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Einspruch Steuerbescheid: Wie geht das?

Wenn Du Deine Steuererklärung abgibst, erhältst Du einige Wochen später Post vom Finanzamt. Anlass dieses Schreibens ist der Steuerbescheid, in dem Deine Steuerschuld festgeschrieben ist, der Betrag, den Du noch überweisen musst – oder der Dir erstattet wird. Obwohl bei der Berechnung Profis am Werk sind, kommt es vor, dass der Steuerbescheid Fehler enthält, die dazu führen können, dass das Finanzamt von Dir eine überhöhte Steuernachzahlung verlangt. Aber kein Grund zur Panik: Denn eine solche Forderung ist nicht in Stein gemeißelt – gegen den falschen Steuerbescheid kannst Du vorgehen, indem Du einen Einspruch beim Finanzamt einlegst. Wie das genau funktioniert und was Du dabei alles beachten solltest, erklären wir Dir in diesem Text.

Wo erhalte ich eine schnelle Ersteinschätzung zu meinem Steuerbescheid?

Um zu erfahren, ob Du mit einem Einspruch gegen den Steuerbescheid Aussicht auf Erfolg hättest, kannst Du Deinen Bescheid vorher von Experten ansehen lassen. Dafür kannst Du die Dienste eines Anwalts beziehungsweise eines Steuerberaters in Anspruch nehmen. Oder aber Du holst Dir eine Einschätzung Deines Steuerbescheides online. Einen solchen Service bietet zum Beispiel das Portal anwalt.de. Dort machst Du einige Angaben zu Deinem Steuerbescheid und erhältst nach ein paar Klicks innerhalb von 24 Stunden eine kostenlose Ersteinschätzung Deines Steuerbescheides durch einen der Partneranwälte von anwalt.de.

Wie lege ich Einspruch gegen den Steuerbescheid ein?

Form

Der Steuerbescheid Einspruch ist an keine bestimmte Form gebunden, er ist allerdings schriftlich, elektronisch oder vor Ort „zur Niederschrift zu erklären“, wie es in der Rechtsbehelfsbelehrung heißt, die dem Bescheid beigefügt ist. Das bedeutet, Du kannst sowohl einen Brief oder eine E-Mail verfassen als auch ein Online-Portal wie Elster nutzen oder persönlich beim Finanzamt vorbeigehen. Ein Telefonanruf hingegen genügt nicht.

Egal ob per Brief, E-Mail oder Online-Formular: Bestimmte Angaben sollte Dein Steuerbescheid Einspruch unbedingt enthalten, damit das Finanzamt ihn auch bearbeiten kann. Hier eine Übersicht:

  • Anlass des Schreibens: Aus Deinem Einspruch beim Finanzamt muss eindeutig hervorgehen, dass es sich um einen Einspruch handelt. Du kannst den Begriff auch gleich im Betreff unterbringen.
  • Angaben zum Steuerbescheid: Ebenfalls gleich im Betreff des Steuerbescheid Einspruchs solltest Du schreiben, auf welchen Steuerbescheid, sprich auf welches Jahr Du Dich mit Deinem Einspruch beziehst und auf welches Datum der Bescheid des Finanzamts ausgestellt wurde.
  • Deine Steuernummer: Wichtig ist natürlich auch, Deine Steuernummer korrekt anzugeben, damit das Finanzamt Deinen Steuerbescheid Einspruch auch korrekt zuordnen kann.
  • Begründung: Eine Begründung für Deinen Einspruch beim Finanzamt ist zwar nicht zwingend erforderlich, weil der Einspruch gegen den Steuerbescheid auch ohne eine solche erst einmal gültig ist. Allerdings musst Du sie in diesem Fall später nachreichen, um das Finanzamt darüber zu informieren, welche Punkte Du mit Deinem Widerspruch gegen den Steuerbescheid bemängelst. Am besten ist es daher, wenn Du Deine Begründung gleich dem Steuerbescheid Einspruch hinzufügst, denn dann ersparst Du Dir den neuerlichen Aufwand.

Außerdem wichtig: Eine Unterschrift ist nicht vonnöten, um dem Widerspruch beim Finanzamt Gültigkeit zu verleihen. Nichtsdestotrotz darf Dein Name unter dem Einspruch gegen den Steuerbescheid nicht fehlen. Denn der Einspruch muss klar zuordenbar sein. Mit dem Einspruch sind keine Kosten für Dich verbunden, anders als mit einer Klage, die dann ein Thema werden könnte, wenn der Einspruch gegen den Einkommensteuerbescheid abgelehnt wird.

