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Familienversicherung: kostenlos für Ehepartner & Kinder

In Deutschland bietet sich für Familien eine einmalige Chance Deinen Ehepartner und Deine Kinder unter bestimmten Umständen über die so genannte Familienversicherung mitversichern zu lassen. Das spart Geld und hilft euch als Familie weiter. Wie genau die Familienversicherung funktioniert, für wen sie geeignet ist und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, erklären wir hier.

Was ist eine Familienversicherung?

Als Familienversicherung oder auch beitragsfreie (Familien-)Mitversicherung versteht man in Deutschland die Möglichkeit, dass Familienangehörige bei einem in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherten Pflichtmitglied oder freiwilligen Mitglied mitversichert sein können ohne selbst eigene Gebühren dafür bezahlen zu müssen. Diese beitragsfreie Mitversicherung ist als Hilfestellung für die Grundsicherung von Familien in Kindern gedacht.

Wer kann alles familienversichert sein?

  • Ehepartner
  • eingetragene Lebenspartner
  • Kinder (auch Stief-, Adoptivkinder und Enkel)

Eine beitragsfreie Familienversicherung kommt nur für so genannte Familienangehörige in Betracht. Das sind in erster Linie natürlich, so besagt es der Name Familienversicherung schon, Ehepartner oder der eigene eingetragene Lebenspartner und die leiblichen Kinder. Allerdings gibt es noch weitere Regelungen, die die Idee der Familienzugehörigkeit erweitern.

Den leiblichen Kindern gleichgestellt werden auch Stiefkinder, Adoptivkinder und Enkel, wenn deren Lebensunterhalt überwiegend vom Pflichtmitglied der Krankenversicherung bestritten wird. Weiterhin werden auch Kinder von familienversicherten Kindern mitversichert. Bei einer Scheidung erübrigt sich für den Ehepartner oder eingetragenen Lebenspartner allerdings der Anspruch auf Familienversicherung, da damit die Familienzugehörigkeit erlischt. Für die gemeinsamen Kinder aus der nun geschiedenen Ehe gilt wiederum das Prinzip, dass sie bei dem Partner, bei dem sie leben und der den Unterhalt für sie leistet mitversichert sein können.

Beispiel:

Hans und Elke sind in 2. Ehe miteinander verheiratet. Hans hat ein Kind, Anke, aus erster Ehe. Anke ist 17 Jahre alt und lebt bei Hans und Elke, genauso wie Tina und Lars, die beiden Kinder aus Hans und Elkes Ehe. Anke hat vor Kurzem ein Kind bekommen: Ben.

Für Elke als Hausfrau und die beiden gemeinsamen Kinder von Hans und Elke ist klar: sie sind bei Hans mitversichert. Da Anke bei Hans im Haushalt lebt und er für sie aufkommt, ist auch sie mitversichert. Und auch Ben, Ankes Sohn ist bei Hans mitversichert, da er das Kind eines familienversicherten Kindes ist.

Hans’ Ex-Frau Sonja musste sich nach der Scheidung wiederum selbst versichern, da die Scheidung den Familienzugehörigkeitsstatus aufgehoben hat.

Welche Krankenkasse hat die beste Familienversicherung?

Grundsätzlich sind die Regelungen für eine Familienkrankenversicherung bei allen Kassen gleich. Außerdem erhebt jede gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland 2019 den gleichen Beitrag von 14,6 Prozent. Allerdings ist es den Kassen auch vorbehalten Zusatzbeiträge zu bestimmen. Neben der Frage der Bezahlung, ist die viel wichtigere Frage aber: Was kriegst Du für Dein Geld?

Wichtig ist hier, dass Du Dich über die Zusatzleistungen der einzelnen Anbietern der gesetzlichen Krankenkassen informierst, denn diese können extrem unterschiedlich sein. Aber wie die beste Krankenkasse für Deine Bedürfnisse finden? Wir empfehlen Dir, den Online-Tarifvergleich auf dieser Seite zu nutzen. Damit kannst Du gleich hier und jetzt die beste gesetzliche Krankenkasse für Dich finden:

Welche weiteren Voraussetzungen gibt es für die Familienversicherung?

