Seminararbeit schreiben: So kommt die 1,0

Ein Student arbeitet in einem Café an seiner Seminararbeit.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Mit einer Seminararbeit zeigst Du, dass Du die Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens beherrschst.
  • Eine gute Vorarbeit erleichtert Dir das eigentliche Schreiben Deiner Seminararbeit ungemein. Das gilt sowohl für die Literaturrecherche als auch für die Wahl des Themas.
  • Seminararbeiten sind nach einem festen Muster aufgebaut. Im Detail können sich die Anforderungen aber je nach Vorgaben der Universität und des Dozenten unterscheiden.

Was ist eine Seminararbeit?

Wenn Du ein geisteswissenschaftliches Fach studierst, hast Du wahrscheinlich schon einmal eine Seminararbeit geschrieben. Zwar ist sie bei weitem nicht so aufwändig wie ihre großen Schwestern Bachelor- und Masterarbeit, doch Du solltest ihr trotzdem die gebührende Aufmerksamkeit widmen. Nicht nur, dass die Noten für Seminararbeiten oft in die Gesamtnote des Studiums einfließen: Du kannst beim Verfassen auch Deinen Blick für wissenschaftliches Arbeiten schulen. Aber wie macht man das eigentlich richtig – also ohne in Chaos zu versinken oder erst auf den letzten Drücker fertig zu werden? Was ist der Unterschied zwischen einer Seminar- und einer Hausarbeit? Und weshalb muss man überhaupt Seminararbeiten schreiben?

Der kleine Unterschied zwischen Seminararbeit und Hausarbeit

Oft werden die Begriffe Hausarbeit und Seminararbeit gleichbedeutend verwendet. Eine wissenschaftliche Hausarbeit ist generell eine von Dir selbst verfasste, schriftliche Ausarbeitung, in der Du Dich mit einer konkreten Fragestellung auseinandersetzt. Diese versuchst Du auf Grundlage der einschlägigen Literatur zu beantworten. Hausarbeiten werden häufig in den Semesterferien geschrieben. Von einer Seminararbeit spricht man dagegen meistens dann, wenn der Text schon während des Semesters begleitend zu einem Seminar geschrieben und abgegeben wird. Auch die ausführlichere Ausarbeitung eines Referats, dass Du in einem Seminar gehalten hast, kann so bezeichnet werden. Ganz trennscharf sind die beiden Begriffe allerdings nicht.

Warum muss man überhaupt Seminararbeiten schreiben?

In naturwissenschaftlichen Fächern oder zum Beispiel auch in Psychologie absolviert man während des Studiums Praktika und experimentelle Übungen, um das wissenschaftliche Arbeiten zu lernen: Wie stellt man Hypothesen auf, gestaltet ein Experiment und wertet die Ergebnisse aus? Einem ganz ähnlichen Zweck dienen Haus- und Seminararbeiten in geisteswissenschaftlichen Fächern oder beispielsweise Jura. Mit ihnen weist Du nach, dass Du selbstständig ein Thema bearbeiten kannst und Dich dabei an wissenschaftliche Standards wie beispielsweise auch korrekte Zitierregeln hältst. Dazu sichtest Du aktuelle oder einschlägige Literatur zum Thema und ziehst diese heran, um Deine Fragestellung zu beantworten.


Seminararbeit schreiben leicht gemacht: In 5 Schritten zur Abgabe

Wenn Du erstmals davorstehst, eine Seminararbeit zu schreiben, mag Dir das vielleicht unüberschaubar oder kompliziert erscheinen. Mit dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung kannst Du den Prozess in übersichtliche Etappen aufteilen:

1. Das Thema der Seminararbeit finden

Was schrieb Goethe über Vampire? Unter welchen aktuellen Problemen leidet die chinesische Landwirtschaft? Und seit wann gibt es Ausdruckstanz als Form des politischen Protests? Das sind nur einige Beispiele für Haus- und Seminararbeiten, die tatsächlich schon geschrieben wurden. Der Themenvielfalt sind also prinzipiell keine Grenzen gesetzt. Natürlich sollten Inhalt und Fragestellung zum jeweiligen Modul passen! Manche Dozenten vergeben auch lieber selbst die Themen für Seminararbeiten. In diesem Fall entfällt dieser Schritt für Dich. Wenn Du ein eigenes Thema auswählen darfst, kläre in jedem Fall mit Deinem Dozenten, ob er den Zuschnitt der Arbeit vorher mit Dir besprechen möchte oder ob Du einfach drauflos schreiben und ihm erst die fertige Ausarbeitung schicken sollst. Hier hat jeder Dozent seine eigenen Vorlieben, die teils auch von der Fachkultur abhängig sind.