Muster-Schreiben

Ein Steuerbescheid Einspruch, der alle benötigten Angaben enthält, könnte zum Beispiel folgendermaßen aussehen:

Eigene Anschrift
Anschrift des Finanzamts
Datum

Deine Steuernummer
Betreff: Einspruch gegen den Einkommensteuerbescheid des Jahres -Steuerjahr- vom -Datum des Bescheids-

Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit lege ich gegen den im Betreff genannten Steuerbescheid
Einspruch
ein.

Begründung: -Begründungstext-
Ich bitte Sie außerdem darum, mir den Eingang des Einspruchs schriftlich zu bestätigen.

Mit freundlichen Grüßen,
-Name-

Wie lange habe ich Zeit?

Wer sich gegen einen mit Fehlern behafteten Steuerbescheid wehren will, der muss auch die Zeit im Auge behalten. Denn um mit einem Finanzamt Einspruch Erfolg zu haben, sind bestimmte Fristen zu beachten. Welche das sind und für welche Fälle es Ausnahmeregelungen gibt, erfährst Du im folgenden Abschnitt:

Für den Einspruch?

Frist

Die Einspruchsfrist für den Steuerbescheid beträgt genau einen Monat. Aber Achtung: Mit Ablauf der Frist muss Dein Steuerbescheid Einspruch bereits beim Finanzamt eingegangen sein. Es reicht also nicht aus, ihn erst am Tag der auslaufenden Frist mit der Post zu verschicken. Übrigens findest Du auch auf Deinem Steuerbescheid selbst, genauer gesagt in der beigefügten Rechtsbehelfsbelehrung, einen Hinweis auf die Frist. Ein genaues Datum für den Widerspruch gegen den Steuerbescheid ist dort jedoch nicht festgehalten. Wie Du es errechnest, erfährst Du im folgenden Textabschnitt:

Fristberechnung

Entscheidend für die Berechnung der Frist für Deinen Einspruch gegen den Steuerbescheid ist nicht das Datum, das Du oben auf Deinem Bescheid findest, sondern der sogenannte Tag der Bekanntgabe. Als Tag der Bekanntgabe gilt der dritte Tag nach dem Datum, auf das der Bescheid ausgestellt ist. Erst von diesem Tag an läuft also die einmonatige Frist für den Steuerbescheid Einspruch. Wichtig zu wissen: Diese Art der Berechnung gilt auch dann, wenn Du den Steuerbescheid in Wirklichkeit schon früher in den Händen hältst. Ist der Steuerbescheid also beispielsweise auf den 15. Juni ausgestellt, so gilt der 18. Juni als Tag der Bekanntgabe. Bis zum 18. Juli kannst Du beim Finanzamt Widerspruch einlegen.

Sa-So-Fei-Regelung

Nun weißt Du also, wie Du die Einspruchsfrist korrekt berechnest. Was aber, wenn bei Deiner Berechnung herauskommt, dass diese auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag fällt? Auch dafür gibt es natürlich klare Regeln. In dem entsprechenden Fall verlängert sich Deine Frist automatisch und Du kann dann bis zum Ablauf des darauffolgenden Werktags Einspruch einlegen. Die gleiche Regelung gilt auch, wenn der Tag der Bekanntgabe auf einen solchen Nicht-Werktag fällt.

Wiedereinsetzung in den vorigen Stand

Keine Regel ohne Ausnahme – dieser Spruch gilt auch für den Einspruch gegen den Steuerbescheid. Denn in Ausnahmefällen ist ein Einspruch gegen den Steuerbescheid auch nach dem Ablauf der einmonatigen Frist noch möglich. Dafür musst Du beim Finanzamt eine sogenannte Wiedereinsetzung in den vorigen Stand erreichen. Denn dadurch wird Dein bereits bestandskräftiger Bescheid wieder zurückgerufen.

Das ist zum Beispiel dann möglich, wenn Du nachweisen kannst, dass Du die Einspruchsfrist von einem Monat unverschuldet hast verstreichen lassen. Gründe könnten zum Beispiel ein längerer Aufenthalt im Krankenhaus oder ein entsprechend langer Urlaub sein, die Dich daran gehindert haben, den Steuerbescheid zu prüfen und rechtzeitig einen Einspruch gegen den Steuerbescheid einzulegen.

