Psychotherapeut werden: Beruf und Ausbildung

5 Jahre Studium bis zur Approbation5 Jahre bezahlte Weiterbildung danach36.197 Psychotherapeuten in der Kassenversorgung5.221 € mittleres Gehalt
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Inhalt15 Abschnitte
  1. Wie wird man Psychotherapeut?
  2. Was musst Du studieren?
  3. Welche Voraussetzungen brauchst Du?
  4. Wie lange dauert es?
  5. Was kostet der Weg?
  6. Was macht ein Psychotherapeut?
  7. Psychologe, Psychotherapeut, Psychiater
  8. Wo arbeitet ein Psychotherapeut?
  9. Welche Spezialisierungen gibt es?
  10. Was verdient ein Psychotherapeut?
  11. Wie geht es nach der Approbation weiter?
  12. Geht es ohne Psychologiestudium?
  13. Wie sind die Berufsaussichten?
  14. Passt der Beruf zu Dir?
  15. Weiter zu Psychologie und Therapie

Psychotherapeuten erkennen und behandeln psychische Erkrankungen wie Depressionen, Ängste oder Süchte, vor allem im Gespräch und mit wissenschaftlich geprüften Verfahren.

Wie wird man Psychotherapeut?

Psychotherapeut wirst Du mit einem 5-jährigen Studium an einer Universität: 3 Jahre Bachelor in Psychologie, 2 Jahre Master in Psychotherapie, danach die staatliche Prüfung. Mit der Approbation, der staatlichen Erlaubnis, darfst Du Dich Psychotherapeut nennen und Patienten behandeln. Mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen kannst Du erst nach einer bezahlten Weiterbildung von mindestens 5 Jahren zum Fachpsychotherapeuten. Es gibt drei Wege, aber nur zwei führen zum geschützten Titel:

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Was musst Du studieren?

Dein Studium muss approbationskonform sein, nicht jeder Psychologie-Bachelor erfüllt das. Diese Hochschulen schicken Dir kostenlos Infomaterial:

Zur Approbation führen laut Anbieter nur die beiden Studiengänge der Charlotte Fresenius Hochschule, die einer Universität gleichgestellt ist. IU und Euro-FH schließen die Approbation aus, die University of Europe nennt sie nicht. Diese drei Bachelor führen in die Psychologie, etwa in Beratung oder Personalentwicklung.
1
IU Internationale Hochschule
Psychologie
IU Internationale Hochschule* · Fernstudium
Bachelor
2
Charlotte Fresenius Hochschule
Klinische Psychologie & Psychotherapie
Charlotte Fresenius Hochschule* · Präsenzstudium
Master
3
Charlotte Fresenius Hochschule
Psychologie (B.Sc.)
Charlotte Fresenius Hochschule* · Präsenzstudium
Bachelor
4
University of Europe
Psychologie (B.Sc.)
University of Europe* · Präsenzstudium
Bachelor
5
Euro-FH
Psychologie (B.Sc.)
Euro-FH* · Fernstudium
Bachelor

Approbationskonform heißt: Bachelor und Master erfüllen zusammen die Vorgaben der Approbationsordnung. Das Gesetz erlaubt das Studium nur an Universitäten und Hochschulen, die ihnen gleichgestellt sind. Fachhochschulen fallen damit heraus, und nicht jede private Hochschule hat Universitätsstatus. Mehr über Inhalte und Studienorte liest Du im Artikel Psychotherapie-Studium. So unterscheiden sich die beiden Abschnitte:

BachelorMaster
Namemeist Psychologie, polyvalent oder approbations­konformKlinische Psychologie und Psychotherapie
Dauer3 Jahre2 Jahre
Praxis570 Stunden, zum Beispiel Orientierungs- und Forschungspraktikum750 Stunden, davon 600 in Klinik und ambulanter Versorgung
InhaltePsychologie, Diagnostik, Grundlagen der Medizin und PharmakologieStörungen erkennen und behandeln, Therapieverfahren, Fallarbeit
Am EndeBachelor of ScienceMaster of Science, danach die staatliche Prüfung

Quellen: Psychotherapeutengesetz § 9, Approbationsordnung für Psychotherapeuten §§ 2, 13 bis 18, BERUFENET Psychotherapie (grundständig und weiterführend).

