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Urlaubsanspruch bei Kündigung: Was steht mir zu?

In den meisten Fällen ist eine Kündigung weder geplant, noch vorhersehbar gewesen. Vor allem dann nicht, wenn diese von dem Arbeitgeber ausgeht. Deshalb ist es häufig so, dass für den Arbeitnehmer noch ungenutzte Urlaubstage übrig sind. Aber was genau passiert dann mit dem Resturlaub bei Kündigung? Welche Ansprüche sich bei einer Kündigung durch den bestehenden Resturlaub ergeben, wie der Urlaubsanspruch bei einer Kündigung berechnet wird und wann Du Dir die Urlaubstage auszahlen lassen kannst erfährst Du in diesem Artikel.

Wo kann ich meinen Urlaubsanspruch bei Kündigung berechnen?

Du kannst ganz einfach und kostenfrei über das unten stehende Formular eine Ersteinschätzung dazu erhalten, ob Du noch einen Anspruch auf Resturlaub bei Deiner Kündigung hast. Dafür musst Du dem Fachanwalt für Arbeitsrecht nur ein paar Angaben machen: Zum Beispiel, wie viele Urlaubstage Du Dir bereits genommen hast und wie lange Du bei dem Arbeitgeber angestellt warst.


Welchen Urlaubsanspruch habe ich bei einer Kündigung?

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie Du den Urlaubsanspruch bei Deiner Kündigung erhalten kannst: Entweder Du bekommst für Deine nicht genutzten Urlaubstage eine finanzielle Abgeltung oder Du nimmst Dir noch bis zu dem Ende des Arbeitsverhältnisses die noch restlichen Urlaubstage frei. Dabei kannst Du allerdings nicht selber entscheiden, welche dieser Möglichkeiten Du in Anspruch nehmen möchtest.

Generell gilt, dass Du das Recht aber auch die Pflicht dazu hast, Dir die Urlaubstage auch wirklich frei zu nehmen. Aber falls Deine restlichen Arbeitstage bis zu dem Kündigungstermin nicht ausreichen, um Dir die noch übrigen Urlaubsanspruch bei der Kündigung frei zu nehmen, muss Dein Arbeitgeber Dir den Urlaub auszahlen.

Auch wenn Du erst nach dem Tag der Entlassung merkst, dass Du noch Anspruch auf Resturlaub bei Kündigung hattest, muss Dein ehemaliger Arbeitgeber Dir die fehlenden Urlaubstage auszahlen. Wenn Dein Arbeitgeber das nicht machen will, solltest Du Dir einen Anwalt zur Hilfe holen. Dieser fordert dann für Dich nach der Kündigung die finanzielle Abgeltung von Deinem Urlaub bei Deinem Arbeitgeber ein.

Berechnung des Resturlaubs

Um zu berechnen wie viel Resturlaub Du bei der Kündigung noch hast, musst Du zunächst wissen, wie viele Urlaubstage Du im Allgemeinen jedes Jahr zur Verfügung hast. Das kannst Du in Deinem Arbeitsvertrag nachlesen. Mindestens hast Du laut dem Arbeitsrecht jedoch folgenden Urlaubsanspruch: Die Anzahl Deiner durchschnittlichen Arbeitstage pro Woche mal Vier.

Falls Du also im Durchschnitt fünf Tage in der Woche Deinem Beruf nachgehst, hast Du einen gesetzlichen Mindestanspruch von 20 Urlaubstagen pro Jahr. Wenn Du sogar sechs Tage in der Woche arbeitest, dann stehen Dir mindestens 24 Tage Urlaub zu.

Um jetzt herauszufinden wie viele Tage Urlaubsanspruch bei der Kündigung noch übrig sind, ist es entscheidend, zu welchem Datum Dein Arbeitsverhältnis beendet wird. Wenn Du den Resturlaub nicht selber berechnen möchtest, kannst Du die Plattform Advocado.de dafür nutzen.

Beendigung des Arbeitsverhältnisses bis 30.06.

