Was ist ein Kapitän?
Kapitän ist die Bezeichnung für den Kommandanten eines Schiffes. Andere Berufsbezeichnungen lauten daher auch „Schiffsführer” oder „Schiffer”. Jedes Fahrzeug, das auf dem Wasser verkehrt, hat nur einen einzigen Kapitän, der für sämtliche nautischen, technischen und kaufmännischen Aufgaben auf einem Schiff verantwortlich ist. Kapitäne innerhalb der Handelsschifffahrt nennt man auch „Nautischer Offizier”, Kapitäne, die nur in ihrer Freizeit mit dem Schiff unterwegs sind, hingegen „Skipper”. Auch wenn diese in der Regel sehr erfahrenen Schiffsführer in ihrer Funktion einem Handelsschiffkapitän gleichgestellt sind, ist die Ausbildung zum Kapitän eines Freizeitschiffs wesentlich einfacher als die eines Handelsschiffsführers. Führer von Kriegsschiffen nennt man nicht Kapitän, sondern Kommandant.
Was macht ein Kapitän?
Als Kapitän bist Du der Inhaber der Schiffsgewalt. Du bist Hausherr des Schiffs und trägst die gesamte Verantwortung für die nautische und administrative Führung des Schiffs. Damit bist Du der Vorgesetzte aller Besatzungsmitglieder und hast für die Einhaltung von Sicherheit und Ordnung an Bord zu sorgen. Welche vielfältigen Aufgaben und Verantwortungen Dir genau zufallen, ist im Seehandelsrecht geregelt. Dieses ist erst im April 2013 im Handelsgesetzbuch (HGB) reformiert worden. Die Schiffsbesatzung besteht nach § 478 HGB aus dem Kapitän, den Schiffsoffizieren, der Schiffsmannschaft und sonstigen Personen, die im Rahmen des Schiffsbetriebs tätig sind, also in etwa Köche, Putzkräfte und Ähnliche. Dem Nautischen Offizier, wie ein Schiffsführer nach erfolgreich absolvierter Kapitän-Ausbildung und mindestens zweijähriger Erfahrungsfahrzeit genannt wird, fallen dabei zum Beispiel auch folgende Aufgaben zu:
- Geschäfte abschließen
- Rechtshandlungen durchführen
- Schiffstagebuch führen
- Ausstellung von Schiffsfrachtbriefen und Wertpapieren
Eine Eheschließung darfst Du entgegen weit verbreiteter Annahmen allerdings nicht durchführen, es sei denn, Du verfügst neben der Kapitän-Ausbildung auch gleichzeitig über die Qualifikation eines Standesbeamten, denn nach deutschem Recht dürfen Trauungen nur von Standesbeamten durchgeführt werden. Dafür darfst Du allerdings Zwangsmittel einschließlich vorübergehender Festnahmen durchsetzen, wenn dies für die Gefahrenabwendung notwendig ist. Das dürfen sonst in der Regel nur Polizisten, Staatsanwälte oder Richter. Als Schiffsführer bist Du immer an das Recht des Landes gebunden, unter dessen Flagge Dein Schiff fährt. Wirst Du also in Deutschland Kapitän, müssen Du und Dein gesamtes Team sich auch an die deutschen Gesetze halten.
Wie wird man Kapitän?
Um Kapitän werden zu können, musst Du in Deutschland an einer Fachschule oder Fachhochschule das Befähigungszeugnis „Nautischer Wachoffizier” (NWO) erlangen. Der Aufstieg bis zum Kapitän ist in Deutschland mehrstufig und durch die Seeleute-Befähigungsverordnung (See-BV) geregelt. Für das Befähigungszeugnis „Erster Offizier NEO” musst Du nach dem NWO eine Seefahrtzeit von mindestens 12 Monaten als Nautischer Wachoffizier nachweisen. Für das Kapitänspatent „Kapitän NK” kommt zusätzlich eine weitere Seefahrtzeit von mindestens 12 Monaten als Erster Offizier oder von 24 Monaten als Nautischer Wachoffizier hinzu. Der nautische Offizier ist dabei nicht mit dem Kapitän gleichzusetzen: Die Rangfolge an Bord verläuft vom Nautischen Wachoffizier über den Ersten Offizier als Stellvertreter des Kapitäns bis zum Kapitän. Das Kommando über ein Schiff als Kapitän übernimmst Du erst, wenn alle fachlichen Voraussetzungen erfüllt und die erforderlichen Seefahrtzeiten nachgewiesen sind. (Diese Angaben gelten für Deutschland.)