Der Engpass liegt beim Master. Die Hochschulen bieten etwa doppelt so viele approbationstaugliche Bachelorplätze an wie Plätze im Approbationsmaster:

55
Hochschulen
mit Approbationsmaster
ca. 3.600
Masterplätze
pro Jahr
ca. 7.800
Bachelorplätze
approbationstauglich, pro Jahr
Quelle: Fakultätentag Psychologie, Studienplatztabelle (Umfrage 2024/25), eigene Auszählung.

Geht es im Fernstudium?

Noch nicht. Die Approbationsordnung verlangt Präsenzzeit, im Master allein 450 Stunden in Klinik oder Tagesklinik. Die FernUniversität in Hagen plant den ersten approbationskonformen Fernstudiengang zum Wintersemester 2028/29, sofern er akkreditiert wird. Ein Fernstudium in Psychologie öffnet Dir heute Berufe in Beratung, Wirtschaft und Forschung, mehr dazu unter Fernstudium Psychologie.

Welche Voraussetzungen brauchst Du?

Für den Bachelor brauchst Du in der Regel Abitur und einen sehr guten Schnitt. An staatlichen Universitäten ist Psychologie zulassungsbeschränkt. Manche Unis vergeben die Plätze über hochschulstart.de, andere nehmen Deine Bewerbung direkt an. Oft zählt neben der Note der Studieneignungstest BaPsy-DGPs:

UniversitätAuswahl zum Wintersemester 2025/26
FU Berlin126 Plätze bei 4.148 Bewerbungen, Grenze Abiturnote 1,0
LMU MünchenGrenze 1,54 nach Note und Test, in der reinen Notenquote 1,0
Uni HamburgPunktwert 8,0 aus Abiturnote und Test BaPsy-DGPs

Quellen: Auswahlgrenzen der FU Berlin, der LMU München und der Universität Hamburg; Deutsche Gesellschaft für Psychologie. Grenzwerte gelten nur für das jeweilige Semester.

Alle Werte im Überblick findest Du unter Psychologie NC. Private Hochschulen vergeben ihre Plätze selbst und werben teils mit einem Studium ohne NC, verlangen aber Studiengebühren. Für den Master wählen auch sie aus, die Charlotte Fresenius Hochschule etwa mit Bachelornote 2,5 oder besser und einer Aufnahmeprüfung.

Was Du für die Approbation brauchst

Voraussetzungen für die Approbation
StudiumApprobationskonformer Bachelor und MasterDazu die bestandene psychotherapeutische Prüfung.
ZuverlässigkeitKein Verhalten, das Dich unwürdig oder unzuverlässig machtDas prüft die Behörde vor der Approbation.
GesundheitGesundheitlich geeignet für den BerufAuch das prüft die zuständige Behörde Deines Landes.
SpracheGute DeutschkenntnisseVerlangt sind die Kenntnisse, die Du für den Beruf brauchst.

Quelle: Psychotherapeutengesetz § 2.

Ohne Abitur studieren

Das geht in allen Bundesländern. Mit Meister oder einer gleichwertigen Fortbildung darfst Du studieren wie mit Abitur. Nach einer zweijährigen Ausbildung und drei Jahren Berufspraxis bekommst Du meist eine fachgebundene Zulassung, oft nach einer Eignungsprüfung. Für Psychologie musst Du Dich dann aber genauso um einen der knappen Plätze bewerben.

Wie lange dauert es, Psychotherapeut zu werden?

Bis zur Approbation dauert es 5 Jahre, mit der Weiterbildung zum Fachpsychotherapeuten noch einmal mindestens 5 Jahre. Wer eine eigene Praxis mit Kassenzulassung möchte, plant mindestens 10 Jahre ein, in Teilzeit länger.

  1. Jahr 1 bis 3BachelorGrundlagen der Psychologie, Diagnostik, Medizin und Forschung, dazu 570 Stunden Praktika.
  2. Jahr 4 und 5MasterKlinische Psychologie und Psychotherapie, 750 Stunden Praxis in Klinik, Tagesklinik und Praxis.
  3. am EndePsychotherapeutische PrüfungEine mündlich-praktische Fallprüfung und ein Parcours mit Stationen, etwa zu Diagnostik und Patientensicherheit.
  4. danachApprobationDu bist Psychotherapeut und darfst behandeln, angestellt oder privat.
  5. Jahr 6 bis 10WeiterbildungMindestens 5 Jahre in Vollzeit, angestellt und bezahlt, in Praxis und Klinik. Am Ende bist Du Fachpsychotherapeut.
  6. dannKassenzulassungEintrag ins Arztregister und Antrag beim Zulassungsausschuss.

