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Gesetzliche Rentenversicherung: Funktionweise, Rentenhöhe & Beiträge

Aktuell sind es über 55 Millionen Versicherte, die von der Deutschen Rentenversicherung als Trägerin der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) betreut werden. Nicht unwahrscheinlich, dass auch Du dort pflicht- oder freiwillig versichert bist. Als Instrument der staatlichen Altersvorsorge besteht die Aufgabe der GRV darin, gegebenenfalls auch Deine finanzielle Basisversorgung im Alter sicherzustellen. Das hört sich einfach an, ist aber in der Umsetzung ziemlich komplex. Weswegen wir Dir hier erklären, wie die gesetzliche Rentenversicherung funktioniert; welche Faktoren sich auf die Höhe Deiner künftigen gesetzlichen Rente auswirken; und warum es wichtig ist, parallel an eine private Altersvorsorge zu denken.

Wie funktioniert die gesetzliche Rentenversicherung?

Neben der Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung gehört die gesetzliche Rentenversicherung zu den fünf Säulen des deutschen Sozialversicherungssystems. Geregelt wird die gesetzliche Rente durch das Sechste Buch Sozialgesetzbuch (SGB VI). Wie sie im Einzelnen funktioniert, verstehst Du, wenn Du Dich an den folgenden Grundsätzen orientierst:

Entgeltpunkte

Kennzeichnend für die gesetzliche Rente ist, dass Du sie mit Erreichen des Rentenalters nicht in Form der zuvor geleisteten Rentenversicherungsbeiträge ausgezahlt bekommst. Vielmehr werden Deine Beiträge in Entgeltpunkte umgerechnet (§ 63 Abs. 2 SGB VI).

Diese Entgeltpunkte, die Dir während Deines Erwerbslebens jedes Jahr als Zahlenwert („Geldwert”) auf Deinem Rentenkonto gutgeschrieben werden, bilden die Grundlage für Deine künftige Rente.

Wie viele Entgeltpunkte Du jährlich sammelst, hängt von der Höhe Deines durch die Beiträge versicherten Arbeitseinkommens im jeweiligen Kalenderjahr ab. Allerdings wird Dein Arbeitsentgelt zwecks Rentenberechnung stets zu dem jeweiligen Durchschnittsentgelt aller Versicherten im selben Jahr ins Verhältnis gesetzt.

Das heißt: Du bekommst in einem Kalenderjahr nur dann einen vollen Entgeltpunkt, wenn Du so viel verdient hast, wie alle anderen Versicherten im Durchschnitt auch. Dieses jährliche Durchschnittsentgelt legt die Bundesregierung mit Zustimmung des Bundesrates auf Basis der vom statistischen Bundesamt ermittelten Daten fest.

Das vorläufige durchschnittliche Jahresentgelt für das Jahr 2019 beträgt 38.901 Euro (Westdeutschland) beziehungsweise 35.887 Euro (Ostdeutschland). Solltest Du in diesem Jahr weniger oder mehr verdienen, bekämst Du entsprechend weniger/mehr Punkte – beispielsweise 1,5 Entgeltpunkte, wenn Du das Durchschnittsgehalt um die Hälfte überrundest. Oder 0,5 Entgeltpunkte, falls Du nur die Hälfte erarbeitest.

Was den Zahlenwert („Rentenwert”) eines Entgeltpunktes betrifft, ist wichtig zu wissen, dass er jedes Jahr der Lohnentwicklung angepasst wird. Hier ein paar offizielle, seit Juli 2018 geltende, auf Schätzungen beruhende Zahlen (Quelle: Deutsche Rentenversicherung):

Jahr: 2019 2020 2021 2022
Alte Bundesländer 33,05 Euro 34,02 Euro 35,07 Euro 36,12 Euro
Neue Bundesländer 31,89 Euro 33,07 Euro 34,33 Euro 35,61 Euro

Umlageverfahren

Typisch für unser Sozialversicherungssystem ist, dass alle Versicherten die versicherten Risiken gemeinsam tragen. Mit Blick auf die gesetzliche Rentenversicherung bedeutet das für Dich: Indem Du Deinen Rentenversicherungsbeitrag leistest, finanzierst Du nicht Deine künftige Rente, sondern trägst dazu bei, dass die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung generell sichergestellt ist.

