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Inhalt9 Abschnitte
Gerichtsvollzieher sind Beamte der Justiz, die Urteile und andere Vollstreckungstitel durchsetzen: Sie pfänden, räumen Wohnungen, nehmen die Vermögensauskunft ab und stellen Schriftstücke zu.
Wie wird man Gerichtsvollzieher?
Gerichtsvollzieherin oder Gerichtsvollzieher wirst Du über eine 1,5- bis 2-jährige Ausbildung bei der Justiz Deines Bundeslands. Zugelassen werden vor allem Justizbeamte und Justizfachangestellte, in vielen Ländern auch Quereinsteiger mit passender Berufsausbildung und 3 Jahren Berufserfahrung. Die Regeln macht jedes Bundesland selbst. Direkt nach der Schule geht es nur in Baden-Württemberg: Dort studierst Du 3 Jahre und schließt mit dem Bachelor of Laws ab.
Aus der Justiz: der übliche Weg
Die meisten Gerichtsvollzieher kommen aus dem mittleren Justizdienst. In Bayern, Sachsen und Rheinland-Pfalz sind das vor allem Justizfachwirte, also Beamte aus den Geschäftsstellen der Gerichte. In Berlin kommen auch Justizfachangestellte nach 3 Jahren im Beruf zum Zug, in den anderen Ländern über den Quereinstieg. Bist Du schon bei der Justiz, läuft Dein Gehalt in der Ausbildung meist weiter.
- zuerstAusbildung in der JustizAls Justizfachangestellte in 3 Jahren oder als Justizfachwirt im Beamtenverhältnis. Du lernst die Arbeit in den Geschäftsstellen der Gerichte kennen.
- 2 bis 3 JahreBewährung im DienstIn Sachsen reichen Justizfachwirten 2 Jahre, in NRW und Berlin sind es 3.
- 18 bis 24 MonateGerichtsvollzieherausbildungTheorie in Lehrgängen, Praxis bei einer erfahrenen Gerichtsvollzieherin oder einem Gerichtsvollzieher.
- danachGerichtsvollzieher in A 8Nach der Prüfung wirst Du je nach freien Stellen ernannt und bekommst einen eigenen Bezirk am Amtsgericht.
Als Quereinsteiger: so ist es in Deinem Bundesland
Von außen kommst Du mit einer abgeschlossenen Ausbildung im juristischen oder kaufmännischen Bereich und mindestens 3 Jahren Berufserfahrung, zum Beispiel aus einem Inkassobüro. Vor der eigentlichen Gerichtsvollzieherausbildung lernst Du meist ein halbes Jahr die Grundlagen der Justiz. Hessen nennt das Ganze eine Weiterbildung, NRW eine Zusatzausbildung.
| Land | Quereinstieg, Start und Bewerbung |
|---|---|
| Niedersachsen | ja, der Regelweg Start jedes Jahr am 1. Juni, Bewerbung bis 30. November beim Oberlandesgericht, etwa in Celle. Dauer: 24 Monate. |
| NRW | ja, jedes Jahr Start am 1. Januar mit 6 Monaten Eignungslehrgang, dann 20 Monate. Bewerbung beim Oberlandesgericht Düsseldorf, Hamm oder Köln. |
| Bayern | nur bei Bedarf ab 15. April 6 Monate vorbereitende Ausbildung, ab 15. Oktober 18 Monate |
| Hessen | nach Bedarf, nicht jedes Jahr ab Januar 6 Monate Eignungslehrgang, ab Juli 20 Monate. Die Ausschreibung steht auf der Karriereseite der Justiz. |
| Sachsen | ja, nach den Justizfachwirten Start jedes Jahr am 15. April, Bewerbung beim Oberlandesgericht Dresden, für 2027 bis 15. Oktober 2026. Bis zu 22 Plätze. |
| Baden-Württemberg | nein nur über das 3-jährige Studium |
| Berlin | nein nur aus dem Landesdienst, derzeit kein Bewerbungszeitraum |
| Rheinland-Pfalz | nein nur für Justizfachwirte, intern ausgeschrieben |
Als passende Berufe nennt Niedersachsen zum Beispiel Justizfachangestellte, Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte, Bankkaufleute und Steuerfachangestellte. Sachsen will den Zugang für Quereinsteiger mit einer neuen Ausbildungsordnung erleichtern.
Studium in Baden-Württemberg
Baden-Württemberg bildet Gerichtsvollzieher seit 2016 als einziges Land an einer Hochschule aus. Du bist dabei Beamter auf Widerruf und bekommst Anwärterbezüge. Für den Bezirk Karlsruhe bewirbst Du Dich bis zum 31. Januar 2027 für den Start am 1. September 2027.