Quellen: Psychotherapeutengesetz §§ 9 und 10, Approbationsordnung § 48, Muster-Weiterbildungsordnung der Bundespsychotherapeutenkammer.

Was kostet der Weg, und wer bezahlt ihn?

Teuer kann vor allem das Studium an einer privaten Hochschule werden, die Weiterbildung danach wird bezahlt. Wie viel Du selbst trägst, hängt vor allem vom Studium ab:

AbschnittWas es kostetWie Du es finanzierst
Studium an einer staatlichen UniSemester­beitrag, Miete und LebenBAföG, Nebenjob, Stipendien
Studium an einer privaten Hochschuledazu Studien­gebührenStipendien, Nebenjob
Weiterbildung nach der ApprobationDu wirst angestelltGehalt vom Arbeitgeber
Ausbildung nach altem RechtKosten am Institutmindestens 1.000 € im Monat in der praktischen Tätigkeit

Quellen: BAföG § 2, Psychotherapeutengesetz § 27, Muster-Weiterbildungsordnung der Bundespsychotherapeutenkammer.

Für Dein Studium kommen viele Stipendien in Frage, etwa nach Fach, Note oder Engagement. Welche zu Dir passen, zeigt Dir unsere kostenlose Stipendiensuche.

Kurz beantwortet
Was brauche ich, um Psychotherapeut zu werden?Ein approbationskonformes Studium und die Approbation5 Jahre an einer Universität, dann die staatliche Prüfung.
Was muss man studieren, um Psychotherapeut zu werden?Psychologie, dann Klinische Psychologie und PsychotherapieOder Medizin mit einem Facharzt in Psychiatrie oder Psychosomatik.
Kann man als Quereinsteiger Psychotherapeut werden?Nein, nur über das Studium.Ohne Studium bleibt der Heilpraktiker für Psychotherapie, ohne den geschützten Titel.
Kann man ohne Abitur Psychotherapeut werden?Ja, mit Meister oder Ausbildung und Berufspraxis.Du brauchst trotzdem einen Studienplatz in Psychologie.
Kann man im Fernstudium Psychotherapeut werden?Noch nichtDie FernUni Hagen plant einen approbationskonformen Bachelor ab 2028/29.
Wie lange dauert es, Psychotherapeut zu werden?5 Jahre bis zur ApprobationMit Weiterbildung für die Kassenzulassung mindestens 10 Jahre.
Ist ein psychologischer Psychotherapeut ein Facharzt?Nein, er ist kein Arzt.Nach der Weiterbildung von mindestens 5 Jahren heißt er Fachpsychotherapeut.
Was ist höher, Psychotherapeut oder Psychologe?Psychotherapeut, er hat zusätzlich die Approbation.Ein Psychologe hat Psychologie studiert, darf aber keine Psychotherapie als Heilbehandlung anbieten.

Was macht ein Psychotherapeut?

Als Psychotherapeut diagnostizierst und behandelst Du psychische und psychosomatische Störungen. Deine Patienten haben zum Beispiel Depressionen, Angst- oder Essstörungen, ein Trauma oder eine Sucht. Du klärst, was ihnen fehlt, und behandelst sie in Einzel- oder Gruppensitzungen, auch per Video.

So sieht Dein Alltag aus
ErstgesprächDu hörst zu, fragst nach und klärst, ob eine Therapie nötig ist.In der Kassenversorgung heißt das psychotherapeutische Sprechstunde.
DiagnostikMit Gesprächen und psychologischen Tests stellst Du eine Diagnose.Daraus planst Du mit dem Patienten die Behandlung.
BehandlungIn Sitzungen von 50 Minuten arbeitest Du mit Deinen Patienten an ihren Problemen.Eine tragfähige Beziehung zum Patienten ist Teil der Behandlung.
SchreibarbeitDu dokumentierst jede Stunde, schreibst Anträge, Berichte und Gutachten.Mit eigener Praxis kommen Abrechnung und Verwaltung dazu.
FortbildungDu bleibst über Fachliteratur, Supervision und Kurse auf dem neuesten Stand.Mit Kassensitz weist Du Deine Fortbildung alle 5 Jahre nach.

