Einstiegsgehalt 
2.305
Durchschnittsgehalt 
2.750
Ausbildung 
Ausbildung

Was ist ein Orthoptist?

Ein Orthoptist ist eine ausgebildete und staatlich anerkannte medizinische Fachkraft, die in der Augenheilkunde arbeitet und sich präventiv, diagnostisch und therapeutisch um Schielerkrankungen, Sehschwächen und neurologische Augenerkrankungen kümmert.

Was macht ein Orthoptist?

Als Orthoptist oder Orthoptistin arbeitest Du als medizinische Fachkraft mit Ärzten zusammen. Du bist zwar an ihre ärztlichen Weisungen gebunden, hast dabei aber trotzdem ein hohes Maß an Eigenverantwortung hinsichtlich Deiner diagnostischen und therapeutischen Leistungen. Du arbeitest als Orthoptist daran Sehbehinderungen von Menschen zu diagnostizieren und danach mit Hilfe von Beratung, Behandlung, Übungen und andere Mittel zu therapieren.

In erster Linie kümmerst Du Dich um Schielerkrankungen, Sehschwächen, Augenzittern und Augenbewegungsstörungen. Du prüfst Sehvermögen, Augenstellung und Beweglichkeit, behandelst Augenleiden, die durch neurologische Probleme wie etwa langer Bildschirmarbeit oder einem Schlaganfall entstanden sind. Außerdem arbeitest Du als Orthoptist auch, meist präventiv, mit Säuglingen oder Kleinkindern.

In Sachen Therapie optimierst Du Sehhilfen, behandelst sehschwache Augen und gibst Deinen Patienten Schulungen, wie sie sich selbst helfen können. Du passt auch vergrößernde Sehhilfen wie Lupen für stark sehbeeinträchtige Menschen an. Außerdem hilfst Du mit Seh- oder Gesichtsfeldtrainings bestimme Fähigkeiten in der Rehabilitation wieder zurückzugewinnen oder zu verbessern und arbeitest an Formen der visuellen Aktivierungen.

Wie wird man Orthoptist?

Es gibt zwei Wege, wie Du Orthoptist oder Orthoptistin werden kannst:

Die Ausbildung

Du musst Dich für eine Orthoptist-Ausbildung an einer der knapp ein Dutzend deutschen an Universitätsklinken angegliederten Berufsfachschulen für Orthoptik bewerben. Zugangsvoraussetzung ist hier mindestens ein Realschulabschluss oder ein Hauptschulabschluss mit mindestens zweijähriger Berufsausbildung im Anschluss. Bevorzugt werden allerdings Bewerber mit einer Hochschulzugangsberechtigung. Einzelne Berufsfachschulen fordern darüber hinaus noch eine Aufnahmeprüfung. Ist dies einmal geschafft und Du wurdest angenommen, kannst Du Deine Orthoptist-Ausbildung antreten. Deren Inhalt und Dauer wird genau vom „Gesetz über den Beruf der Orthoptistin und des Orthoptisten (OrthoptG)“ geregelt:

Drei Jahre dauert Deine Orthoptist-Ausbildung und umfasst eine Mindeststundenzahl von 4.500 Stunden, in denen mindestens 1.700 Stunden theoretischer und praktischer Unterricht aus medizinischen, orthoptischen, neuro-ophthalmologischen und rehabilitativen Bereichen inbegriffen sind. Dabei wirst Du ausgebildet in folgenden Bereichen:

  • Orthoptik und Pleoptik
  • Augenbewegungsstörungen
  • Neuroophthalmologie
  • Anatomie und Physiologie
  • Augenheilkunde (Ophthalmologie)
  • Physik, Optik
  • Brillenlehre
  • Anamnese- und Befunderhebung
  • Dokumentation, Therapieplanung und -durchführung
  • Gesprächsführung und -beratung

Weitere 2.800 Stunden werden für die praktische Ausbildung genutzt. Deine Orthoptist-Ausbildung endet mit einer staatlichen Prüfung, die aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil besteht. Nach Bestehen, kannst Du die Berufsbezeichnung Orthoptist oder Orthoptistin führen.

Das Studium mit der integrierten Ausbildung

Um die staatliche Ausbildung kommst Du nicht drum herum. Du kannst aber Deine Orthoptist-Ausbildung auch innerhalb eines Bachelorstudiums, zum Beispiel „Interprofessionelle Gesundheitsversorgung“ zu absolvieren. Dieses Angebot der Medizinischen Fakultät ermöglicht im Verlauf des Studiums zwei Abschlüsse parallel zu erwerben: Ein staatlicher Abschluss beziehungsweise Examen in einem Gesundheitsberuf (Orthoptik) sowie den akademischen Grad "Bachelor of Science" (B.Sc.). Der erste Abschluss qualifiziert zur Berufsausübung als Orthoptistin. Der Bachelor-Abschluss verleiht neben den praxisrelevanten Kompetenzen die Möglichkeit, einen akademischen Karriereweg einzuschlagen. 

Zugangsvoraussetzung für solch ein Bachelorstudium ist entweder die Allgemeine oder die Fachgebundene Hochschulreife. Es gibt aber auch die Möglichkeit mit einer Ausbildung und einschlägiger Berufserfahrungen auch ohne Abschluss eines dieser Fächer aufnehmen zu können. Zusätzlich gibt es ein Eignungsgespräch mit allen Bewerbern.

