Was ist ein Psychotherapeut?
Psychotherapeuten erkennen und behandeln psychische und psychosomatische Erkrankungen, zum Beispiel Depressionen oder Angststörungen. Dafür stehen ihnen verschiedene wissenschaftliche Therapieformen zur Verfügung, zum Beispiel die Verhaltenstherapie oder die Psychoanalyse. Es handelt sich um eine geschützte Berufsbezeichnung, die nur nach einer Approbation geführt werden darf.
Was macht ein Psychotherapeut?
Als Psychotherapeutin oder Psychotherapeut behandelst Du Menschen mit psychischen Erkrankungen. Mit dem Klischee, dass Deine Patienten auf einer Couch sitzen, während Du ihnen zuhörst, hat der Beruf allerdings wenig zu tun. Deine Behandlung ist abhängig davon, in welchem Therapieverfahren Du ausgebildet wurdest und wo Du arbeitest. Am Anfang einer Therapie musst Du eine gute und vertrauenswürdige Beziehung zu den Patienten aufbauen, denn nur so kann sie wirksam sein.
Das zentrale Instrument einer Psychotherapie ist das Gespräch. Du lernst die Patienten kennen und stimmst so die Behandlung ab. Je nachdem, welche Ausrichtung Du hast, können kreative Mittel die Therapie ergänzen, zum Beispiel Bewegung. Wenn eine Therapiestunde vorbei ist, geht für Dich als Therapeut die Aktenarbeit weiter: Du musst die Behandlung dokumentieren und abrechnen.
Wie wird man Psychotherapeut?
Studium
Der neue Ausbildungsweg seit 2020
Seit dem 1. September 2020 gilt in Deutschland ein reformiertes Psychotherapeutengesetz. Der Weg in den Beruf führt seither über ein eigenständiges Direktstudium: Zuerst absolvierst Du einen polyvalenten Bachelor in Psychologie, der drei Jahre dauert und an die neue Approbationsordnung angepasst ist. Darauf folgt ein zweijähriger Master mit Schwerpunkt Klinische Psychologie und Psychotherapie. Zusammen dauert das Studium also fünf Jahre.
Der Master schließt mit einer staatlichen psychotherapeutischen Prüfung ab. Wer diese besteht, kann direkt im Anschluss die Approbation beantragen und sich dann Psychotherapeut nennen. An die Approbation schließt sich eine mehrjährige, verfahrensspezifische Weiterbildung zum Fachpsychotherapeuten an, die in Vollzeit fünf Jahre dauert und Voraussetzung ist, um im eigenen Namen mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen zu können. Der neue Weg ersetzt das frühere dreistufige Modell aus Bachelorstudium, Masterstudium und anschließender separater Psychotherapie-Ausbildung.
Die verfahrensspezifische Weiterbildung zum Fachpsychotherapeuten erfolgt in einer sozialversicherungspflichtigen Anstellung und ist auf fünf Jahre in Vollzeit ausgelegt; in Teilzeit dauert sie entsprechend länger. Während der Praktischen Tätigkeit I, dem sogenannten Psychiatriejahr, erhältst Du bei einer Vollzeit-Tätigkeit eine Mindestvergütung von 1.000 € brutto pro Monat, die den Kliniken durch die Krankenkassen refinanziert wird. Mit Abschluss der Weiterbildung kannst Du Dich ins Arztregister eintragen lassen und einen Antrag auf Zulassung zur ambulanten psychotherapeutischen Versorgung im System der gesetzlichen Krankenversicherung stellen. Nach altem System wurden Psychotherapeuten in Ausbildung dagegen in der Regel nicht vergütet, die Ausbildung war teilweise sogar kostenpflichtig. Diese Regelungen gelten ausschließlich für Deutschland.
Wer sein Psychologiestudium vor dem 1. September 2020 begonnen hat, absolviert weiterhin die Ausbildung nach altem System; diese muss bis spätestens September 2032 abgeschlossen sein. Für die Bewerbung ins erste Semester brauchst Du eine sehr, sehr gute Abiturnote im niedrigen Einser-Bereich. Du bewirbst Dich an jeder Universität einzeln.
Studiengangsempfehlungen
Medizin studieren
Du hast auch die Möglichkeit, Medizin zu studieren. Dann kannst Du Ärztlicher Psychotherapeut werden. Auch dafür brauchst Du ein sehr gutes Abi. Statt an jeder einzelnen Uni bewirbst Du Dich zentral über die Stiftung für Hochschulzulassung. Das Studium dauert zwölf Semester.
Pädagogik oder Sozialpädagogik studieren
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut kannst Du nach altem Recht mit einem Master oder Diplom in Psychologie, Pädagogik, Sozialpädagogik oder Sozialer Arbeit werden. Dieser Weg über die separate Ausbildung läuft über die Übergangsregelung bis 2032 aus.
Studiengangsempfehlungen
Ausbildung
Nach altem Recht musstest Du nach dem Psychologie-Studium noch eine mindestens dreijährige Ausbildung zum Psychotherapeuten machen. Diese Psychotherapie-Ausbildung machtest Du an einem privaten Ausbildungsinstitut oder an einer Universität. Die Institutskosten liegen bei rund 20.000 bis 25.000 €. Dabei entscheidest Du Dich für eines der zugelassenen psychotherapeutischen Verfahren:
- Psychoanalyse/analytische Psychotherapie
- tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
- Verhaltenstherapie
- Gesprächspsychotherapie
- Systemische Therapie
Die Ausbildung nach altem Recht ist nur noch als Übergangsregelung möglich: Sie muss bis 2032 abgeschlossen sein, in Härtefällen wie Familiengründung oder Krankheit kann die Frist auf Antrag bis 2035 verlängert werden. Sowohl die Ausbildung als auch die Approbationsprüfung müssen bis zum Ende der Übergangsfrist abgeschlossen sein; danach ist der Zugang zum Beruf über den alten Weg nicht mehr möglich. Ausbildungsinstitute sind nicht verpflichtet, das alte System bis 2032 fortzuführen, sodass ggf. keine neuen Kurse mehr angeboten werden. Ein Wechsel in den neuen Approbationsweg ist nur über das reformierte Studium samt neuer Approbationsprüfung möglich; mit einem alten Psychologie-Master kann die neue Approbationsprüfung nicht direkt abgelegt werden.