So läuft eine Therapie auf Kassenkosten ab

  1. zuerstSprechstundeBis zu 6 Termine, zusammen höchstens 150 Minuten.
  2. bei BedarfAkutbehandlungBis zu 24 Einheiten von 25 Minuten für Menschen in einer Krise.
  3. vor der TherapieProbatorische Sitzungen2 bis 4 Stunden zum Kennenlernen, bevor die eigentliche Therapie beginnt.
  4. dannKurzzeittherapieZweimal bis zu 12 Stunden.
  5. wenn nötigLangzeittherapieJe nach Verfahren bis zu 48 Stunden (Systemische Therapie), 80 (Verhaltenstherapie), 100 (tiefenpsychologisch) oder 300 (analytisch).

Quelle: Psychotherapie-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, §§ 11 bis 13, 28 bis 30 (Stand Juni 2026).

Welche Therapieverfahren gibt es?

VerfahrenWorum es gehtKasse zahlt
Verhaltens­therapieDenk- und Verhaltens­muster erkennen und Schritt für Schritt ändernja
Tiefen­psycho­logisch fundierte Psycho­therapieaktuelle Konflikte mit ihren Wurzeln in der Lebens­geschichte bearbeitenja
Analytische Psychotherapieunbewusste Konflikte über einen längeren Zeitraum aufarbeitenja
Systemische TherapieFamilie und Umfeld in die Behandlung einbeziehenja, für Erwachsene seit 2020, für Kinder und Jugendliche seit 2024

Die Gesprächspsychotherapie zahlen die gesetzlichen Kassen nicht. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat sie 2008 abgelehnt.

Quellen: Psychotherapie-Richtlinie §§ 15 bis 18; Beschlüsse des Gemeinsamen Bundesausschusses vom 22.11.2019, 18.01.2024 und 24.04.2008.

Psychologe, Psychotherapeut, Psychiater: Was ist der Unterschied?

Psychotherapeut darf sich nur nennen, wer approbiert ist, also Psychologische Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und Ärzte. Die drei Berufe klingen ähnlich, dürfen aber Unterschiedliches:

BerufAusbildungWas er darf
PsychologeStudium der Psychologieberaten, testen, forschen, aber keine Psychotherapie als Heilbehandlung
Psycho­therapeutStudium und Approbationpsychische Erkrankungen diagnostizieren und behandeln
PsychiaterMedizin und Facharztzusätzlich körperlich untersuchen und Medikamente verschreiben
Heilpraktiker für PsychotherapiePrüfung beim Gesundheitsamttherapeutisch arbeiten, ohne Titel und ohne Kasse

Quellen: gesund.bund.de (Bundesgesundheitsministerium), Psychotherapeutengesetz § 1, Deutsche Gesellschaft für Psychologie.

Das Wort Psychotherapie darf dagegen jeder benutzen. Achte bei der Suche nach einem Therapeuten also auf den Titel.

Wo arbeitet ein Psychotherapeut?

Psychotherapeuten arbeiten in Praxen, Kliniken, Reha-Einrichtungen und Beratungsstellen. Mehr als die Hälfte der nichtärztlichen Psychotherapeuten ist selbstständig.

ArbeitgeberWas Du dort machst
Eigene oder fremde PraxisEinzel- und Gruppentherapien, Sprechstunden, oft in Teilzeit
Kliniken für Psychiatrie und PsychosomatikPatienten auf Station und in der Tagesklinik behandeln, im Team mit Ärzten und Pflege
Reha-KlinikenPatienten nach Krankheit oder Sucht wieder fit für Alltag und Beruf machen
Beratungsstellen und JugendhilfeFamilien, Jugendliche und Menschen in Krisen begleiten
JustizvollzugGefangene psychotherapeutisch behandeln
Öffentlicher Gesundheitsdienst und Krankenkassenberaten und Gutachten schreiben

Quellen: BERUFENET Psychotherapeut/in und Fachpsychotherapeut/in; Bundesagentur für Arbeit, Engpassanalyse 2025 (Selbstständigenanteil 57,6 %).