Das Prinzip dahinter nennt man Umlageverfahren (§ 153 SGB VI). Es basiert auf dem sogenannten Generationenvertrag („generationenübergreifende Solidargemeinschaft”): Die von den Erwerbstätigen geleisteten Rentenversicherungsbeiträge werden nicht angespart, sondern an die heutigen Rentner ausgezahlt. Du als Beitragszahler erwirbst einen Anspruch darauf, dass nachfolgende Generationen später Deine Rente finanzieren.

Rentenformel

Die gesetzliche Rente ist auch deshalb so kompliziert, weil sie sich einerseits als beitragsbezogene Leistung aus dem Lebenslauf der Versicherten („individuelle Rentenfaktoren”) ergibt: Arbeitest Du beispielsweise länger als andere Versicherte („Beiträge über einen längeren Zeitraum zahlen”) und/oder verdienst Du mehr („höhere Beiträge zahlen”), dann kannst Du Dich im Alter voraussichtlich auch über eine höhere Rente freuen.

Andererseits hängt Dein Rentenanspruch von Umständen ab, auf die Du als künftiger Rentner keinen unmittelbaren Einfluss hast. Denn die gesetzliche Rente ist dynamisch. Sprich, sie steigt oder sinkt im Einklang mit der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland.

Um alle Umstände angemessen zu berücksichtigen, gibt es folgende Rentenformel. Sie umfasst vier allgemeingültige Faktoren, mittels derer der monatliche Rentenanspruch berechnet wird (§ 64 SGB VI):

Monatliche Rentenhöhe = Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x aktueller Rentenwert x Rentenartfaktor

Diese Bedeutung haben die genannten Faktoren:

  • Die Entgeltpunkte sind entscheidend für die individuelle Rentenhöhe.
  • Der aktuelle Rentenwert spiegelt den Wert eines Entgeltpunktes wider.
  • Der Zugangsfaktor beeinflusst die Höhe Deiner gesetzlichen Rente, indem er eventuelle Ab-/Zuschläge berücksichtigt: Weil Du entweder früher in Pension gehst, also vor der Regelaltersgrenze (s. hierzu das Kapitel: Wann kann ich in Rente gehen?), oder zu einem späteren Zeitpunkt. Trittst Du Deinen Ruhestand regelkonform an, beträgt der Zugangsfaktor: 1,0. Andernfalls reduziert/erhöht er sich entsprechend.
  • Der Rentenartfaktor fällt je nach Rentenart unterschiedlich aus:
Die Rentenartfaktoren in der gesetzlichen Rentenversicherung
Rentenart Rentenfaktor
Altersrenten 1
teilweise Erwerbsminderungsrenten 0,5
volle Erwerbsminderungsrenten 1
Erziehungsrenten 1
Kleine Witwenrenten 0,25
Große Witwenrenten 0,55 oder 0,6
Halbwaisenrenten 0,1
Vollwaisenrenten 0,2

Quelle: Deutsche Rentenversicherung, Stand: Januar 2019

Rentenniveau

Das Rentenniveau ist eine statistische Größe, die das prozentuale Verhältnis zwischen Rente und Lohn widerspiegelt. Es gibt also Auskunft darüber, wie sich die Höhe der Standardrente („Stichwort: Eckrentner) in Relation zum Entgelt eines Durchschnittsverdieners entwickelt.

Hierzu werden die Standardrente und der Durchschnittsverdienst jedes Jahr neu berechnet. Und zwar auf Basis der Nettosummen vor Steuern. Sprich, die Sozialabgaben wie Kranken- und Pflegeversicherung werden abgezogen („verfügbare Rente/Durchschnittsentgelt”).