Wenn Du Ärztlicher Psychotherapeut werden willst, machst Du nach Deinem Medizinstudium eine Facharztausbildung. Dafür kommen diese drei Facharztrichtungen in Frage:
- Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
- Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
- Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
Die Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten lief nach altem Recht ebenfalls über eine mindestens dreijährige Psychotherapie-Ausbildung ab, genau wie bei den Psychologischen Psychotherapeuten. Auch hier gibt es bestimmte Verfahren, aus denen Du Dir eines für die Ausbildung zum Psychotherapeuten aussuchst.
Approbation
Nach neuem Recht erhältst Du die Approbation, also die staatliche Zulassung, direkt nach der staatlichen Prüfung im Anschluss an das Studium. Damit darfst Du Dich Psychotherapeut nennen und Patienten behandeln. Erst danach folgt die verfahrensspezifische Weiterbildung zum Fachpsychotherapeuten. Nach altem Recht erhielten Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten die Approbation dagegen erst nach der dreijährigen Psychotherapie-Ausbildung. Als ärztlicher Psychotherapeut hast Du die Approbation nach dem Medizinstudium.
Kassenzulassung
Damit Du Deine Leistung auch bei den Krankenkassen abrechnen kannst, wenn Du eine eigene Praxis hast, brauchst Du eine Kassenzulassung, die von der Kassenärztlichen Vereinigung erteilt wird.
Wo arbeitet ein Psychotherapeut?
Im Psychotherapeut-Beruf arbeitest Du entweder in einer eigenen Praxis oder in einem Krankenhaus. Du kannst jedoch auch in anderen Einrichtungen arbeiten, zum Beispiel in Gefängnissen oder Beratungszentren.
Wie sieht der Arbeitsalltag aus?
Dein Alltag hängt natürlich davon ab, wo Du arbeitest und welche Schwerpunkte Du Dir ausgesucht hast. In der Regel hast Du einen Alltag mit diesen Tätigkeiten:
- Therapie: Du bist Therapeut, und die meiste Zeit wirst Du auch Einzel- oder Gruppentherapien machen. Dabei sprichst Du mit den Patienten und hilfst ihnen, ihr psychisches Leiden zu reduzieren oder loszuwerden. Die Therapie stimmst Du immer individuell auf die Menschen ab, sie ist niemals gleich.
- Schreibarbeit: Die Therapie hältst Du in Protokollen fest und rechnest sie ab. Wenn Du eine eigene Praxis hast, kommen auch noch andere administrative Aufgaben dazu, zum Beispiel die Bezahlung von Mitarbeitern.
- Weiterbildung: Du musst immer auf dem aktuellen Stand sein, was Therapieformen angeht. Deshalb ist es wichtig, dass Du Fachzeitschriften liest und Dich so weiterbildest.
Wie sieht der Arbeitsplatz aus?
Dein Arbeitsplatz ist die Praxis oder das Krankenhaus, in dem Du arbeitest. Du verbringst Zeit am Computer, aber noch mehr im direkten Gespräch mit Deinen Patienten.
Was verdient ein Psychotherapeut?
Wie viel Du verdienst, hängt davon ab, ob Du selbstständig mit eigener Praxis bist oder in einem Krankenhaus angestellt. Als Einstiegsgehalt kannst Du mit etwa 4.704 € brutto monatlich rechnen. Der Median liegt bei rund 5.221 € brutto im Monat, mit zunehmender Berufserfahrung steigt das Gehalt auf knapp 6.000 €. Als ärztlicher Psychotherapeut verdienst Du deutlich mehr, im Median rund 7.632 € brutto monatlich.
Wo finde ich einen Job als Psychotherapeut?
Wie sind die Berufsaussichten für Psychotherapeuten?
Psychotherapeuten werden gesucht. Immer mehr Menschen haben psychische Erkrankungen. Es wird geschätzt, dass jeder dritte Erwachsene im Laufe seines Lebens an einer psychischen Störung erkrankt. Außerdem ändert sich die Gesellschaft dahingehend, dass häufiger darüber gesprochen wird. So steigt auch die Bereitschaft, eine Therapie in Anspruch zu nehmen, und damit auch der Bedarf an Therapeuten.
Welche Spezialisierungen gibt es?
Viele Therapeuten spezialisieren sich im Laufe der Zeit auf einen Bereich, der sie besonders interessiert. Das kann sein:
- Drogensucht
- Sexueller Missbrauch
- Traumatherapie
- Gewalterfahrung
Du kannst nach der Psychotherapie-Ausbildung auch Coach oder Supervisor werden und andere Menschen beraten, zum Beispiel in Lebens- oder Sinnkrisen. Es gibt viele Weiterbildungen, um Coach zu werden. Da die Berufsbezeichnung nicht geschützt ist, gibt es auch diverse unseriöse Angebote.
Passt der Beruf Psychotherapeut zu mir?
Der Psychotherapeut-Beruf ist sehr beliebt. Du solltest deshalb vorher gut überlegen, ob Du diese Voraussetzungen erfüllst:
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