Arbeitszeiten und Arbeitsplatz

Du arbeitest in Therapie- und Sprechzimmern und am Schreibtisch. In der Praxis legst Du Termine oft dorthin, wo Deine Patienten Zeit haben, also auch auf den Abend. In der Klinik kann Bereitschaftsdienst dazukommen, auch nachts oder am Wochenende. Viele arbeiten in Teilzeit:

37,4 Std.
pro Woche
arbeiten Praxisinhaber im Schnitt
25,5 Std.
davon
direkt mit Patienten
66 %
mit halbem Kassensitz
unter den Psychologischen Psychotherapeuten
Quellen: Zi-Praxis-Panel (Daten 2023); KBV-Gesundheitsdaten 2025.

Welche Spezialisierungen gibt es?

Die erste Spezialisierung ist Dein Gebiet: Erwachsene, Kinder und Jugendliche oder Neuropsychologie. Nach der Weiterbildung kannst Du Dich in Bereichsweiterbildungen weiter spezialisieren:

SpezialisierungWorum es geht
Neuropsychologische PsychotherapieMenschen mit Hirnschäden, etwa nach einem Schlaganfall oder Unfall
Spezielle SchmerzpsychotherapiePatienten mit chronischen Schmerzen
Spezielle Psychotherapie bei DiabetesMenschen, die mit Diabetes und seinen Folgen ringen
SozialmedizinGutachten zu Arbeitsfähigkeit, Reha und Rente
Klinische Hypnose/HypnotherapieHypnose als Teil der Behandlung
Ein zweites Verfahrenzum Beispiel Systemische Therapie zusätzlich zur Verhaltenstherapie

Quelle: Muster-Weiterbildungsordnung der Bundespsychotherapeutenkammer, Abschnitte B und D.

In der Praxis setzen viele einen Schwerpunkt, zum Beispiel auf Sucht, Trauma, Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen. Für Traumatherapie mit EMDR bei Erwachsenen brauchst Du nachweislich eine passende Fortbildung. Mit Erfahrung kannst Du auch als Supervisor oder Coach arbeiten und andere Therapeuten oder Teams beraten.

Was verdient ein Psychotherapeut?

Als Psychotherapeut verdienst Du im Mittel 5.221 € brutto im Monat. Was Du in Klinik, Praxis und Weiterbildung bekommst und wie sich das Gehalt mit der Erfahrung entwickelt, steht im Artikel Psychotherapeut-Gehalt.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Verdiensterhebung.

Wie geht es nach der Approbation weiter?

Nach der Approbation folgt die Weiterbildung zum Fachpsychotherapeuten. Du arbeitest dabei als approbierter Psychotherapeut in einer Klinik oder Praxis, wirst angeleitet und bezahlt. So ist sie laut Muster-Weiterbildungsordnung aufgebaut:

AbschnittWie lange
Ambulante Versorgung, zum Beispiel Praxis oder Ambulanzmindestens 24 Monate
Klinik: Psychiatrie, Psychosomatik, Suchtrehamindestens 24 Monate
Institutionen wie Beratungsstelle, Jugendhilfe oder Justizvollzugbis zu 12 Monate
ein anderes Gebietbis zu 12 Monate
Teilzeitmöglich, dann entsprechend länger

Quelle: Muster-Weiterbildungsordnung der Bundespsychotherapeutenkammer (Stand Mai 2026). Die Landeskammern setzen sie in eigenes Recht um.

Du wählst ein Gebiet: Psychotherapie für Erwachsene, für Kinder und Jugendliche oder Neuropsychologische Psychotherapie. Dazu kommt Dein Verfahren: Wählst Du Verhaltenstherapie, wirst Du Verhaltenstherapeut. Die Bezahlung in der Weiterbildung ist ein offenes Thema: Die Bundespsychotherapeutenkammer warnte im Mai 2026, die Finanzierung sei noch immer nicht ausreichend gesichert.

Kassenzulassung und eigene Praxis

  1. Schritt 1ArztregisterMit Approbation und abgeschlossener Weiterbildung trägt Dich die Kassenärztliche Vereinigung ins Register ein.
  2. Schritt 2Freier SitzDie Bedarfsplanung legt fest, wie viele Psychotherapeuten in einer Region zugelassen werden. Ist sie voll, brauchst Du einen frei werdenden Sitz.
  3. Schritt 3ZulassungsausschussÜber Deinen Antrag entscheidet ein Ausschuss aus Vertretern der Ärzte und Krankenkassen, nicht die Kassenärztliche Vereinigung allein.