Aktuell liegt das Rentenniveau bei rund 48 Prozent. Im Jahr 2003 lag es noch bei 53,3 Prozent, in 2010 bei 51,6 und in 2013 bei 48,9 Prozent.

Dass sich das Rentenniveau nach unten entwickelt, ist insbesondere der Arbeitsmarktsituation und der demografischen Entwicklung zuzuschreiben. Auf einen kurzen Nenner gebracht: Immer weniger Beitragszahler finanzieren immer mehr Rentner.

Diese Entwicklung zog in den vergangenen Jahren einige Reformen nach sich. So wurde beispielsweise die Rentenanpassungsformel – nicht zu verwechseln mit der Rentenformel – um einen Nachhaltigkeits- und Beitragssatzfaktor ergänzt. Diese Rechenfaktoren führen dazu, dass die Renten langsamer gestiegen sind als die Löhne beziehungsweise das Rentenniveau gesunken ist.

Wichtig

Ein absinkendes Rentenniveau bedeutet also nicht zwangsläufig, dass die Bruttorenten sinken. Der Deutschen Rentenversicherung zufolge werden diese auch künftig steigen, nur eben nicht im Ausmaß der Einkommen!

Dich interessiert der Blick in die Zukunft? Mittelfristig ist insoweit Entwarnung angesagt, als dass die Bundesregierung im Herbst 2018 ein Rentenpaket beschlossen hat: Bis zum Jahr 2025 soll das Rentenniveau von 48 Prozent Bestand haben.

Wie viel Rente werde ich erhalten?

Konkret lässt sich diese Frage erst unmittelbar vor Deinem Ruhestand beantworten. Denn der Umfang Deiner gesetzlichen Rente hängt im Wesentlichen von diesen Faktoren ab:

  • Höhe Deines Arbeitseinkommens und somit Deiner monatlichen Versicherungsbeiträge (§ 63 Abs. 1 SGB VI).
  • Dauer Deiner Berufslaufbahn.

Kurzum: Je mehr und je länger Du in die Rentenkasse einzahlst, desto höher wird Deine gesetzliche Rente ausfallen.

Damit Du Dir eine ungefähre Vorstellung von Deiner finanziellen Altersversorgung machen kannst, geben wir Dir nun einige wichtige Anhaltspunkte. Dann kannst Du auch besser abschätzen, inwieweit Du Dich parallel um eine private Altersvorsorge kümmern solltest.

Renten-Rechner

Um Dir einen ersten schnellen Eindruck zu verschaffen, kannst Du den Online-Rentenschätzer nutzen. Du brauchst nur wenige Eckdaten und Dein momentanes Brutto-Jahreseinkommen einzugeben. Und schon erfährst Du, mit viel Rente Du in etwa aus der gesetzlichen Rentenversicherung rechnen kannst, wenn Du Dich mit 63, 65 oder 67 Jahren in den Ruhestand verabschiedest.

Wichtig

Bei den Ergebnissen handelt es sich natürlich um unverbindliche Schätzwerte, die auch auf der Annahme basieren, dass sich an Deinen Einkommensverhältnissen bis zum Renteneintritt nichts ändert. Und Du bis dahin ununterbrochen Deine Versicherungsbeiträge leistest.

Standardrente (Eckrentner)

Der Begriff Standard- beziehungsweise Eckrente steht für eine abstrakte monatliche Altersrente, die Du als Eckrentner ausschließlich dann bekommst, wenn Du 45 Jahre lang das oben erwähnte Durchschnittsentgelt verdient und 45 Jahre lang die entsprechenden Rentenversicherungsbeiträge gezahlt beziehungsweise 45 Entgeltpunkte angesammelt hast.

In Zahlen ausgedrückt, könntest Du Dich seit Juli 2018 über eine Brutto-Standardrente in Höhe von 1441,35 Euro (alte Bundesländer) bzw. 1381,05 Euro (neue Bundesländer) freuen.