Wenn die Kündigung bis zu der Mitte des Jahres stattfindet, also bis einschließlich dem 30.06., dann hast Du diesen Urlaubsanspruch bei Kündigung:

Für jeden ganzen Monat den Du gearbeitet hast besteht ein Urlaubsanspruch bei Kündigung von einem Zwölftel des Gesamtjahresurlaubs.

Falls Dein Arbeitsverhältnis also zum Beispiel am 31.03. beendet ist und Du einen Gesamtjahresurlaub von 30 Tagen hast, dann berechnest Du Deinen Urlaubsanspruch nach der Kündigung für diese drei Monate folgendermaßen:

3 (gearbeitete Monate) : 12 (Monate im Jahr) x 30 (Gesamtjahresurlaub) = 7,5 Tage Urlaubsanspruch.

Der halbe Tag Urlaubsanspruch wird dabei auf einen ganzen Tag aufgerundet. Dir stehen demnach acht Tage Resturlaub bei der Kündigung zu. Falls Du also in den Monaten Januar bis März aber beispielsweise erst zwei Tage Urlaub hattest, hast Du einen Urlaubsanspruch bei Kündigung von sechs Tagen.

Beendigung des Arbeitsverhältnisses nach dem 30.06.

Ein wenig anders sieht Dein Urlaubsanspruch bei einer Kündigung im 2. Halbjahr aus. Wenn die Kündigung nach dem 30.06. stattfindet, steht Dir die gesamte Anzahl von den gesetzlichen Mindesturlaubstagen zu! Wenn Du also eine Fünf-Tage-Woche hast 20 Urlaubstage, bei wöchentlich sechs Arbeitstagen 24 Urlaubstage.

Sollte in Deinem Arbeitsvertrag eine höhere Anzahl von Urlaubstagen vereinbart worden sein, als die gesetzliche Mindestmenge, zählen diese aber nicht immer zu den Tagen von dem Urlaubsanspruch bei Deiner Kündigung.

Steht in Deinem Arbeitsvertrag eine sogenannte Zeitanteilige Klausel, dann verfallen die Urlaubstage bei Kündigung, die über die gesetzlichen Mindesturlaubtage hinausgehen.

Wenn Dir also regulär 35 Urlaubstage im Jahr zustehen, gesetzlich allerdings die Mindesturlaubtage für Dich nur 24 Urlaubstage betragen, verfallen die übrigen sechs Tage von dem Urlaubsanspruch bei Deiner Kündigung. Eine Zeitanteilige Klausel im Arbeitsvertrag kann zum Beispiel so formuliert sein:

Bei Ausscheiden in der zweiten Hälfte des Jahres wird der Urlaubsanspruch bei Kündigung gezwölftelt.

Es wird dann also wie bei der Kündigung bis zu dem 30.06. die Anzahl der vollen gearbeiteten Monate durch Zwölf geteilt und mit der Anzahl der gesamten Jahresurlaubstage multipliziert.

Wenn jedoch nicht so eine Klausel in Deinem Arbeitsvertrag vorhanden ist, dann hast Du einen Urlaubsanspruch bei Kündigung von den vertraglich vereinbarten Urlaubstagen. Wenn Du also 30 Tage Urlaub pro Jahr hast, und beispielsweise erst zwei Urlaubstage genommen hast, dann steht Dir noch ein Urlaub bei der Kündigung von 28 Tagen zu.

Krankheit

Es kann vorkommen, dass von Dir oder Deinem Arbeitgeber eine Kündigung von dem Arbeitsverhältnis erfolgt ist und Du bis zu dem Tag der Kündigung krank bist oder krank wirst. In einem solchen Fall hast Du trotzdem einen Urlaubsanspruch bei der Kündigung.

Selbst wenn Du über einen langen Zeitraum wegen Deiner Krankheit arbeitsunfähig warst und sogar wenn Du auf Grund Deiner Erkrankung gekündigt wurdest, hast Du den vollen Urlaubsanspruch bei der Kündigung.

