Sharing Economy im kleinen Maßstab - Welches Sparpotential steckt wirklich in einer WG?

Sharing economy

Was bedeutet Sharing Economy?

Sharing Economy oder auch Share Economy ist ein Begriff, der von dem Harvard Ökonomen Martin Weizmann geprägt wurde. Die Kernannahme der Sharing Economy ist, dass sich der Wohlstand aller erhöht, je mehr die einzelnen Marktteilnehmer untereinander teilen. Durch den Erfolgszug des Internets gewann die Sharing Economy in der Vergangenheit immer mehr an Bedeutung. Inhalte und Wissen werden nun nicht mehr ausschließlich konsumiert, sondern weiterverbreitet, wie zum Beispiel in sozialen Netzwerken.

Doch auch ganz praktische Konzepte entstanden aus dieser Idee heraus, wie zum Beispiel in Berlin. Dort eröffnete eine junge Frau ein Modegeschäft der etwas anderen Art. Sie stellt fremden Frauen den Inhalt ihres Kleiderschrankes zur Verfügung, wenn diese ebenfalls ihren Kleiderschrank für wieder andere Menschen zugänglich machen. Die Kleider werden im Laden aufbewahrt und jede Frau die den monatlichen Mitgliedsbeitrag zahlt, darf sich vier Kleidungsstücke bis zu zwei Wochen ausleihen. Ebenfalls beliebt sind Kleidertauschpartys. Dort finden sich Menschen zusammen und tauschen ihre alten Kleidungsstücke untereinander. So wird dem ständigen Konsum neuer Ware Einhalt geboten und trotzdem kann sich jeder über eine immer wieder wechselnde Garderobe freuen. Auch das Couch-Surfing, also das kostenlose Übernachten auf dem Sofa fremder Menschen weltweit, ist unter den Begriff Sharing Economy zu rechnen. Dies sind nur Beispiele, die Sharing Economy hat jedoch sehr viele Gesichter und ist möglicherweise ein Trend, der in Zukunft, in Hinblick auf die immer knapper werdenden Ressourcen, noch mehr an Bedeutung gewinnen wird. Weitere Informationen dazu finden Interessierte in der PDF des Büros für Zukunftsfragen (zum PDF)

Funktioniert Sharing Economy auch im Kleinen?

Natürlich funktioniert dieses Prinzip auch im kleinen Maßstab. Jeder, der sich bei seinem Nachbar schon mal eine Bormaschine oder Zucker geliehen hat, hat ja in gewisser Weise Sharing Economy betrieben. In einer Wohngemeinschaft bieten sich besonders viele Möglichkeiten des Tauschens und Teilens, was das Sparpotential aller erhöht. Anbei werden nun praktische Tipps gegeben, welche Einsparpotentiale das WG Leben bietet.

Worauf sollte beim Mietvertrag geachtet werden?

Klare geregelte Verhältnisse sind für ein funktionierendes WG-Leben wichtig. Im Besonderen gilt dies für den Mietvertrag. Die Bewohner müssen sich entscheiden, ob im Mietvertrag alle Bewohner als Hauptmieter aufgeführt werden oder ob nur einer Hauptmieter ist und die anderen als Untermieter dort leben. Der Vorteil der ersten Variante ist, dass alle Bewohner den Mietvertrag unterschreiben und somit auch alle Bewohner für die Wohnungsmiete haften. Wird ein Hauptmieter ernannt, haftet er alleine für die Miete und muss, falls ein anderer Bewohner seinen Anteil nicht zahlt, dafür aufkommen. Das Gleiche gilt für eventuell entstehende Schäden in der Wohnung. Damit nicht die gesamte WG ausziehen muss, wenn ein Mieter das Mietverhältnis kündigt, sollte mit dem Vermieter ein Auswechselrecht vereinbart werden.

Noch keinen eigenen Hausstand? Muss nun alles neu gekauft werden?

Wer von Zuhause aus und in eine WG einzieht, hat meist noch keinen kompletten eigenen Hausrat. Dieser muss auch nicht vor dem Einzug angeschafft werden. Ganz im Sinne der Sharing Economy können die WG Bewohner eine Bestandsaufnahme machen, was bereits vorhanden ist und was neu angeschafft werden muss. Es werden keine drei Bohrmaschinen, zwei Wasserkocher oder vier Staubsauger benötigt. Wer etwas braucht, leiht es sich von seinem Mitbewohner beziehungsweise der stellt seine Besitztümer einfach der Allgemeinheit zur Verfügung.

Wie lässt sich beim Wasser sinnvoll sparen?