Wichtig: Auch die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ist an eine Frist gebunden, die läuft, sobald der Hinderungsgrund wegfällt. Trödeln ist hier genau wie beim Einspruch nicht angesagt, denn auch die Frist für die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beträgt genau einen Monat.

Die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand kann jedoch auch noch unter anderen Umständen stattfinden. Abweichungen von Deiner Steuererklärung muss das Finanzamt im Erläuterungsteil schriftlich begründen. Kommt es dieser Verpflichtung nicht nach, kannst Du im Falle eines fehlerhaften Steuerbescheides auch zu einem späteren Zeitpunkt noch Einspruch gegen den Steuerbescheid einlegen, wenn Du zuvor die „Wiedereinsetzung in den vorigen Stand“ beantragst.

Ohne Rechtsbelehrung

Einen weiteren Grund, der einen verspäteten Steuerbescheid Einspruch noch nach Ablauf der Frist rechtfertigt, stellt das Fehlen der Rechtsbehelfsbelehrung dar. Denn das Finanzamt ist dazu verpflichtet, dem Schreiben mit Deinem Steuerbescheid auch eine Rechtsbehelfsbelehrung beizulegen. Diese Rechtsbehelfsbelehrung soll Dich über die Möglichkeit des Einspruchs gegen den Steuerbescheid aufklären und die dafür zur Verfügung stehenden Mittel und Wege sowie die Fristen erläutern.

Versäumt es das Finanzamt, dies zu tun, verlängert sich die Frist für Deinen Einspruch gegen den Steuerbescheid auf ein Jahr.

Rechen- und Schreibfehler

Im Fall von offensichtlichen Schreib- oder Rechenfehlern sieht das Ganze wiederum ein bisschen anders aus. Bei dieser Art von Fehlern musst Du Dich nämlich seit einigen Jahren an gar keine Frist mehr halten. Fallen Dir im Nachhinein also Rechen- und Schreibfehler auf Deinem Steuerbescheid auf, so kannst Du auch noch lange nach der Steuererklärung Einspruch einlegen. Dieses ist dazu verpflichtet, die Fehler zu korrigieren.

Nachträglich bekannte Tatsachen und Beweise

Der Steuerbescheid kann ebenso später geändert werden, wenn erst im Nachhinein neue Tatsachen oder Beweise bekannt werden, die zu einer Änderung Deiner Steuerschuld führen. Eine Änderung zu Deinen Ungunsten kann das Finanzamt allerdings nur dann vornehmen, wenn es bei der Erstellung des Steuerbescheids seine Ermittlungspflicht nicht verletzt hat. Für Versäumnisse des Finanzamts kannst Du also nicht zur Rechenschaft gezogen werden, solange Du alle von Dir geforderten Angaben wahrheitsgemäß und vollständig machst.

Um die Forderung zu bezahlen?

Frist

Auch für die im Steuerbescheid festgesetzte Steuernachzahlung gibt es eine Frist. Sie beträgt ebenfalls einen Monat ab Bekanntgabe des Bescheids. Dieser Termin ist auf dem Steuerbescheid aber auch noch mal explizit und gut sichtbar genannt. Auch beim Thema Zahlung gilt: Ausschlaggebend für die Wahrung der Frist ist nicht der Tag der Überweisung, sondern der Eingang auf dem angegebenen Konto des Finanzamts.

Pünktlichkeit macht sich dabei bezahlt, denn eine verspätete Nachzahlung kostet extra. Für jeden angefangenen Monat verlangt das Finanzamt von Dir einen sogenannten Säumniszuschlag in Höhe von einem Prozent des Steuerbetrags. Für die Ermittlung des Säumniszuschlags rundet das Finanzamt den nachzuzahlenden Betrag vorher auf den nächsten durch 50 teilbaren Betrag ab.

Ein praktisches Beispiel zur Veranschaulichung: Angenommen die Höhe Deiner Nachzahlung für das abgelaufene Jahr beträgt 620 Euro und Du bist aufgefordert, dieses Geld bis zum 10.07. zu zahlen. Tatsächlich geht die Nachzahlung jedoch erst am 20.10. desselben Jahres beim Finanzamt ein, also mehr als drei Monate zu spät. In diesem Fall rundet das Finanzamt den Fehlbetrag auf 600 Euro ab und erhebt für die Verspätung von vier Monaten einen Säumniszuschlag in Höhe von vier Prozent. Daraus ergibt sich am Ende ein Zuschlag von immerhin 24 Euro.

