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Witwenrente: Höhe & Anspruch

Nach dem Verlust von dem Ehepartner ist es wichtig, die Witwenrente möglichst zeitnah zu beantragen. Was diese genau ist, welche Formen dieser Rente es gibt, wie viel Geld Dir zusteht, und was Du sonst noch über die Witwenrente wissen solltest, erfährst Du hier.

Was ist die Witwenrente?

Die Witwenrente gehört zu den sogenannten Renten wegen Todes. Die Voraussetzung für den Bezug von dieser ist es nämlich, dass Dein Ehepartner verstorben ist. Für eingetragene Lebenspartnerschaften gelten die gleichen Hinterbliebenenansprüche, wie bei Ehepartnern: Diese sind Ehepartnern in der Hinterbliebenenrente vollkommen gleichgestellt.

Die Witwenrente ist eine Geldleistung von der Deutschen Rentenversicherung an den Hinterbliebenen Partner.

Wer bekommt die Witwenrente?

Einen Anspruch auf den Bezug der Rente wegen Todes hast Du immer dann, wenn Dein Ehepartner oder Dein Partner der Eingetragenen Lebenspartnerschaft verstirbt. Du musst bis zu dem Tod mit diesem verheiratet oder verpartnerschaftet gewesen ein, um einen Anspruch auf die Rente zu haben. Nicht wichtig für den Bezug ist es hingegen, ob Du bis zu seinem Tod mit ihm zusammengelebt hast.

Darüber hinaus bekommst Du nur dann Witwenrente, wenn die Ehe oder die eingetragene Lebenspartnerschaft mindestens ein Jahr lang bestanden hat. Diese Regelung gilt allerdings nur für den Tod auf Grund vom Alter beziehungsweise durch Alterskrankheiten. Falls Dein Partner hingegen wegen einer plötzlich aufgetretenen Krankheit verstorben ist, oder auf Grund von einem Unfall, kann eine Ausnahmeregelung greifen. Dann geht die Deutsche Rentenversicherung nicht davon aus, dass nur auf Grund von dem Bezug der Rente geheiratet wurde. Mit dieser Regelung soll die sogenannte Versorgungsehe verhindert werden.

Eine weitere Voraussetzung für den Bezug dieser Rente ist es, dass Dein verstorbener Partner die Mindestversicherungszeit von fünf Jahren in die gesetzliche Krankenversicherung erfüllt hat.

Bekommt ein Witwer Rente von seiner verstorbenen Frau?

Auch ein Witwer bekommt Rente von seiner verstorbenen Frau! Da es immer noch häufig so ist, dass mehr Ehefrauen sich um den Haushalt und die Kindererziehung kümmern, und der Ehemann das Geld nach Hause bringt, wird der Begriff Witwerrente immer noch eher selten verwendet.

Schließlich bekommen Frauen deshalb besonders in Ehen eine sehr viel geringe gesetzliche Rente, weshalb Hinterbliebene Männer nicht viel Witwerrente erhalten. Besonders für Frauen, die kaum eine eigene Rente erhalten, ist die Rente wegen Todes aber auch oft besonders notwendig, um die Wohnung oder das Haus auch nach dem Tod ihres Ehegatten behalten zu können. Die Witwenrente soll dabei helfen, nicht in die Altersarmut zu gelangen.

Ein weiterer Grund dafür, dass der Begriff der Witwenrente geläufiger ist besteht darin, dass Frauen eine im Durchschnitt höhere Lebenserwartung haben als Männer. Sie sind deshalb öfter der Hinterbliebene Part einer Ehe.

Wie hoch ist die Witwenrente?

Wie viel Witwenrente Du erhältst, hängt von der Höhe des Rentenanspruches von Deinem verstorbenen Partner ab. Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle. Es wird zwischen der kleinen und der großen Witwenrente unterschieden.

Arten

kleine Witwenrente

Die kleine Witwenrente bekommst Du, wenn diese Dinge auf Dich zutreffen:

  • Du hast Dein 47. Lebensjahr noch nicht beendet.
  • Du bist nicht erwerbstätig.
  • Du erziehst im Moment keine Kinder.

Falls Du diese Rente erhältst, bekommst Du sie nur 24 Monate lang. Danach verfällt Dein Recht auf die Rente.

große Witwenrente

Um die große Witwenrente erhalten zu können, musst Du eine dieser Kriterien erfüllen:

  • Die jeweils gültige Altersgrenze erreicht haben.
  • Du erziehst Dein Kind, oder das Kind von Deinem verstorbenen Ehepartner.
  • Du betreust ein Kind mit einer Behinderung.
  • Du bist selber wegen einer Krankheit oder Behinderung erwerbsgemindert oder erwerbsunfähig.

Die Altersgrenze, welche Du mindestens erreicht haben musst, wenn Dein Ehepartner stirbt, um die große Witwenrente zu erhalten, wird bis zu dem Jahr 2029 schrittweise auf 47 Jahre gesenkt. In dem Jahr 2019 liegt die Altersgrenze bei 45 Jahre und 8 Monate. In dieser Tabelle siehst Du, welche Altersgrenze für den Erhalt der großen Rente wegen Todes in welchem Todesjahr des Ehepartners aktuell ist:

Todesjahr des Ehepartners Altersgrenze für Anspruch auf die große Witwenrente
vor 2012 45
2012 45 + 1 Monat
2013 45 + 2 Monate
2014 45 + 3 Monate
2015 45 + 4 Monate
2016 45 + 5 Monate
2017 45 + 7 Monate
2018 45 + 6 Monate
2019 45 + 8 Monate
2020 45 + 9 Monate
2021 45 + 10 Monate
2022 45 + 11 Monate
2023 46
2024 46 + 2 Monate
2025 46 + 4 Monate
2026 46 + 6 Monate
2027 46 + 8 Monate
2028 46 + 10 Monate
ab 2029 47

Berechnung

Neben der großen und der kleinen Witwenrente gibt es auch noch zwei unterschiedliche Berechnungsarten der Witwenrente: Die Berechnung nach dem alten Recht, sowie nach dem neuen Recht. Entscheidend dabei ist, in welchem Jahr die Ehe oder Lebenspartnerschaft beschlossen wurde. Ebenso ist bei der Höhe der Witwenrente von Bedeutung, wann in welchem Jahr der Partner verstorben ist.

Die Witwenrente nach dem alten Recht

Diese Art der Rente wegen Todes erhältst Du, wenn einer dieser Fälle zutrifft:

  • Dein Ehepartner ist vor dem 1. Januar 2002 gestorben.
  • Du hast vor dem 1. Januar 2002 geheiratet und Dein Ehepartner ist vor dem 2. Januar 1962 geboren.

Wenn Dir die Rente nach dem alten Recht zusteht, dann wird diese folgendermaßen berechnet:

  • Bei der kleinen Witwenrente: Du bekommst 25 Prozent von der Rente, die Dein verstorbener Partner erhalten hat. Du erhältst die Rente den Rest von Deinem Leben. Einen Kinderzuschlag bekommst Du hingegen nicht.
  • Bei der großen Witwenrente: Du bekommst 60 Prozent der Rente von Deinem verstorbenen Partner. Du bekommst diese ebenfalls lebenslang, und erhältst keinen Kinderzuschlag.

Die Witwenrente nach neuem Recht

Nach dem neuen Recht wird Deine Rente wegen Todes in diesen Fällen berechnet:

  • Die Ehe nach dem 31. Dezember 2001 geschlossen hast.
  • Wenn Du die Ehe vor dem 31. Dezember 2001 geschlossen hast, und entweder Du oder Dein Ehepartner nach dem 1. Januar 1962 geboren wurde.

Wenn Dir die Witwenrente nach dem neuen Recht zusteht, dann wird diese folgendermaßen berechnet:

  • Bei der kleinen Witwenrente: 25 Prozent der Rente von Deinem verstorbenen Ehepartner, allerdings begrenzt auf 24 Monate. Außerdem bekommst Du einen Kinderzuschlag. In Westdeutschland beträgt dieser für Dein 1. Kins 28,21 Euro im Monat, und für jedes weitere Kind noch einmal 14,10 Euro. Falls Du in Ostdeutschland wohnst, erhältst Du für Dein erstes Kind 26,99 Euro, und für jedes weitere Kind 13,49 Euro monatlich.
  • Bei der großen Witwenrente: 55 Prozent der Rente Deines Ehepartners. Ohne zeitliche Einschränkung. Der Kinderzuschlag beträgt in Westdeutschland 62,05 Euro für das erste Kind, und für jedes weitere Kind 31,03 Euro. In Ostdeutschland bekommst Du 59,37 Euro für das erste Kind, sowie 29,69 Euro für jedes weitere Kind.

Wie viel Witwenrente bekomme ich wenn ich selber Rente bekomme?

Sobald Du die Rente wegen Todes über drei Monate hinaus erhältst, werden auch Deine Einkünfte auf diese angerechnet. Nur die ersten drei Monate werden Deine Einkünfte nicht angerechnet. Zu den Einkünften zählt nicht nur Deine Rente, sondern auch diese Einnahmen:

  • Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit.
  • Einnahmen aus erwerbstätiger Arbeit.
  • Arbeitslosengeldeinkünfte.
  • Einkünfte aus Kapitalvermögen.
  • Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung.

Bei der Witwenrente nach neuem Recht werden außerdem von Vermögenseinkünfte, Betriebsrenten, Renten aus privaten Rentenversicherungen, sowie Einkommen aus der Unfallversicherung mitangerechnet.

Die Deutsche Rentenversicherung legt auf Grund Deiner gesamten Einnahmen Dein Bruttoeinkommen, sowie Dein Bruttovermögen fest. Anschließend werden pauschale Beträge abgezogen, und somit Dein Nettoeinkommen ermittelt.

Folgende Pauschalen werden von der Deutschen Rentenversicherung festgesetzt und von Deinem Bruttoeinkommen abgezogen:

  • Für Dein Erwerbseinkommen: 40 Prozent.
  • Für Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit: 39,8 Prozent.
  • Geringfügige Beschäftigung: 0 Prozent.
  • Für Einkommen von Beamten: 27,5 Prozent.
  • Für Vermögen: 25 Prozent.
  • Für Altersrente und Erwerbsminderungsrente: 14 Prozent.

Übrig bleibt der gesamte Nettobetrag. Auf diesen werden anschließend noch Freibeträge angewandt. Wie hoch dieser Betrag ist, hängt davon ab, in welchem Bundesland Du wohnst. Er liegt in etwa bei 845 Euro in den alten Bundesländern, und bei 783 bis 810 Euro in den neuen Bundesländern.

Von dem Nettobetrag abzüglich des Freibetrages werden 40 Prozent von der Witwenrente abgezogen.

Wie viel Prozent der Witwenrente wird mir als Abschlag abgezogen?

Manchmal wird zusätzlich noch ein Abschlag auf die Rente wegen Todes fällig. Wenn Dein Ehepartner nach dem jeweils gültigen Altersgrenzwert verstirbt, dann kannst Du diese allerdings ohne Abschläge beziehen. Falls er jedoch davor verstirbt, dann wird für jeden Monat, den Du die Rente wegen Todes früher beziehst, 0,3 Prozent von dieser abgezogen. Maximal gemindert wird die Witwenrente um 10,8 Prozent. Folgende Altersgrenzen sind jeweils in den unterschiedlichen Jahren gültig:

Beginn der Rente bzw. Todesjahr des Versicherten Alter für abschlagsfreie Witwenrente
2015 63 Jahre und 9 Monate
2016 63 Jahre und 10 Monate
2017 63 Jahre und 11 Monate
2018 64 Jahre
2019 64 Jahre und 2 Monate
2020 64 Jahre und 4 Monate
2021 64 Jahre und 6 Monate
2022 64 Jahre und 8 Monate
2023 64 Jahre und 10 Monate

Hier haben wir für Dich ein Beispiel mit dem Bezug von der Witwenrente und der eigenen Rente ausgerechnet:

  • Inge bekommt eine Bruttorente von 1.300 Euro im Monat in einem der neuen Bundesländer. Diese Rente ist ihr einziges Einkommen neben der Witwenrente.
  • Der pauschale Abzug beträgt 14 Prozent, das sind 182 Euro. Bleiben ihr also 1.300 – 182 = 1.118 Euro Netto-Rente.
  • Ihr Freibetrag beträgt 810 Euro monatlich. Dieser wird von der Netto-Rente abgezogen (1.118 Euro – 810 Euro = 308 Euro).
  • Ihre eigene Rente übersteigt den Freibetrag also um 308 Euro.
  • Von diesem Geld werden ihr jetzt standardmäßig 40 Prozent (123,20 Euro) von der Rente wegen Todes abgezogen.
  • Ihr Anspruch auf die Witwenrente wird also um 123,20 Euro Einkommensanrechnung reduziert.

Ab wann bekommt man Witwenrente?

Wenn Du die oben genannten Voraussetzungen für den Bezug erfüllst, hast Du einen Witwenrente-Anspruch direkt nach dem Tod Deines Partners.

Für die ersten drei Monate stehen Dir sogar die vollen Rentenansprüche von Deinem verstorbenen Ehepartner zu! Dein eigenes Einkommen wird darüber hinaus nicht angerechnet.