Neben der Familienzugehörigkeit gibt für die Familienversicherung noch andere Voraussetzungen. Die sind:

  • eine Familienversicherung gibt es nur, wenn mindestens ein Teil der Familie Pflichtmitglied oder freiwilliges Mitglied in einer gesetzlichen Krankenversicherung ist; bei Privatversicherung gibt es keine Familienversicherung
  • die Person, die Pflicht- oder freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenkasse ist, muss seinen oder ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben
  • das mitzuversichernde Mitglied darf nicht selbst versicherungspflichtig sein und mehr als 445 Euro im Monat dazuverdienen; bei Minijobs ist die Grenze 450 Euro

    das mitzuversichernde Mitglied darf nicht versicherungsfrei sein, zum Beispiel als gut verdienender Arbeitnehmer oder Beamter

    das mitzuversichernde Mitglied darf nicht hauptberuflich selbstständig tätig sein. Diese Regeln gilt sobald die selbstständige Arbeit mehr als 18 Stunden in der Woche ausgeübt wird

    erhält das mitzuversichernde Mitglied Arbeitslosengeld, so muss es sich ebenfalls selbst versichern

Wird einer dieser Punkte nicht erfüllt, ist eine Familienkrankenversicherung nicht möglich. Außerdem gibt es noch besondere Regelungen in Sachen Mutterschutz und Entbindung: Ehegatten und Lebenspartner, die zu Beginn der Mutterschutzfrist nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert waren, können in den meisten Fällen ebenfalls nicht mitversichert werden. Dasselbe gilt für die Schutzfrist nach der Entbindung und den Beginn der Elternzeit.

Wie beantrage ich Familienversicherung?

Du willst, dass eines oder mehrere Deiner Familienmitglieder bei Dir familienversichert sind? Dann musst Du bei Deiner gesetzlichen Krankenkasse einen Antrag stellen. Die Anträge findest Du fast immer direkt auf deren Webseite. Dort musst Du Angaben zum Versicherungsstatus, zum Einkommen und zu den Kindern machen. Die Krankenkasse überprüft dann Deine Angaben und ob Du und die mitzuversichernde Person alle jede Voraussetzung für die Familienversicherung einhalten. Wenn alles gut geht, erhaltet ihr einen positiven Bescheid und die mitzuversichernde Person bekommt ihre eigene Krankenkassenkarte und ist dann mitversichert.

Gibt es eine Einkommensgrenze bei der Familienversicherung?

  • Ehepartner privat versichert und Einkommen über 5.062,50 Euro
  • 445 Euro / 450 Euro bei mitversicherten Kindern, Ehe- bzw. Lebenspartnern
  • spezielle Berechnung bei Stief- und Enkelkindern

Ja, das gibt es. Im Prinzip ist man als Ehe- bzw. Lebenspartner oder Kind solange familienversichert, so lang man kein oder nur ein geringes Einkommen aufweist. Es gibt also eine Verdienstgrenze, die man nicht überschreiten darf, sonst muss man sich selbst versichern. Allerdings gibt es auch eine Verdienstgrenze für die versichernden Ehe- oder Lebenspartner:

Ehepartner / Lebenspartner

Es gibt auch für die Aufnahme in die Familienversicherung eine Einkommensgrenze für Ehepartner bzw. Lebenspartner, bei denen ein Partner privat versichert ist und sein monatliches Gehalt ein Zwölftel der Jahresarbeitsentgeltgrenze übersteigt und der dazu noch regelmäßig mehr verdient als der andere, gesetzlich versicherte Partner sind von der Familienkrankenversicherung ausgeschlossen. Die monatliche Einkommenshöchstgrenze liegt 2019 bei 5.062,50 Euro. Hier ist allerdings auch zu beachten, dass Familienzuschläge nach Besoldungsrecht nicht in das Einkommen mit eingerechnet werden, was vor allem für Beamte zu beachten ist. Grund für diese Regelung ist der Versuch sozialen Ausgleich zu schaffen.

mitversicherte Kinder und Ehe- bzw. Lebenspartner

Pro Monat darf das Gesamteinkommen 445 Euro nicht überschreiten. Zusammen mit dem Sparerfreibetrag in Höhe von 901 Euro pro Jahr liegt das Höchsteinkommen somit bei jährlich 6.141 Euro. Zusätzlich rechnet das Finanzamt Werbungskosten ein.

