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Studienfinanzierung

Erststudium Werbungskosten: So setzt Du Dein Studium von den Steuern ab

Wie Du Dein Erststudium von der Steuer absetzen kannst und ob Du Werbungskosten oder Sonderausgaben geltend machen darfst, erfährst Du in diesem Artikel.
Durch einen Verlustvortrag im Erststudium kannst Du ordentlich Steuern sparen!

Wer sein Erststudium als Werbungskosten absetzen kann, spart jede Menge Geld. Möglich ist das durch den sogenannten Verlustvortrag. Machst Du Deine Studienkosten als Verlust geltend, werden diese mit den Einkünften Deiner ersten Berufsjahre verrechnet. Dadurch zahlst Du später weniger Steuern! Während Masterstudenten dieses steuerliche Privileg immer in Anspruch nehmen dürfen, haben es Erstis schwerer. Die meisten können lediglich Sonderausgaben geltend machen. Diese bringen jedoch selten Vorteile. Da die Gesetzeslage aktuell geprüft wird, empfehlen wir Dir auf jeden Fall, Deine Kosten fürs Erststudium als Werbungskosten geltend zu machen! Wie dies genau funktioniert und was Du dabei beachten musst, erfährst Du hier!

Wer darf das Erststudium als Werbungskosten absetzen?

Es gibt durchaus Erstis, die ihr Studium als Werbungskosten absetzen dürfen. Hierzu zählen folgende Studentengruppen:

  • Bachelor nach Berufsausbildung: Hast Du bereits vor Deinem Bachelor eine Berufsausbildung abgeschlossen und baut Dein Studium inhaltlich darauf auf, darfst Du Dein Erststudium als Werbungskosten geltend machen.
  • Duales Studium: Studierst Du berufsbegleitend, kannst Du ebenfalls Dein Erststudium als Werbungskosten absetzen.
  • Studium im Rahmen eines Dienstverhältnisses: Auch als Offizier oder Berufssoldat der Bundeswehr, werden Werbungskosten anerkannt.

Für alle anderen Erstis gilt: Kosten, die aufgrund einer Erstausbildung anfallen, werden derzeit vom Finanzamt als Sonderausgaben gewertet und können nicht als Werbungskosten geltend gemacht werden. Auch das Bachelor-Studium zählt als Erstausbildung, weil es einen berufsqualifizierenden Abschluss ermöglicht. Das bedeutet für Dich als Bachelor-Student: Maximal 6.000 € pro Jahr darfst Du derzeit steuermindernd absetzen. Die Möglichkeit, Verluste über die Jahre anzusammeln – wie dies bei den Werbungskosten der Fall ist – gibt es nicht. Sonderausgaben können also nur im selben Jahr geltend gemacht werden, in dem sie tatsächlich auch anfallen. Da die wenigsten Studenten jedoch so viel verdienen, dass sie über den aktuellen Grundfreibetrag von 8.820 € kommen, hat die Sonderausgaben-Regelung selten steuerliche Vorteile. Hast Du während des Studiums überhaupt keine steuerpflichtigen Einnahmen, bringen Dir Sonderausgaben gar nichts.

Als weitere Erstausbildungen zählen:

  • Erstes Staatsexamen
  • Studienwechsel ohne Abschluss im ersten Studiengang
  • Klassische Berufsausbildung: z. B. Krankenschwester, Physiotherapeut, Bankkaufmann etc.

Dennoch gibt es Hoffnung. So könnten auch Studienkosten von klassischen Erstis künftig als Werbungskosten anerkannt werden! Der Bundesfinanzhof hält nämlich die aktuelle Gesetzeslage für verfassungswidrig. Er kritisiert vor allem die steuerliche Ungleichbehandlung von Erst- und Zweitstudium. So darf ein Masterstudent sein Studium immer in voller Höhe als Werbungskosten absetzen, während die meisten Bachelorstudenten mit Sonderausgaben abgespeist werden. Nun muss das Bundesverfassungsgericht in letzter Instanz über sechs laufende Verfahren entscheiden. Bis 2018 sollte die Situation endgültig geklärt sein!

Werbungskosten fürs Erststudium

Bezüglich der Höhe von Werbungskosten gibt es prinzipiell keine Beschränkung.