Du brauchst Abitur, Fachhochschulreife oder eine andere Hochschulzugangsberechtigung. Bei Studienbeginn darfst Du höchstens 38 Jahre alt sein.
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Was braucht man, um Gerichtsvollzieher zu werden?
Du brauchst mindestens die Mittlere Reife, eine passende Berufsausbildung und 3 Jahre Berufserfahrung. Dazu kommen geordnete Finanzen, Gesundheit und ein Höchstalter, das jedes Land selbst festlegt.
Bis zu welchem Alter kannst Du anfangen?
Quellen: Justizministerien und Oberlandesgerichte der Länder, Stand 2026.
Mit Schwerbehinderung liegt die Grenze in Niedersachsen und NRW bei 45. Wer sich wegen der Betreuung eines Kindes bisher nicht beworben hat, bekommt in Niedersachsen 3 Jahre je Kind dazu, bis höchstens 46.
Wie läuft die Ausbildung ab?
Die Gerichtsvollzieherausbildung dauert je nach Land 18 bis 24 Monate, für Quereinsteiger kommt meist ein halbes Jahr Vorbereitung dazu. Theorie in Lehrgängen und Praxis bei einem Gerichtsvollzieher wechseln sich ab.
- 6 MonateEignungslehrgangNur für Quereinsteiger: Grundlagen der Justiz, in Hessen 3 Monate Theorie und 3 Monate Praxis am Amtsgericht und bei einem Gerichtsvollzieher.
- 2 MonateLehrgang ITheorie im Ausbildungszentrum der Justiz NRW in Monschau.
- 6 MonatePraxis IDu begleitest eine erfahrene Gerichtsvollzieherin oder einen Gerichtsvollzieher, dazu kommt eine Einführung am Amtsgericht.
- 4 MonateLehrgang IIwieder in Monschau
- 5 MonatePraxis IIbei Deinem Ausbildungs-Gerichtsvollzieher
- 3 MonateLehrgang III und PrüfungIn NRW schreibst Du an 4 Tagen 5 Aufsichtsarbeiten, in Hessen folgt die mündliche Prüfung beim Oberlandesgericht Frankfurt am Main.
- danachProbezeitDu wirst Beamter auf Probe. Die Probezeit dauert meist 3 Jahre, in Bayern regelmäßig 2.
So läuft es in NRW und Hessen. Bayern und Sachsen schicken ihre Leute an die Bayerische Justizakademie in Pegnitz, Unterkunft und Verpflegung stellt die Akademie. Im letzten Praxisabschnitt kannst Du dort schon bis zu einem halben Gerichtsvollzieherbezirk übernehmen. Die Prüfung in Bayern besteht aus 5 Klausuren von je 2 Stunden, einer Klausur von 5 Stunden und einer mündlichen Prüfung.
Was lernst Du in der Ausbildung?
Quelle: Rahmenstoffplan für die Gerichtsvollzieherausbildung, Bayerische Justizakademie, Stand 01.05.2026.
Was verdienst Du in der Ausbildung?
Was Quereinsteiger in der Ausbildung bekommen, regelt jedes Land anders, mal als Gehalt, mal als Unterhaltsbeihilfe oder Anwärterbezüge:
Quellen: Justiz Hessen, Oberlandesgericht Bamberg, APO GVöRA NRW, LBV Baden-Württemberg, Oberlandesgericht Dresden.
In Monschau bekommst Du ein möbliertes Zimmer und Essen in der Mensa, gegen einen kleinen Eigenanteil.

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Sind Gerichtsvollzieher Beamte?
Ja, Gerichtsvollzieher sind Beamte des Landes. Nach der Prüfung wirst Du verbeamtet, meist in Besoldungsgruppe A 8. Bei ihren Vollstreckungen handeln sie aber selbstständig: Das Gericht beaufsichtigt sie, leitet sie aber nicht im einzelnen Fall. Ihr direkter Vorgesetzter ist der aufsichtsführende Richter am Amtsgericht.
Neben der Besoldung bekommst Du einen Anteil an den Gebühren, davon bezahlst Du Büro und Personal. Dieser Gebührenanteil wirkt wie eine Provision: Je mehr Aufträge Du erledigst, desto mehr bekommst Du. In NRW und Niedersachsen behältst Du je nach Jahressumme 50 bis 70 % der Gebühren, in Hessen 2026 vorläufig 57 %. Andere Länder zahlen stattdessen eine Pauschale für das Büro.
Was macht ein Gerichtsvollzieher?