Solange Du noch angestellt warst, egal ob Du in der Zeit krankheitsbedingt ausgefallen bist oder nicht, hast Du einen Urlaubsanspruch nach der Kündigung auf die vertraglich vereinbarten Urlaubstage. Diese stehen Dir dann also vollständig als Resturlaub bei der Kündigung zur Verfügung.

Solltest Du Dir wegen Deiner Krankheit vor der Kündigung nicht mehr Deine Urlaubstage frei nehmen können, muss Dein Arbeitsgeber Dir stattdessen die nicht genutzten Urlaubstage auszahlen. Du bekommst dann für jeden Urlaubstag das Geld, das Du bei dem Arbeitgeber durchschnittlich an einem Arbeitstag verdient hast. Falls Du also einen Stundenlohn von 15 Euro hast und acht Stunden am Tag arbeitest, bekommst Du für jeden noch offenen Urlaubstag 120 Euro.

Freistellung

Falls Dein Arbeitgeber Dich außerordentlich kündigt, dies aber arbeitsrechtlich wegen der Kündigungsfrist nicht gleich durchsetzbar ist, dann wirst Du vielleicht freigestellt. Wenn also die fristlose Kündigung nicht sofort wirksam ist, Dein Arbeitgeber aber nicht mehr möchte, dass Du arbeitest, nennt man das Freistellung.

Auch wenn Dein Arbeitgeber Dir Deinen Job unter Einhaltung der Kündigungsfrist kündigt, kann er Dich bis zu dem Tag der Kündigung freistellen. Du bist dann von Deiner Arbeitspflicht befreit und kannst zuhause bleiben.

Trotz der Freistellung hast Du noch einen Urlaubsanspruch bei der Kündigung. Diese lässt sich nicht mit der Freistellung verrechnen. Wenn Dein Arbeitgeber es versäumt, Dir erst Deine übrigen Urlaubstage frei zu geben und Dich erst dann freizustellen, kannst Du Dir Deinen Urlaub auszahlen lassen!

Wenn Du Hilfe dabei benötigst, Dir Deine Urlaubstage finanziell abgelten zu lassen, empfehlen wir Dir auf die Hilfe von den Fachanwälten des Onlineportals Advocado.de zurückzugreifen.

Sonderfälle

Arbeitsunfähigkeit

Sollte Dein Arbeitgeber Dich kündigen weil Du so erkrankt bist, dass Du langfristig nicht mehr arbeiten kannst, gilt für Dich die ganz normale Regelung zu dem Urlaubsanspruch bei Kündigung.

Auch in der Zeit, in der Du noch angestellt aber krankgemeldet warst, hast Du einen Anspruch auf Urlaub. Wenn Du den Urlaub wegen Deiner Krankschreibung nicht nehmen konntest, so ist dieser noch bis zu 15 Monate nach Ablauf von dem jeweiligen Jahr gültig.

Falls Du also in dem Jahr 2018 alle zwölf Monate krankgeschrieben, Dir pro Jahr 20 Urlaubstage zustehen und Dir im Januar 2019 gekündigt wird, dann hast Du einen Urlaubsanspruch bei der Kündigung von 20 Tagen. Will Dein Arbeitgeber Dir nach der Kündigung Deinen Anspruch auf Urlaub nicht auszahlen, dann solltest Du damit einen Fachanwalt von der Plattform Advocado.de beauftragen.

Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses

Was passiert mit dem Urlaub, wenn Du kündigst oder Dir gekündigt wird und Du nach einer kurzen Unterbrechung bei dem gleichen Arbeitgeber einen neuen Arbeitsvertrag bekommst? In diesem Fall steht Dir steht dann trotzdem der volle Urlaubsanspruch bei Kündigung zu. Es ist allerdings nicht genau definiert, welcher Abstand zwischen der alten und der neuen Anstellung noch als kurz gilt.

Wenn es also in der zweiten Jahreshälfte zu einer Kündigung kommt und Du in dem laufenden Jahr zwei Arbeitsverträge von Deinem Arbeitgeber kurz hintereinander hattest, werden diese als Einheit bewertet. Somit zählen dann alle Monate in denen Du für den Arbeitgeber gearbeitet hast in den Urlaubsanspruch bei der Kündigung mit hinein.

