Einstiegsgehalt 
1.902
Durchschnittsgehalt 
2.723
Ausbildung 
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2
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Gerichtsvollzieher
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Was ist ein Gerichtsvollzieher?

Gerichtsvollzieher sind Justizbeamte, die mit der Vollstreckung von Urteilen und anderen vollstreckbaren Titeln beauftragt sind. Außerhalb eines konkreten Gerichtsverfahrens stellen sie auch bestimmte Schriftstücke zu.

Was macht ein Gerichtsvollzieher?

Als Gerichtsvollzieher oder Gerichtsvollzieherin bist Du wie Richter oder Staatsanwälte ein selbstständiges Organ der Rechtspflege. Deine Hauptaufgabe besteht darin, Forderungen im Rahmen der Zwangsvollstreckung einzutreiben. Hierzu erscheinst Du persönlich bei den Gläubigern und forderst sie zur Zahlung der geschuldeten Summe auf. Ist dies nicht möglich, pfändest Du bewegliche Gegenstände wie Möbel, Schmuck oder sogar Autos. Werden sie nicht ausgelöst, nimmst Du auch Zwangsversteigerungen vor. Bei Mietschulden bist Du für die Durchführung von Zwangsräumungen zuständig. Wenn ein geschiedener Ehepartner gemeinsame Kinder länger bei sich behält als den sorgerechtlich festgelegten Zeitraum, gehört auch die Kindeswegnahme zu den Gerichtsvollzieher-Aufgaben.

Wie wird man Gerichtsvollzieher?

Voraussetzungen

Die Ausbildung zum Gerichtsvollzieher ist gesetzlich geregelt und an strenge fachliche, aber auch persönliche Bedingungen geknüpft. Wenn Du Gerichtsvollzieher werden möchtest, solltest Du folgende Voraussetzungen mitbringen.

Vorausbildung und Berufserfahrung

Der erste Schritt zur Gerichtsvollzieher-Ausbildung ist eine erfolgreich absolvierte Ausbildung zum Justizfachangestellten. Justizfachangestellte nehmen Aufgaben in den Geschäftsstellen der Gerichte und Staatsanwaltschaften wahr, wo sie neben dem behördlichen Schriftverkehr u.a. auch für die Wahrung von Fristen, die Kostenberechnung und die Protokollführung zuständig sind. Die Ausbildung in diesem Beruf dauert drei Jahre.

Ehe Du Dich für die spezialisierte Gerichtsvollzieher-Ausbildung bewerben kannst, musst Du mindestens drei Jahre als Justizfachangestellter gearbeitet haben. Unter Umständen steht die Ausbildung zum Gerichtsvollzieher aber auch Rechtsanwalts- oder Notarfachangestellten offen. Hier gilt ebenfalls die Voraussetzung einer mindestens dreijährigen Berufserfahrung.

Persönliche Voraussetzungen

Neben der fachlichen Kompetenz in einem Justizberuf musst Du Dich für die Ausbildung auch durch bestimmte persönliche Voraussetzungen empfehlen. An die mittlere Beamtenlaufbahn, die Du anstrebst, sind zum einen strenge gesundheitliche Anforderungen geknüpft. Mit einem ärztlichen Attest weist Du Deine körperliche und psychische Eignung für die Ausbildung zum Gerichtsvollzieher nach. Darüber hinaus darfst Du nicht allzu stark verschuldet sein und Deine wirtschaftlichen Verhältnisse fest im Blick haben. Solltest Du selbst schon einmal nähere Bekanntschaft mit einem Gerichtsvollzieher gemacht haben, kommt die Gerichtsvollzieherausbildung für Dich leider nicht mehr in Frage. Das gleiche gilt, wenn Du älter als 40 Jahre bist.