Ein bisschen mehr dürfen aber Familienmitglieder mit einem Minijob verdienen. Hier gilt die Höchstgrenze von 450 Euro im Monat. Sollte das Familienmitglied unter den 450 Euro beim Minijob bleiben, kann der restliche Betrag auch für Einkommen, zum Beispiel aus Zinsen, genutzt werden.

Die Frage bleibt letztendlich die des Gesamteinkommen bei der Familienversicherung. Kinder haben häufig Einkommen aus Renditen oder aus Zinsen durch ihre Sparbücher oder durch Aktienfonds, die auf ihren Namen laufen. Außerdem zählen Löhne, Gehälter aber auch Renten, wie zum Beispiel eine Hinterbliebenenrente zum Einkommen hinzu. Auch zu beachten: Miet- und Pachteinnahmen werden hier ebenfalls hinzugezählt.

Wird die Einkommenshöchstgrenze einmal überschritten, so muss die Person ab dem Tag des Einkommenssteuerbescheids sich selbst versichern. Die Krankenkasse schickt übrigens jedes Jahr einen Fragebogen und fragt das Einkommen ab und verlangt eine Kopie des Steuerbescheids, um erneut zu prüfen, ob noch Anspruch auf eine Familienkrankenversicherung besteht oder ob die Einkommensgrenze überschritten wurde.

mitversicherte Stief- und Enkelkinder

Da bei Stief- und Enkelkindern die Regel gilt, dass sie bei der Person familienversichert sein dürfen, die ihre Lebensunterhaltskosten hauptsächlich trägt, ist die Berechnung der Einkommenshöchstgrenze hier anders. Wenn das Kind Geld verdient, kann es unter Umständen sein, dass es rein rechnerisch sich überwiegend selbst finanziert. Um das zu ermitteln werden alle Einkommen der Familie zusammengerechnet und durch die Anzahl der Familienmitglieder geteilt. Das Stief- oder Enkelkind darf dann weniger als die Hälfte dieses Betrages verdienen. Verdient es mehr, bestreitet es seinen Lebensunterhalt selbst und muss sich selbst versichern.

Allerdings kann die Krankenkasse von dem Betrag noch Ausgaben zu Haushaltsführung und Kinderbetreuung zugunsten des Kindes abziehen. Das entscheiden im Einzelfall aber jede Kasse selbst.

Beispiel:

Susi und Johann haben ein zwei gemeinsame Kinder und Suse bringt noch Lars aus der ersten Ehe mit. Lars verdient im Monat 300 Euro. Susi verdient 1.500 Euro brutto im Monat, Johann 2.000 Euro brutto. Alle Gehälter werden jetzt zusammengerechnet und ergeben 3.800 Euro brutto. Diese werden jetzt durch alle Mitglieder, in diesem Fall 5 Personen, geteilt: 3.800 Euro / 5 Personen = 760 Euro. Die Hälfte dieses Betrages, also 380 Euro im Monat dürfte Lars mit seinem Einkommen also nicht überschreiten. Da er nur 300 Euro im Monat verdient, kann er weiter familienversichert bleiben.

Wie lange kann man familienversichert sein?

  • 23 Jahre
  • bei Studium oder Berufsausbildung 25 Jahre
  • Sonderregelung bei Wehr- und Freiwilligendienst

Für familienversicherte Kinder gibt es Altersgrenzen, sofern sie noch nicht selbst arbeiten und sich deshalb automatisch aus der Familienkrankenversicherung ausschließen. Grundsätzlich bist Du familienversichert bis zum Alter von 23 Jahren.

Diese Obergrenze verlängert sich auf 25 Jahre, wenn das Kind ein Studium oder eine Berufsausbildung aufgenommen hat. solange die Einkommensobergrenze nicht überstiegen wird. Die Familienversicherung kann über das 25. Lebensjahr hinaus um weitere 12 Monate verlängert werden, wenn die Schul- oder Berufsausbildung durch folgende Dienste verzögert oder unterbrochen wurde:

  • freiwilliger Wehrdienst
  • Freiwilligendienst nach dem Bundesfreiwilligendienstgesetz, Jugendfreiwilligendienstgesetz oder einem vergleichbaren Freiwilligendienst
  • Arbeit als Entwicklungshelfer/in

Für Kinder mit Behinderung, die durch ihre Behinderung davon abgehalten werden sich selbst zu unterhalten, gibt es keine Altersgrenze für die Familienversicherung.

