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Fachhochschulabschluss: Was er bringt

40.200 € Einstiegsgehalt klingt gut? Hier erfährst Du, welche weiteren Vorteile ein Abschluss an der FH bringt - und wie damit die Chancen auf eine Karriere in der Wissenschaft stehen.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Ein Fachhochschulstudium verbindet seit je her Lehre und Praxis
  • Fachhochschulabsolventen steigen im Schnitt schneller ins Berufsleben ein und verdienen mehr
  • Bachelor- und Master-Abschlüsse sind im Prinzip gleichrangig zu denen an Universitäten
  • Der Wechsel zwischen FH und Uni sowie Promotion sind durchaus möglich

Ist der Fachhochschulabschluss weniger wert?

Du hast Dein (Fach)Abitur frisch in der Tasche und überlegst, wie es weitergehen soll? Erst einmal auf Reise? Erstmal eine Ausbildung? Oder doch lieber gleich ein Studium an der Uni oder FH? Moment, FH? War das nicht klassisch die Light-Version der Uni und der Fachhochschulabschluss weniger wert?

Völliger Quatsch und total überholt! Durch die Bologna-Reform und die Umstellung auf Bachelor und Master sind sich FH und Uni so nahe wie nie zuvor. Es spielt also keine so große Rolle mehr ob Fachhochschulabschluss oder Abschluss an der Uni. Von wegen Uni-Abschlüsse sind grundsätzlich wertvoller, ganz im Gegenteil: Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) bringt der Fachhochschulabschluss im Vergleich zum Abschluss an der Uni den Absolventen im Schnitt mehr Einkommen, häufiger unbefristete Arbeitsverträge und mehr Jobs, die der Qualifikation entsprechen. Dadurch sind Fachhochschulabsolventen im Arbeitsleben insgesamt zufriedener und FH-Studiengänge durchaus zukunftssicher.

Auch in der Lehre gleichen sich Uni und FH immer weiter an und die Grenzen verschwimmen. Die praxisnähe, die klassisch für die FH ist, findet in Form von Pflichtpraktika und Co. auch ihren Weg in die Studienordnungen der Unis. Dennoch haben Fachhochschulen nach wie vor den Anspruch, praxisorientierter zu sein. Das äußert sich häufig durch enge Kooperationen mit Wirtschaftsunternehmen. FHs verbinden so Lehre und Forschung und bieten Dir gleichzeitig die Möglichkeit Kontakte zu knüpfen. Das Vorurteil, dass die Ausbildung qualitativ schlechter sei, lässt sich aus der Welt schaffen. Lediglich die Schwerpunkte sind andere. Mit Fachhochschulabschluss gelingt der Einstieg ins Berufsleben und der Wechsel in die Wirtschaft mitunter sogar besser.

Leichterer Einstieg ins Jobleben

Wenn Du möglichst schnell ins Berufsleben einsteigen willst, hat der Fachhochschulabschluss seine Vorteile. Laut der Studie des DZHW steigen Fachhochschulabsolventen im Durchschnitt früher in den Job ein. Aus dem untersuchten Jahrgang machten 65 % der Bachelorabsolventen von der FH direkt den Sprung in den Beruf. An der Universität waren es gerade einmal 25 %. Der Grund: FH-Absolventen suchen nicht nur häufiger den schnellen Berufseinstieg, sondern bekommen auch attraktive Angebote. Die kannst Du beispielsweise schon während des Studiums bekommen, weil Du in einem Projekt mit Partner-Unternehmen die richtigen Kontakte geknüpft hast.

Des Weiteren hat die Studie des DZHW erfasst, dass nur 44 % der FH-Absolventen innerhalb der ersten eineinhalb Jahre nach dem Fachhochschulabschluss ein Master-Studium aufnehmen. An der Uni starten stolze 82 % nahezu lückenlos in den Master-Studiengang.

Mehr Gehalt mit dem Fachhochschulabschluss

Nicht nur beim Einstieg ins Berufsleben liegen Absolventen von Fachhochschulen laut DZHW-Studie vorn: Der Fachhochschulabschluss verspricht durchschnittlich auch ein höheres Gehalt. Im ersten Job kommen FH-Absolventen mit Bachelor durchschnittlich auf 35.100 € Bruttojahreseinkommen, Uni-Bachelor im Schnitt auf 30.200 € - Master-Absolventen der FH sogar auf 40.200 €, Uni-Master auf 38.500 €. Auch die Chance auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag ist mit Fachhochschulabschluss höher: Ungefähr 60 % der Fachhochschulabsolventen ergatterten nach ihrem Studium direkt einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Außerdem geht es für Fachhochschulabsolventen schneller die Karriereleiter hinauf: Ungefähr ein Drittel arbeitet fünf Jahre nach Abschluss in einer Leitungsfunktion. Bei einigen renommierten Unternehmen, wie McKinsey, müssen Absolventen mit Fachhochschulabschluss nach wie vor draußen bleiben, weil nur Uni-Absolventen eingestellt werden. Auch unter den Top-Positionen im Management wirst Du überwiegend Uni-Absolventen finden, die häufig auch ihren Doktortitel gemacht haben.

