Wertvolle Auslandserfahrung, bleibende Eindrücke – Drei Berichte aus dem Ausland

Auslandserfahrung sammeln
Erfahrungen im Ausland sammeln, eine Sprache lernen oder die vorhandenen Sprachkenntnisse ausbauen, soziales Engagement finden oder einfach dem Alltag entfliehen und etwas Neues kennenlernen – die Motive für einen Aufenthalt im Ausland sind genauso vielfältig wie die Möglichkeiten der Umsetzung. Im Folgenden sind einige Beispiele für einen Auslandsaufenthalt aufgezeigt, zudem werden die Auslandserfahrungen von drei jungen Damen aus Deutschland beschrieben.

Vielfältige Austauschprogramme

Im Rahmen eines Auslandsaufenthaltes können Schüler, Studenten oder Auszubildende andere Kulturen kennenlernen, ihre Sprachkenntnisse verbessern, von einem Auslandsstipendium profitieren und sich ganzheitlich weiterbilden. Sie leisten damit einen wertvollen Beitrag zur Völkerverständigung.

Es gibt zahlreiche Austauschorganisationen, die Jugendliche und junge Erwachsene bei der Verwirklichung ihres Vorhabens, einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren, unterstützen. Auch Unternehmen vergeben Stipendien und finanzielle Hilfen, beispielsweise für die Belegung von Sprachkursen, geben Zuschüsse zu den Fahrtkosten oder für die Unterbringung. Die Jugendbildungsmesse (JuBi) ist eine der größten Messen in Deutschland für Auslandsaufenthalt mit dem Fokus Bildung. Es gibt folgende Themenbereiche:

  • Schüleraustausch (z.B. an einer High School) mit dem Aufenthalt in einer Gastfamilie
  • Au-Pair
  • Sprachreise
  • Freiwilligendienst
  • Auslandspraktikum
  • Auslandsaufenthalt während des Studiums
  • Summer School
  • Work & Travel

Work and Travel – Arbeiten und Reisen an verschiedenen Orten in einem Land

Während eines Work-and-Travel-Aufenthalts oder auf fast kostenlosen Reisen nimmt der Reisende immer wieder Gelegenheitsjobs an, sei es für wenige Tage oder mehrere Wochen. Der Aufenthalt im jeweiligen Gastland dauert bis zu einem Jahr, in Ausnahmefällen auch länger. Bezüglich der Dauer des Aufenthalts ist der Reisende flexibel. Zu jedem Zeitpunkt kann entschieden werden, zurückzukehren. Typische Tätigkeiten sind Kellnern, das Arbeiten auf einer Farm, Promotionsjobs oder einfache Handwerkertätigkeiten. Als Unterkunft dienen in den meisten Fällen Jugendherbergen oder Camping-Plätze. Viele Reisende übernachten auch in einem Van.

Erfahrungsbericht I - Work and Travel in Australien und Neuseeland

Studentin Julia erlangte die Hochschulreife im Jahr 2010. Nach dem Abitur absolvierte sie ein Auslandsjahr in Australien und Neuseeland. Julia hat ihren Aufenthalt ohne die Hilfe einer Agentur organisiert. Als Gründe führt sie die Kostenersparnis sowie die eigene Selbstständigkeit an. Warum jetzt die Agentur? Die Vorteile bei der Planung mit einer Agentur lägen in der Unterstützung bei der Beschaffung eines Visums sowie beim Erledigen von organisatorischen Pflichten wie Versicherung, Anreise und Steuernummer. Darüber hinaus helfe die jeweilige Organisation bei der ersten Unterkunft und gibt Tipps für die Jobsuche. Zudem sei es in manchen Fällen hilfreich, einen festen Ansprechpartner zu haben.

Stipendien für Auslandsaufenthalte

Auf myStipendium sind verschiedene Stipendien für einen Auslandsaufenthalt aufgeführt, z.B. kann man Stipendiat werden für ein Stipendium für Work & Travel in Australien, für ein Auslandspraktikum in Südafrika oder in Ecuador sowie finanzielle Unterstützung für die Freiwilligenarbeit in Ghana.

Visum und Versicherungen

Visumsangelegenheiten oder das Beantragen der Steuernummer lassen sich relativ einfach über das Internet erledigen. Wer einen Work-and-Travel-Aufenthalt außerhalb Europas absolvieren möchte, benötigt zum Arbeiten ein Visum. Für Australien, Neuseeland, Kanada, Japan sowie für einige weitere asiatische Länder muss das sogenannte Working-Holiday-Visum (WHV) beantragt werden. Hierbei handelt es sich um ein Touristenvisum mit (eingeschränkter) Arbeitserlaubnis, das speziell für Work and Travel vom jeweiligen Land vergeben wird.

