Du bist hier

Studium

Uni oder FH: Was ist besser für Dich?

Praxis oder Wissenschaft – bedeutet ein Studium an der Uni oder FH diese Entscheidung? Hier liest Du die wahren Unterschiede, und wer wo glücklicher wird.
Eine Gruppe Studenten im Hörsaal

FH oder Uni? Das Wichtigste auf einen Blick

  • Das Studium an Fachhochschule und Universität wird sich seit dem Bologna Prozess immer ähnlicher.
  • Die Hauptunterschiede ergeben sich aus der Praxisorientierung der FHs und der Forschungsorientierung der Unis.
  • Uni oder FH können beide Vorteile im Studienalltag bieten, es ist nur eine individuelle Entscheidung möglich.

Ist das Studium an Uni oder FH besser?

Früher war der Unterschied ziemlich klar: An die Universität gingen diejenigen, die Wissenschaft und Theorie liebten, an der Fachhochschule waren die, die schon im Studium einen Praxisbezug und klare Strukturen wollten. Diese scharfe Trennung, und auch Hierarchie, zwischen FH und Uni gibt es heute so nicht mehr. Langsam brechen die Vorurteile auf, mit denen die Hochularten zu kämpfen haben: Die Uni galt als realitätsferner Elfenbeinturm, die FHs wurden oft als verschult und unakademisch wahrgenommen. Mittlerweile bewegen sie sich inhaltlich und auch im Image immer weiter aufeinander zu: Viele Fachhochschulen nennen sich mittlerweile einfach nur noch HS (Hochschule) oder University of Applied Sciences (Hochschule für Angewandte Wissenschaften). So kommen FH und Uni auch im Titel auf Augenhöhe.

Wo liegt der Unterschied zwischen Hochschule und Universität?

Warum wird dann überhaupt noch zwischen Uni oder FH unterschieden? Die Einrichtungen haben verschiedene Bildungsaufträge, die Unis sollen für die Wissenschaft ausbilden, die FHs für die Wirtschaft. So klar waren die Ausrichtungen tatsächlich einmal getrennt. Bevor auf Bachelor und Master umgestellt wurde, mussten Absolventen, die ihren Abschluss an einer Fachhochschule gemacht hatte, das in ihrem Titel tragen, man war dann z.B. "Diplom-Ingenieur (FH)." Dem haftete dann oft ein "Studium zweiter Klasse" an. Damals und heute zu Unrecht, wie sich zeigen wird.

FH oder Uni bald egal? Der Wandel im Hochschulsystem

Einen riesigen Schritt aufeinander zu haben die beiden Hochschulformen seit Umsetzung des Bologna Prozess bis 2010 gemacht. Nun gibt es bei den Abschlüssen keinen Unterschied mehr nach der Hochschule. Egal ob Universität oder Fachhochschule, die Bachelor- und Master-Abschlüsse sind absolut gleichwertig und werden auch in der Arbeitswelt so wahrgenommen. Sogar promovieren kann man mittlerweile nach dem Master an der Fachhochschule, allerdings auch dann nur in Zusammenarbeit mit einer Universität. Evtl. fällt diese Auflage aber in naher Zukunft weg. Das macht einige Uni-Rektoren nervös, die gerne ihre Sonderstellung behalten würden. Sie pochen auf die verschiedenen Merkmale, die Uni und FH auch heute noch trennen.