Folgende Kosten kannst Du als Werbungskosten geltend machen:

  • Studien- und Ausbildungsgebühren wie beispielsweise Semesterbeiträge
  • Kosten für Fachliteratur, Bibliotheken, Studienrecherche (z. B. Reisekosten, Vorträge, Seminare etc.)
  • Zinsen auf Studienkredite
  • Arbeitsmittel (z. B. PC, Drucker, Druckerpapier, Stifte etc.)
  • Ausgaben für ein Arbeitszimmer (bis zu 1.250 € pro Jahr)
  • Fahrtkosten zur Uni oder zu Lerngruppen (0,30 € pro Kilometer)

Unterhältst Du zusätzlich zu Deiner Unterkunft am Studienort noch eine weitere Wohnung an Deinem Heimatort, kannst Du zusätzlich auch eine doppelte Haushaltsführung geltend machen! Allerdings musst Du Dich an den Kosten zu Hause beteiligen. Liegt tatsächlich eine doppelte Haushaltsführung vor, kannst Du allein für die Zweitwohnung monatlich bis zu 1.000 € steuerlich geltend machen und zusätzlich auch Fahrten zum Heimatort oder Ausgaben für Möbel absetzen.

Beispiele für den Verlustvortrag vom Erststudium

Prinzipiell gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie Du von den Werbungskosten für Dein Erststudium profitieren kannst. Nachfolgend findest Du verschiedene Modelle.

Ausbildung vor Deinem Studium

Hast Du vor Deinem Studium schon eine Ausbildung abgeschlossen, kannst Du Werbungskosten für Dein Erststudium geltend machen. Allerdings muss letzteres dazu als Weiterbildung anerkannt werden. Dies ist dann der Fall, wenn:

  • deine Ausbildung mindestens 12 Monate gedauert hat
  • Du sie mit einer Prüfung abgeschlossen hast
  • Dein Studium inhaltlich auf Deiner Ausbildung aufbaut

Gehst Du z. B. parallel zu Deinem Studium einem steuerpflichtigen Nebenjob nach, bei dem Du gut verdienst, kannst Du Dir durch die Werbungskosten zu viel gezahlte Steuern zurückholen. Hast Du hingegen keinen Nebenjob oder übersteigen Deine Ausgaben fürs Studium den Verdienst, kannst Du einen Verlustvortrag beim Finanzamt geltend machen. Das bedeutet, dass Deine Verluste für jedes Jahr gesammelt und erst nach Deinem Studium mit steuerpflichtigen Einnahmen verrechnet werden. Auf diese Weise kannst Du in Deinen ersten Berufsjahren ordentlich Steuern sparen!

Beim Dualen Studium

Auch wenn Du ein duales Studium absolvierst, darfst Du die Kosten Deines Erststudiums als Werbungskosten absetzen. Da Du während Deines Studiums aber schon regelmäßige Einnahmen durch Dein Arbeitsverhältnis hast und diese vermutlich Deine Ausgaben übersteigen, wirken sich die Werbungskosten direkt steuermindernd aus. Übersteigen Deine Ausgaben hingegen Deine Einnahmen, ist auch im Rahmen eines dualen Studiums ein Verlustvortrag möglich.

Verlustvortrag beim Erststudium

Zählt Dein Studium als Erstausbildung, darfst Du Deine Studienkosten eigentlich nicht als Werbungskosten geltend machen. Aber: Da das Bundesverfassungsgericht noch kein finales Urteil gefällt hat, solltest Du auf jeden Fall trotzdem Dein Erststudium als Werbungskosten in Deiner Steuererklärung angeben. Zwar wird das Finanzamt diese aufgrund der derzeitigen Gesetzeslage ablehnen, doch dann kannst Du Einspruch einlegen – mit Berufung auf die beim Bundesverfassungsgericht anhängigen Verfahren! Dadurch wird Dein Fall bis zum endgültigen Urteil auf Eis gelegt. Entscheiden sich die Richter dann tatsächlich später zu Deinen Gunsten, muss das Finanzamt die Werbungskosten für Dein Erststudium nachträglich noch anerkennen. Falls das Urteil negativ ausfällt, kannst Du sie ganz normal als Sonderausgaben für die jeweiligen Jahre geltend machen.

Übrigens kannst Du einen Verlustvortrag für Dein Erststudium aktuell noch sieben Jahre nachträglich geltend machen! Zwar können Einkommenssteuererklärungen eigentlich nur vier Jahre rückwirkend abgegeben werden, doch derzeit herrscht eine Sondersituation. Diese kann aber jederzeit per Gesetz widerrufen werden. Darum solltest Du Dich beeilen. Falls Du bislang noch keine Steuererklärungen für die jeweiligen Studienjahre abgegeben hast, reichst Du einfach für jedes Jahr eine separate Erklärung ein und kreuzt „Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags“ an. Die als Werbungskosten geltend gemachten Studienkosten solltest Du dabei so gut es geht belegen.