Gerichtsvollzieher-Ausbildung

Die Ausbildung dauert im Regelfall zwischen anderthalb und zwei Jahren. Es handelt sich dabei um eine vergütete Vollzeitbeschäftigung. Sie findet zum Teil in speziellen Justizfachschule statt und zum anderen Teil bei einem anerkannten Gerichtsvollzieher. Zu den Ausbildungsinhalten zählen:

Justizfachschule

  • Vollstreckungsrecht, Zustellungsrecht, Kostenrecht, Insolvenzordnung, Gerichtsvollziehergeschäftsordnung und -anweisung
  • Bürgerliches Recht, Handels- und Gesellschaftsrecht, Wechsel- und Scheckrecht, Zivilprozessordnung, Gerichtsverfassung, öffentliches Recht, Strafrecht, Prozessrecht
  • Steuerrecht, Abgabenecht, Arbeitsrecht
  • Organisation im Büro, Kommunikation, Konfliktbewältigung

Beim Gerichtsvollzieher

  • Praktische Erfahrungen im Gerichtsvollzieherdienst
  • Führung von Geschäftsbüchern
  • Vorbereitung von Protokollen, Urkunden u.a.
  • Rechnungswesen
  • Außentermine

Nach Abschluss Deiner Ausbildung erwartet Dich noch eine einjährige Bewährungszeit, in der Du probehalber in diesem Beruf arbeitest. Erst im Anschluss bist Du offiziell Beamter auf Lebenszeit.

Alternative Bachelor-Studium

Abgesehen vom herkömmlichen Weg der Gerichtsvollzieher-Ausbildung gibt es mittlerweile auch ein Bachelor-Studium, das Dich auf diesen Beruf vorbereitet. Es wird allerdings nur in Baden-Württemberg angeboten.

Wo arbeitet ein Gerichtsvollzieher?

Gerichtsvollzieher arbeiten bei Gerichten, wobei jeder Gerichtsvollzieher seinen eigenen Amtsgerichtsbezirk betreut. Dein oberster Dienstherr ist der Präsident oder die Präsidentin desjenigen Oberlandesgerichts, das für Deinen Bezirk zuständig ist.

Wie sieht der Arbeitsalltag aus?

Während viele andere juristische Berufe mit dem Vorurteil behaftet sind, besonders langweilig und trocken zu sein, kommst Du in Deinem Job wirklich viel herum und lernst das Leben in all seinen Facetten kennen. Etwa bei einem Arbeitstag wie diesem:

Wie sieht der Arbeitsplatz aus?

Gerichtsvollzieher werden zwar von den Gerichten beauftragt, haben ihren Geschäftssitz aber nicht selbst im Gerichtsgebäude. Vielmehr arbeitest Du in Geschäftsräumen, die Du auf eigene Rechnung betreibst, entweder in Deiner privaten Wohnung oder in einem angemieteten Büro. Du übst Dein Amt selbstständig aus und beschäftigst erforderlichenfalls eigene Büro- und Schreibhilfen.

Außerhalb Deiner Geschäftsräume befindest Du Dich in Deinem Amtsbezirk viel auf den Beinen, der ein wesentlicher Teil Deiner Arbeit aus Besuchen vor Ort besteht.

Wo finde ich einen Job als Gerichtsvollzieher?

Was verdient ein Gerichtsvollzieher?

Die Besoldung ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Gerichtsvollzieher werden nach den Vorschriften des entsprechenden Besoldungsgesetztes bezahlt. Als Angehöriger des mittleren Beamtendienstes steht Dir danach ein monatliches Brutto-Einstiegsgehalt von rund 2.400 Euro zu. Hinzu kommen neben dem Weihnachtsgeld auch Zusatzleistungen wie eine Bürokostenentschädigung und Vollstreckungsvergütungen. Gerichtsvollzieher werden als Beamte finanziell auch dadurch entlastet, dass ärztliche Behandlungen zur Hälfte übernommen werden. Mit der entsprechenden Anzahl von Dienstjahren kann Dein Brutto-Gehalt bis zu rund 3.500 Euro betragen.

