Das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES) ist eines der 13 großen Begabtenförderungswerke Deutschlands und richtet sich an jüdische Studenten und Doktoranden. Ziel ist es, dass sich junge Menschen auf verschiedenen Ebenen mit ihrer jüdischen Identität auseinandersetzen und in Deutschland eine neue jüdische Intellektualität ausgebildet wird. Es wurden bisher mehr als 1.200 Stipendiaten gefördert, von denen fast 90% einen Migrationshintergrund haben.
Die Förderung des ELES besteht aus mehreren Programmlinien. Das Stipendium für Studenten beinhaltet eine monatliche Pauschale von 300 € mit einem optionalen Aufschlag von bis zu 855 €, der vom eigenen Einkommen und dem der Eltern abhängig ist. Mit dem Promotionsstipendium bekommen Promovierende 1.750 € im Monat plus 100 € Forschungskostenpauschale.
Dem Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk ist wichtig, dass die Stipendiaten:
- sich sozial in der Gesellschaft oder ihrer Gemeinde engagieren
- gute Noten haben
- der jüdischen Gemeinschaft angehören (auch über den Vater)
Nicht-jüdische Doktoranden können sich bewerben, wenn sie in Deutschland zu einem jüdischen Thema promovieren.
Die Stipendiaten des ELES haben zudem die Wahl aus über 50 Veranstaltungen pro Jahr. Diese verteilen sich auf mehrere Programmlinien, wobei Anregungen und Vorschläge vonseiten der Stipendiaten zur Programmgestaltung ausdrücklich willkommen sind.
Auf den Begrüßungstagen werden neue Stipendiaten in die Arbeit des Studienwerks eingeführt. Gleichzeitig werden Stipendiaten eingeladen, die kurz vor ihrem Abschluss stehen. So soll eine jahrgangsübergreifende Vernetzung stattfinden und ältere Stipendiaten dazu angeregt werden, sich im Studienwerk auch nach dem Ende ihrer Förderung zu engagieren.
Es finden außerdem regelmäßig ELES-Kollegs mit Themenschwerpunkten wie „Migration“ oder „Erinnern“ und studentisch organisierte Kollegs statt. Die Promovierenden treffen sich in einem eigenen Forum zum Austausch. Außerdem gibt es Praxiskollegs unter der Anleitung eines orthodoxen und eines liberalen Rabbiners, die zur Erforschung der persönlichen religiösen Identität anregen sollen.
Ein Sonderprogramm des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks ist Beck Berlin: Gemeinsam mit der Beck’schen Stiftung fördert ELES jüdische Studenten und Doktoranden aus Israel, die an einer Berliner Hochschule studieren oder promovieren.
Als Ansprechpartner für die Stipendiaten stehen knapp 100 Mentoren zur Verfügung. Deutschlandweit haben sich außerdem acht Regionalgruppen organisiert, die sich regelmäßig treffen.
Das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk ermutigt seine Stipendiaten zu einem Auslandsaufenthalt und stellt dafür auch eine zusätzliche Förderung in Aussicht. Außerdem werden im Rahmenprogramm des Studienwerks Auslandsakademien in New York veranstaltet. Über das „Benno-Jacob-/Bertha-Pappenheim-Stipendienprogramm“ werden im Gegenzug angehende Rabbiner und Kantoren nach Deutschland eingeladen.
Erst 2009 wurde das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk gegründet und ist damit eins der jüngsten Begabtenförderungswerke. Es wurde nach dem Berliner Historiker und Religionswissenschaftler Ernst Ludwig Ehrlich (1921-2007) benannt, der sich intensiv für einen interreligiösen Dialog einsetzte. Stipendien wurden vom ELES zuerst 2010 vergeben. Seinen zentralen Sitz hat das Studienwerk seit 2017 im Ernst Ludwig Ehrlich Haus in Berlin Mitte. Es befindet sich auf dem Gelände der evangelischen St. Johannis-Kirche, ebenso wie die liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee. Das ELES legt ganz in der Tradition seines Namensgebers viel Wert auf einen Austausch der Religionen und hat dazu etwa das Projekt „Dialogperspektiven“ gegründet, das heute eigenständig arbeitet.