Die Regelstudienzeit dieses Studienganges beträgt acht Semester. Dabei ist die Orthoptist-Ausbildung in den ersten fünf Semestern integriert. Die letzten drei Semester dienen der intensiven wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Fach.

Deinen Bachelorabschluss machst Du mit einer schriftlichen Hausarbeit, den Orthoptik-Abschluss mit der staatlichen Prüfung.

Wo arbeitet ein Orthoptist?

Als Orthoptist oder Orthoptistin bist Du stets angeschlossen an eine medizinische Fakultät oder einen Arzt. Die meisten Orthoptisten arbeiten in:

  • Universitäts-Augenkliniken
  • Krankenhäusern
  • neurologischen Kliniken
  • bei Augenärzten

Wie sieht der Arbeitsalltag aus?

Dein Arbeitsalltag als Orthoptist hängt von Deinem Arbeitsort ab. Grundsätzlich gestaltet sich Dein Alltag aber so:

Wie sieht der Arbeitsplatz aus?

Als Orthoptist oder Orthoptistin arbeitest Du in einem Diagnose- oder Behandlungsraum, in dem auch diverse Geräte zur Messung und Diagnostik stehen. Diese bedienst Du, um die Augen Deiner Patienten zu diagnostizieren und behandeln. Da Du Dich in einem medizinischen Umfeld befindest, ist es auch wichtig, dass Du entsprechende Arbeitskleidung, wie zum Beispiel einen weißen Kittel trägst.

Was verdient ein Orthoptist?

Als Orthoptist kannst Du mit einem Gehalt von 2.600 Euro brutto im Monat bis 2.900 Euro brutto im Monat rechnen. Arbeitest Du in einer öffentlichen Einrichtung, wirst Du nach Tarif bezahlt und erhältst tendenziell etwas mehr Geld. Mit guter Berufserfahrung steigert sich Dein Gehalt auf zirka 3.000 Euro brutto im Monat bis 3.400 Euro brutto im Monat.

Wo finde ich einen Job als Orthoptist?

Wie sind die Berufsaussichten für Orthoptisten?

Deine Berufsaussichten als Orthoptist sind stabil. Zwar gibt es nicht unbegrenzt Stellenangebote, doch insgesamt ist die Anzahl der gut ausgebildeten Orthoptisten so klein, dass es keine Probleme gibt eine Job in diesem Bereich zu finden. Und auch für die Zukunft sieht es gut aus. Eine Studie hat ergeben, dass die benötige Anzahl an Orthoptisten stabil ist und auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten so bleiben wird.

Welche Spezialisierungen gibt es?

Auch als perfekt ausgebildeter Orthoptist kannst Du Dich noch weiterbilden. Es gibt drei Spezialisierungen für diesen Beruf:

  • Spezialist/in für vergrößernde Sehhilfen und LowVision Beratung: Mit dieser Spezialisierung lernst Du vertiefend Möglichkeiten kennen mit Hilfe von Sehhilfen Menschen, die blind, fast blind oder stark sehbeeinträchtigt sind, zu helfen.
  • Spezialist/in für Neuro-Orthoptik und visuelle Rehabilitation: Mit dieser Spezialisierung lernst Du Menschen mit Sehproblemen, die aus neurologischen Gründen vorhanden sind, zu therapieren
  • Spezialist/in für Diagnostik und Früherkennung visuell bedingter Entwicklungs- und Lernauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen: Mit dieser Spezialisierung lernst Du Kindern und Jugendlichen dabei zu helfen Lern- und Entwicklungsprobleme, die aufgrund von Sehschwächen auftreten, zu überwinden und auszutherapieren.

Passt der Beruf Orthoptist zu mir?

Welche grundsätzlichen Fähigkeiten und Voraussetzungen brauchst Du für Deine Berufswahl als Orthoptist? Wir verraten es Dir:

Analytische Fähigkeiten & vernetztes Denken
Denn der menschliche Körper ist komplex und Dein Wissen braucht ebenso komplexes Denken, um erfolgreich Heilen und Therapieren zu können. Dazu gehört auch die Fähigkeit analytisch zu denken. Die Ansatzpunkte, die Dir als Orthoptist zur Verfügung stehen musst Du nutzen, um Krankheitsbilder auszuschließen und Dich systematisch in Deiner Diagnose vorzuarbeiten.
Kommunikationsfähigkeit
Für Orthoptisten ist Kommunikationsfähigkeit sehr wichtig. Du musst jeden Tag aufs Neue in der Lage seinen Deinen Patienten genau zu erklären was mit ihnen ist und wie Du helfen kannst.
Sozialkompetenz
Deine Aufgaben als Orthoptist in all ihrer Bandbreite setzen voraus, dass Du eine Menge Sozialkompetenz mitbringst. Du triffst ständig neue Menschen, auch viele Ältere und Kinder und musst freundlich und kompetent mit ihnen arbeiten, um ein bestmögliches Ergebnis zu erlangen. Dabei musst Du entscheidungsstark aber stets emphatisch auftreten und ein Auge darauf haben was das Beste für alle ist.
Empathie
Gute Orthoptisten haben nicht nur Fachwissen, sondern vor allem Empathie. Es ist immer gut und hilft Dir Kontakt zu knüpfen und richtige Entscheidungen zu treffen, wenn Du Empathie hast und Dich in Dein Gegenüber einfühlen kannst. Immerhin behandelst Du auch Kinder oder Patienten, die gerade einen Schlaganfall hinter sich haben. Die können Dein Verständnis und Deine Motivation gut gebrauchen.