Wenn Du Kapitän werden willst, hast Du verschiedene Möglichkeiten, eine Kapitän-Ausbildung zu absolvieren. Eine führt über ein Studium an einer Fachhochschule, die andere über eine Fachschule. Wir zeigen Dir die unterschiedlichen Wege, die Dich zu Deinem Traumjob führen.
- Fachschule: Um Dein Befähigungszeugnis an der Fachschule zu erlangen, ist kein Abitur oder Fachabitur nötig. Dafür aber eine Berufsausbildung in einem seefahrtbezogenen Beruf, inklusive der erforderlichen Seefahrtzeit von mindestens drei Jahren. Ausbildungsberufe, die hierbei infrage kommen, sind beispielsweise Matrose, Schiffsmechaniker oder auch Schiffbetriebstechnischer Assistent. In einigen Fällen können auch Quereinsteiger an Fachschulen zugelassen werden, in etwa, wenn sie einen Metallberuf erlernt haben und Erfahrungsfahrzeit nachweisen können.
- Fachhochschule: Möchtest Du Kapitän werden, kannst Du natürlich auch eine spezielle Fachhochschule besuchen und dort das Befähigungszeugnis zum Nautischen Wachoffizier erwerben. Für diesen Weg musst Du mindestens die Fachhochschulreife besitzen oder aber Abitur gemacht haben. Erst nach weiterer Seefahrtzeit darfst Du die höheren Befähigungszeugnisse führen. Nautikstudiengänge sind in der Regel zulassungsfrei, es gibt keinen Numerus clausus (NC). An welchen Hochschulen Du die Ausbildung zum Kapitän absolvieren kannst, kannst Du mit Hilfe unserer Studiengangsuche in Erfahrung bringen. Der Studiengang, den Du absolvieren musst, wenn Du Kapitän werden willst, heißt „Nautik und Seeverkehr„.
Für ein Nautikstudium brauchst Du eine Hochschulzugangsberechtigung: die allgemeine Hochschulreife (Abitur), die fachgebundene Hochschulreife mit Abschluss nach der 13. Klasse oder die Fachhochschulreife. Ein Zugang ohne Abitur ist also möglich, da die Fachhochschulreife ausreicht; zudem kannst Du über eine einschlägige Ausbildung plus Berufserfahrung als beruflich Qualifizierter studieren. Je nach Hochschule kommen weitere Voraussetzungen hinzu, etwa ein Basic Safety Training, ein seemännisches Vorpraktikum oder ein Praktikum an Deck. Während des Studiums sind zudem verpflichtende Praxisphasen an Bord eines Schiffes vorgesehen, teils ein oder mehrere Praxissemester. (Diese Angaben gelten für Deutschland.)
Die Fachschulausbildung dauert in Vollzeitform in der Regel zwei Jahre. In Teilzeitform verlängert sie sich meist auf drei bis vier Jahre. Die genaue Dauer hängt von der Fachrichtung und vom jeweiligen Bundesland ab. Fachschulen sind Einrichtungen der beruflichen Weiterbildung, deren Bildungsgänge an eine berufliche Erstausbildung und Berufserfahrung anschließen.
Was Du zusätzlich in jedem Fall benötigst, wenn Du nautischer Offizier werden möchtest, ist ein gültiges Seediensttauglichkeitszeugnis, das nur von speziell zugelassenen Ärzten ausgestellt werden darf. Dabei wird die gesundheitliche Eignung für den Dienst an Bord geprüft; mögliche Ausschlussgründe sind zum Beispiel starkes Übergewicht, eine Farbsehschwäche oder ein eingeschränktes Hörvermögen. Außerdem sind Englischkenntnisse auf dem Niveau B2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens oder entsprechende Noten im Schulabschlusszeugnis erforderlich, denn Englisch ist die internationale Arbeitssprache in der Seeschifffahrt. (Diese Angaben gelten für Deutschland.)
Wo arbeitet ein Kapitän?
Als nautischer Offizier bist Du in der Regel bei einer Reederei, also einem Schifffahrtsunternehmen, angestellt und arbeitest auf Schiffen. In größeren Häfen arbeiten zudem auch Hafenkapitäne, die für die Schiffsbewegungen, Sicherheit und nautische Verwaltung an ihren jeweiligen Häfen verantwortlich sind.
Wie sieht der Arbeitsalltag aus?