Damit wärst Du aber eher die Ausnahme. Denn die für die Standardrente erforderlichen Idealbedingungen („45 Jahre ...”) werden in der Praxis nur selten vorliegen.

Weswegen Du die Standardrente auch nicht mit der Durchschnittsrente verwechseln darfst. Letztere fällt regelmäßig niedriger aus. Sei es wegen schwankender Arbeitslöhne im Laufe eines Erwerbslebens oder infolge von Unterbrechungen im Versicherungsverlauf. Der Blick in den Jahresbericht „Rentenversicherung in Zahlen 2018“ der Deutschen Rentenversicherung zeigt das:

durchschnittliche Altersrente im Monat Männer Frauen
Alte Bundesländer 1.095 Euro 622 Euro
Neue Bundesländer 1.198 Euro 928 Euro

Berechnung

Die Höhe Deiner Altersrente wird, wie Du nun weißt, mittels besagter Rentenformel ermittelt. Steht Dein Ruhestand bevor, stehen drei der Rechenfaktoren bereits fest:

  • der Zugangsfaktor – also das Renteneintrittsalter, das gegebenenfalls Deine Rente erhöht/mindert
  • der aktuelle Rentenwert der Entgeltpunkte
  • der Rentenartfaktor

Was zur überschlägigen Berechnung der gesetzlichen Rente noch fehlt, ist die Summe der persönlichen Entgeltpunkte (§ 66 SGB VI), die Du während Deiner gesamten Versicherungszeit bei der gesetzlichen Rentenversicherung angesammelt hast.

Hierzu musst Du auf alle relevanten rentenrechtlichen Zeiten abstellen. Das sind in erster Linie die zu Beginn des Artikels beschriebenen Beitragszeiten (§ 70 SGB VI), in denen Du Rentenversicherungsbeiträge geleistet hast.

Zudem kannst Du dank der sogenannten Mütterrente gegebenenfalls zwischen 30 und 36 Monate Erziehungszeit beanspruchen, für die es ebenfalls Entgeltpunkte gibt – obwohl nicht Du, sondern der Staat die Rentenversicherungsbeiträge in dieser Zeit geleistet hat.

Außerdem ist zu prüfen, ob für Dich bestimmte beitragsfreie/ beitragsgeminderte Zeiten (§ 71 SGB VI) gelten, in denen Dir Entgeltpunkte gutgeschrieben werden, obwohl Du nichts in die Kasse der gesetzlichen Rentenversicherung eingezahlt hast. Dazu gehören insbesondere:

  • Anrechnungszeiten: Arbeitsunfähigkeit, Krankheit/Rehabilitation, Schwangerschaft/Mutterschutzfristen, Arbeitslosigkeit, Studium … – mitunter aber nur, sofern dadurch eine versicherungspflichtige Beschäftigung unterbrochen wurde.
  • Zurechnungszeiten, die beispielsweise dann greifen würden, wenn Du schon in jungen Jahren auf eine Erwerbsminderungsrente angewiesen wärst.

Krankenkassenbeitrag

Die mit der Rentenformel errechnete Rentenhöhe ist nicht gleichzusetzen mit dem Betrag, der Dir ausgezahlt wird. Denn sobald Du eine gesetzlichen Rente beziehst, gehörst Du grundsätzlich der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) an und musst Krankenversicherungsbeiträge („Sozialabgaben”) bezahlen.

Der Beitragsatz, den sich Rentner und Versicherungsträger teilen, liegt momentan bei 14,6 Prozent. Deine Hälfte würde der Versicherungsträger von Deiner monatlichen Rente direkt abziehen und weiterleiten.

Da die KVdR keine eigene Krankenkasse ist, wird sie von den gesetzlichen Krankenkassen wie der AOK betrieben, in der Du mit Renteneintritt pflicht- oder freiwillig versichert bist. Warst Du vor Renteneintritt privat krankenversichert und beihilfefähig, kannst Du die Befreiung von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) beantragen.