Eine Privatpraxis darfst Du schon mit der Approbation eröffnen. Gesetzlich Versicherte können sich die Kosten bei Dir aber nur erstatten lassen, wenn Du auch die Weiterbildung hast. Mit voller Zulassung musst Du mindestens 25 Stunden pro Woche Sprechstunden für gesetzlich Versicherte anbieten.

Quellen: SGB V §§ 13, 95, 95c, 95d, 96, 103; Zulassungsverordnung §§ 19, 19a.

Kann man ohne Psychologiestudium Psychotherapeut werden?

Ohne Psychologiestudium nur über Medizin, ganz ohne Studium gar nicht. Wer nicht Psychologie studieren will, hat zwei andere Wege. Was sie Dir erlauben:

WegDauerWas Du damit darfst
Psycho­logie und Psycho­therapie5 + 5 JahreTitel Psychotherapeut, Kasse nach der Weiterbildung
Medizin und Facharzt6 + 5 JahreTitel ärztlicher Psychotherapeut, Kasse, Medikamente
Heil­praktiker für Psycho­therapiePrüfung beim Gesundheitsamttherapeutisch arbeiten, ohne Titel und ohne Kasse
Soziale Arbeit oder Päda­gogiknur nach altem RechtKinder und Jugendliche behandeln, Weg läuft bis 2032 aus

Quellen: Psychotherapeutengesetz §§ 1, 27; Approbationsordnung für Ärzte § 1; Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer; Heilpraktikergesetz und Durchführungsverordnung § 2.

Über Medizin: ärztlicher Psychotherapeut

Das Medizinstudium dauert 6 Jahre, das letzte ist das Praktische Jahr. Danach machst Du eine Facharztweiterbildung von 5 Jahren in Psychiatrie und Psychotherapie, in Psychosomatischer Medizin und Psychotherapie oder in Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Ärzte anderer Fächer können die Zusatz-Weiterbildung Psychotherapie machen. Als Arzt darfst Du anders als Psychologische Psychotherapeuten auch Medikamente verschreiben. Wie Du an einen Studienplatz kommst, steht im Artikel Medizinstudium.

Heilpraktiker für Psychotherapie

Wer ohne Studium therapeutisch arbeiten will, kann die eingeschränkte Heilpraktiker-Erlaubnis für Psychotherapie beantragen. Alles zu diesem Weg liest Du im Artikel Heilpraktiker für Psychotherapie. Das Wichtigste:

Heilpraktiker für Psychotherapie
VoraussetzungenMindestens 25 Jahre und HauptschulabschlussEine Ausbildung ist nicht vorgeschrieben, viele bereiten sich in Kursen vor.
PrüfungSchriftlich und mündlich beim GesundheitsamtIn Berlin kostet sie zum Beispiel 400 €.
TitelNicht PsychotherapeutDen geschützten Titel gibt es nur mit Approbation.
KasseKeine gesetzliche KrankenversicherungGesetzlich Versicherte zahlen die Sitzungen selbst.

Quellen: Heilpraktikergesetz § 1, Erste Durchführungsverordnung § 2, Service-Portal Berlin, BERUFENET, Bundespsychotherapeutenkammer.

Gibt es die Ausbildung zum Psychotherapeuten noch?

Nur als Übergang. Wer vor dem 1. September 2020 Psychologie, Pädagogik oder Sozialpädagogik zu studieren begonnen hat, kann die alte Ausbildung an einem Institut noch machen. Sie muss bis 1. September 2032 beendet sein, in Härtefällen bis 31. August 2035. In der praktischen Tätigkeit stehen Dir seit 2020 mindestens 1.000 € im Monat zu, wenn Du Vollzeit arbeitest. Die Länder dürfen außerdem für Studienanfänger bis August 2026 eine Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten an Fachhochschulen erlauben. Mit Sozialer Arbeit oder Pädagogik führt heute sonst kein Weg mehr zur Approbation.

Wie sind die Berufsaussichten?