Beachte bei der Themenwahl die folgenden wichtigen Punkte, da sie Dir das spätere Schreiben der Arbeit ungemein erleichtern:

  1. Lies erst einmal viel! Aus dem Studium der passenden Literatur ergibt sich oft eher eine interessante Fragestellung, als wenn Du „trocken“ am Schreibtisch darüber nachgrübelst. Prüfe auch, ob es vielleicht reizvolle Querverweise zwischen dem Thema des Seminars und Deinen eigenen Interessen gibt.
  2. Halte es übersichtlich! Der klassische Anfängerfehler bei einer Seminararbeit liegt darin, ein zu umfassendes Thema zu wählen. Nimm lieber eine relativ eng umgrenzte Fragestellung, um Dich nicht zu verzetteln. Der Schreibforscher Otto Kruse empfiehlt beispielsweise, das Thema „Die Sprachentwicklung in der Kindheit“ einzugrenzen in: „Die Entwicklung der Satzbildung im zweiten Lebensjahr“. Das gilt insbesondere dann, wenn Dich das Thema brennend interessiert. Deine Abgabefrist wird deshalb schließlich nicht verlängert werden.
  3. Nimm kein Modethema! Wenn Dir ein Aspekt oder ein bestimmter Dreh des Themas gerade „heiß“ erscheint, dann vielleicht, weil sich gerade schon viele andere Menschen damit beschäftigen und es darüber viel zu lesen gibt. Das langweilt den Dozenten unter Umständen. Obendrein erschwert es Dir die Recherche, weil es viel aktuelle Literatur dazu gibt.
  4. Feile am Thema! Am besten nimmst Du nicht das erstbeste Thema, das Dir in den Sinn kommt, sondern listest nach einem Brainstorming mehrere Ideen auf. Dann gilt es, mindestens eine Nacht darüber zu schlafen. Besprich Deine Themen-Favoriten auch ruhig einmal beim Mittagessen mit Deinen Kommilitonen – durch andere Sichtweisen kannst Du ein Thema oft überraschend gut weiterentwickeln.

2. Literatur und Material zusammentragen

Wissenschaftliche Literatur kann in Form von Lehrbüchern, Monografien, Buchkapiteln oder Zeitschriftenartikeln vorliegen. Die Literaturliste des Seminars, für das die Arbeit entsteht, gibt Dir oft schon gute Hinweise darauf, welche Autoren zu einem bestimmten Thema einschlägig sind. Literaturverzeichnisse helfen dabei, weiterführende Veröffentlichungen zu einem Unterthema zu finden. Ein wichtiger Bestandteil der Recherche sind zudem elektronische Datenbanken.

Ein Großteil der aktuelleren Literatur ist digital verfügbar. Über Anfragen bei allgemeinen Suchmaschinen sind wissenschaftliche Dokumente aber oft nicht abrufbar (auch wenn die Suche manchmal Überraschendes zu Tage fördert, weshalb sie bei der Literaturrecherche nicht fehlen sollte). Es wäre ein grober Schnitzer, sich nur auf Google & Co. zu verlassen und nicht auch spezialisierte wissenschaftliche Datenbanken zu nutzen. Auf welche Systeme Deine Uni Zugriff bietet und wie man sie benutzt, solltest Du daher bereits wissen, wenn Du Deine erste Seminararbeit schreibst. Bitte andernfalls Kommilitonen oder Deinen Dozenten um Unterstützung.


