Mögliche Optionen für die Aufstiegsweiterbildung sind:
- Kaufmännische Weiterbildung zum Fachwirt im Bereich Handel
- Kaufmännische Weiterbildung zum Betriebswirt im Bereich Handel
- Studium Handelsbetriebswirtschaft
- Studium Internationale Wirtschaft
- Kaufmännische Weiterbildung zum Betriebswirt im Bereich Absatz/Marketing
- Kaufmännische Weiterbildung zum Betriebswirt im Bereich Logistik
- Kaufmännische Weiterbildung zum Betriebswirt im Bereich Logistiksysteme
- Kaufmännische Weiterbildung zum Fachkaufmann im Vertrieb
- Studium Betriebswirtschaftslehre/Business Administration
- Studium Logistik/Supply-Chain-Management
- Studium Wirtschaftswissenschaften
Passt der Beruf Groß- und Außenhandelskaufmann zu mir?
Der Beruf des Groß- und Außenhandelskaufmanns passt zu Dir, wenn Du die folgenden Eigenschaften, auch „Soft Skills” genannt, mitbringst: