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Abitur nachholen: Optionen und Schulen

Das Abitur nachholen lohnt sich! Denn egal ob Hochschul-Studium oder beruflicher Aufstieg - mit Abi gelingt vieles im Leben leichter. Wir zeigen Dir, welche Möglichkeiten es gibt und warum auch Du es schaffen kannst - selbst wenn Du wenig Zeit, wenig Geld und (noch) keinen Plan hast.

Wo kann ich das Abitur nachholen?

Manchmal kommt man erst im zweiten Anlauf ans Ziel. Egal aus welchen Gründen Du die Schule ohne Abi verlassen hast: Du kannst das Abi in Deutschland jederzeit im sogenannten "zweiten Bildungsweg" nachholen und Dir so neue Chancen eröffnen. Dafür gibt es verschiedene Optionen und Wege. Ganz sicher finden sich Möglichkeiten, die optimal auf Deine Lebenssituation zugeschnitten sind.

Überblick

Zu Deiner ersten Orientierung - das sind die gängigsten Varianten, wenn Du die allgemeine Hochschulreife nachholen willst:

  • Fernabitur: Ein sehr flexibler und moderner Weg, um im zweiten Anlauf das Abi zu schaffen, ist das Fernabitur. Der Unterricht spielt sich fast ausschließlich online ab, Du lernst also bequem von zu Hause aus.
  • Online-Abitur: Die Bezeichnung ist etwas missverständlich - denn beim sogenannten "Online-Abitur" werden Präsenzphasen an einer Abendschule mit E-Learning-Einheiten kombiniert. Es findet also nicht der gesamte Unterricht online statt.
  • Abendschule: An Abendschulen wird Dir klassischer Schulunterricht geboten, der aber erst in den Abendstunden nach den üblichen Büroschluss-Zeiten beginnt.
  • Volkshochschule (VHS): An Volkshochschulen lernst Du ebenfalls vor Ort, die Kurszeiten und -modalitäten sind je nach VHS sehr unterschiedlich ausgestaltet.
  • Kolleg: Das Abitur nachholen in Vollzeit kannst Du an Kollegs. Das sind Schulzentren für Erwachsene, an denen der Unterricht klassisch von Montag bis Freitag tagsüber stattfindet. Hier die wichtigsten Kernpunkte im Überblick - alle Detail-Infos findest Du weiter unten.

Fernabitur

Teilzeit

100% online

Dauer

2,5-3,5

Jahre

Voraussetzung

Realschulabschluss

oder

Hauptschulabschluss

Alter

mind. 19 J.

Online-Abitur

Teilzeit

online + offline

Dauer

3

Jahre

Voraussetzung

Realschulabschluss

+ Berufsausbildung

oder

+ 2 Jahre Berufserfahrung

Alter

mind. 18 J.

Abendschule

Teilzeit

offline

Dauer

2-3,5

Jahre

Voraussetzung

Schulabschluss

Alter

mind. 18 J.

VHS

Teilzeit

offline

Dauer

3-4

Jahre

Voraussetzung

Schulabschluss

+ Berufsausbildung

oder

+ 3 Jahre Berufserfahrung

Alter

mind. 18 J.

Kolleg

Vollzeit

offline

Dauer

2-3,5

Jahre

Voraussetzung

Schulabschluss

+ Berufsausbildung

oder

+ 3 Jahre Berufserfahrung

Alter

mind. 19 J.

Nachfolgend haben wir Dir eine Liste an empfehlenswerten Schulen und Bildungsträgern zusammengestellt, mit denen zahlreiche angehende Abiturienten vor Dir gute Erfahrungen gesammelt haben. Ein Vergleich lohnt sich! Fordere daher einfach mit ein paar Klicks die kostenlosen Info-Materialien an und finde heraus, wie das Abitur nachholen bei den einzelnen Anbietern genau funktioniert.

  • Einstieg
  • Hauptschulabschluss
  • Realschulabschluss

Dauer

30-42 Monate

  • Einstieg

  • Hauptschulabschluss
  • Realschulabschluss

Dauer

30-42 Monate

  • Einstieg
  • Hauptschulabschluss
  • Realschulabschluss

Dauer

30-42 Monate

Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen?

Es gibt gewisse formale Voraussetzungen, die Du erfüllen musst, wenn Du das Abitur nachholen willst. Sie betreffen vor allem Dein Alter, Deine bisherige Schulbildung und Deine berufliche Vorbildung. An staatlichen Einrichtungen sind die Zugangsvoraussetzungen einheitlich geregelt, können sich aber von Bundesland zu Bundesland unterscheiden, weil Bildung in Deutschland Ländersache ist. Privatschulen legen oft etwas abweichende Zugangskriterien fest.

Beachte aber: Es wird immer im Einzelfall geprüft, ob Du die nötigen Bedingungen erfüllst, und oft gibt es dabei einen gewissen Ermessensspielraum. Du bist also nicht automatisch chancenlos, selbst wenn Dein bisheriger Lebensweg den formalen Kriterien nicht zu 100 Prozent entspricht!

Alter

Der "zweite Bildungsweg" setzt Volljährigkeit voraus. Bist Du jünger als 18, steht Dir der "normale", erste Bildungsweg über die Sekundarstufe II offen - das heißt, Du besuchst ganz einfach die Oberstufe eines Gymnasiums. Viele Fernschulen und Kollegs verlangen beim Eintritt ein Mindestalter von 19 Jahren.

Schulabschluss

Das allgemeine Abitur baut normalerweise auf einem Realschulabschluss ("mittlere Reife") auf. Du kannst aber selbst ohne Realschulabschluss die allgemeine Hochschulreife nachholen - es dauert dann nur etwas länger.

  • Abendschulen und Kollegs: An Abendschulen und Kollegs werden verpflichtende Vorkurse angeboten, die Dich auf Realschulabschluss-Niveau bringen. Du musst sie auch dann besuchen, wenn Du keine ausreichenden Fremdsprachenkenntnisse vorweisen kannst. Die Vorkurse dauern 1 bis 2 Semester, anschließend steigst Du in die normalen Abi-Kurse ein. Mitunter brauchst Du an Abendschulen nicht einmal einen Hauptschulabschluss, musst dann aber häufig einen Eignungstest bestehen.
  • Fernabitur: Beim Fernabitur gibt es in der Regel verschiedene Einstiegsvarianten - je nachdem, welchen Schulabschluss Du mitbringst. Mit einem Realschulabschluss kannst Du direkt in die Vorbereitungskurse für das Abitur einsteigen. Hast Du "nur" einen Hauptschulabschluss, dann holst Du an der Fernschule zunächst die mittlere Reife nach. An einigen Fernschulen kannst Du selbst einen fehlenden Hauptschulabschluss nachholen, sodass das Abitur nachholen ganz unabhängig von Deiner schulischen Vorbildung möglich ist - Du brauchst nur entsprechend länger, wenn Du "von ganz unten" einsteigst!

Berufsabschluss

Wenn Du das Abitur nachholen willst, brauchst Du in den meisten Fällen eine abgeschlossene Berufsausbildung und / oder 2 bis 3 Jahre nachweisbare Berufspraxis - je nach Bundesland und Schultyp. Es kann sein, dass Dir auch sogenannte Ersatzzeiten angerechnet werden: Dazu zählen etwa Phasen der Kindererziehung, Haushaltsführung, Arbeitslosigkeit, ein abgeleisteter Wehr- oder Zivildienst oder ein freiwilliges soziales bzw. ökologisches Jahr.

Eine Ausnahme bildet lediglich das Fernabitur, hier musst Du keine abgeschlossene Berufsausbildung oder berufliche Praxis nachweisen, wenn Du die allgemeine Hochschulreife nachholen willst.

Voraussetzungen für die Nichtschüler-Abiturprüfung

Beim Abitur nachholen gibt es zwei Varianten, die aber zum gleichen Ziel führen: Entweder nimmt die Bildungsstätte, die Du besuchst, zugleich auch die Abiturprüfung ab - das ist normalerweise bei Kollegs, Abendschulen und beim Online-Abitur der Fall. Volkshochschulen und private Fernschulen sind dazu nicht berechtigt, Sie dürfen Dich "nur" auf das Abitur vorbereiten. Du legst anschließend eine sogenannte Nichtschüler-Abiturprüfung vor einer staatlichen Kommission ab.