Aussetzung der Vollziehung

Mit einem Einspruch gegen Deinen Steuerbescheid ist die Zahlung an das Finanzamt nicht ausgesetzt. Wer trotzdem nicht bezahlt, der muss mit Säumnisaufschlägen rechnen und zahlt so am Ende noch mehr als ursprünglich verlangt. Zu viel gezahlte Beträge werden vom Finanzamt zurückgezahlt, nachdem der Steuerbescheid geändert wurde.

Wer Du einer überhöhten Nachzahlung aus dem Wege gehen möchtest, hast Du die Möglichkeit, zusätzlich zu Deinem Widerspruch nach der Steuererklärung noch einen zweiten Antrag zu stellen: den sogenannten Antrag auf Aussetzung der Vollziehung. Mit diesem Antrag bittest Du das Finanzamt darum, seine Forderung so lange auszusetzen, bis über Deinen Einspruch gegen den Steuerbescheid entschieden ist. Diese Aussetzung der Zahlung kann sich aber mitunter auch negativ für Dich auswirken. Denn für den Fall, dass das Finanzamt Deinem Einspruch gegen den Steuerbescheid am Ende nicht stattgibt, musst Du zusätzlich zur ohnehin schon verlangten Steuernachzahlung noch fällige Zinsen an das Finanzamt überweisen.

Verfahren ruhen lassen

Um solchen zusätzlichen Zinsen aus dem Weg zu gehen kannst Du beim Finanzamt auch einen Antrag auf Ruhen Deines Einspruchs-Verfahrens stellen. Das ist insbesondere dann anzuraten, wenn vor einem obersten Gerichtshof wie dem Bundesfinanzhof gerade ein Verfahren anhängig ist, das sich mit dem gleichen Sachverhalt wie Dein Einspruch befasst. In einem solchen Fall kannst Du Dich mit dem Finanzamt darauf verständigen, Deinen Einspruch gegen den Steuerbescheid so lange ruhen zu lassen, bis das Verfahren vor dem obersten Gerichtshof entschieden ist, damit Klarheit über die Zulässigkeit Deines Einspruchs herrscht.

Wann macht ein Einspruch Sinn und wann nicht?

Ein erfolgreicher Einspruch gegen einen Steuerbescheid kann mitunter viel Geld wert sein. Allerdings ist ein Einspruch nicht in jedem Fall sinnvoll, beziehungsweise manchmal gibt es bessere Alternativen dazu. Im folgenden Abschnitt erfährst Du mehr darüber, wann es sich lohnt, einen Einspruch gegen Deinen Steuerbescheid einzulegen und wann nicht – und auch, wann Du lieber auf andere Mittel zugreifen solltest.

Sinnvoll

Fehler korrigieren

Klassischerweise kannst Du den Einspruch gegen den Steuerbescheid nutzen, um das Finanzamt auf Fehler bei der Ermittlung der Steuerschuld hinzuweisen und eine Korrektur dieser Fehler zu erreichen. Dieses Vorgehen ist zum Beispiel zu empfehlen, wenn das Finanzamt bestimmte absetzungsfähige Ausgaben bei der Festsetzung der Steuer fälschlicherweise gar nicht oder nur in Teilen berücksichtigt hat, etwa Werbungs-, Fahrtkosten oder Sonderausgaben.

Angaben vergessen

Hast Du selbst versäumt, in Deiner Steuererklärung bestimmte Kosten geltend zu machen, die Deine Steuerschuld verringern können, oder sonstige Angaben aus welchem Grund auch immer beim Ausfüllen der Steuerklärung vergessen, lohnt sich ein Einspruch gegen den Steuerbescheid ebenfalls.

Anhängige Verfahren

Ebenso sinnvoll ist ein Einspruch gegen den Steuerbescheid, wenn beim Bundesfinanzhof Verfahren anhängig sind, die auch Deinen konkreten Fall betreffen, weil sie sich mit dem gleichen Thema befassen. In diesem Fall kann man zudem vorerst eine Aussetzung beantragen, die gilt, bis das Verfahren entschieden ist.