Eine gute Nachricht: Schon während der Gerichtsvollzieher-Ausbildung hast Du gute Verdienstmöglichkeiten. Diese richten sich nach dem jeweiligen Tarifvertrag für den öffentlich-rechtlichen Dienst. Danach kannst Du hier monatlich rund 2.300-2.500 Euro brutto verdienen, hast allerdings mehr Abzüge als später im Beamtenstatus.

Wie sind die Berufsaussichten für Gerichtsvollzieher?

Deine Berufsaussichten sind sehr gut. Die Voraussetzungen für diesen Beruf sind relativ hoch, und es gibt nur wenige Bewerber, die ihnen im Vorfeld genügen. Bei einem vergleichsweise hohen Bedarf ist die Anzahl der Gerichtsvollzieherausbildung-Absolventen recht gering, so dass in vielen Amtsgerichtsbezirken händeringend Fachkräfte gesucht werden. Wenn Du erst einmal die Beamtenlaufbahn eingeschlagen hast, arbeitest Du in einem krisensicheren Job und bist auf Lebenszeit unkündbar.

Welche Spezialisierungen gibt es?

Das Berufsbild ist in sich sehr geschlossen und bietet keinen Spielraum für besondere Spezialisierungen. Allerdings sind die Gerichtsausbilder-Aufgaben so vielfältig, dass man Dich fast schon als Spezialist für alles bezeichnen kann.

Passt der Beruf Gerichtsvollzieher zu mir?

Du hast Lust auf einen abwechslungsreichen Job, fühlst Dich in einer sicheren Beamtenkarriere aber durchaus gut aufgehoben und schätzt finanzielle Sicherheit. Dass Du Interesse und sogar Spaß an juristischen Themen hast und gerne im gerichtlichen Umfeld arbeitest, hast Du bereits mit Deinen vorherigen beruflichen Entscheidungen bewiesen. Wenn Du Gerichtsvollzieher werden möchtest, solltest Du allerdings noch einige weitere Voraussetzungen mitbringen, damit Du den Herausforderungen dieses anspruchsvollen Berufs gewachsen bist. Dazu gehören:

Perfektionismus
Perfektionismus ist eine Eigenschaft, die in fast allen juristischen Berufen gefordert ist. Gerade wenn Du Listen von gepfändeten Gegenständen anlegst, musst Du sehr sorgfältig sein, da ein einziger Fehler fatale Folgen für einen Schuldner oder einen Gläubiger haben kann.
Organisationstalent
Dein Kalender ist in diesem Job ungefähr so voll wie der der Bundeskanzlerin, und Deine Termine führen Dich von einem Ort zum anderen. Um diesen Pensum zu bewältigen, musst Du sehr strukturiert und organisiert vorgehen und auch Verzögerungen und unterwartete Gegebenheiten miteinbeziehen.
Durchsetzungsvermögen
Gerichtsvollzieher werden im Regelfall nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Freundliches aber bestimmtes Auftreten ist Dein großer Trumpf. Mit ihm gelingt es Dir, im Zweifelsfall auch widerspenstige Zeitgenossen von der Notwendigkeit Deines Handelns zu überzeugen.
Distanzvermögen
Hinter vielen Fällen, die Du bearbeiten musst, stecken tragische Geschichten. So traurig es ist, aber Du kannst Dich in Deinem Beruf nicht mit allem Elend der Welt identifizieren. Wenn Du im Einsatz bist, geht es vor allem darum, Deine Aufgabe zu erfüllen.
Starke Nerven
Traurig aber wahr: Wenn es auch selten vorkommt, musst Du damit rechnen, dass Du von Schuldnern beschimpft, bedroht oder sogar tätlich angegriffen werden kannst. Man braucht ein dickes Fell, um solchen Widerständen zu begegnen.

Wenn Du diese Eigenschaften erfüllst, bist Du den Gerichtsvollzieher-Aufgaben voll gewachsen.