Zu dieser Nichtschüler-Abiturprüfung wirst Du unter folgenden Voraussetzungen zugelassen:

  • Du hast im vorangegangenen Jahr kein Gymnasium oder Kolleg und keine Abendschule besucht.
  • Du kannst nachweisen, dass Du Dich angemessen auf das Abitur nachholen vorbereitet hast. Die dafür nötigen Zertifikate stellt Dir die Fernhochschule oder Volkshochschule ganz automatisch aus.
  • Du hast die Abiturprüfung höchstens einmal nicht bestanden.

Wie lange dauert das Abitur nachholen?

Wie lange es dauert, bis Du Dein Abitur in der Tasche hast, lässt sich nicht pauschal sagen. Denn das hängt zum einen davon ab, ob Du Dich für eine Vollzeit- oder Teilzeitvariante entscheidest. Darüber hinaus ist Deine schulische Vorbildung entscheidend: Je höher Dein Schulabschluss, desto weniger Aufwand ist für das Abitur nachholen nötig.

Im Durchschnitt solltest Du mit einer Dauer von 3 Jahren rechnen, wenn Du einen Realschulabschluss hast und Dich für eine Teilzeit-Variante mit einem wöchentlichen Aufwand von 20 bis 25 Stunden entscheidest. Das Abitur nachholen in Vollzeit (etwa an Kollegs) ist dagegen schon innerhalb von 2 Jahren möglich.

Diese Zeitdauer kann sich sowohl verlängern als auch verkürzen. 1 bis 2 zusätzliche Semester musst Du für Vorkurse einplanen, wenn Dir der Realschulabschluss fehlt oder Du keine ausreichenden Fremdsprachenkenntnisse mitbringst. Umgekehrt gibt es oft die Möglichkeit, bei guten Leistungen bestimmte Stufen zu überspringen, Du kannst dann bereits innerhalb von 2 Jahren Dein Abitur nachholen.

Wie läuft das ab?

Fernabitur

Das Abitur nachholen, ohne nochmals die Schulbank zu drücken? Ja, das geht! Als Fernabiturient bist Du weder an fixe Unterrichtszeiten noch an ein Klassenzimmer gebunden. Du kannst für das Abi büffeln, wo und wann immer Du willst - die einzigen Voraussetzungen sind ein PC mit einem Internet-Anschluss und ein Raum, in dem Du ungestört lernen kannst.

Und so funktioniert es:

  • Du entscheidest Dich für eine von mehreren Kursvarianten - je nachdem, welchen Schulabschluss Du mitbringst. Zudem hast Du die Wahl zwischen verschiedenen Fächerkombinationen, die sich an der Prüfungsordnung des jeweiligen Bundeslandes orientieren.
  • Sobald die Fernschule Deine Anmeldung erhalten hat, bekommst Du einen Überblick über den Kursablauf und Deine Zugangsdaten für den Online-Campus zugesendet. Über diese digitale Plattform kannst Du Dich jederzeit mit Deinen Dozenten und Mitschülern austauschen - Du bist als Fernschüler also nicht auf Dich allein gestellt! Außerdem kannst Du Dir über den virtuellen Campus Deine Lernmaterialien herunterladen oder innovative Lernformen wie Videos, Webinare oder Online-Tutorien nutzen. Darüber hinaus bekommst Du regelmäßig Lernhefte per Post zugeschickt.
  • Hast Du eine Lerneinheit durchgearbeitet, dann bearbeitest Du Aufgaben zur Selbstkontrolle und sendest sie an Deinen Tutor. Dieser korrigiert sie und gibt Dir ausführliches Feedback dazu, in Deine Abi-Note fließen diese Übungsaufgaben allerdings nicht ein.
  • Je nach Anbieter können an einigen Wochenenden verpflichtende Präsenztermine vorgesehen sein, manchmal kannst Du diese Seminare auf freiwilliger Basis besuchen.
  • Gegen Ende des Kurses hast Du die Möglichkeit, die Abi-Prüfung unter realistischen Bedingungen zu simulieren: Du legst in speziellen Prüfungszentren Probe-Klausuren ab und kannst so ganz risikolos testen, ob Du schon fit für das Abi bist. Durch diese perfekte Vorbereitung erreichen Fernschulen Erfolgsquoten von bis zu 95 Prozent!
  • Das Abi selbst legst Du als Externen-Prüfung vor einer staatlichen Kommission ab. Bei den Anmelde-Formalitäten hilft Dir die Fernschule.

Das Fernabitur ist dann das richtige für Dich, wenn Du

  • neben Beruf, Kind und Kegel Dein Abi schaukeln willst
  • hoch motiviert bist und Dein Ziel nicht aus den Augen verlierst
  • weder Lust noch Zeit hast, in einem Schulzimmer monotonen Frontalunterricht abzusitzen

Online-Abitur

Das Online-Abitur wird bislang nicht in allen Bundesländern angeboten. Die Bezeichnung ist allerdings etwas missverständlich: Beim sogenannten "Online-Abitur" handelt es sich im Unterschied zum Fernabitur nicht um eine ausschließliche Online-Variante! Stattdessen werden hier E-Learning-Einheiten mit regelmäßigen Präsenzterminen an einer Abendschule kombiniert.

Normalerweise drückst Du an 2 oder 3 Tagen pro Woche für etwa 5 Stunden die Schulbank - meist in den Abendstunden, manchmal auch am Wochenende. Weitere 10 Wochenstunden solltest Du für das internetgestützte Selbststudium am Computer einplanen. Ähnlich wie beim Fernabitur steht Dir eine virtuelle Lernplattform mit verschiedenen Lernmaterialien zur Verfügung, über die Du Dich zudem mit Deinen Mitschülern und Lehrern austauschen kannst. Die Klausuren selbst legst Du ebenso wie die Abi-Prüfungen ausschließlich vor Ort in der Abendschule ab.

In der Regel setzt sich das Online-Abitur aus einer 2-semestrigen Einführungsphase und einer 4-semestrigen Kursphase zusammen. Das Abitur nachholen dauert insgesamt also 6 Semester, wobei Du auf "halber Strecke" meist die Fachhochschulreife erwirbst.

Das Online-Abitur könnte das richtige für Dich sein, wenn Du

  • zeitlich und örtlich flexibler sein willst als beim Besuch einer "normalen" Abendschule
  • trotzdem nicht auf den direkten Kontakt mit Mitschülern und Lehrern verzichten willst
  • einen Job hast, der sich mit regelmäßigen Präsenzterminen vereinbaren lässt

Abendschule

Das Abitur nachholen ist für Berufstätige auch an Abendgymnasien möglich. Wie der Name schon sagt, findet der Unterricht hier normalerweise in den Abendstunden ab, wobei es unterschiedliche Zeitmodelle gibt: Täglich von montags bis freitags ab 17 oder 18 Uhr ist die übliche Variante, manchmal musst Du an nur 3 Abenden die Woche anwesend sein, manchmal hast Du zusätzliche Blocktermine an den Wochenenden. Teilweise findet der Unterricht auch morgens ab 6 oder 7 Uhr statt.

Insgesamt solltest Du mit etwa 20 Unterrichtsstunden pro Woche rechnen. Je nachdem, welche Voraussetzungen Du mitbringst, besuchst Du zunächst einen 1- bis 2-semestrigen Vorkurs oder steigst direkt in die 2-semestrige Einführungsphase ein. In der anschließenden Kursphase entscheidest Du Dich für Deine Leistungs- und Grundkurse, wobei sich das Fächerangebot an der Prüfungsordnung des jeweiligen Bundeslandes orientiert.

Abgesehen von den jobfreundlichen Unterrichtszeiten ist die Abendschule vor allem eines - nämlich eine klassische Schule! Das heißt, Du wirst im Klassenverband unterrichtet, hast einen festgelegten Stundenplan und darfst nicht unentschuldigt fehlen. Die Herausforderung, neben einem Vollzeitjob noch das Abendgymnasium zu besuchen, ist nicht zu unterschätzen! Während es sich Deine Kollegen bereits daheim am Sofa gemütlich machen, stehen Dir Tag für Tag noch einige Stunden hochkonzentrierten Lernens bevor.

In der Abendschule das Abitur nachholen ist dann das richtige für Dich, wenn Du

  • Dir nach langen Arbeitstagen noch mehrere Stunden Schulunterricht zutraust
  • reguläre Arbeitszeiten ohne regelmäßige Abendtermine oder Dienstreisen hast
  • gerne im Klassenverband lernst und den Ansporn durch Lehrer und Klassenkameraden brauchst

Volkshochschulen (VHS)

An Volkshochschulen kannst Du nicht nur Näh-, Mal- oder Sprachkurse besuchen, sondern auch das Abitur nachholen. Ähnlich wie Fernschulen dürfen Volkshochschulen aber nicht selbst die Abiturprüfungen abnehmen, sondern Dich lediglich darauf vorbereiten. Das Abitur legst Du also in

Form einer Externen-Prüfung vor einer staatlichen Kommission ab. Volkshochschulen bieten klassischen Präsenzunterricht, wobei die Zeitmodelle sehr variieren: Einige VHS haben Abend- oder Wochenend-Kurse im Programm, die Berufstätigen entgegenkommen, an anderen finden die Kurse vorwiegend tagsüber statt. Neben Komplett-Abitur-Lehrgängen, die mehrere Jahre dauern, gibt es auch kürzere Einzelkurse, die nur ein Prüfungsfach oder sogar nur ein bestimmtes Stoffgebiet abdecken. Solche Kurse kannst Du besuchen, um gezielt Fächer zu trainieren, die Dir schwer fallen, oder um brach liegendes Wissen wieder aufzufrischen.

Das Abitur nachholen über eine VHS könnte das richtige für Dich sein, wenn Du

  • lieber in Gruppen lernst
  • gezielte "Nachhilfe" in bestimmten Fächern brauchst
  • Dir das Kursangebot an der örtlichen Volkshochschule zeitlich entgegenkommt

Kolleg

Kollegs bieten ebenso wie Abendschulen klassischen Präsenz-Unterricht mit Anwesenheitspflicht. Das Angebot richtet sich aber ausdrücklich an nicht Berufstätige: Wie an einer normalen Schule findet der Unterricht von Montag bis Freitag zu den Kernzeiten statt, das Pensum beträgt etwa 30 Stunden pro Woche. Mit einem Vollzeit- oder auch einem Halbtagsjob ist das nicht vereinbar.

Ähnlich wie an Abendschulen gliedert sich das Abitur nachholen an Kollegs - je nach Leistungsstand

  • in Vorkurse, eine Einführungs- und eine Qualifikationsphase. Falls Dir die Fachhochschulreife reicht, kannst Du das Kolleg bereits nach halber Zeit verlassen.

Ein Kolleg könnte für Dich der richtige Weg zum Abitur nachholen sein, wenn Du

  • haushaltsführend, in "Familienpause" oder arbeitslos bist und diese Zeit zum Abitur nachholen nutzen willst
  • noch einmal "klassisch" die Schulbank drücken willst
  • Dich lieber zu 100 Prozent auf das Abitur nachholen in Vollzeit konzentrierst

Was kostet das Abitur nachholen?

Was nichts kostet, ist nichts wert? Das stimmt beim Abitur nachholen so zwar nicht, in der Regel wirst Du aber gewisse Kosten stemmen müssen, wenn Du Dich für ein Abitur im zweiten Bildungsweg entscheidest. Folgende Ausgaben kommen auf Dich zu:

  • Schulgeld: Staatliche Abendschulen (auch solche, die ein Online-Abitur anbieten) und Kollegs sind in der Regel kostenfrei, an privaten Schulen musst Du mit monatlichen Gebühren von 130 bis 300 Euro monatlich rechnen. Fernschulen sind in der Regel günstiger, sie verlangen im Schnitt 150 Euro pro Monat.
  • Lernmaterialien: Auch wenn der Besuch einer staatlichen Schule auf den ersten Blick gratis ist - für Lernmaterialien wie Bücher und Skripten oder Exkursionen fallen trotzdem laufende Kosten an. Bei privaten Fernschulen sind Lernmaterialien hingegen bereits in den monatlichen Schulgebühren inkludiert, sodass Deine Ausgaben von vornherein kalkulierbar sind.
  • Fahrt- und Übernachtungskosten: Falls Du Dich für eine Schulform mit Präsenz-Unterricht entscheidest, solltest Du eventuelle Fahrt- und Übernachtungskosten nicht außer acht lassen.
  • Verdienstentgang: Der mit Abstand größte Kostenpunkt wird gern übersehen: Wenn Du Dich für das Abitur nachholen in Vollzeit entscheidest, verzichtest Du auf Dein berufliches Einkommen! In 3 Jahren kostet Dich das gut und gerne einen fünfstelligen Betrag - eine Menge Geld, die Du sicher sinnvoller investieren könntest.

