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Referendariat: Ablauf, Stellen, Inhalt

Endlich, das Studium ist geschafft! Bewerbungen schreiben und ab ins Berufsleben? So fix geht das in manchen Branchen nicht. Denn Juristen, Lehrer und einige andere Berufsgruppen müssen zuerst einmal ihr Referendariat absolvieren. Wir zeigen Dir, wo Du die besten Stellen für Referendare findest, was Dich in dieser Zeit erwartet und wie Du Deiner Karriere schon im Referendariat den richtigen Dreh verpasst.

Was ist ein Referendariat?

Referendariat nennt man die Vorbereitungszeit für bestimmte staatlich reglementierte Berufe, meist für Beamte im höheren Dienst. Es handelt sich um eine Art Praktikum, das auf die spätere berufliche Tätigkeit vorbereiten soll, das Referendariat zählt also noch zur Ausbildung. Eine andere Bezeichnung ist "Vorbereitungsdienst".

Ein Referendariat ist nur bei Berufen vorgesehen, die ein mindestens dreijähriges Studium erfordern und mit einer "ersten Staatsprüfung" oder einem vergleichbaren Examen enden. Nach dem zumeist zweijährigen Referendariat folgt ein weiteres Examen, die "zweite Staatsprüfung". Besteht man diese, dann erfüllt man die Voraussetzungen, um verbeamtet zu werden. Zudem erhält man die Berufsbezeichnung "Assessor" mit einem fachspezifischen Zusatz, z.B. Studienassessor oder Rechtsassessor.

Wer muss ein Referendariat absolvieren?

Ein Referendariat ist für Beamte im höheren Dienst (der ranghöchsten Beamtenlaufbahn) vorgesehen - aber nicht nur für diese. So stehen Richter zwar in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis, sind aber keine Beamte. Und auch Lehrer erhalten heute nicht mehr automatisch Beamtenstatus, sondern verdienen sich ihr Geld häufig als Angestellte im öffentlichen Dienst. Wer als Rechtsanwalt vor Gericht auftreten oder freiberuflich als Notar arbeiten will, muss ebenfalls ein Referendariat abgeschlossen haben

Die weitaus größten Gruppen der Referendare sind:

  • Lehramts- oder Studienreferendare, die sich für den Lehrerberuf vorbereiten
  • Rechtsreferendare, die sich für den Beruf als Richter, Staatsanwalt, Rechtsanwalt oder Notar vorbereiten

Darüber hinaus gibt es weitere Gruppen an Referendaren, die etwas weniger bekannt sind:

  • Technische Referendare haben in der Regel ein technisches Studium wie Bauingenieurwesen, Elektrotechnik oder Architektur absolviert. Sie treten nach ihrer Vorbereitungszeit in den höheren technischen Verwaltungsdienst ein, wo sie beispielsweise Bebauungspläne erstellen oder Baugenehmigungen erteilen.
  • Archivreferendare haben häufig ein Geschichtsstudium abgeschlossen und übernehmen später leitende Funktionen in Bundes- oder Landesarchiven.
  • Bibliotheksreferendare bereiten sich für den höheren Dienst an wissenschaftlichen oder öffentlichen Bibliotheken vor.
  • Brandreferendare haben ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium absolviert und übernehmen später Management-Funktionen im Einsatz- oder Verwaltungsbereich von Feuerwehren.
  • Veterinärreferendare befinden sich in der Ausbildung zum Amtstierarzt.
  • Forstreferendare arbeiten nach ihrer Ausbildungszeit im höheren öffentlichen Forstdienst, beispielsweise als Leiter eines Forstamts.
  • Landwirtschaftsreferendare übernehmen später Aufgaben im Bereich der Landwirtschaftsverwaltung. Als leitende Beamte arbeiten sie beispielsweise an Gesetzen und Verordnungen mit oder gestalten Förderprogramme.

Wie läuft das Referendariat ab?

Als Referendar oder Referendarin durchläufst Du mehrere Stationen, die natürlich von der Art des Referendariats abhängen. Der genaue Ablauf kann sich außerdem von Bundesland zu Bundesland etwas unterscheiden. Schon die Referendariat-Dauer ist deutschlandweit nicht einheitlich festgelegt: Meist sind 2 Jahre vorgesehen, in manchen Bundesländern bist Du aber schon nach 18 Monaten bereit für die letzte Herausforderung - das zweite Staatsexamen

Was genau erwartet Dich nun bei den beiden häufigsten Referendariaten, dem Rechtsreferendariat und dem Lehramtsreferendariat?

Rechtsreferendariat

Das Rechtsreferendariat dauert in allen Bundesländern rund 2 Jahre und gliedert sich meist in 5, manchmal in 6 Stationen. Bereits in den letzten Monaten des Referendariats legst Du den schriftlichen Teil der zweiten Staatsprüfung ab, der mündliche Teil folgt unmittelbar danach.