Was passiert nach dem Ende der Familienversicherung?

Läuft die Familienversicherung für ein Mitglied aus, ist dieses nach dem Ende der Familienversicherung automatisch weiterhin freiwillig gesetzlich krankenversichert, sofern keine andere Pflichtversicherung greift. Der oder die Versicherte kann dann innerhalb von 2 Wochen nach dem Hinweis der Krankenkasse entweder austreten, sofern sie eine andere Absicherung, zum Beispiel eine private Krankenversicherung, nachweisen können oder verbleibt bei der Versicherung. Nach diesem Zeitraum gelten dann die normalen Kündigungsfristen.

Gibt es eine Familienversicherung auch ohne Ehe?

Nein, ohne Ehe oder eine eingetragene Lebenspartnerschaft ist eine Familienversicherung für Deinen Partner oder Deine Partnerin grundsätzlich nicht möglich.

Kann ich zur Geburt eines Kindes in die Familienversicherung wechseln?

Die Antwort auf diese Frage ist unterschiedlich, je nach Ausgangslage:

Du bist vor der Geburt freiwillig gesetzlich versichert

Freiwillig versichert sind in der Regel Menschen, die selbstständig arbeiten und nicht in eine private Krankenversicherung eintreten wollen. Ist das Dein Fall und Du bekommst jetzt ein Kind, dann wirst Du in der Elternzeit grundsätzlich beitragsfrei versichert. Du hast aber auch die Möglichkeit die Geburt des Kindes zu nutzen und in die Familienversicherung zu wechseln. Sinnvoll ist das, wenn Du weißt, dass Du auch nach Ablauf der Elternzeit sehr wahrscheinlich erstmal keinen weiteren Beruf ausüben wirst. In diesem Fall stellst Du einfach einen Antrag auf Familienversicherung. Die Kasse wird eine Einzelfallprüfung unternehmen und prüfen, ob die üblichen Regelungen für einen Aufnahme in die Familienversicherung auch tatsächlich erfüllt sind. Auch hier eine gute Nachricht: das Elterngeld wird bei der Einkommensobergrenze nicht mit berechnet.

Du bist schon vor der Geburt des Kindes gesetzlich pflichtversichert

In diesem Falle ändert sich für Dich erstmal nichts. Du bleibst gesetzlich pflichtversichert, allerdings beitragsfrei für den Zeitraum, in dem Du Elterngeld bekommst. Solltest Du allerdings Deinen Beruf ob des Kindes aufgeben und erstmal selbst kein weiteres Einkommen haben, kannst Du einen Antrag auf Familienversicherung stellen. Eine Einzelfallprüfung prüft dann, ob die üblichen Regelungen für einen Aufnahme in die Familienversicherung auch tatsächlich erfüllt sind. Dein Elterngeld wird auch hier nicht als Einkommen angerechnet.

Du bist vor der Geburt privat krankenversichert

Es ist grundsätzlich sehr schwierig von einer privaten Krankenversicherung in die Familienversicherung der gesetzlichen Krankenkassen zu wechseln, noch dazu in eine Familienversicherung. Allerdings kann die Geburt eines Kindes Dir hier zum Vorteil sein, denn es gibt zwei Ausnahmefälle rund um Geburt und Elterngeld, die Dir beim Wechsel helfen können:

  • Du hast durch die Geburt und die Elternzeit kein Einkommen mehr bzw. Euer gemeinsames Einkommen fällt unter die Versicherungspflichtgrenze
  • Du heiratest Deinen Partner kurz vor der Geburt und ihr habt dadurch einen Statuswechsel, sprich ihr werdet hiermit erst zu einer „Familie“ im rechtlichen Sinne

Wenn Du eine dieser Voraussetzungen erfüllst, kannst Du in die Familienversicherung wechseln. Einmal dort angekommen, wird Dein Elterngeld nicht als Einkommen gezählt.