Doch auch wenn Dir das Abitur nachholen auf den ersten Blick teuer erscheint: Du investierst in Deine berufliche Zukunft und Deine Karriere-Chancen, und das sollte Dir jeden Cent wert sein!

Wie kann ich das Abitur nachholen finanzieren?

Es wäre schade, wenn das "Projekt Abi" auf halbem Weg an den Kosten scheitert! Die Finanzierung solltest Du daher bereits vorab detailliert planen: Am besten erstellst Du Dir einen genauen Kostenplan, in dem Du alle nötigen Ausgaben auflistest und Deinen Einnahmen gegenüberstellst.

Du musst beim Abitur nachholen aber nicht alles aus eigener Tasche bezahlen, sondern kannst Dir auch finanziell unter die Arme greifen lassen kannst! Es gibt eine Reihe an Fördermöglichkeiten für das Abi im zweiten Bildungsweg und sicher kommt eine davon auch für Dich in Frage.

Schüler-BAföG

Das elternunabhängige BAföG steht auch Abiturienten im zweiten Bildungsweg zu - allerdings nur unter der Voraussetzung, dass Du nicht älter als 30 Jahre bist und nicht mehr bei Deinen Eltern wohnst. Hast Du bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen, bekommst Du bis zu 590 Euro monatlich. Im Unterschied zum BAföG für Studenten musst Du beim Schüler-BAföG nichts zurückzahlen!

Falls Du Dich für das Fernabitur entschieden hast, gibt es ein paar weitere Besonderheiten zu beachten:

  • Das Schüler-BAföG steht Dir nur in den letzten 12 Monaten des Fernlehrgangs zu.
  • Während dieser 12 Monate musst Du Dich an mindestens 3 aufeinanderfolgenden Monaten "hauptberuflich" auf das Abi vorbereiten. Bist Du dauerhaft berufstätig, gehst Du also leer aus.

Vorsicht: Wenn Du an Volkshochschulen Dein Abitur nachholen willst, wird Dir häufig kein BAföG bewilligt, weil Volkshochschulen nicht als förderfähige Ausbildungsstätten gelten!

Bildungsprämie

Falls Du die Voraussetzungen für das Schüler-BAföG nicht erfüllst, kannst Du stattdessen vielleicht die Bildungsprämie in Anspruch nehmen. Dabei handelt es sich um eine staatliche Förderung für Weiterbildungen, die sich ausdrücklich an Berufstätige richtet. Anspruchsberechtigt bist Du, wenn Du mindestens 15 Stunden pro Woche arbeitest und jährlich nicht mehr als 20.000 Euro verdienst.

Die Fördersumme beträgt maximal 500 Euro, Du kannst alle zwei Jahre um einen Prämiengutschein ansuchen. In den Bundesländern Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein wird die Bildungsprämie nur für Weiterbildungen vergeben, die nicht mehr als 1.000 Euro kosten - das Abitur nachholen im zweiten Anlauf ist in der Regel teurer. Es gibt stattdessen aber Förderungen auf Landesebene, die einen Teil Deiner Kosten decken.

Stipendien

Stipendien sind ebenfalls sehr bequem, weil Du auch hier nichts zurückzahlen musst. Vergeben werden sie in erster Linie von privaten Stiftungen und Vereinen, wovon es in Deutschland einige hundert gibt! Die Förderkriterien sind so vielfältig wie es die Stipendienlandschaft ist: Es gibt Stipendienprograme für sozial benachteiligte Gruppen wie Migranten, Alleinerzieherinnen oder chronisch Kranke und solche für Menschen mit einem außergewöhnlichen Lebensweg. Bei wieder anderen Stipendienprogrammen reicht es, dass Du mit einem originellen Bewerbungsschreiben überzeugst. Egal welche persönlichen Voraussetzungen Du mitbringst - einen Versuch ist es also wert!