Sollte Dein Partner vor seinem Tod bereits selber Rente ausgezahlt bekommen haben, dann muss Dir die Rentenversicherung auf Deinen Antrag hin drei volle Monatsrenten als Vorschuss überweisen. Du musst dies allerdings innerhalb von 30 Tagen nach dem Tod Deines Partners beantragen! Dies machst Du, indem Du mit der Sterbeurkunde Deines Partners, sowie mit Deinem Personalausweis zu der Deutschen Post gehst. Der Rentenservice der Deutschen Post ist für diese Vorauszahlung zuständig. Du füllst dort einen Antrag auf Änderungsanzeige aus.

Wenn Dein Ehepartner vor seinem Tod noch keine Rente bezogen hat, dann wird für die Witwenrente die Rentenhöhe veranschlagt, die Dein Partner theoretisch erhalten hätte.

Wie lange wird die Witwenrente gezahlt wenn ich neu heirate?

Solltest Du nach dem Tod Deines Partners noch einmal neu heiraten, so entfällt Deine Rente. Es bietet sich daher an genau zu überlegen, ob Du erneut heiraten solltest. Es kann Dir dadurch ein großer finanzieller Nachteil entstehen.

Du erhältst nach erneuter Heirat jedoch eine Abfindung von 24 Monatsrenten von der Witwenrente. Berechnet wird diese anhand Deiner Bezüge, die Du in dem letzten Jahr erhalten hast. Dies ist allerdings nur dann möglich, wenn Du die große Rente wegen Todes beziehst.

Die Abfindung kannst Du einfach durch ein formloses Schreiben bei der Deutschen Rentenversicherung beantragen.

Wie erhalte ich die Witwenrente, obwohl wir bereits geschieden waren?

Wenn ein ehemaliger Ehepartner, mit dem Du zu seinem Tod nicht mehr verheiratet warst, verstorben ist, kannst Du unter Umständen trotzdem ein Recht auf die Rente wegen Todes besitzen. Dies ist dann der Fall, wenn Dein Ex-Partner nach Dir wieder geheiratet hat, sich aber wieder hat scheiden lassen. Dir kann dann die sogenannte Witwenrente nach dem vorletzten Ehegatten zustehen. Diese muss allerdings mehr betragen, als die Witwenansprüche für die Partnerin Deines Ex-Ehepartners aus seiner letzten Ehe.

Wann erhalte ich eine Erziehungsrente?

Im Gegensatz zu der Rente wegen Todes, die Du in der Regel nur dann erhältst, wenn Du bis zu dem Tod mit dem Partner verheiratet oder verpartnerschaftet warst, bekommst Du die Erziehungsrente auch, falls ihr euch vor dem Tod geschieden habt.

Du musst allerdings selber mindestens fünf Jahre lang in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Außerdem darfst Du nach der Scheidung nicht wieder neu geheiratet haben. Darüber hinaus ist es für den Bezug der Erziehungsrente notwendig, dass Du entweder ein Kind von dem verstorbenen Partner erziehst, oder ein eigenes Kind erziehst, das Du bereits während Eurer Ehe erzogen hast.

Wenn Du innerhalb der ersten drei Monate nach dem Tod einen Antrag auf die Erziehungsrente stellst, dann wird Dir die Erziehungsrente auch rückwirkend gezahlt. Falls Du die Erziehungsrente erst später beantragst, dann erhältst Du diese erst ab dem Zeitpunkt der Antragsstellung und nicht mehr Rückwirkend.

Die Erziehungsrente bekommst Du bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Kind die Volljährigkeit erreicht. Auch wenn Du vorher eine eigene Altersrente beziehst, erhältst Du keine Erziehungsrente mehr.

Wie beantrage ich die Witwenrente?

Wenn Du die Rente wegen Todes nicht beantragst, dann erhältst Du diese auch nicht. Du solltest also unbedingt möglichst schnell nach dem Tod einen Antrag auf diese stellen. Den Antrag kannst Du Dir auf der Homepage der Deutschen Rentenversicherung herunterladen. Du musst den ausgefüllten Antrag zusammen mit einer Kopie der Sterbeurkunde, sowie mit der Heiratsurkunde zu der Deutschen Rentenversicherung schicken.

Du hast auch die Möglichkeit, Dich kostenfrei in den Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung beraten zu lassen. In den Beratungsstellen wird Dir auch bei dem Ausfüllen des Antrages geholfen werden!