Der anfängliche Gehaltsvorsprung der FH-Absolventen relativiert sich allerdings über die Jahre. Eine Langzeitstudie zeigt, dass Uni-Absolventen im Schnitt zehn Jahre nach dem Abschluss mehr verdienen als FH-Absolventen - rund 64.300 € gegenüber 59.400 € Bruttojahreseinkommen. Die langfristige Datenlage ist also nicht einheitlich: Kurzfristig haben FH-Absolventen häufig die Nase vorn, langfristig holen Uni-Absolventen auf. Der Unterschied hängt dabei stark vom Fach und vom Arbeitgeber ab. Du musst also nicht unbedingt zur Uni, um Karriere zu machen! Was im Umkehrschluss natürlich nicht bedeutet, dass die FH immer im Vorteil ist.

Was bringt der Fachhochschulabschluss nun?

Seit der Einführung von Bachelor und Master steht die Fachhochschule der Uni abschlusstechnisch in nichts nach. Die Abschlüsse sind gleichrangig und müssen auch nicht mehr, wie das Diplom (FH), in irgendeiner Form gekennzeichnet werden. Die Regelstudienzeit beträgt beim Bachelor sechs bis acht Semester, für den Master zusätzlich nochmal zwei bis vier. Man erwirbt an der Fachhochschule genau wie an der Uni eine vollwertige und abgeschlossene Ausbildung.

Und obwohl sich die Fachhochschulen verändern und den Unis angepasst haben, bleiben sie ihrer ursprünglichen Idee treu: Viel Praxisbezug. Wenn Du also nicht nur Lust auf pure Theorie und Forschung hast, Dich auch praktisch ausprobieren willst und am Ende einen akademischen Grad erreichen willst, macht es für Dich Sinn, über das Studium an einer Fachhochschule nachzudenken.

Wechsel von FH zur Uni - nicht ausgeschlossen

Das klingt für Dich bis jetzt alles sehr gut, aber Du möchtest vielleicht doch noch irgendwann an einer Uni studieren? Nicht unmöglich! Durch die Gleichwertigkeit ist es prinzipiell möglich, von der Fachhochschule zur Universität zu wechseln. Keine Universität darf Dich ablehnen, weil Du von der Fachhochschule kommst. Allerdings ist die Anzahl an Plätzen begrenzt, manchmal wird der Wissensstand abgeprüft und einige ECTS der FH werden an der Uni gegebenenfalls nicht anerkannt. Was aber auf jeden Fall gilt: Wer einen Fachhochschulabschluss (Bachelor) besitzt, darf auch an der Uni weiterstudieren und seinen Master machen! So lange alle Anforderungen des Studiengangs erfüllt werden.

Mit Fachhochschulabschluss promovieren?

Wenn Du einen Doktortitel anstrebst, wird es mit der FH schwieriger, aber nicht unmöglich. Fachhochschulen bzw. Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) haben in der Regel kein eigenes Promotionsrecht - trotzdem kannst Du mit einem Fachhochschulabschluss promovieren. Der klassische Weg dafür ist die kooperative Promotion. Dabei wirst Du gleichberechtigt von einer betreuenden Person an der FH bzw. HAW und einer an einer Universität betreut; Dein Arbeitsplatz ist dabei oft an der FH angesiedelt. Den Doktorgrad verleiht am Ende die kooperierende Universität. Auch internationale Kooperationen sind möglich, bei denen der Doktortitel durch die kooperierende Universität verliehen wird und die Forschung in der Regel anwendungsorientiert ausgerichtet ist.

Inzwischen haben einzelne Bundesländer FH bzw. HAW ein eigenständiges Promotionsrecht ermöglicht. Den ersten Schritt machte Baden-Württemberg 2014 durch die Verleihung des Promotionsrechts an den gemeinsamen Verband der Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW). In Sachsen-Anhalt kann der Doktorgrad nicht nur an Universitäten, sondern auch an Promotionszentren der HAW erworben werden, und Hessen führte 2016 ebenfalls Schritte zur Promotion an FH ein. In Bremen wurden 2024 mit der Bremer Promotionsverordnung die rechtlichen Voraussetzungen geändert, damit forschungsstarke Bereiche der Bremer Hochschulen eigenständig zur Promotion führen können. An manchen Hochschulen gibt es künftig sogar zwei Optionen: die kooperative Promotion in Zusammenarbeit mit einer Universität sowie die direkte Promotion im Rahmen eines eigenen Promotionszentrums.

Die Grundvoraussetzung zur Promotion ist schließlich Dein Masterabschluss, dabei spielt es keine Rolle ob Master von der FH oder der Uni. Nichtsdestotrotz ist der Weg zur Promotion für FH-Absolventen häufig steiniger.

Schwierigkeiten bei der Promotion mit Fachhochschulabschluss

Die erste Hürde für ein Promotionsstudium ist die Bewerbung: Professoren an der Uni stellen in der Regel eher Studenten der Uni als Doktoranden ein, statt Studenten einer FH. Bei der direkten Bewerbung könnte es außerdem dazu kommen, dass Du bestimmte Prüfungen noch einmal wiederholen musst, ehe Du zugelassen wirst. Die Unis werfen FH-Absolventen hier immer wieder Steine in den Weg. Wer sich allerdings bemüht einen „Doktorvater” zu finden und von sich zu überzeugen, wird auf lange Sicht belohnt. Mit Fachhochschulabschluss und dem Ziel Promotion, musst Du Dich vor allem Durchbeißen und atmosphärische Probleme sowie die Nicht-Zugehörigkeit durchbrechen. Dass Uni-Absolventen meistens bevorzugt werden ist eine Tatsache, auf die Du Dich einstellen musst. Doch all diese Hürden sind zu überwinden und die Zahl der Promotionen von Fachhochschulabsolventen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

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