3. Informationen in Gedanken fassen und vorstrukturieren

Mit dem Sammeln der Literatur, die für Dein Thema wichtig ist, hast Du bereits den ersten wichtigen Schritt bewältigt. Nun kommt aber der oft noch schwierigere Teil: Die Informationen sinnvoll zu kombinieren! Eine reine Auflistung dessen, was andere Autoren bereits zum Thema geschrieben haben, ist wenig hilfreich – es sei denn, bei Deiner Arbeit handelt es sich ausdrücklich um einen „Literaturüberblick“. Meistens besteht die Leistung Deiner Seminararbeit aber darin, durch die Analyse verschiedener Quellen zu einer neuen Erkenntnis zu gelangen. Überlege Dir zur Beantwortung der Fragestellung deshalb genau, wie die Informationen aus Deinen Quellen zusammenhängen und wie sie sich ergänzen. Daraus entwickelst Du schließlich eine Gliederung, an der Du Dich entlanghangeln kannst.

Liste zunächst auf, auf welche Vorarbeiten Du Dich stützt und wie umfangreich Deine Fragestellung schon untersucht worden ist. Ziehe dann aus der Literatur jene Aussagen heran, die für Deine eigene Arbeit von Bedeutung sind. Deine Schlussfolgerung darf natürlich, gerade bei einer Seminararbeit, vorläufig sein. Lasse Widersprüche und offene Fragen dabei aber nicht einfach unter den Tisch fallen – notiere sie Dir für später, denn Du wirst sie noch brauchen.

4. Die Rohfassung der Seminararbeit schreiben

Wenn Du Dir schon beim Lesen der Literatur Notizen gemacht hast, umso besser: Sortiere diese nun so, dass sie zur Gliederung Deiner Arbeit passen. Ansonsten kannst Du am Anfang erst einmal drauf los schreiben und die einzelnen Themenpunkte herunterschreiben. Es ist ratsam, dabei noch nicht zu viel Zeit auf einzelne Formulierungen zu verwenden: Zum einen ist dafür die Korrekturrunde da und zum anderen hilft Dir das schnelle „Runterschreiben“ Deiner Ideen dabei, einen roten Faden einzuhalten.

5. Korrekturen und Lektorat

Auch wenn viele von uns es immer wieder versuchen: Eine gute Seminararbeit kann nicht in einer Nacht geschrieben werden. Wenn Du mit der Rohfassung Deiner Arbeit fertig bist, lass sie am besten zwei oder drei Tage in der Schublade liegen. Danach hast Du etwas Abstand zu Deinem Text gewonnen und kannst eher beurteilen, wie er auf andere wirkt. In der Korrekturrunde erkennst Du auch besser, ob Deine Argumentation stringent ist, wo Du Dich unklar ausgedrückt hast und welche Stellen vielleicht überflüssig sind.

Es sollte selbstverständlich sein, aber: Deine Seminararbeit muss in Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung einwandfrei sein. Wenn Dir die Note wichtig ist, bitte jemanden, die Arbeit für Dich Korrektur zu lesen. Falls Du dafür nicht Deine Kommilitonin fragst sondern Deine kleine Schwester oder Deinen WG-Kumpel, erfährst Du auch gleich, wie verständlich Du Dich ausgedrückt hast.

Ein oft nervenraubender Faktor, der ebenfalls sehr wichtig ist: Die Formatierung Deiner Seminararbeit sollte nicht nur professionell, sondern vor allem einheitlich sein. Viele Unis und Fachbereiche haben genaue Vorgaben zur Formatierung von wissenschaftlichen Arbeiten, an die Du Dich besser akribisch halten solltest. Sieh nach, ob es für die Formatierung Dokumentvorlagen gibt. Die erleichtern Vieles.

💡 TIPP

Korrekturservice für englischsprachige Seminararbeiten

Wenn Du Deine Seminararbeit auf Englisch schreibst, empfehlen wir Dir den Service von Top Correct, der speziell auf Englisch-Texte von Studenten ausgerichtet ist. Korrekturen gibt es innerhalb von 24 Stunden. So ein Korrekturservice kann Dein Ergebnis um eine ganze Note verbessern.