Übrigens: Fernschulen haben häufig eigene Stipendienprogramme oder bieten Preisnachlässe für Gruppen wie Arbeitslose, Bundeswehrangehörige, Bundesfreiwilligendienstleistende, Mitglieder bestimmter Vereine und Clubs oder ehemalige Kursteilnehmer. Ein paar hundert Euro hast Du so rasch gespart!

Kosten steuerlich absetzen

Die Kosten für Aus- und Weiterbildungen kannst Du als Werbungskosten bzw. als Sonderausgaben von der Lohnsteuer absetzen. Vorausgesetzt natürlich, dass Du genug verdienst, um überhaupt Lohnsteuer zu bezahlen! Als Weiterbildungskosten zählen Ausgaben wie:

  • Schulgelder und Lehrgangsgebühren
  • Ausgaben für Lernmaterialien, Drucker und PC
  • Kosten für Seminare, die Du beim Abitur nachholen besuchst
  • Reise- und Übernachtungskosten

Arbeitgeber

Wenn Du das Abitur berufsbegleitend nachholen willst, kann es sich auch lohnen, Deinen Arbeitgeber um einen Zuschuss zu bitten. Denn letztendlich kommt Deine Höherqualifizierung auch dem Unternehmen zugute!

Bildungskredit

Falls Du das Abitur nachholen nicht komplett aus eigener Tasche stemmen kannst, ist ein Bildungskredit eine weitere Option. Dabei handelt es sich um einen Bankkredit, bei dem Du eine bestimmte monatliche Summe laufend ausbezahlt bekommst. Zwar ist das Geld selbstverständlich nicht geschenkt, sondern muss inklusive Zinsen wieder zurückgezahlt werden. Dafür verbesserst Du aber Deine Karriere- und Aufstiegschancen nachhaltig und damit auch Dein späteres Einkommen!

Natürlich solltest Du in erster Linie versuchen, die Kosten für das Abitur nachholen über staatliche Beihilfen, Stipendien oder Förderungen Deines Arbeitgebers hereinzubekommen. Falls dann noch eine Finanzierungslücke offen bleibt, kannst Du diese aber über einen Bildungskredit schließen.

Schaffe ich das Abitur nachholen nebenbei?

Wer als Erwachsener die allgemeine Hochschulreife nachholen will, hat meist schon einiges auf die Beine gestellt: Beruf, Familie, eventuell auch eigene Kinder - nur das Abi fehlt noch im persönlichen Lebenslauf. Und deswegen bleiben leider manche Türen im Berufsleben verschlossen. Das Abitur nachholen ist daher immer eine sinnvolle Investition! Doch sicher fragst Dich auch Du: Schaffe ich das überhaupt nebenbei, ohne meinen Job aufzugeben und mein Einkommen und meine Unabhängigkeit zu verlieren?

Klar ist: Das Abi wird auch im zweiten Bildungsweg nicht verschenkt. Zum Glück, denn Du willst ja am Ende nicht mit einem zweitklassigen Abi da stehen! Es verlangt schon einiges an Motivation und Biss, über 3 Jahre hinweg Mathe oder Vokabeln zu büffeln, während für Deine Arbeitskollegen bereits Feierabend ist.

Es ist aber durchaus machbar. Das zeigt schon ein Blick auf die nackten Zahlen: Gut 35.000 Erwachsene haben in Deutschland im Jahr 2010 im zweiten Bildungsweg ihr Abi nachgeholt, Tendenz steigend.

Besonders hoch sind die Erfolgsquoten übrigens beim Fernabitur: Wer die Probeklausuren erfolgreich hinter sich gebracht hat, schafft mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 bis 95 Prozent auch das Abi im ersten Anlauf!

Was Du tun kannst, damit es mit dem Abi im zweiten Bildungsweg sicher klappt?

  • Tipp 1: Informiere Dich zuerst gründlich und vergleiche die verschiedenen Optionen. Alle seriösen Weiterbildungs-Einrichtungen bieten Dir umfangreiche, kostenlose Info-Materialien als Entscheidungshilfe.
  • Tipp 2: Die meisten Fernabitur-Angebote kannst Du kostenlos testen. Wenn Du innerhalb der ersten 4 Wochen bemerkst, dass Dir die Doppelbelastung zu viel wird, kündigst Du den Vertrag einfach wieder, ohne einen Cent zu bezahlen!