In der Bachelorarbeit durchgefallen?

Wenn Du Deine Bachelorarbeit nicht bestanden hast, bricht eine Welt zusammen. Trotzdem gilt es Ruhe zu bewahren. Wir geben Dir Tipps, wie es weitergeht.
Junger verzweifelter Mann mit „Help“-Schild vor einem Laptop.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nichts ist verloren. Der Abschluss ist noch möglich.
  • Es ist wichtig zu wissen, warum Du die Bachelorarbeit nicht bestanden hast.
  • Deine Möglichkeiten: Du kannst fast immer einen zweiten Versuch starten oder Widerspruch einlegen.

Bachelorarbeit nicht bestanden – Wie geht’s weiter?

Die Wartezeit auf Prüfungsergebnisse ist oft nervenaufreibend – besonders nach der Abschlussprüfung. Es sitzt einem ständig die Angst im Nacken, dass der „worst case“ eintritt: Du bist mit Deiner Bachelorarbeit durchgefallen. Diese Horrornachricht fühlt sich wie ein Schlag in die Magengrube an. Auch wenn das erst einmal schwer zu fassen ist, können wir Dich beruhigen: Das kann passieren. Die Abschlussprüfung ist durch den hohen Druck und die Erwartungshaltung schließlich noch einmal eine ganz andere Hausnummer als Klausuren und Hausarbeiten. Jetzt gilt es, dass Du einen möglichst kühlen Kopf bewahrst. Denn auch wenn es sich so anfühlen mag, die letzten Jahre waren nicht umsonst und die nicht bestandene Bachelorarbeit ist kein Weltuntergang. Wichtig ist nun, dass Du nicht in ein Loch fällst und stattdessen ergründest warum Du nicht bestanden hast und Dir Unterstützung bei Freunden, Familie oder Kommilitonen holst.

Ursachen finden: Warum bist Du durchgefallen?

Es ist nur zu verständlich, dass die Enttäuschung bei Dir jetzt groß ist. Vielleicht keimt sogar der Gedanke, dass Dein Professor Schuld am Ganzen hat. Wichtig ist jetzt, dass Du objektiv bleibst. Schau Dir Deine Arbeit nochmal genau an. Die häufigsten Gründe, warum eine Bachelorarbeit nicht bestanden wird, sind der Plagiatsverdacht, der fehlende rote Faden, Formfehler oder aber das Thema selbst:

  • Ein Plagiat geschieht in den meisten Fällen gar nicht bewusst. Eine fehlende Quellenangabe kann da schon den Ausschlag geben. Zitate müssen entsprechend markiert sein.
  • Der fehlende rote Faden bedeutet, dass Deine Bachelorarbeit nicht wissenschaftlich genug war. Du musst in Deiner Abschlussarbeit den aktuellen Stand der Forschung widerspiegeln und eine Lücke in der Forschung ausfüllen. Schließlich soll Deine Arbeit einen wissenschaftlichen Mehrwert haben.
  • Der dritte Punkt ist die generelle Qualität der Arbeit. Dabei kann vor allem Deine Sprache ein Problem darstellen. Präzise Formulierungen sind das A und O. Hier kann es Dir helfen, Deine Texte in Zukunft korrigieren zu lassen.
  • Außerdem kann es einfach sein, dass Du Dein Thema unterschätzt hast. Es gestaltete sich am Ende entweder doch komplexer, als Du es Dir ausgemalt hast, oder gibt nicht so viel her, wie Du Dir gewünscht hast.

Setz Dich mit Deinem Betreuer zusammen

Jetzt hast Du zwei Möglichkeiten, um doch noch den Abschluss zu bekommen. Zum einen kannst Du die Note anfechten. Zum anderen kannst Du Deine Abschlussarbeit erneut schreiben. Genau da kommt Dein Betreuer ins Spiel. Er soll begründen, warum Du beim ersten Versuch nicht bestanden hast. Frage genauer nach, wo er Deine Schwachstellen in der Arbeit ausmacht. Ist das, was er sagt, für Dich einleuchtend? Wenn es Hand und Fuß hat, dann wird es schwierig, die Note nach oben korrigieren zu lassen. Das bedeutet aber auch, dass Du nach vorne schauen solltest, wenn Du grundsätzlich mit der Einschätzung Deines Betreuers einverstanden bist.

Gibt es für Dich einen zweiten Versuch?

Ja, zumindest in den meisten Fällen. In den Prüfungsordnungen der Hochschulen ist festgelegt, was passiert wenn ein Student mit seiner Bachelorarbeit durchgefallen ist und wie es mit weiteren Versuchen aussieht. Also: Ruhe bewahren, sich sammeln und weiter geht’s. Und wenn Du eh schon bei Deinem Betreuer bist, dann frag doch direkt nach dem zweiten Versuch. Wo schätzt er Dich thematisch stärker ein als beim ersten Versuch? Vielleicht könnt Ihr auch schon direkt ein neues Thema ausmachen. So verlierst Du wenig Zeit und kannst direkt im Anschluss an das Gespräch loslegen. Frag ihn auch, ob er Dich bei dieser Arbeit ein wenig mehr unterstützen kann.

