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Wartesemester Medizin: Wartezeiten aufs Medizinstudium

Ein Medizinstudium über Wartesemester zu bekommen, ist für jeden Abiturienten möglich! Wie die Studienplatzvergabe genau funktioniert, erfährst Du hier.
So kannst Du die Wartezeit aufs Medizinstudium möglichst sinnvoll überbrücken!

"Wartesemester Medizin" – ein wichtiges Thema für viele angehende Medizinstudenten. Denn einen Studienplatz in Medizin über Wartesemester zu ergattern, ist die große Hoffnung vieler Abiturienten – vor allem, wenn die Abinote für den NC nicht reicht. Da die Wartezeit für ein Medizinstudium aktuell bei 7,5 Jahren liegt, solltest Du Deine Wartesemester für Medizin möglichst sinnvoll nutzen! So kannst Du z. B. eine medizinische Ausbildung oder ein Vorsemester absolvieren. Außerdem hast Du die Möglichkeit, an einer NC-freien Privatuni Medizin zu studieren. Auch ein Auslandsstudium ist möglich. In diesem Artikel verraten wir Dir die wichtigsten Tipps rund ums Thema "Wartesemester & Medizin".

Durchschnittliche Wartezeit aufs Medizinstudium

Die aktuelle Wartezeit für ein Medizinstudium liegt bei 15 Semestern. Dies entspricht 7,5 Jahren! Im Klartext bedeutet das, dass Studenten, die im Sommersemester 2017 einen Platz über die Wartezeitquote erhalten, maximal 7,5 Jahre gewartet haben. Da das Medizinstudium seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Studiengängen in Deutschland gehört, werden die Bewerberzahlen vermutlich weiter ansteigen. Mit einer zukünftigen Verkürzung der Wartezeit aufs Medizinstudium kannst Du daher leider nicht rechnen!

Wichtig: Zu Beginn Deiner Wartezeit ist die Anzahl der genauen Wartesemester für Medizin immer ungewiss, da sich der Numerus Clausus (NC) und damit auch die Wartezeit ständig ändert!

Bisherige Wartesemester Medizin – Überblick:

Anzahl Wartesemester Semester
15 SS 17
14 WS 16/17
14 SS 16
14 WS 15/16
13 SS 15
12 WS 14/15
13 SS 14
12 WS 13/14

Studienplatzvergabe und Wartesemester in Medizin

Wie kommt die lange Wartezeit für ein Medizinstudium zustande? Der Hauptgrund: Die Zahl der Bewerber übersteigt bei weitem die Anzahl der verfügbaren Studienplätze!

Die Stiftung für Hochschulzulassung (SfH) unterstützt Hochschulen bei der Studienplatzvergabe. Dabei vergibt die Stiftung die Plätze fürs Studium nach folgenden Quoten:

  • 20 % nach Numerus Clausus (NC):
  • Ein Fünftel aller Studienplätze werden an jene Bewerber vergeben, die sich über den Numerus Clausus (NC) qualifiziert haben. Das bedeutet, dass Dein Abidurchschnitt in einem bestimmten Notenbereich liegen muss. Aktuell variiert der NC für Medizin zwischen 1,0 und 1,2 – je nach Bundesland.

  • 20 % nach Wartesemestern:
  • Die SfH vergibt weitere 20 % der Plätze an jene Bewerber mit den meisten Wartesemestern. Falls Deine Abinote nicht reicht, kannst Du mit ausreichender Wartezeit dennoch Medizin studieren! Allerdings zählt auch innerhalb einer Gruppe mit gleicher Anzahl an Wartesemestern Deine Abinote! Bewerber mit besseren Noten haben auch hier die besseren Chancen! Zusätzlich kannst Du durch das Vorweisen besonderer Dienste wie z. B. ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) Deine Chancen erhöhen. Bei den übrigen Kandidaten der gleichen Wartegruppe entscheidet das Los.

  • 60% nach eigenen Vorgaben der Unis:
  • 60 Prozent der Plätze werden von den Hochschulen nach eigenen Kriterien vergeben – in speziellen Auswahlverfahren. Einige Unis orientieren sich dabei in erster Linie am Notenschnitt im Abi-Zeugnis. Bei anderen Hochschulen zählen aber auch Kriterien wie z. B. ein gutes Abschneiden im Medizinertest, ein positiver Eindruck beim Auswahlgespräch oder eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung. So kannst Du unter Umständen auch mit etwas schlechteren Noten einen Studienplatz ergattern.

Wartesemester Medizin – diese Tätigkeiten werden angerechnet:

Praktikum
Ausbildung
Jobben
Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr
Auslandsaufenthalte

Achtung: Semester, in denen Du an einer deutschen Hochschule in einem anderen Studiengang eingeschrieben bist, zählen nicht als Wartesemester für Medizin! Diese werden als sogenanntes Parkstudium bezeichnet und von Deiner Wartezeit abgezogen!

So berechnest Du Deine Wartesemester für Medizin: Ein Wartesemester entspricht immer einem kompletten Halbjahr. Deine Wartezeit setzt sich aus allen Semestern zusammen, die zwischen dem Erwerb Deiner Hochschulzugangsberechtigung und jenem Semester liegen, für das Du Dich bewirbst. Das Halbjahr, in dem Du Dein Abi abgelegt hast, wird hingegen nicht angerechnet.

Wartezeit aufs Medizinstudium sinnvoll nutzen

Wenn Du wirklich Medizin studieren möchtest, aber keinen Studienplatz direkt erhältst, solltest Du die Wartezeit für Dein Medizinstudium möglichst sinnvoll überbrücken. Eine medizinische Ausbildung ist eine gute Möglichkeit, um vorab praktische Erfahrungen zu sammeln. Willst Du Dich lieber direkt auf Dein Studium vorbereiten, kannst Du auch ein medizinisches Vorsemester machen.

Medizinische Ausbildungsberufe

Eine Ausbildung im medizinischen Bereich ist sehr gut geeignet, um möglichst viele Wartesemester für Medizin anzuhäufen. Zum einen sammelst Du praktische Erfahrung in einem thematisch relevanten Bereich. Zum anderen kannst Du Dir ggf. im Medizinstudium Teile der Ausbildung als Pflichtkurse anerkennen lassen. Außerdem hast Du mit einer absolvierten medizinischen Ausbildung beim Auswahlgespräch bessere Karten. So kannst Du praktische Kenntnisse und Fertigkeiten im medizinischen Bereich vorweisen. Unter Umständen kann eine Ausbildung auch zu einem verbesserten Notendurchschnitt beitragen.

Übersicht über sinnvolle medizinische Ausbildungsberufe:

  • Medizinische(r) Fachangestellter(r)
  • Arzthelfer(in)
  • Krankenschwester/Pflegehelfer
  • Gesundheits- und Krankenpfleger(in)
  • Rettungssanitäter(in)
  • Rettungsassistent(in)
  • Altenpfleger(in)
  • Hebamme/Geburtshelfer

Vorbereitung aufs Medizinstudium

Alternativ hast Du auch die Möglichkeit, Deine Wartesemester für Medizin mit einem medizinischen Vorsemester zu überbrücken. Hier werden Dir über einen begrenzten Zeitraum Grundkenntnisse in naturwissenschaftlichen und medizinischen Fächern beigebracht. Zusätzlich werden Labor- und Anatomiepraktika an echten Präparaten durchgeführt. Dies soll Dich gezielt auf Medizinertests vorbereiten und Dir den Einstieg in Dein späteres Medizinstudium erleichtern. Außerdem erhältst Du am Schluss ein Zertifikat, das Du bei Deiner Uni-Bewerbung einreichen kannst. So erhöhst Du Deine Chancen beim Auswahlverfahren der Hochschulen. Doch Achtung: Ein Vorsemester ist mit hohen Kosten verbunden! So musst Du für einen Zeitraum von vier Monaten mit 2.600 bis 3.900 € rechnen. Informiere Dich rechtzeitig bei den verschiedenen Anbietern über Kosten, Gruppengröße und Anmeldefristen!

Alternative zur Wartezeit: Privatuniversität und Auslandsstudium

Alternativ gibt es inzwischen auch einige Privatuniversitäten, die ein exklusives Medizinstudium ohne NC anbieten. Doch auch hier gibt es strenge Auswahlverfahren: Zwar musst Du keinen bestimmten NC erfüllen. Dennoch musst Du detailliert Deine Motivation und Deinen Willen fürs Medizinstudium darlegen. Auch sind die Kosten für ein solches Medizinstudium in der Regel sehr hoch. Pro Semester kannst Du grob Du mit 6.000 bis 11.500 € rechnen!

Übersicht über die fünf deutschen Privatuniversitäten:

  • Kassel School of Medicine
  • Asklepios Campus Hamburg
  • Paracelsus Universität Nürnberg
  • Privatuni Witten/Herdecke
  • Medizinische Hochschule Brandenburg

Der Besuch einer Privatuniversität kann sich bei einer sehr schlechten Abiturnote aber dennoch auch kostenmäßig für Dich lohnen!

Beispiel-Rechnung: Für ein Medizinstudium liegt die Wartezeit aktuell bei 15 Semestern, also bei 7,5 Jahren. Somit verzichtest Du 7,5 Jahre auf ein Gehalt als Facharzt. Dieser verdient jährlich ca. 80.000 - 90.000 €. Das ergibt in 7,5 Jahren eine Summe von insgesamt ca. 600.000 - 700.000 €.

Eine Privatuni kostet Dich pro Semester maximal 11.500 €. Bei einer Durchschnittsdauer von 13 Semestern musst Du so mit Ausgaben von insgesamt 149.500 € rechnen.

Studierst Du nicht an einer Privatuni, sondern nimmst einen normalen Job an, verdienst Du jährlich ca. 30.000 €. Nach 20 Jahren hättest Du so ein Gesamt-Einkommen von 600.000 €. Nach 20 Jahren als Facharzt liegt dieses hingegen – abzüglich der Studiengebühren von 150.000 € für die Privatuni – bei 1.650.000 €! Ohne das Medizinstudium kämest Du so auf einen potentiellen Verlust von mehr als einer Millionen Euro!

Ebenfalls eine echte Alternative zur Wartezeit in Deutschland: Ein Auslandsstudium! Der Vorteil: Im Ausland entfällt vielerorts der NC, so dass Du direkt loslegen kannst. Und das Beste: Deine Wartesemester für Medizin laufen in Deutschland parallel weiter! Viele angehende Mediziner zieht es daher an Unis im europäischen Ausland, vor allem nach Ungarn. Der Großteil von ihnen wechselt dann spätestens zu Beginn des klinischen Abschnitts zurück an eine deutsche Hochschule.

Achtung: Bildung ist Ländersache! So kann es unter Umständen passieren, dass Deine Wunsch-Hochschule in Deutschland Dein Auslandsstudium nicht anerkennt. Erkundige Dich daher immer vorab über die jeweils geltenden Regeln zur Anerkennung von Leistungen, die im Ausland erbracht worden sind!