Du bist hier

Studium

Fachhochschulabschluss: Was er bringt

Absolventen der Fachhochschule verdienen mit Ihrem Abschluss im Schnitt mehr und der Job-Einstieg ist einfacher. Vor- und Nachteile des Fachhochschulabschlusses.
Junge Frau freut sich über ihren Fachhochschulabschluss.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Ein Fachhochschulstudium verbindet seit je her Lehre und Praxis
  • Fachhochschulabsolventen steigen im Schnitt schneller ins Berufsleben ein und verdienen mehr
  • Bachelor- und Master-Abschlüsse sind im Prinzip gleichrangig zu denen an Universitäten
  • Der Wechsel zwischen FH und Uni sowie Promotion sind durchaus möglich

Ist der Fachhochschulabschluss weniger wert?

Du hast dein (Fach)Abitur frisch in der Tasche und überlegst, wie es weitergehen soll? Erst einmal auf Reise? Erstmal eine Ausbildung? Oder doch lieber gleich ein Studium an Uni oder Fachhochschule? Moment, FH? War das nicht klassisch die Light-Version der Uni und der Fachhochschulabschluss weniger wert?

Völliger Quatsch und total überholt! Durch die Bologna-Reform und die Umstellung auf Bachelor und Master sind sich FH und Uni so nahe, wie nie zuvor. Es spielt also keine so große Rolle mehr ob Fachhochschulabschluss oder Abschluss an der Uni. Von wegen Uni-Abschlüsse sind grundsätzlich wertvoller, Ganz im Gegenteil: Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) bringt der Fachhochschulabschluss im Vergleich zum Abschluss an der Uni den Absolventen im Schnitt mehr Einkommen, häufiger unbefristete Arbeitsverträge und mehr Jobs, die der Qualifikation entsprechenden. Dadurch sind Fachhochschulabsolventen im Arbeitsleben insgesamt zufriedener und FH-Studiengänge durchaus zukunftssicher.

Auch in der Lehre gleichen sich Uni und FH immer weiter an und die Grenzen verschwimmen. Die praxisnähe, die klassisch für die FH ist, findet in Form von Pflichtpraktika und Co. auch ihren Weg in die Studienordnungen der Unis. Dennoch haben Fachhochschulen nach wie vor den Anspruch, praxisorientierter zu sein. Das äußert sich häufig durch enge Kooperationen mit Wirtschaftsunternehmen. FHs verbinden so Lehre und Forschung und bieten Dir gleichzeitig die Möglichkeit Kontakte zu knüpfen. Das Vorurteil, dass die Ausbildung qualitativ schlechter sei, lässt sich aus der Welt schaffen. Lediglich die Schwerpunkte sind andere. Mit Fachhochschulabschluss gelingt der Einstieg ins Berufsleben und der Wechsel in die Wirtschaft mitunter sogar besser.

Leichterer Einstieg ins Jobleben

Wenn Du möglichst schnell ins Berufsleben einsteigen willst, dann hat der Fachhochschulabschluss seine Vorteile. Laut der Studie des DZHW steigen Fachhochschulabsolventen im Durchschnitt früher in den Job ein. Aus dem untersuchten Jahrgang machten 65 Prozent der Bachelorabsolventen von der FH direkt den Sprung in den Beruf. An der Universität waren es gerade einmal 25 Prozent. Der Grund: FH-Absolventen suchen nicht nur häufiger den schnellen Berufseinstieg, sondern bekommen auch attraktive Angebote. Die kannst Du beispielsweise schon während des Studiums bekommen, weil Du in einem Projekt mit Partner-Unternehmen die richtigen Kontakte geknüpft hast.

Des Weiteren hat die Studie des DZHW erfasst, dass nur 44 Prozent der FH-Absolventen innerhalb der ersten eineinhalb Jahre nach dem Fachhochschulabschluss ein Master-Studium aufnehmen. An der Uni starten stolze 82 Prozent nahezu lückenlos in den Master-Studiengang.