Nicht sinnvoll

Antrag auf Änderung des Steuerbescheids

Ein Einspruch gegen den Steuerbescheid ist nicht das einzige Mittel, mit dem Du Deinen Bescheid anfechten und gegebenenfalls ändern kannst. Mit einem sogenannten „Antrag auf Änderung des Steuerbescheids“ kannst Du die Änderung eines bestimmten Punktes im Steuerbescheid veranlassen, ohne dass der übrige Bescheid noch einmal vom Finanzamt unter die Lupe genommen wird, wie es bei einem Einspruch üblich ist. Die entsprechende Änderung kannst Du übrigens beim Finanzamt nicht nur schriftlich, sondern ebenso gut am Telefon beantragen. Der Antrag auf Änderung ist also mindestens genauso praktikabel wie der Einspruch gegen den Steuerbescheid.

Für den Antrag auf Änderung des Steuerbescheids gilt die gleiche Frist wie für den Einspruch. Du hast also wieder genau einen Monat Zeit. Wird Dein Antrag auf Änderung vom Finanzamt abgewiesen, steht es Dir anschließend immer noch die Möglichkeit offen, einen Einspruch einzulegen.

Musterverfahren (Erläuterungsteil)

Sparen kannst Du Dir den Einspruch gegen den Steuerbescheid auch dann, wenn das Finanzamt Deinen Bescheid in einem strittigen Punkt nur unter Vorbehalt erlassen hat. Grund dafür können Musterverfahren vor einem obersten Gericht sein. Einen entsprechenden Vermerk findest Du dann im Erläuterungsteil Deines Bescheides. Da der Bescheid eben nur unter Vorbehalt erlassen wurde, kann das Finanzamt auch Monate oder Jahre später noch auf die Entscheidung des Gerichts reagieren und Deine Nachzahlung anpassen. Dafür musst Du also nicht extra Einspruch einlegen.

Gefahr der „Verböserung“

Um die Gefahr der Verböserung zu verstehen, musst Du Dir im Klaren darüber sein, was Dein Einspruch gegen den Steuerbescheid eigentlich bewirkt: Legst Du beim Finanzamt Einspruch ein, so forderst Du es dazu auf, den gesamten Steuerbescheid noch einmal umfassend zu prüfen. Bei dieser erneuten Prüfung ist nicht ausgeschlossen, dass es noch weitere Fehler im Bescheid findet, die sich ursprünglich zu Deinen Gunsten ausgewirkt hatten. So könnte es zum Beispiel sein, dass das Finanzamt zwar bestimmte Werbungskosten bei der Festsetzung der Steuer fälschlicherweise nicht berücksichtigt hat, zugleich aber vergessen hat, die Kirchensteuer mit einzuberechnen. Am Ende könnte so eine noch höhere Steuernachzahlung stehen, die ohne Deinen Einspruch gar nicht zustande gekommen wäre.

Aber keine Angst: Auf diese erneute vollständige Prüfung und die drohende Verböserung sowie die Gründe dafür muss Dich das Finanzamt in schriftlicher Form explizit hinweisen – und zwar vorab. Wird aus dem Schreiben ersichtlich, dass Deine Nachzahlung noch höher ausfallen könnte, als ursprünglich angenommen, so hast Du die Möglichkeit, Deinen Einspruch wieder zurückzuziehen. Auf diese Weise kannst Du der Verböserung noch entgehen, zugleich ist Dein Einspruch aber hinfällig. Droht das Finanzamt mit einer Verböserung, solltest Du mit der Rücknahme Deines Einspruchs gegen den Steuerbescheid keinesfalls trödeln. Denn sobald Du die Einspruchsentscheidung beziehungsweise den neuen Steuerbescheid erhältst, ist es für diesen Schritt zu spät.

Steht der Steuerbescheid als Ganzes unter dem „Vorbehalt der Nachprüfung“, ist der gesonderte Hinweis vom Finanzamt auf eine mögliche Verböserung übrigens nicht vonnöten. In diesem Fall kann es auch später noch zu einer höheren Steuernachzahlung kommen.

Rechen- und Schreibfehler

Wie beschrieben können Rechen- und Schreibfehler im Steuerbescheid durchaus Grund für einen Einspruch sein. Allerdings ist der Einspruch im Falle solcher kleinen Fehler, die sich ohne viel Aufwand beheben lassen, meistens nicht das am besten geeignete Mittel. Denn es ist eben gerade nicht notwendig, dass das Finanzamt den gesamten Steuerbescheid noch einmal von vorn bis hinten durchsieht. Ein schlichter Antrag auf Änderung des Steuerbescheids wäre hier die sinnvollere Lösung.