Steuern

Die Dir aus der gesetzlichen Rentenversicherung nach Abzug der Sozialabgaben verbleibende Nettorente müsstest Du dann noch versteuern. Denn seit 2005 das Alterseinkünftegesetz in Kraft getreten ist, ist auch die gesetzliche Rente von der schrittweisen Umstellung auf das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung („Rentensteuer”) umfasst.

Das heißt: Die Beiträge, die Du in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlst („Altersvorsorgeaufwendungen”) sind steuerfrei – sie unterliegen also nicht der Einkommenssteuer. Dafür sind die Altersbezüge, die Du in der Auszahlungsphase beziehst, steuerpflichtig.

In welchem Umfang Du Steuern für Deine Rente zahlen musst, hängt davon ab, ab wann Du sie beziehst. Denn die schrittweise Umstellung auf die nachgelagerte Besteuerung sieht vor, dass die Altersbezüge erst ab dem Jahr 2040 von jedem Rentner zu 100 Prozent zu versteuern sind.

Bis dahin wird der steuerpflichtige Rentenanteil für jeden neuen Rentnerjahrgang prozentual erhöht. Und zwar bis 2020 jährlich um zwei Prozent und danach jeweils um ein Prozent. Die früheren Rentenjahrgänge sind also im Vorteil, da für sie die Erhöhungen bis 2040 nicht gelten; sie haben folglich einen höheren Rentenfreibetrag.

Prozentsätze zur Berechnung des Rentenfreibetrags
Jahr des Rentenbeginns Besteuerungsanteil in Prozent
bis 2005 50
2006 52
2007



2020
54



80
2021 81
2022 82
2023


ab 2040
83


100 Prozent für alle Rentner

Quelle: Deutsche Rentenversicherung, Stand: September 2018

jährliche Renteninformation

Die Mitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung bekommen von der Deutschen Rentenversicherung eine jährliche Renteninformation. Sofern Du Dein 27. Lebensjahr vollendet hast und mindestens fünf Jahre in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert bist, bekommst Du dieses Informationsschreiben automatisch.

Ziel der Renteninformation ist, Dich über die Entwicklung Deiner gesetzlichen Rentenansprüche auf dem Laufenden zu halten, damit Du Deinen Ruhestand auch mit Blick auf eine zusätzliche private und/oder betriebliche Altersvorsorge besser planen kannst. Zu den einzelnen Informationen zählen diese:

  • Grundlagen der Rentenberechnung
  • aktueller Stand des Versicherungskontos
  • Übersicht über die Höhe der gezahlten Beiträge
  • Höhe der bisher erworbenen und voraussichtlichen Rentenansprüche: Regelaltersrente, Rente wegen voller Erwerbsminderung
  • Informationen über die Auswirkungen künftiger Rentenanpassungen

private Altersvorsorge

Befürchtest Du, dass die voraussichtliche Höhe Deiner künftigen Rentenbezüge aus der gesetzlichen Rentenversicherung zu gering ausfällt, kannst Du sie durch weitere Altersvorsorgemaßnahmen erhöhen. Schließlich gilt für die Altersvorsorge in Deutschland das Drei-Säulen-Prinzip:

Erste Säule = gesetzliche Altersvorsorge: gesetzliche Rentenversicherung , Beamtenversorgung …
Zweite Säule = betriebliche Altersvorsorge: Pensionskasse, Pensionsfonds, Direktversicherung, Unterstützungskasse …
Dritte Säule = private Altersvorsorge: Rürup-Rente („Basisrente”), Riester-Rente, private Rentenversicherungen, Fondsanlagen …

Wie hoch ist der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung?

Ausgangspunkt für die Berechnung Deines Rentenversicherungsbeitrags ist zum einen die Höhe Deines versicherungspflichtigen Brutto-Einkommens.