In einer Wohngemeinschaft werden neben den Kosten für die Miete natürlich auch die Nebenkosten geteilt. Dadurch kann monatlich schon einiges an Geld eingespart werden. Es gibt jedoch Möglichkeiten, wie sich der Wasserverbrauch in der WG verringern lässt. Anbei zwei effektive Tipps:

  • Für Dusche und Waschbecken werden sogenannte Sparduschköpfe angeschafft. Sie vermögen es bis zu 50 Prozent Wasser einzusparen, ohne das auf ein zufriedenstellendes Duscherlebnis verzichtet werden muss.
  • Wird die Waschmaschine nur dann angestellt, wenn sie wirklich voll ist, spart dies ebenfalls Wasser. Die WG-Bewohner sollten also ihre schmutzige Wäsche stets gemeinsam waschen. Was gibt es bei den Stromtarifen zu beachten?

Vor dem Einzug in die WG ist es ratsam, dass sich die Bewohner rechtzeitig um einen günstigen Stromtarif kümmern. Tun sie dies nicht, werden sie automatisch von dem meist teureren Grundversorger beliefert. Es ist jedoch möglich diesen Tarif innerhalb der Einhaltung einer zweiwöchigen Frist zu kündigen. Erhöht der Grundversorger die Preise, ist sogar eine fristlose Kündigung erlaubt.

Welche Gastarife sind für eine WG geeignet?

Mieter haben meist nicht die Möglichkeit den Gasanbieter einfach zu wechseln, da sich in vielen Mehrparteienhäusern lediglich ein Gaszähler befindet. Die Kosten für das Gas werden anteilig auf die Mieter umgelegt und über die Nebenkosten abgerechnet. Doch auch wenn ein Wechsel des Anbieters nicht möglich ist, kann bei einer Gasheizung im Winter viel gespart werden. So sollten die Bewohner:
  • stets darauf achten, dass die Heizkörper freistehen und auch nicht von Vorhängen oder Ähnlichem verdeckt sind.
  • immer nur Stoßlüften, anstatt die Fenster längere Zeit zu kippen.
  • in Räumen die seltener genutzt werden, die Heizung ein paar Grad herunterdrehen.v vgegenseitig kontrollieren, ob der andere die Heizung heruntergedreht hat, wenn er beispielsweise ein paar Tage auf Reisen ist.
  • Thermostate an den Heizkörpern anbringen.

Gemeinsam einkaufen und kochen - Ist das sinnvoll?

Häufig finden sich Personen zu einer Zweck-WG zusammen, um Kosten zu sparen. Gemeinsames Einkaufen und Kochen gehört für sie selten zum Alltag. Dabei steckt auch hier wieder jede Menge Sparpotential. Legen die Bewohner zum Beispiel fest, welche Grundnahrungsmittel immer vorrätig sein sollen und richten eine gemeinsame Haushaltskasse ein, profitiert jeder davon. Mit dem Kochen kann sich abgewechselt werden. Natürlich wollen nicht alle Bewohner immer pünktlich zum Essen erscheinen. Wer mit dem Kochen an der Reihe ist, kann also einfach eine größere Portion kochen und die anderen machen sich ihr Essen später warm oder die Reste werden eingefroren und bei Bedarf wieder aufgetaut.

Wie lässt sich bei Haushaltsgeräten Geld sparen?

Tauschen und teilen statt kaufen und reparieren, statt neu anschaffen – so funktioniert eine nachhaltige Lebensweise. Geht ein Haushaltsgerät kaputt, kann die WG-Gemeinschaft sich zusammen ein neues anschaffen oder, was weitaus kostengünstiger ist, das defekte Gerät reparieren. Gebrauchte Ersatzteile für Waschmaschinen, Kühlschränke und Co finden sich beispielsweise im Internet. In zahlreichen Foren können Hobby-Heimwerker ihr Wissen und ihre Erfahrungen teilen und anderen somit bei der Reparatur ihrer Geräte helfen. Wird dennoch ein neues Gerät angeschafft, spielt die Energieeffizienz in Punkto Einsparpotential eine entscheidende Rolle.

Wer versucht, das Prinzip der Sharing Economy in seinen Alltag zu integrieren, kann eine Menge Geld sparen. Natürlich ist dies auch immer ein Stück weit mit der Öffnung der eigenen Privatsphäre verbunden, doch das daraus resultierende Gemeinschaftsgefühl ist neben dem Einsparpotenzial der Hauptgrund, warum sich immer mehr Menschen für diese Art zu leben, entscheiden.