Wie kann ich meinen Steuerbescheid selbst prüfen?

Bevor Du darüber nachdenkst, mit einem Einspruch gegen Deinen Steuerbescheid vorzugehen, solltest Du Dir den Bescheid sehr genau ansehen. Damit stellst Du einerseits sicher, dass Du tatsächlich alle Fehler findest und verhinderst andererseits einen unnötigen Einspruch gegen vermeintliche Fehler, die sich bei genauerer Prüfung als nichtig erweisen. Wie Du dabei am besten vorgehst, erfährst Du hier:

Abgleich mit Ergebnis einer Steuersoftware

Zuerst solltest Du Deinen Steuerbescheid mit dem Ergebnis einer Steuersoftware wie Elster oder wundertax vergleichen. Größere Abweichungen können bereits ein Hinweis darauf sein, dass das Finanzamt an irgendeiner Stelle einen Fehler gemacht hat. Bevor Du nun gleich und eventuell vorschnell einen Einspruch formulierst, solltest Du aber noch weitere Schritte zur Prüfung einleiten.

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Erläuterungsteil

Ganz wichtig für die eigenständige Prüfung Deines Steuerbescheids ist der Erläuterungsteil, der dem Bescheid beiliegt. Diesen solltest Du Dir sehr genau durchlesen. Denn dort finden sich Anmerkungen des Finanzamts, für den Fall, dass es bestimmte von Dir angegebene Ausgaben nicht anerkannt hat oder anderweitige Änderungen bei der Berechnung vorgenommen hat. Viele offene Fragen und Unklarheiten lassen sich damit bereits beheben.

Typische Fehler

Zu guter Letzt möchten wir Dich an dieser Stelle noch auf typische Fehler hinweisen, die häufiger in Steuerbescheiden vorkommen. Auf die folgenden Posten solltest Du besonderes Augenmerk richten:

Kirchensteuer

Es kann vorkommen, dass das Finanzamt fälschlicherweise die Kirchensteuer erhebt. Möglicherweise hast Du jedoch selbst auch vergessen, die richtige Angabe bezüglich Deiner Mitgliedschaft in einer Kirchengemeinde zu machen. Also besser noch mal kontrollieren.

Solidaritätszuschlag

Bist Du Geringverdiener und hast nur eine geringe Steuerlast unter 1340 Euro jährlich? Dann prüfe auch, ob das Finanzamt den Solidaritätszuschlag richtig angegeben hat. Bei einer Einkommensteuer bis zu 972 Euro musst Du nämlich keinen Solidaritätszuschlag zahlen, den vollen Satz von 5,5 Prozent der Einkommensteuer erst ab 1340 Euro. Dazwischen steigt der Satz schrittweise an.

Haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen

Wer seine private Wohnung von einer Reinigungskraft putzen lässt oder einen Winterdienst in Anspruch nimmt, kann entsprechende Kosten zu 20 Prozent von der Steuer absetzen – maximal beträgt der Abzug 4000 Euro im Jahr. Bestimmte Leistungen wie Nachhilfe können allerdings nicht angerechnet werden. Für die Arbeit von Handwerkern können bis zu 1200 Euro im Jahr abgesetzt werden. Anerkannt werden jedoch nur Leistungen, die per Überweisung gezahlt wurden und für die es eine Rechnung gibt.

Werbungskosten

Kosten, die durch die berufliche Tätigkeit entstehen – etwa beim Kauf von Büromaterial, eines PC oder eines Taschenrechners –, kann man als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Dabei kommt es aber bei einigen Anschaffungen darauf an, dass sie auch tatsächlich ganz überwiegend für berufliche Zwecke und nicht etwa vor allem privat genutzt werden. Dies solltest Du für eine Berücksichtigung im Steuerbescheid sicherstellen. Arbeitnehmern steht auch ohne Geltendmachung von Werbekosten grundsätzlich ein Pauschbetrag von 1000 Euro zu. Ein Nachweis über tatsächliche Werbekosten ist dafür nicht zu erbringen.

Sonderausgaben

Unter den Punkt Sonderausgaben fallen neben Spenden auch Vorsorgeaufwendungen und Unterhaltszahlungen. All diese Ausgaben solltest Du bei Deiner Steuererklärung detailliert angeben, damit das Finanzamt sie steuermindernd berücksichtigen kann.