Mehr Gehalt mit dem Fachhochschulabschluss

Nicht nur beim Einstieg ins Berufsleben liegen Absolventen von Fachhochschulen laut DZHW-Studie vorn: Der Fachhochschulabschluss verspricht durchschnittlich auch ein höheres Gehalt. Im ersten Job kommen FH-Absolventen mit Bachelor durchschnittlich auf 35.100 € Bruttojahreseinkommen, Uni-Bachelor im Schnitt auf 30.200 € – Master-Absolventen der FH sogar auf 40.200 €, Uni-Master auf 38.500 €. Auch die Chance auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag ist mit Fachhochschulabschluss höher: Ungefähr 60% der Fachhochschulabsolventen ergatterten nach ihrem Studium direkt einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Außerdem geht es für Fachhochschulabsolventen schneller die Karriereleiter hinauf: Ungefähr ein Drittel arbeitet fünf Jahre nach Abschluss in einer Leitungsfunktion. Das ergab eine HIS-Absolventenstudie. Du musst also nicht unbedingt zur Uni, um Karriere zu machen! Was im Umkehrschluss natürlich nicht bedeutet, dass die FH immer im Vorteil ist. Bei einigen renommierten Unternehmen, wie McKinsey, müssen Absolventen mit Fachhochschulabschluss nach wie vor draußen bleiben, weil nur Uni-Absolventen eingestellt werden. Auch unter den Top-Positionen im Management wirst Du überwiegend Uni-Absolventen finden, die häufig auch ihren Doktortitel gemacht haben.

Was bringt der Fachhochschulabschluss nun?

Seit der Einführung von Bachelor und Master steht die Fachhochschule der Uni abschlusstechnisch in nichts nach. Die Abschlüsse sind gleichrangig und müssen auch nicht mehr, wie das Diplom (FH), in irgendeiner Form gekennzeichnet werden. Die Regelstudienzeit beträgt beim Bachelor sechs bis acht Semester, für den Master zusätzlich nochmal zwei bis vier. Man erwirbt an der Fachhochschule genau wie an der Uni eine vollwertige und abgeschlossene Ausbildung.

Und obwohl sich die Fachhochschulen verändert und den Unis angepasst haben, bleiben sie ihrer ursprünglichen Idee treu: Viel Praxisbezug. Wenn Du also nicht nur Lust auf pure Theorie und Forschung hast, dich auch praktisch ausprobieren willst und am Ende einen akademischen Grad erreichen willst, macht es für Dich Sinn, über das Studium an einer Fachhochschule nachzudenken.

Wechsel von FH zur Uni – nicht ausgeschlossen

Das klingt für Dich bis jetzt alles sehr gut, aber Du möchtest vielleicht doch noch irgendwann an einer Uni studieren? Nicht unmöglich! Durch die Gleichwertigkeit ist es prinzipiell möglich, von der Fachhochschule zur Universität zu wechseln. Keine Universität darf Dich ablehnen, weil Du von der Fachhochschule kommst. Allerdings ist die Anzahl an Plätzen begrenzt, manchmal wird der Wissensstand abgeprüft und einige CPs der FH werden an der Uni gegebenenfalls nicht anerkannt. Was aber auf jeden Fall gilt: Wer einen Fachhochschulabschluss (Bachelor) besitzt, darf auch an der Uni weiterstudieren und seinen Master machen! So lange alle Anforderungen des Studiengangs erfüllt werden.

Mit Fachhochschulabschluss promovieren?

Wenn Du einen Doktortitel anstrebst, wird es mit der FH schwieriger, aber nicht unmöglich. An der Fachhochschule kannst Du grundsätzlich nicht promovieren. Das kann man in Deutschland nämlich nur an Universitäten. Das bedeutet aber nicht, dass Du mit Fachhochschulabschluss keine Chance hast Deinen Doktortitel zu machen. Die Grundvoraussetzung zur Promotion ist schließlich Dein Masterabschluss, dabei spielt es keine Rolle ob Master von der FH oder der Uni. Nichtsdestotrotz ist der Weg zur Promotion für FH-Absolventen steiniger.

Schwierigkeiten bei der Promotion mit Fachhochschulabschluss

Die erste Hürde für ein Promotionsstudium ist die Bewerbung: Professoren an der Uni stellen in der Regel eher Studenten der Uni als Doktoranden ein, statt Studenten einer FH. Bei der direkten Bewerbung könnte es außerdem dazu kommen, dass Du bestimmte Prüfungen noch einmal wiederholen musst, ehe Du zugelassen wirst. Die Unis werfen FH-Absolventen hier immer wieder Steine in den Weg.
Wer sich allerdings bemüht einen „Doktorvater“ zu finden und von sich zu überzeugen, wird auf lange Sicht belohnt. Mit Fachhochschulabschluss und dem Ziel Promotion, musst Du Dich vor allem Durchbeißen und atmosphärische Probleme sowie die Nicht-Zugehörigkeit durchbrechen. Dass Uni-Absolventen meistens bevorzugt werden ist eine Tatsache, auf die Du Dich einstellen musst. Doch all diese Hürden sind zu überwinden und die Zahl der Promotionen von Fachhochschulabsolventen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.