FH oder Uni – worin sie sich wirklich noch unterscheiden

Trotz aller Annäherung, mancher Unterschied zwischen Hochschule und Universität macht sich auch heute noch bemerkbar:

  • Lernumfeld: An der FH wird vor allem in Seminaren und Übungen gelernt, selten mehr als 40 Studenten auf einmal. Deutlich weniger als an der Uni, wo bei einer Erstsemester-Vorlesung in manchen Fächern 500 Menschen in den Hörsaal drängen. Das Gefühl als Student aufgehoben zu sein, kann also zwischen Uni oder FH stark variieren. Dafür ist das Studium an der FH stärker vorgegeben, die Stundenpläne sind vor dem Semester größtenteils festgelegt.
  • Lehrbeauftragte: Die Dozenten an der Fachhochschule sind automatisch praxisorientierter, denn sie müssen vor der Lehrtätigkeit mindestens fünf Jahre hauptberuflich gearbeitet haben, für Uni-Dozenten ist Berufserfahrung außerhalb des Hochschulbetriebs nicht erforderlich.
  • Forschung und Betreuung: Das Lehrpersonal an der Uni ist stärker in die Forschung eingebunden und hat mit etwa neun Wochenstunden Lehrtätigkeit weniger Kontakt zu seinen Studenten als die Kollegen an der FH, dort müssen die Professoren mindestens 18 Stunden an Lehrveranstaltungen pro Woche durchführen. Das Budget für Forschung ist an Universitäten deutlich größer als an Fachhochschulen.
  • Zulassung: Die FH ist für viele da: Mit der Allgemeinen Hochschulreife (Abitur) kannst du jedes Fach an einer Uni oder FH studieren, mit der fachgebundenen Hochschulreife kannst Du zwar auch an die FH oder Uni, aber da nur Fachrichtungen aus Deiner schulischen Ausbildung studieren. Mit dem Fachabitur konntest Du bis vor ein paar Jahren sogar nur an einer FH studieren.
  • Exklusive Uni-Fächer: Einige Fächer, etwa Geistes- oder Sprachwissenschaften, wie z.B. Germanistik, wird Du nur an einer Uni finden. Sie hat insgesamt eine größere Bandbreite an Fachrichtungen und natürlich die Klassiker Lehramt, Jura oder Medizin. Wenn Du schon weißt, dass Du ein bestimmtes Fach studieren willst, wird sich die Frage "Uni oder FH?" vielleicht gar nicht stellen.

Ist eine Uni oder FH besser? Eine individuelle Sache

Ob nun ein Studium an der FH oder Uni besser ist, kannst Du nur für Dich selbst entscheiden. Es hängt von Deinen Interessen, Zielen und Veranlagungen ab. Schätzt Du klare Strukturen und Lernen in kleinen Gruppen, wirst Du Dich wahrscheinlich an einer FH wohler fühlen. Wenn Du eher Freiraum und Eigenverantwortlichkeit willst, wird die Uni Deinen Bedürfnissen vielleicht näherkommen. Auch wenn Du gerne wissenschaftlich arbeitest oder vielleicht sogar eine Karriere in der Forschung oder Lehre in Erwägung ziehst, kann Dir Die Uni mehr bieten. An der FH kannst Du gezielter lernen, welches Wissen in der Arbeitswelt gefragt ist und dort schon während des Studiums Erfahrungen sammeln. Am Ende entscheidet auch Dein Bauchgefühl, ob Uni oder FH besser zu Dir passt. Am besten schaust Du Dir vor Deiner Entscheidung bei Tagen der offenen Tür oder auch als Zuhörer in einer Vorlesung die Lernatmosphäre an beiden Hochschularten an. Hier noch einmal zusammengefasst die Vor- und Nachteile von Uni und FH:

Universität Fachhochschule
Vorteil bei den Inhalten Mehr Bezug zu Wissenschaft und Forschung Wissen soll Dich auf die Arbeitswelt vorbereiten
Nachteil bei den Inhalten Praktische Erfahrungen musst Du Dir selbst suchen Du lernst weniger wissenschaftliches Arbeiten
Vorteil Stundenplan Freiere Zeiteinteilung und mehr Eigenverantwortung Strukturiertes Lernen
Nachteil Stundenplan Du kannst Dich verloren fühlen im Uni-System Du kannst Dir weniger Freiräume beim Lernen gönnen
Vorteil bei Lehrbeauftragten Höheres Budget für Forschung und Lehrstuhlmitarbeiter Mehr Kontakt zu den Dozenten, mehr Dozenten für weniger Studenten
Nachteil bei Lehrbeauftragten Weniger persönlicher Bezug zu den Professoren, weniger Ansprechpartner bei Fragen Willst Du in die Forschung gehen, gibt es weniger Möglichkeiten und Kontakte

Die größten Vorurteile in der Frage: Uni oder FH?