Wenn Du aber das Gefühl hast mit Deinem Betreuer nicht mehr auf einen grünen Zweig zu kommen, dann solltest Du ihn vielleicht wechseln. Wichtig ist, dass Du Dich vor Deinem zweiten Versuch wohlfühlst, ihn nicht mit negativen Gedanken startest. Hast Du schon bei Deinen Kommilitonen nachgefragt? Wie haben sie ihre Arbeiten geschrieben? Wo kannst Du Dir von ihnen vielleicht noch ein paar Tipps holen? Je mehr Du erfährst, desto größer ist Deine Chance, dass es beim zweiten Mal klappt.

Du bist nicht allein: Durchfallquoten bei der Abschlussarbeit sind höher als man denkt

4% der Studenten rasseln durch ihre Abschlussprüfung. Das ist aber nur der Durchschnitt. Denn gerade in technischen Fachrichtrungen ist die Durchfallquote deutlich höher. Spitzenreiter sind die Studenten in den Bereichen Chemie-Ingenieurwesen und Chemietechnik, Energietechnik, Werkstoffwissenschaften und Mechatronik, bei denen mehr als jeder Zehnte seine Bachelorarbeit nicht bestanden hat. Die geringste Durchfallquote in der Abschlussarbeit können Zahnmediziner nachweisen: Nur knapp einer von 500 angehenden Zahnärzten fällt durch.

Das Ergebnis der nicht bestandenen Bachelorarbeit anfechten

Du verstehst nur Bahnhof? Dein Betreuer hat für Dich keine überzeugenden Gründe, warum Du durchgefallen bist? Beruht das, was Dein Betreuer sagt, nicht auf harten Fakten, dann hast Du die Möglichkeit die Note deutlicher zu hinterfragen. Dein erster Ansprechpartner ist dann das Prüfungsamt. Dort musst Du Dein konkretes Anliegen meist in einem Formular vorbringen und eine erneute Prüfung durch einen Korrektor beantragen.

Auch das ist für Dich unbefriedigend? Die allerletzte Lösung ist ein Rechtsbeistand. So ein Verfahren kann allerdings -kostspielig sein und vor allem nimmt es jede Menge Zeit in Anspruch. Die kannst Du vielleicht schon in Deinen zweiten Versuch investieren. Aber wie gesagt, der Rechtsstreit sollte auch nur im äußersten Notfall in Betracht gezogen werden, wenn Du keine andere Möglichkeit mehr siehst.

Aufgrund persönlicher Umstände in der Bachelorarbeit durchgefallen?

Es lag gar nicht am Inhalt, sondern Du hast den Termin nicht eingehalten? Auch hier gibt es Möglichkeiten für Dich. Zunächst wird geprüft, ob Deine Abgabefrist verlängert werden kann. Im Fachjargon heißt das: „ein Dir nicht zu vertretenden Umstand“, der zur Verzögerung geführt hat. Da fällt zum Beispiel Krankheit drunter. Amtsärztliche Atteste werden von zahlreichen Einrichtungen akzeptiert und Dein erster Versuch wird in dem Fall als nicht wahrgenommen eingestuft. Andere Hochschulen schließen den Krankheitsfall allerdings kategorisch aus. Deine Arbeit gilt als nicht bestanden und muss wiederholt werden. Nachlesen kannst Du diese Umstände auch wieder in der Prüfungsordnung.

Aber egal, ob schwere physische oder psychische Krankheit, schwere persönliche und familiäre Umstände oder Schicksalsschläge: Wende Dich an den Prüfungsausschuss. Hier wird in der Regel entschieden, ob Fristen verlängert werden oder nicht und man kann Dir helfen. Und keine Sorge: In diesem Gremium sitzen auch Menschen, die für schwere Ausnahmefälle in der Regel Verständnis haben. Wenn Du Deine Situation gut begründest und nachvollziehbar darstellst, wird man Dir vielleicht mehr Zeit einräumen oder Dir anderweitig entgegenkommen.

Auch im zweiten Versuch die Bachelorarbeit nicht bestanden?

Auch hier musst Du zunächst wieder die Prüfungsordnung zu Rate ziehen. Bei den meisten Universitäten und Fachhochschulen ist nur eine Wiederholung der Bachelorarbeit möglich. Du kannst allerdings versuchen, auf die Gunst Deines Betreuers zu hoffen. Du kannst ihn bei kleineren Fehlern bitten, Dich eine korrigierte Version Deiner bisherigen Arbeit anfertigen zu lassen und diese doch noch zuzulassen. Ohnehin solltest Du im letzten Versuch häufiger Kontakt zu Deinem Betreuer suchen und er wird Dich mit Sicherheit auf dem Weg schon unterstützen. Wenn Du aber auch im finalen Versuch mit der Bachelorarbeit durchgefallen bist, ist an dieser Stelle für Dich endgültig Schluss.

Kein Abschluss ist auch kein Weltuntergang: Es geht immer weiter.

Wichtig ist: Deine letzten Jahre waren nicht umsonst. Das Gelernte kann Dir keiner mehr nehmen. Klingt nach einem altklugen Spruch, ist aber gerade heute vielleicht wichtiger denn je. Außerdem: kein Studienabschluss bedeutet nicht, dass Du es in der heutigen Zeit zu nichts mehr bringen kannst. Beste Beispiele: Marc Zuckerberg, Bill Gates, Alice Schwarzer, Günther Jauch oder Wolfgang Joop. Für viele ist es sogar eine bewusste Entscheidung, zugunsten der Karriere das Studium abzubrechen. Du musst einfach Deine Stärken kennen, nach vorne blicken und Dich gut verkaufen.