Die Aussichten sind gut, Psychotherapie wird gebraucht. Patienten warten nach dem Erstgespräch im Schnitt rund 20 Wochen auf den Therapiebeginn. Und fast ein Drittel der Psychotherapeuten mit Kassensitz ist 60 oder älter:

27,8 %
der Erwachsenen
haben in einem Jahr eine psychische Störung
+52 %
Psychotherapeuten
in der Kassenversorgung, 2016 bis 2025
ca. 30 %
sind 60 oder älter
unter den Psychologischen Psychotherapeuten mit Kassensitz
Quellen: Robert Koch-Institut (DEGS1-MH); KBV-Gesundheitsdaten 2025; Bundespsychotherapeutenkammer 2023.

Ein Engpassberuf ist Psychotherapie laut Bundesagentur für Arbeit trotzdem nicht. Sie führt den Beruf im Beobachtungsbereich. Arbeitgeber brauchen aber überdurchschnittlich lange, um eine Stelle zu besetzen, und die Zahl der Beschäftigten soll bis 2040 wachsen. Wie viele Kassensitze es in einer Region gibt, legt die Bedarfsplanung fest.

Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Engpassanalyse 2025 und BERUFENET; SGB V § 103.

Passt der Beruf zu Dir?

Psychotherapeut ist ein Beruf mit langem Atem: 5 Jahre Studium, 5 Jahre Weiterbildung, und auch danach lernst Du weiter. Dafür hilfst Du Menschen in schweren Zeiten und siehst, wie es ihnen besser geht. Diese Liste hilft Dir bei der Entscheidung:

Was solltest Du mitbringen?

Das passt zu Dir, wenn Du ...
  • Dich gut in andere hineinversetzen kannst
  • aufmerksam beobachtest und auch Zwischentöne wahrnimmst
  • in schwierigen Gesprächen die richtigen Worte findest
  • Dich gern mit Theorien, Studien und Modellen beschäftigst
  • belastbar bist und Abstand halten kannst, ohne abzustumpfen
  • verschwiegen bist
  • Geduld hast, auch wenn Fortschritte lange dauern
Eher nicht, wenn Du ...
  • schnelle Erfolge brauchst
  • schwere Schicksale schlecht loslassen kannst
  • ungern dokumentierst und Anträge schreibst
  • keine 10 Jahre Ausbildung bis zur eigenen Kassenpraxis einplanen willst

Unsicher, ob es Therapie sein soll? Dann lies auch, wie Du Psychologe oder Ergotherapeut wirst.

Weiter zu Psychologie und Therapie

Quellen dieses Artikels Recht: Psychotherapeutengesetz (PsychThG) §§ 1, 2, 9, 10, 26, 27; Approbationsordnung für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten §§ 2, 13 bis 18, 48 · Weiterbildung: Muster-Weiterbildungsordnung der Bundespsychotherapeutenkammer (Stand Mai 2026); BPtK, Meldung vom 22.05.2026 · Kasse: SGB V §§ 13, 95, 95c, 95d, 96, 103; Zulassungsverordnung für Vertragsärzte §§ 19, 19a; Psychotherapie-Richtlinie des G-BA (Stand Juni 2026) und Beschlüsse vom 24.04.2008, 22.11.2019, 18.01.2024 · Studium: Fakultätentag Psychologie, Studienplatztabelle; Deutsche Gesellschaft für Psychologie; FernUniversität in Hagen; Auswahlgrenzen FU Berlin, LMU München, Universität Hamburg; hochschulstart.de; KMK, Beschluss vom 06.03.2009; BAföG § 2; Anbieterangaben IU, Charlotte Fresenius Hochschule, University of Europe, Euro-FH (Oktober 2026) · Medizin: Approbationsordnung für Ärzte § 1; Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer · Heilpraktiker: Heilpraktikergesetz § 1, Erste Durchführungsverordnung § 2; BERUFENET Heilpraktiker/in für Psychotherapie · Beruf: BERUFENET Psychotherapeut/in, Psychologische/r Psychotherapeut/in, Fachpsychotherapeut/in; gesund.bund.de · Arbeitszeit: Zi-Praxis-Panel (Daten 2023); KBV-Gesundheitsdaten 2025 · Gehalt: Statistisches Bundesamt, Verdiensterhebung · Arbeitsmarkt: Bundesagentur für Arbeit, Engpassanalyse 2025; RKI (DEGS1-MH); BPtK, Pressemitteilung vom 14.06.2023

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