Wie genau Dein Arbeitsalltag als Nautischer Offizier aussieht, hängt natürlich davon ab, ob Du bei einer Reederei oder aber an einem Hafen angestellt bist. Bist Du auf einem Schiff tätig, unterscheidet man zudem zwischen einem „Kapitän auf großer Fahrt” und einem „Kapitän auf kleiner Fahrt”. Ersteres ist eine veraltete, aber dennoch gebräuchliche Bezeichnung für einen Nautischen Offizier auf Kauffahrteischiffen aller Größen in allen Fahrgebieten. Die einzige Ausnahme bilden hier Fischereifahrzeuge. Bist Du auf einem Kauffahrteischiff mit einer Raumzahl (das ist die Maßzahl für den Rauminhalt von Schiffen) bis 500 in der nationalen Fahrt tätig, spricht man von einem „Kapitän auf kleiner Fahrt”. Auch hierzu zählen Fischereifahrzeuge nicht. Grundsätzlich lässt sich Dein Arbeitsalltag nach der Kapitän-Ausbildung jedoch wie folgt beschreiben:
Wie sieht der Arbeitsplatz aus?
Dein Arbeitsplatz ist in erster Linie das Schiff. Dort wirst Du natürlich am Steuer sitzen, aber auch ein Schreibtisch wird vorhanden sein, damit Du organisatorische Tätigkeiten ausüben und Logbuch führen kannst. Du wirst allerdings nicht nur auf dem Wasser unterwegs sein, denn auch an Land gibt es ab und an Dinge für Dich zu tun, in etwa, wenn Du in der Reederei, in der Du angestellt bist, etwas zu erledigen hast. Hast Du eine Anstellung als Hafenkapitän ergattert, ist Dein Arbeitsplatz natürlich der Hafen.
Was verdient ein Kapitän?
Wenn Du Kapitän werden möchtest, interessiert Dich natürlich auch, wie viel Du als solcher verdienen kannst. Durchschnittlich kannst Du von einem Gehalt von rund 6.261 € im Monat ausgehen. Kapitäne auf einem Containerschiff im offenen Meer verdienen dabei mehr als solche, die auf Schiffen in Binnengewässern tätig sind. Während Letztere rund 3.810 € Gehalt pro Monat bekommen, verdienen Kapitäne auf offener See deutlich mehr. Mit steigender Berufserfahrung steigt natürlich auch Dein Gehalt.
Wo finde ich einen Job als Kapitän?
Wie sind die Berufsaussichten für Kapitäne?
Die Zahl der Berufseinsteiger ist seit Jahren stabil, denn Reedereien sind immer wieder auf der Suche nach qualifizierten Kapitänen für ihre Handelsschiffe. Besonders die Aufstiegsmöglichkeiten in leitende Positionen bei Schifffahrtsunternehmen und Schiffsverwaltungen sind jedoch hervorzuheben, denn diese sind innerhalb der Branche wirklich sehr gut und steigen mit zunehmender Berufserfahrung an. Wenn Du gerade auf der Suche nach einem Job als Nautischer Offizier bist, kannst Du unsere Online-Jobsuche nutzen. Dort findest Du aktuelle Jobangebote in sämtlichen Bereichen der Schifffahrt.
Kapitäne müssen nicht zwingend ihr gesamtes Berufsleben auf See verbringen. Nach entsprechender Erfahrung kannst Du auch an Land arbeiten, etwa bei Reedereien, in Umschlagbetrieben, in der Schiffsverwaltung oder in Lagerhausgesellschaften. Damit stehen Dir sowohl auf See als auch an Land vielfältige Karrierewege offen.
Welche Spezialisierungen gibt es?
Eine Spezialisierung haben wir Dir weiter oben schon kurz vorgestellt, nämlich die des Hafenkapitäns. Eine weitere Spezialisierung ist die zum Kanalsteurer. Diese Arbeit ist in Deutschland einzigartig, weil sie nur im Nord-Ostsee-Kanal zum Einsatz kommt. Um diese Passage durchqueren zu dürfen, müssen Schiffe mit einem bestimmten Umfang einen speziell ausgebildeten Kanalsteurer an Bord haben, der sie sicher durch den Kanal bringt.
Passt der Beruf Kapitän zu mir?
Wenn Du Kapitän werden willst, musst Du eine ganze Reihe Anforderungen mitbringen, die Du Dir aber teilweise auch während Deiner Ausbildung zum Kapitän aneignen kannst. Dazu zählen unter anderem: