Du bist hier

Beitragsbemessungsgrenze 2019: aktuelle Werte

Im deutschen Sozialversicherungssystem gibt es eine Beitragsbemessungsgrenze, die sich jedes Jahr verändert. Doch worum handelt es sich hierbei eigentlich? Wer legt fest, um wieviel sie sich ändert? Und wie hoch ist sie aktuell eigentlich? Die Antworten auf Deine Fragen erfährst Du in den folgenden Zeilen.

Was ist die Beitragsbemessungsgrenze?

Jeder Arbeitnehmer zahlt von seinem Bruttoverdienst Beiträge an die gesetzliche Sozialversicherung. Dazu gehören die Renten- und Arbeitslosenversicherung sowie die gesetzliche Krankenversicherung. Deine Beiträge werden prozentual von Deinem Bruttoverdienst berechnet.

Die Beitragsbemessungsgrenze ist eine Berechnungsgrenze. Sie legt fest, bis zu welchem Betrag das Gehalt oder eine Rente eines gesetzlich Versicherten für Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung herangezogen werden. Der Teil des Einkommens über der Grenze wird für die Beitragsberechnung nicht berücksichtigt. Es gibt zwei unterschiedliche Werte. Erstens eine Beitragsbemessungsgrenze für Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung sowie eine Beitragsbemessungsgrenze für die Krankenversicherung.

Wie hoch ist die Beitragsbemessungsgrenze?

Anhand der Tabellen kannst Du sehen, dass die Beitragsbemessungsgrenze für die Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung im Jahr 2019 im Westen bei 6700 Euro im Monat liegt. Im Osten ist sie mit 6150 Euro im Monat dagegen etwas niedriger. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es keinerlei Unterschied zwischen Ost und West. Die Die Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung liegt im Jahr 2019 in allen Bundesländern bei 4537,50 Euro pro Monat.

Beitragssätze in der Sozialversicherung (2019)

Art der Versicherung Beitragssatz Arbeitgeberanteil Arbeitnehmeranteil
gesetzliche Rentenversicherung 18,6 % 9,3 % 9,3 %
Arbeitslosenversicherung 2,5 % 1,25 % 1,25 %
gesetzliche Krankenversicherung 14,6 % 7,3 % plus Zusatzbeitrag von durchschnittlich 0,45 % 7,3 % plus Zusatzbeitrag von durchschnittlich 0,45 %
Pflegeversicherung 3,05 % 1,525 % 1,525 % (Arbeitnehmer mit Kind)
1,775 % (Arbeitnehmer ohne Kind)

Quelle: Bundesarbeitsministerium (Stand: Januar 2019)

Gesetzliche Renten- und Arbeitslosenversicherung

Jahr Beitragsbemessungsgrenze
2019 West: 6.700 €/Monat
Ost: 6.150 €/Monat
West: 80.400 €/Jahr
Ost: 73.800 €/Jahr
2018 West: 6.500 €/Monat
Ost: 5.800 €/Monat
West: 78.000 €/Jahr
Ost: 69.600 €/Jahr
2017 West: 6.350 €/Monat
Ost: 5.700 €/Monat
West: 76.200 €/Jahr
Ost: 68.400 €/Jahr

Quelle: Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnungen 2017, 2018 und 2019

Gesetzliche Krankenversicherung

Jahr Beitragsbemessungsgrenze
2019 Ost + West: 4.537,50 €/Monat Ost + West: 54.450 €/Jahr
2018 Ost + West: 4.425 €/Monat Ost + West: 53.100 €/Jahr
2017 Ost + West: 4.350 €/Monat Ost + West: 52.200 €/Jahr

Quelle: Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnungen 2017, 2018 und 2019

Wie viel zahle ich nun?

Aber was bedeutet der Höchstsatz der Krankenversicherung beziehungsweise der Renten- und Arbeitslosenversicherung ganz konkret? Wieviel Sozialversicherungsbeiträge musst Du zahlen? Wir schauen uns dazu zwei unterschiedliche Beispiele an, zum einen mit dem Höchstsatz der Krankenkasse und zum anderen mit der Rentenversicherung Beitragsbemessungsgrenze. Hierbei gehen wir jeweils von unterschiedlichen Gehältern aus.

Beispiel Krankenversicherung Beitragsbemessungsgrenze

Wir machen unsere Beispielrechnungen für zwei verschiedene Jahren: 2018 und 2019. Der Beitragssatz für die gesetzliche Krankenversicherung liegt bei 14,6 Prozent. Davon zahlen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer jeweils die Hälfte, also 7,3 Prozent. Zudem dürfen Krankenkrankenkassen seit dem 1. Januar 2015 einen Zusatzbeitrag. Dieser krankenkassenindividuell. Das heißt also, dass Deine Krankenkasse über die Höhe des Zusatzbeitrags bestimmt. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag liegt aktuell bei 0,9 Prozent. Ab 1. Januar 2019 beteiligt sich der Arbeitgeber zur Hälfte an diesem krankenkassenindividuellen Zusatzbeitrag.

An unserem Beispiel wird deutlich, welche Auswirkungen die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) auf die Höhe der Beiträge hat und wie sie sich insbesondere bei der Beitragshöhe von Gutverdienern bemerkbar macht.

Arbeitnehmer (Bruttogehalt) 2018 BBG 4425 Euro 2019 BBG 4537,50 Euro
2700 Euro Relevantes Einkommen für Beitragsberechnung: 2700 Euro
2700 €/100 * 7,3 % Arbeitnehmeranteil Krankenversicherung=
197,10 € + Zusatzbeitrag=
Krankenversicherungsbeitrag
Relevantes Einkommen für Beitragsberechnung: 2700 Euro
2700 €/100 * 7,3 % Arbeitnehmeranteil Krankenversicherung=
197,10 € + Zusatzbeitrag=
Krankenversicherungsbeitrag
4500 Euro Relevantes Einkommen für Beitragsberechnung: 4425 Euro
4425 €/100 * 7,3 % Arbeitnehmeranteil Krankenversicherung=
323,03 € + Zusatzbeitrag=
Krankenversicherungsbeitrag
Relevantes Einkommen für Beitragsberechnung: 4500 Euro
4500 €/100 * 7,3 % Arbeitnehmeranteil Krankenversicherung=
328,50 € + Zusatzbeitrag=
Krankenversicherungsbeitrag
6500 Euro Relevantes Einkommen für Beitragsberechnung: 4425 Euro
4425 €/100 * 7,3 % Arbeitnehmeranteil Krankenversicherung=
323,03 € + Zusatzbeitrag=
Krankenversicherungsbeitrag
Relevantes Einkommen für Beitragsberechnung: 4537,50 Euro
4537,50 €/100 * 7,3 % Arbeitnehmeranteil Krankenversicherung=
331,24 € + Zusatzbeitrag=
Krankenversicherungsbeitrag

Beispiel Beitragsbemessungsgrenze Rentenversicherung

Für dieses Beispiel nehmen wir die Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung. Der Beitragssatz für die Rentenversicherung beträgt 18,6 Prozent. Hiervon zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils die Hälfte, also 9,3 Prozent. Anhand des Beispiels kannst Du sehen, dass die unterschiedlichen Beitragsbemessungsgrenzen der Rentenversicherung im Westen und Osten Auswirkungen auf die Beitragszahlungen von Gutverdienern haben.

Arbeitnehmer (Bruttogehalt) BBG Westen: 6700 Euro BBG Osten: 6150 Euro
2700 Euro Relevantes Einkommen für Beitragsberechnung: 2700 Euro
2700 €/100 * 9,3 % Arbeitnehmeranteil Rentenversicherung=
251,10 €
Relevantes Einkommen für Beitragsberechnung: 2700 Euro
2700 €/100 * 9,3 % Arbeitnehmeranteil Rentenversicherung=
251,10 €
4500 Euro Relevantes Einkommen für Beitragsberechnung: 4500 Euro
4500 €/100 * 9,3 % Arbeitnehmeranteil Rentenversicherung=
418,50 €
Relevantes Einkommen für Beitragsberechnung: 4500 Euro
4500 €/100 * 9,3 % Arbeitnehmeranteil Rentenversicherung=
418,50 €
6500 Euro Relevantes Einkommen für Beitragsberechnung: 6500 Euro
6500 €/100 * 9,3 % Arbeitnehmeranteil Rentenversicherung=
604,50 €
Relevantes Einkommen für Beitragsberechnung: 6150 Euro
6150 €/100 * 9,3 % Arbeitnehmeranteil Rentenversicherung=
571,95 €

Welchen Einfluss hat die Beitragsbemessungsgrenze auf die private Krankenversicherung?

Die Bemessungsgrenze hat ebenfalls Einfluss auf die private Krankenversicherung. Wie bei der gesetzlichen Privatversicherung übernimmt der Arbeitgeber auch bei der privaten Krankenversicherung die Hälfte der Beiträge, also 7,3 Prozent. Allerdings beteiligt sich der Arbeitgeber nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Wenn also Dein Gehalt im Jahr 2019 über 4537,50 Euro ist Dein Anteil an Deinen Krankenversicherungsbeiträgen prozentual höher als der Deines Arbeitgebers. Mit jedem Euro über der Grenze steigt Dein Beitragsanteil und sinkt der des Arbeitgebers. Bei aktuell 4357,50 Euro liegt der Höchstbeitrag des Arbeitgebers bei 331,24 Euro.

Wie entwickelt sich die Beitragsbemessungsgrenze?

Der Gesetzgeber überprüft jährlich die Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung und der Rentenversicherung. Als Grundlage für diese Überprüfung dienen die Lohnentwicklung sowie andere Wirtschaftsfaktoren. Wird die Grenze angehoben, müssen Arbeitnehmer, die über ein hohes Einkommen verfügen, höhere Beiträge zahlen. Das bedeutet wiederum, dass die Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen steigen und sie somit gestärkt werden. In den letzten Jahren ist die Grenze kontinuierlich gestiegen. Es gab bisher nur einzige Ausnahme. Im Jahr 2011 senkte der Gesetzgeber die Bemessungsgrenze der Krankenversicherung um 1,0 Prozent. Auch in den nächsten Jahren ist mit einer Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze zu rechnen.

Warum gibt es eine Beitragsbemessungsgrenze?

Im deutschen Sozialversicherungssystem gilt das Solidaritätsprinzip. Das bedeutet, dass es bezüglich der Leistungen keine Unterschiede für die Mitglieder des Sozialversicherungssystems gibt. Das bedeutet beispielsweise im Hinblick auf die Krankenkasse, dass es egal ist, ob jemand nur einmal im Jahr zum Arzt geht oder regelmäßig auf ärztliche Versorgung und Medikamente angewiesen ist. Alle bekommen identische Leistungen.

Zu diesem System soll jeder nach seinen finanziellen Leistungen und in Form eines einkommensabhängigen Beitrags seinen Anteil leisten. Wer zu den Gutverdienern gehört, zahlt entsprechend höhere Beiträge. Gleichzeitig gibt eine Beitragsbemessungsgrenze, um Gutverdiener oder etwa Familien mit zwei Einkommen nicht übermäßig zu belasten.

Es gilt also für das Sozialversicherungssystem:

  • Versicherungs- und Beitragspflicht per Gesetz festgelegt
  • Leistungsanspruch richtet sich nach der Bedürftigkeit
  • Beitragshöhe richtet sich nach der finanziellen Leistungsfähigkeit

Vor allem von linken Parteien gibt am bisherigen System Kritik. So fordern etwa die Grünen eine grundlegende Reform und eine Einführung einer sogenannten Bürgerversicherung mit einer Absenkung des Mindestbeitrags. Die Linke fordert hingegen eine Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze und damit das uneingeschränkte Solidaritätsprinzip.

Was ist die Beitragsbemessungsgrenze für Selbstständige?

In der gesetzlichen Krankenversicherung sind ebenfalls Selbstständige, die freiwillig versichert sind. Für sie sind die Mindestbemessungsgrenze sowie die Beitragsbemessungsgrenze entscheidend. Die Mindestbemessungsgrenze legt den Mindestbeitrag zur Krankenversicherung fest - unabhängig vom tatsächlichen Einkommen. Diese Mindestbemessungsgrenze lag bisher bei 2283,75 Euro. Ausnahmen gab es für Existenzgründer und Härtefälle. Diese Mindestbemessungsgrenze wurde ab dem 1. Januar 2019 einheitlich auf 1038,33 Euro im Monat abgesenkt, so dass Selbstständige mit geringem Einkommen entlastet werden. Eine Sonderberechnung für Existenzgründer und Härtefälle gibt es nicht mehr. Die Beitragsbemessungsgrenze legt dagegen wie bei den Pflichtversicherten den Höchstsatz fest.

Wieviel freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse versicherte bisher gezahlt haben und ab 2019 zahlen, kannst Du in der folgenden Tabelle ablesen. Zur Information: Freiwillig Versicherte zahlen 14,9 Prozent plus den Zusatzbeitrag. Zudem zahlen sie den Beitrag komplett aus eigener Tasche.

Freiwillig gesetzlich Krankenversicherte 2018 2019
Selbstständige Mindestbeitrag: 333,43 Euro plus Zusatzbeitrag
Maximalbeitrag: 646,05 Euro plus Zusatzbeitrag
Mindestbeitrag: 151,60 Euro plus Zusatzbeitrag
Maximalbeitrag: 662,48 Euro plus Zusatzbeitrag
Existenzgründer/Härtefälle Mindestbeitrag: 222,29 Euro plus Zusatzbeitrag
Maximalbeitrag: 646,05 Euro plus Zusatzbeitrag
Mindestbeitrag: 151,60 Euro plus Zusatzbeitrag
Maximalbeitrag: 151,60 Euro plus Zusatzbeitrag

Was ist die Versicherungspflichtgrenze?

Gelegentlich wird die Beitragsbemessungsgrenze mit der Jahresarbeitsentgeltgrenze beziehungsweise Versicherungspflichtgrenze verwechselt. Ab einem bestimmten Einkommen hast Du die Möglichkeit, von der gesetzlichen Krankenversicherung in die private Krankenversicherung zu wechseln. Hierfür gilt die Versicherungspflichtgrenze. Wenn Dein Einkommen über dieser Grenze liegt, kannst Du freiwillig in die private Krankenversicherung wechseln. Die Versicherungspflichtgrenze ist höher als die Krankenkasse Beitragsbemessungsgrenze.

Die Höhe der Versicherungspflichtgrenze ändert sich jedes Jahr und richtet sich nach der Lohnentwicklung im Vorjahr. Wenn die durchschnittlichen Einkommen steigen, wird von der Bundesregierung auch die Versicherungspflichtgrenze nach oben gesetzt. Eine Ausnahme gibt es übrigens: Für Personen, die bereits vor dem Jahr 2003 privat krankenversichert waren, entspricht die Beitragsbemessungsgrenze der jeweiligen Versicherungspflichtgrenze. Diese und die Entwicklung der letzten Jahre kannst Du an den folgenden Tabellen ablesen.

Versicherungspflichtgrenze Krankenversicherung

Jahr Versicherungspflichtgrenze
2017 4800 Euro
2018 4950 Euro
2019 5062,50 Euro

Versicherungspflichtgrenze für Mitglieder einer privaten Krankenversicherung vor 2003

Jahr Versicherungspflichtgrenze
2017 4350 Euro
2018 4425 Euro
2019 4537,50 Euro

Anhand der Tabelle kannst Du sehen, ob Dein Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze liegt und ob für Dich ein Wechsel in eine private Krankenversicherung möglich ist.

Wenn Du die Wahl hast - Dich privat oder gesetzlich versichern zu lassen - solltest Du Dir unbedingt 2 Minuten Zeit nehmen und prüfen, was Dich die private Krankenversicherung kostet. Denn oftmals ist diese sehr viel günstiger als die gesetzliche und das Leistungsspektrum sehr viel besser. Denn im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung hast Du dann je nach Tarif Anspruch auf eine Chefarztbehandlung, ein Einzelzimmer, den besten Zahnersatz und die jeweils beste Behandlung). Je nach Alter und Gesundheitszustand ist die private Krankenversicherung dabei häufig um mehrere hundert Euro pro Monat günstiger als die gesetzliche.