Trotz mittlerweile wissenschaftlicher FH und praxisorientierter Uni – die Annäherung der beiden Hochschularten konnte noch lange nicht alle hartnäckigen Vorurteile auslöschen. Wer sich entscheiden muss, bekommt oft haufenweise vermeintliche Fakten präsentiert, die sehr verwirrend sein können. Und obendrein auch nicht wahr sind, wie unser Realitätscheck zeigt:

  • An der Uni studieren die Schlaueren
  • Eines der Gerüchte, die aus der Zeit stammen, als die Wahl zwischen Uni oder FH noch vermeintlich bedeutete, sich für oder gegen ein "richtiges" Studium zu entscheiden. Es gibt aber in der Realität keine Hinweise darauf, dass Uni-Studenten durchschnittlich bessere Abschlussnoten haben oder im Beruf anerkannter sind.

  • Das FH-Studium ist verschulter als an der Uni
  • Es kommt darauf an, was man unter "verschult" versteht. Was stimmt: Der Stundenplan für ein Semester ist bei der FH weitestgehend vorgegeben, alles ist aufeinander abgestimmt. Natürlich gibt es auch hier Möglichkeiten ein wenig zu variieren, aber nicht so wie an der Uni, wo man Veranstaltungen auch in einem späteren Semester nachholen oder vorziehen kann. Was aber auch stimmt: Durch die Umstellung auf Bachelor und Master haben Studenten sowohl an FH als auch Uni sowieso mehr Vorgaben, in welcher Zeit sie welche Leistungen erbringen müssen. Die angebliche ständige Präsenzpflicht an der FH gilt nicht immer und überall, genauso wie es auch an der Uni zahlreiche Pflichtveranstaltungen gibt. Am Ende des Tages fällt es halt in einem Seminar mit 20 Leuten mehr auf, wenn Du fehlst, als in einer Vorlesung mit 500 Studenten.

  • Theoretiker gehen an die Uni, Praktiker an die FH
  • Wie theoretisch oder praktisch Dein Studium wird, kommt erstmal auf die Wahl des Studienfachs an. Mittlerweile bereiten auch Unis ihre Studenten aufs Arbeitsleben vor, es gibt Pflichtpraktika und Kooperationen mit Unternehmen und externen Forschungseinrichtungen. Trotzdem wird ein Germanistik-Studium nie so auf die Praxis ausgerichtet sein, wie z.B. BWL, egal ob an der Uni oder FH. Allerdings ist die Lehre an der Uni auf die Vermittlung von Grundlagenwissen ausgelegt, wie Du es anwendest und wieviel praktische Erfahrung Du suchst, liegt viel bei Dir. An der FH steht die Anwendbarkeit des Wissens an erster Stelle und die Erprobung ist fester Bestandteil jedes Semesters. Trotzdem wird auch an den FHs geforscht und ein breites Fundament an Fachwissen vermittelt.

  • Der Wechsel zwischen Uni und FH macht Probleme
  • Dieses Vorurteil ist überholt. Egal ob Uni oder FH, durch die Vereinheitlichung mit Bachelor-, Master sowie Credit Points als Leistungsindikator ist der Wechsel kein allzu großes Problem mehr.