Während des Referendariats wirst Du dienstrechtlich einem von 24 Oberlandesgerichten (OLG) zugeteilt und von dort zu den einzelnen Ausbildungsstellen entsandt. Du kannst Dich teilweise aber auch selbst um die Plätze kümmern, was übrigens sehr zu empfehlen ist! Begleitend zur praktischen Ausbildung hast Du ein- bis zweimal wöchentlich Theorieunterricht in den sogenannten Arbeitsgemeinschaften (AG). Dort wird vor allem Zivil-, Straf- und Verwaltungsrecht gebüffelt und für das zweite Staatsexamen geübt.

Normalerweise durchläufst Du folgende 4 Pflichtstationen und eine Wahlstation, wobei die genaue Reihenfolge je nach Bundesland unterschiedlich sein kann:

  • Zivilrechtsstation: Diese Etappe absolvierst Du in 3 bis 5 Monaten. Du wirst einem Amts- oder Landesgericht für Zivilsachen zugeteilt, wo Du eigene Akten durcharbeitest und selbstständig Berichte, Rechtsgutachten oder Protokolle erstellst.
  • Strafrechtsstation: Danach verbringst Du zumeist 3 Monate bei einem Staatsanwalt oder Strafrichter. Zu Deinen Aufgaben kann unter anderem das Verlesen der Anklageschrift oder das Verfassen von Protokollen während der Strafverhandlungen gehören.
  • Verwaltungsstation: Diese Station umfasst 3 bis 4 Monate und kann sehr unterschiedlich ablaufen - je nachdem, bei welcher Behörde Du landest. Mögliche Dienstorte sind Ministerien, Bundestag, Landtag, Kommunalverwaltungen, Verwaltungsgerichte oder Polizeidirektionen. Falls Du später eine Führungsposition im Bereich der öffentlichen Verwaltung anstrebst, kannst Du statt der Verwaltungsstation auch ein sogenanntes Ergänzungsstudium an der Verwaltungshochschule Speyer absolvieren.
  • Anwaltsstation: Diese Station ist mit 9 bis 10 Semestern die längste. Du verbringst sie bei einem Rechtsanwalt, in einer Anwaltskanzlei oder der Rechtsabteilung eines Unternehmens. Normalerweise suchst Du Dir diese Stelle selbst aus, was eine große Chance ist: Falls Du schon weißt, wohin die Reise später gehen soll, kannst Du im Referendariat erste Kontakte zu möglichen Arbeitgebern knüpfen!
  • Wahlstation: Eine Weichenstellung für Deine spätere Karriere kann auch die Wahlstation sein, die normalerweise 3 Monate umfasst (in Hamburg sind es 6). Ob Kommunalverwaltung, Großkanzlei, Menschenrechtsorganisation oder sogar ein Auslandsaufenthalt - hier liegt (fast) alles in Deiner Hand. Die einzige Bedingung ist, dass ein eindeutiger juristischer Bezug vorliegen muss.

Lehramtsreferendariat

Als angehender Lehrer sammelst Du erst einmal 18 bis 24 Monate Praxiserfahrung, bevor Du zur zweiten Staatsprüfung antreten darfst. Du hast während der gesamten Referendariat-Dauer begleitende Studienseminare, in denen Du auch Prüfungen ablegst oder Präsentationen hältst. Der schulpraktische Teil umfasst 3 Etappen:

  • Hospitationsphase: Als Referendar oder Referendarin wirst Du normalerweise nicht sofort ins kalte Wasser geworfen. Für etwa 2 bist 6 Monate wirst Du erfahrenen Lehrern zugeteilt und nimmst nur beobachtend am Unterricht teil.
  • Ausbildungsunterricht: In dieser Phase, die unterschiedlich lang dauern kann, stehst Du in Anwesenheit eines Betreuungslehrers vor der Klasse und gestaltest selbstständig Unterrichtsstunden.
  • Eigenständiger Unterricht: In dieser letzten Phase übernimmst Du alle Aufgaben eines "fertigen" Lehrers - Du hältst allein Unterricht, benotest Deine Schüler und stehst Erziehungsberechtigten bei Elternabenden Rede und Antwort. Dein wöchentliches Unterrichtspensum umfasst je nach Bundesland zwischen 8 und 17 Stunden. Dabei erhältst Du in regelmäßigen Abständen Besuche von Deinem Ausbildungsleiter, der Deinen Unterricht beobachtet und benotet.

Mit der zweiten Staatsprüfung schließt Du das Referendariat ab. Die Note setzt sich aus unterschiedlichen Anteilen zusammen: der Beurteilung des Ausbildungs- oder Schulleiters, verschiedenen Lehrproben, einer mündlichen Prüfung und einer schriftlichen Hausarbeit.

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