Dieses wird aber nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung herangezogen. Im aktuellen Jahr 2019 liegt die Grenze in Westdeutschland bei 80.400 Euro/Jahr (6700 Euro/Monat) und in Ostdeutschland bei 73.800 Euro/Jahr (6150 Euro/Monat). Verdienst Du mehr, würde sich das nicht auf den Rentenversicherungs-Beitrag auswirken.

Zum anderen bestimmt der Beitragssatz, der für alle Mitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung gleich ist, wie hoch Dein Beitrag zur Rentenversicherung ausfällt. Momentan (2019) liegt der Beitragssatz in der GRV bei 18,6 Prozent. Würdest Du beispielsweise mit Deinem Einkommen die Beitragsbemessungsgrenze von 6.700 Euro monatlich (West) erreichen, beliefe sich Dein Rentenversicherungsbeitrag auf 1.246,20 Euro.

Bist Du als Arbeitnehmer pflichtversichert in der gesetzlichen Rentenversicherung, teilst Du Dir den Rentenversicherungs- Beitrag zur Hälfte mit Deinem Arbeitgeber. Anders sieht es in diesen Fällen aus:

  • Bist Du als selbstständig erwerbstätige Person pflichtversichert in der gesetzlichen Rentenversicherung, musst Du den Rentenversicherungsbeitrag alleine schultern. Es sei denn, Du bist Künstler oder Publizist – dann übernimmt die Künstlersozialkasse die Hälfte. Alternativ könntest Du unabhängig vom Arbeitseinkommen einen Regelbetrag zahlen: zurzeit 579,39 Euro (West) beziehungsweise 533,82 Euro (Ost).
  • Du gehörst zu den nicht pflichtversicherten Selbstständigen oder Freiberuflern, die freiwillig Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen? Dann ergibt sich aus dem Beitragssatz von aktuell 18,6 Prozent ein Mindestbeitrag von monatlich 83,70 Euro und ein monatlicher Höchstbeitrag von 1.246,20 Euro – dazwischen kannst Du die Höhe Deines Rentenversicherungsbeitrags frei wählen.

Übrigens: Mit Deinem Rentenversicherungsbeitrag zur gesetzlichen Renten­versicherung werden verschiedene Leistungen der Rentenversicherung finanziert:

  • Altersrenten
  • Erwerbsminderungsrenten
  • Hinterbliebenenrenten wie die Witwenrente
  • Rehabilitationsmaßnahmen

Wann kann ich in Rente gehen?

Grob gesagt, hängt das davon ab, ob Du Einbußen bei der monatlichen Rentenzahlung hinzunehmen bereit bist oder nicht. Denn es sind unterschiedliche „Termine” möglich:

ohne Abzug

Die volle gesetzliche Altersrente bekommst Du, wenn Du eine der gesetzlich vorgesehenen Altersgrenzen erreicht hast:

Regelaltersgrenze

Um die abschlagsfreie Regelaltersrente antreten zu können, musst Du fünf Jahre in der gesetzlichen Rentenversicherung („Wartezeit”) nachweisen können und die Regelaltersgrenze einhalten. Die lag einst bei 65 Jahren. Zurzeit steigt sie schrittweise bis zum Jahr 2029 für die ab 1947 Geborenen auf 67 Jahre. Und zwar abhängig vom Geburtsjahr erst in Monatsschritten und dann in Zwei-Monatsschritten.

Stufenweise Anhebung der Regelaltersgrenze
Geburtsjahr Anhebung um … Monate Versichertenalter (Jahre/Monate)
1952 6 65/6
1953 7 65/7
1954 8 65/8
1955 9 65/9
1956 10 65/10
1957 11 65/1
1958 12 66/0
1959 14 66/2
1960 16 66/4
1961 18 66/6
1962 20 66/8
1963 22 66/0
ab 1964 24 67/0

Quelle: Deutsche Rentenversicherung, Stand: Juli 2018

langjährige Versicherte

Seit der Rentenreform von 2014 besteht für Dich als Mitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung zwar prinzipiell die Möglichkeit, Deinen Ruhestand mit 63 Jahren anzutreten. Aber nur unter diesen Voraussetzungen: Du bist

  • mindestens 35 Jahre in der GRV versichert,
  • vor 1953 geboren,
  • mit einem niedrigeren Rente einverstanden.

Möchtest Du die volle Rentenleistung bekommen, greift hier ebenfalls die schrittweise Anhebung der Altersgrenze von 65 auf 67.

Schwerbehinderte

Zählst Du mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50 Prozent zu den Schwerbehinderten, kannst Du nach einer Versicherungszeit von mindestens 35 Jahren Deine Altersrente frühestens mit 63 Jahren, spätestens mit 65 abschlagsfrei antreten. Auch hier hängt die stufenweise Anhebung von Deinem Geburtsjahr ab:

Geburtsjahr Anhebung um … Monate Versichertenalter (Jahre/Monate)
1954 8 63/8
1955 9 63/9
1956 10 63/10
1957 11 63/11
1958 12 64/0
1959 14 64/2
1960 16 64/4
1961 18 64/6
1962 20 64/8
1963 22 64/10
ab 1964 24 65/0

Quelle: Deutsche Rentenversicherung, Stand: Juli 2018

mit Abzug (vorzeitiger Renteneintritt)

Bist Du bereit, einen finanziellen Abschlag hinzunehmen, kannst Du auch vorzeitig Dein Leben als Rentner beginnen. Aber nur, wenn Du 35 Jahre in der gesetzlichen Rentenversicherung warst – womit ein vorzeitiger Beginn der Regelaltersrente gegen Abzüge ausscheidet.

Bei den beiden anderen Altersrenten würde sich Deine gesetzliche Rente wie folgt reduzieren:

Beanspruchst Du mit 63 die Altersrente für langjährig Versicherte, beträgt der fällige Abzug je nach Geburtsjahr 9 bis 14,4 Prozent:

Abschläge bei frühzeitiger Altersrente für langjährige Versicherte
Geburtsjahr Abschlag in Prozent
1952 9
1953 9,3
1954 9,6
1955 9,9
1956 10,2
1957 10,5
1958 10,8
1959 11,4
1960 12
1961 12,6
1962 13,2
1963 13,8
ab 1964 14,4

Quelle: Deutsche Rentenversicherung, Stand: Juli 2018

Die Altersrente für Schwerbehinderte kannst Du mit einem einheitlichen Abschlag von 10,8 Prozent früher antreten. Und das abhängig vom Geburtsjahr frühestens mit 60 Jahren:

Frühester vorzeitiger Rentenbeginn für Schwerbehinderte
Geburtsjahr Versichertenalter: (Jahre/Monate)
1954 60/8
1955 60/9
1956 60/10
1957 60/11
1958 61/0
1959 61/2
1960 61/4
1961 61/6
1962 61/8
1963 61/10
ab 1964 62/0

Quelle: Deutsche Rentenversicherung, Stand: Juli 2018

Wer ist pflichtversichert - und wer nicht?

Darüber entscheidet die Form Deiner Erwerbstätigkeit:

pflichtversichert

… bist Du in der gesetzlichen Rentenversicherung keineswegs nur als Arbeitnehmer, sondern auch, wenn Du beispielsweise einer dieser Personengruppen angehörst (§§ 1 bis 3 SGB VI):

  • Auszubildende
  • Mütter/Väter während der Kindererziehungszeiten
  • nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen
  • Menschen mit Behinderung
  • Empfänger von Unterhaltsleistungen wie Krankengeld und Arbeitslosengeld
  • Wehrdienstleistende/Personen im Bundesfreiwilligendienst
  • bestimmte selbstständig Tätige: Handwerker, Hausgewerbetreibende, Lehrer, Hebammen, Erzieher, in der Pflege Beschäftigte, Künstler, Publizisten …

freiwillig versicherbar

… ist vom 16. Lebensjahr an auf Antrag beim Rentenversicherungsträger jeder (§ 7 SGB VI) nicht pflichtversicherte

  • Deutsche/Ausländer, der in Deutschland lebt.
  • Deutsche, der sich im Ausland aufhält.

In Betracht kommen somit alle Personengruppen, die nicht von den §§ 1 bis 4 SGB umfasst sind. Beispielsweise

  • Hausfrauen/Hausmänner
  • versicherungsfreie Personen wie Beamte oder kurzfristig Beschäftigte
  • von der Versicherungspflicht befreite Personen wie die Mitglieder berufsständischer Versorgungseinrichtungen
  • Selbstständige, sofern weder kraft Gesetzes noch freiwillig pflichtversichert

Wie viel darf ich hinzuverdienen?

Dank der zum 1. Juli 2017 eingeführten Flexi-Rente gibt es für Rentner attraktivere Hinzuverdienstgrenzen als zuvor.

Flexi-Rente

Durch die Flexi-Rente lassen sich Rente und Arbeit flexibler kombinieren. Wie viel Du als Rentner hinzuverdienen kannst, ohne Deine Rentenbezüge zu reduzieren, hängt davon ab, wann Du in den Ruhestand gehst.

regulär in Rente

Wer die Regelaltersrente bezieht, durfte schon immer unbegrenzt hinzuverdienen, ohne dass sich das negativ oder positiv auf die Rentenhöhe ausgewirkt hat. Letzteres hat sich durch das Flexirentengesetz geändert:

Wenn Du als Regelaltersrentner weiterarbeitest, freiwillig Rentenbeiträge an die gesetzliche Rentenversicherung zahlst und dies Deinem Arbeitgeber mitteilst, erhöhen die von Euch beiden geleisteten Rentenversicherungs-Beiträge Deine Rentenbezüge.

früher in Rente

Entscheidest Du Dich für eine vorzeitige Altersrente, sehen Deine Zuverdienstmöglichkeiten so aus:

  • Bis zu 6.300 Euro brutto kannst Du pro Kalenderjahr erarbeiten, ohne eine Rentenkürzung zu riskieren.
  • Alles, was über 6.300 Euro hinausgeht, wird zu 40 Prozent auf Deine gesetzlichen Rente angerechnet.
Achtung:

Ergibt die gekürzte Rentenleistung zusammen mit Deinem Hinzuverdienst mehr, als Du während Deines vorherigen Erwerbslebens verdient hast, wird der „Überschuss” zu 100 Prozent angerechnet!

später in Rente

Arbeitest Du über die reguläre Altersgrenze hinaus weiter, steigt in dieser Zeit Dein Rentenanspruch infolge der weiter gezahlten Rentenversicherungsbeiträge. Außerdem bekommst Du für jeden Monat, um den sich Dein Renteneintritt verschiebt, einen Rentenzuschlag von 0,5 Prozent. Aufs Jahr gerechnet erwartet Dich ein Rentenplus von sechs Prozent.

Warum ist eine private Rentenversicherung in jedem Fall sinnvoll?

Auch wenn die Leistung der gesetzlichen Rentenversicherung als die wichtigste Einnahmequelle im Alter gilt – darauf vertrauen, dass Du durch sie im Rentenalter finanziell abgesichert sein wirst, kannst Du nicht.

Bist Du Dir beispielsweise sicher, dass Du auf 45 Arbeitsjahre kommst, in denen Du das erforderliche Durchschnittseinkommen erzielst und so die Voraussetzungen für eine Standardrente – aktuell rund 1.440 Euro brutto (West) – erfüllst?

Und was, wenn die Rentenauszahlungshöhe infolge des fortschreitenden demografischen Wandels langfristig, wie von Rentenexperten prognostiziert, sinken wird?

Um einen vernünftigen Lebensstandard im Alter sicherzustellen, solltest Du Dir rechtzeitig überlegen, mit welchen privaten/betrieblichen Vorsorgemaßnahmen Du potenziellen Finanzierungslücken vorbeugen kannst.