Gerichtsvollzieher setzen im Auftrag des Gläubigers durch, was ein Urteil oder ein anderer Titel festlegt. Zuerst suchst Du eine gütliche Lösung, etwa Raten, die in der Regel binnen 12 Monaten abbezahlt sein sollen. Klappt das nicht, pfändest Du. Welche Gebühr genau anfällt, legt für jede Amtshandlung das Gerichtsvollzieherkostengesetz fest:
| Aufgabe | Was Du tust |
|---|---|
| Gütliche Erledigung | mit dem Schuldner eine Zahlung oder Raten vereinbaren Gebühr: 19,20 € |
| Pfändung | Geld oder Sachen wie Schmuck, Autos oder Technik pfänden und später versteigern Gebühr: 31,20 € |
| Vermögensauskunft | Der Schuldner legt sein Vermögen offen und versichert es an Eides statt. Gebühr: 39,50 € |
| Räumung | den Mieter aus der Wohnung setzen und den Vermieter in den Besitz einweisen Gebühr: 163,50 € |
| Verhaftung | einen Schuldner mit Haftbefehl festnehmen, etwa wenn er die Vermögensauskunft verweigert Gebühr: 46,80 € |
| Kindesherausgabe | auf Ersuchen des Familiengerichts ein Kind herausholen Gebühr: 62,40 € |
| Zustellung | Schriftstücke persönlich übergeben, auch außerhalb von Gerichtsverfahren Gebühr: 12,00 € |
Quellen: Zivilprozessordnung §§ 192, 802a bis 802g, 885; Geschäftsanweisung für Gerichtsvollzieher § 156; Gerichtsvollzieherkostengesetz, Kostenverzeichnis (ohne Auslagen und Zeitzuschläge).
Dazu kommen Arreste, einstweilige Verfügungen, Einsätze nach dem Gewaltschutzgesetz und Proteste, wenn ein Wechsel oder Scheck nicht bezahlt wird. Den Zwangsvollstreckungsauftrag gibt Dir der Gläubiger, zuständig bist Du für die Schuldner in Deinem Bezirk.
Was darf ein Gerichtsvollzieher und was nicht?
Wie sieht der Arbeitsalltag aus?
Du teilst Dir Deine Arbeit weitgehend selbst ein, zwischen Außendienst und eigenem Büro.
Wie gefährlich ist der Beruf?
Gerichtsvollzieher werden immer wieder angegriffen. Im November 2025 wurde ein Gerichtsvollzieher in Bexbach im Saarland im Dienst getötet. Eine eigene Statistik zu Übergriffen auf Gerichtsvollzieher führt zum Beispiel Bayern nicht. Seit 2022 kannst Du vor einem Einsatz bei der Polizei nachfragen, ob vom Schuldner Gefahr ausgeht. Bayern gibt seit 2015 Pfefferspray aus:
Was verdient ein Gerichtsvollzieher?
Im Mittel verdienen Gerichtsvollzieher 3.769 € brutto im Monat. Mehr Zahlen, auch nach Bundesland, findest Du im Artikel Gerichtsvollzieher-Gehalt.
Wie sind die Berufsaussichten?
In Brandenburg fehlen Gerichtsvollzieher: Jede achte Stelle ist frei, und im Schnitt sind sie dort 54 Jahre alt. Hessen stellt nach Bedarf ein und übernimmt deshalb in der Regel alle, die die Prüfung bestehen. Nach der Probezeit bist Du Beamter auf Lebenszeit.
Wie viele Gerichtsvollzieher es in Deutschland gibt, weist keine Statistik getrennt aus. Das Bundesamt für Justiz zählt sie zusammen mit den Justizvollziehungsbeamten an den Amtsgerichten: 2024 waren das rund 4.080 Vollzeitstellen, 2004 noch rund 5.010.
Wie kannst Du aufsteigen?
- StartGerichtsvollzieherBesoldungsgruppe A 8, in Baden-Württemberg nach dem Studium A 10.
- späterObergerichtsvollzieherA 9, in NRW für bis zu 35 % der Stellen mit einer Zulage von rund 375 €.
- in BayernHauptgerichtsvollzieherA 10, je nach Leistung und freien Stellen.
- mit QualifizierungA 11 und höherIn Bayern über eine modulare Qualifizierung, in Baden-Württemberg bis A 11.
Passt der Beruf zu Dir?
In Niedersachsen achtet das Oberlandesgericht bei der Auswahl auf Belastbarkeit, professionelle Distanz, Durchsetzungsfähigkeit und Kontaktfähigkeit.
Was solltest Du mitbringen?
- auch im Streit ruhig und bestimmt bleibst
- Abstand halten kannst, auch bei traurigen Schicksalen
- Deinen Tag gern selbst organisierst und Abwechslung magst
- sorgfältig mit Listen, Zahlen und Gebühren umgehst
- gern unterwegs bist und auf Menschen zugehst
- Konflikten lieber aus dem Weg gehst
- feste Bürozeiten von 9 bis 17 Uhr willst
- Dich nicht um Büro, Personal und Abrechnung kümmern magst
- selbst Schulden hast, die Du nicht im Griff hast
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