Urlaubsgeld

Niemand hat einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaubsgeld. Wenn aber in Deinem Arbeitsvertrag steht, dass Du Urlaubsgeld bekommst dann muss sich Dein Arbeitgeber auch an diese Vereinbarung halten. Das Urlaubsgeld zählt damit zu den sogenannten Sonderzahlungen.

Wenn Du Dein Urlaubsgeld bereits erhalten hast, dann musst Du dieses auch bei einer Kündigung nicht wieder zurückzahlen. Wenn Du das Urlaubsgeld regelmäßig in Abhängigkeit zu den genommen Urlaubstagen erhältst, dann hast Du bei der Kündigung ein Recht darauf, das anteilige Urlaubsgeld für die jeweiligen Urlaubstage auch zu erhalten.

Wie kann ich mir den Resturlaub auszahlen lassen?

Du hast wegen einer Krankschreibung oder weil nicht mehr genügend Zeit bis zu dem Kündigungstermin blieb, Deinen Resturlaub nicht nehmen können? Dann muss Dein Arbeitgeber Dir die nicht genutzten Urlaubstage auszahlen. Das Urlaubsentgelt wird folgendermaßen berechnet:

Dein durchschnittliches Arbeitseinkommen der letzten 13 Wochen wird als Maßstab genommen. Wenn Du in dieser Zeit beispielsweise durchschnittlich 9 Stunden am Tag zu jeweils 15 Euro gearbeitet hast, stehen Dir pro Tag Resturlaub bei der Kündigung 135 Euro zu.

Welche Rechte hat mein Arbeitgeber?

Urlaub muss genommen werden

Du kannst nicht einfach von Deinem Arbeitgeber verlangen, dass er Dir Deinen Resturlaub bei der Kündigung finanziell abgelten soll. Wenn es zeitlich möglich ist, musst Du Dir bis zur Kündigung den Resturlaub noch nehmen.

Anrechnung bei Freistellung

Dein Arbeitgeber kann Dich vor der Freistellung noch für Deine übrigen Urlaubstage beurlauben. Das kann er machen, indem er die Freistellung um die Anzahl der noch offenen Urlaubstage nach hinten verschiebt. Somit spart er sich die finanzielle Abgeltung von dem Resturlaub. Diese müsste er nämlich zahlen, wenn er Dich gleich freistellt und Du noch Urlaubstage übrig hast.

Zusatzvereinbarungen

Wenn in Deinem Arbeitsvertrag eine Zusatzvereinbarung zu der Frist von dem Urlaubsanspruch bei Kündigung steht, so ist diese rechtlich zulässig. Steht zu dem Verfall von dem Resturlaub nach der Kündigung nichts im Vertrag kannst Du noch bis zu drei Jahre nach der Kündigung eine finanzielle Abgeltung für nicht genutzte Urlaubstage verlangen. Durch eine solche Zusatzvereinbarung wird die Frist häufig auf wenige Monate begrenzt.

Manchmal gibt es auch eine Zusatzvereinbarung zu dem Verzicht auf einen Urlaubsabgeltungsanspruch. Damit diese Vereinbarung rechtlich wirksam ist, muss dann allerdings eine höhere Abfindungssumme von dem Arbeitgeber gezahlt werden.

Rückforderung vom Urlaubsgeld

Falls Du Dein volles Urlaubsgeld bereits in der ersten Jahreshälfte erhalten hast und keine sechs Monate danach eine Kündigung erfolgt, kann Dein Arbeitgeber das Urlaubsgeld von Dir zurückverlangen. Du hast dann die sogenannten Anspruchsvoraussetzungen nicht erfüllt.

Wenn Dir unsicher bist, ob Dein Arbeitgeber das Urlaubsgeld zurückverlangen kann, findest Du auf dem Onlineportal Advocado.de einen kompetenten Fachanwalt, der Dir diese Frage beantwortet.