Wie schreibe ich eine Seminararbeit? Aufbau und Inhalt

Zum Aufbau einer Seminararbeit gibt es oft strikte Vorgaben von Deiner Uni oder dem jeweiligen Dozenten. Hier ist keine Kreativität gefragt – die solltest Du Dir für Deine Gliederung, Argumentation und ihren roten Faden aufheben. Üblicherweise lassen sich aber drei Hauptbestandteile einer Seminararbeit ausmachen, die man auch in anderen Textformen findet:

Die Einleitung der Seminararbeit

Ganz am Anfang der Einleitung muss in das Thema eingeführt werden. Am besten gehst Du an dieser Stelle davon aus, dass Dein Leser keinerlei Vorkenntnisse mitbringt (auch wenn das selten der Fall sein dürfte). In der Einleitung einer Seminararbeit wird außerdem genau beschrieben, welche Fragestellung beantwortet werden soll. Begründe Deine Eingrenzung des Themas und erläutere, wie Du beim Sammeln der Literatur und gegebenenfalls beim Erheben von Daten oder Analysen vorgegangen bist.

Den Hauptteil der Seminararbeit schreiben

Der Hauptteil macht den Löwenanteil der Seminararbeit aus. Hier findet die „eigentliche“ wissenschaftliche Arbeit statt: Du erläuterst, was in Deinen Quellen zur Fragestellung Deiner Arbeit zu finden ist, ziehst Querverweise und führst alles nachvollziehbar zusammen. Oft ist es sinnvoll, den Hauptteil noch einmal weiter nach verschiedenen Aspekten des Themas oder für verschiedene Zweige der Literatur zum Thema zu untergliedern. Besonders wichtig beim wissenschaftlichen Arbeiten ist das korrekte Zitieren: Mache kenntlich, wo die Literatur zu finden ist. Wenn Du Dich dabei nicht genau an die Standards Deines Fachs hältst, wirkt das schnell unprofessionell.

Der Schlussteil einer Seminararbeit

Im Schlussteil wird zunächst die Fragestellung aus der Einleitung noch einmal wiederholt. Anschließend wird dargelegt, welche Schlussfolgerungen sich aus den Überlegungen im Hauptteil der Arbeit ergeben. Dabei solltest Du die Qualität Deiner Ergebnisse gleich reflektieren: War die Beantwortung der Forschungsfrage nicht oder nur teilweise möglich, weil es möglicherweise zu wichtigen Aspekten des Themas noch keine ausreichenden Vorarbeiten gibt, sollte dies offen angesprochen werden. Gleiches gilt für Widersprüche, die durch das Literaturstudium zutage getreten sind.

Wichtige Tipps zum Schreiben einer Seminararbeit

Nun weißt Du, worauf es beim Schreiben einer Seminararbeit ankommt. Die folgenden Tipps möchten wir Dir aber noch einmal mit Nachdruck ans Herz legen:

  1. Die Seminararbeit braucht eine klare Fragestellung. Dabei gilt: Enger umrissene Themen sind einfacher zu bearbeiten als „dicke Bretter“ – die kannst Du Dir für Deine Bachelorarbeit oder andere Abschlussarbeiten aufheben.
  2. Quellen gut sortieren und notieren. Nichts ist nerviger, als sich zu fragen: „Wo hab ich diesen einen interessanten Gedanken vor zwei Tagen nochmal gelesen...?“ Auch wenn es Disziplin erfordert: Halte Deine Quellensammlung ordentlich.
  3. Rechtzeitig Informationen vorstrukturieren. Am besten machst Du Dir bereits beim Lesen der Literatur Notizen. Der stetige Wechsel von Lesen und Schreiben hilft dabei, einen roten Faden zu entwickeln. Bonus: Wenn es ans Schreiben der Rohfassung geht, sitzt Du nicht vor einem leeren Blatt, sondern hast bereits ein Gerüst oder Textbausteine, auf denen Du aufbauen kannst.
  4. Die Argumentation muss schlüssig sein. Hier hilft es, den Text ein paar Tage ruhen zu lassen und dann noch einmal mit frischem Kopf zu lesen. Wenn Du Dir unsicher bist, ob Deine Schlussfolgerungen nachvollziehbar sind, bitte andere, die Arbeit zu lesen.
  5. Eigene Gedanken ergänzen – Fremdgedanken klar kennzeichnen. Beschränke Dich nicht darauf, was andere zu Deinem Thema geschrieben haben, sondern entwickle auch neue Gedanken und Thesen. Mach unbedingt kenntlich, was nicht aus Deiner Feder stammt. Plagiate sind, auch wenn keine böse Absicht dahinter steckt, kein Kavaliersdelikt.
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