  • Wer an der Uni war, verdient mehr
  • Das stimmt nicht, wie eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung von 2016 zeigt: Fünf Jahre nach Berufseinstieg verdienten die FH-Absolventen durchschnittlich 47.700 € brutto pro Jahr, die Uni-Absolventen hingegen nur durchschnittlich 41.550 € brutto. Das liegt zum Teil daran, dass an den FHs häufig technische Studiengänge angeboten werden, in den entsprechenden Branchen wird später auch mehr bezahlt. Generell zeigt der Gehaltsvergleich aber deutlich, dass die Uni kein Garant für höheres Einkommen ist. Ob FH oder Uni besser zu Dir passt, solltest Du aber trotzdem nicht an Einkommensprognosen festmachen.

  • An der FH gibt es keine Forschung
  • Was stimmt: An den Unis haben die Lehrstühle ein höheres Budget für Forschung, wissenschaftliche Mitarbeiter etc. und die Professoren haben mehr Zeit dafür. Außerdem wird mehr Grundlagenforschung betrieben, das heißt, es muss nicht unbedingt ein bestimmter wirtschaftlicher Mehrwert dabei herauskommen. Was nicht stimmt: Dass an den FHs gar nicht geforscht wird. Hier spielt die anwendungsbezogene Forschung eine größere Rolle. Die FHs arbeiten sehr oft mit Unternehmen aller Größenordnungen an Forschungsprojekten in deren Fachbereichen. Und das soll sich weiterentwickeln: Das Bundesforschungsministerium hat für 2017 55 Millionen € für die Unterstützung der Forschung an den FHs bereit gestellt.

  • Unis sind internationaler als FHs
  • Ein Vorurteil, das auch noch aus den Zeiten stammt, als Unis und FHs in ihren Funktionen noch klar voneinander abgegrenzt waren. Die Uni standen damals für die international vernetzte Welt der Wissenschaft mit zig Partner-Hochschulen, die FHs hatten kleinere Netzwerke und den Fokus weniger auf Horizonterweiterung. Das gilt heute alles nicht mehr: Egal ob Uni oder FH, ohne internationale Ausrichtung geht in der akademischen Welt nichts mehr. So gibt es gerade im wirtschaftlichen Bereich mittlerweile viele internationale Studiengänge an Fachhochschulen, meist auf Englisch, mit fest eingeplanten Auslandssemestern und -praktika. Auch beim Erasmus-Austausch gibt es zwischen FH oder Uni keine Unterschiede.

Warum die FHs lieber Hochschule sein wollen

Eigentlich gibt es am Namen Fachhochschule nichts auszusetzen, aber immer mehr FHs ändern ihre Titel zu Hochschule oder dem englischen University of Applied Sciences. An den Abschlüssen der Studenten ändert das nichts, aber am Image der FHs. So hoffen die Rektoren damit den vermeintlichen Unterschied zwischen Hochschule und Universität schon im Namen zu beheben. Universitäten haben in Deutschland immer noch mehr Ansehen, aber die FHs sind seit dem Bologna Prozess auf der Überholspur und zeigen das auch in ihrer Namensgebung. Nicht zuletzt hofft man als University of Applied Sciences auch für ausländische Studenten und Dozenten attraktiv zu werden.

Uni oder FH? (K)ein Fazit

Sich für einen Studiengang zu entscheiden, ist schon schwer genug, da kann die Frage "FH oder Uni" einen in echte Nöte stürzen. Lass Dich nicht verwirren! Zunächst solltest Du Dir überlegen, welches Fach bzw. Fächer Du studieren willst. Es kann sein, dass es dieses oder diese Kombination sowieso nur an der Uni gibt, also sparst Du Dir diese Entscheidung. Wenn eine FH in Frage kommt, überlege Dir einerseits, als welchen Studenten-Typ Du Dich einschätzt und andererseits, welche Art von Inhalten Du in Deinem Fach lernen willst. Nach einem Check der Vorlesungsverzeichnisse und Stundenpläne hast Du sicher eine Ahnung, was besser zu Dir passen würde. Eine allgemein gültige Antwort auf "Ist die Uni oder die FH besser?" kann es nicht geben, und das ist auch gut so, denn es geht darum, was für Dich das Beste ist.