Ausreichender Versicherungsschutz im Ausland

Im Vorfeld eines längeren Auslandsaufenthaltes ist es ratsam, den bestehenden Versicherungsschutz zu überprüfen. Hilfreiche Informationen und Tipps zum Thema Versicherungsschutz sind im Ratgeberbeitrag „Damit im Ausland nichts schief geht“ aufgeführt. Zu den Pflichtversicherungen zählen demnach die Krankenversicherung mit einem ausreichenden Versicherungsschutz für Auslandsaufenthalte sowie eine private Haftpflichtversicherung. Zudem ist eine private Unfallversicherung empfehlenswert.

Erfahrungsbericht II – Schüleraustausch und soziales Engagement in Costa Rica

Im Schuljahr 2014/2015 hat Lydia S. einen Schüleraustausch in Costa Rica absolviert. Zu Beginn ihres Erfahrungsberichts spricht sie von ihrem ereignisreichsten Jahr in ihrem bisherigen Leben. Nach der anfänglichen Orientierungsphase hat sich die junge Deutsche gut in das tägliche Leben ihrer Gastfamilie integriert und im täglichen Umgang mit den Einheimischen wertvolle Erfahrungen sammeln können.

In den ersten Monaten hat Lydia eine bilinguale Privatschule besucht, nach den Sommerferien wechselte sie auf eine bilinguale öffentliche Schule. Sie möchte „die anderen gesellschaftlichen Schichten kennenlernen“, wie sie in ihrem Bericht schildert. Im zweiten Halbjahr hat sich Lydia aktiv in der Hilfsorganisation TECHO engagiert. Der frühere Name dieser lateinamerikanischen Nichtregierungsorganisation (NGO) lautet „Un Techo para mi País“ (deutsch: „ein Dach für mein Land“). Durch freiwillige Mitarbeit sollen die extreme Armut und die soziale Ungleichheit bekämpft werden.

In der Osterwoche (Semana Santa) hat Lydia beim Bau von Notunterkünften für Menschen, die kein festes Dach über dem Kopf haben, mitgeholfen. Jeden Tag ist Lydia frühmorgens mit einer kleinen Gruppe zu hilfsbedürftigen Familien gefahren. Gemeinsam mit der Familie haben die freiwilligen Helfer eine Holzunterkunft auf Stelzen errichtet. Mittags wurden die Helfer von den Familien versorgt, nach dem Abendessen wurde sich im Rahmen einer Versammlung über das Erlebte ausgetauscht, zudem wurden organisatorische Aspekte geklärt.

Lydia erlebte vor Ort wie es ist, wenn es keine sanitären Anlagen gibt und der nächst gelegene Trinkwasserbrunnen mehrere Kilometer weit entfernt liegt. Ferner tauschte sich die junge Deutsche mit einem einheimischen Mädchen aus, das sich jeden Tag um den Haushalt und die anderen Kinder in der Familie kümmerte. Das Mädchen war 14 Jahre alt. Lydia war fasziniert, wie viel Verantwortungsbewusstsein dieses Mädchen in diesem jungen Alter bereits hatte. Darüber hinaus imponierte es Lydia, wie glücklich die Menschen trotz Armut und Perspektivlosigkeit wirkten.

Teilnahme an einer Spendenaktion

An einem Wochenende wurde versucht, die Materialkosten für den Bau der Notunterkünfte durch eine Spendenaktion („TECHO Colecta“) einzusammeln. Insgesamt beteiligten sich rund 4000 Freiwillige an dieser Aktion, unter ihnen auch Lydia. Die Helfer sammelten Spenden an öffentlichen Plätzen, in Fußgängerzonen und an Ampeln ein. Des Weiteren hatte Lydia die Chance, an einer großen Befragung („ECO“, übersetzt etwa „Anhörung von Gemeinden“) teilzunehmen. Die Hilfsorganisation TECHO führt diese Befragung mehrmals im Jahr durch. Dabei werden Fragen bezüglich Herkunft, Wohnsituation Bildungsgrad, Einkünfte und Ausgaben sowie zu allgemeinen Problemen im jeweiligen Wohnviertel wie fehlende Schulen, unzureichende Infrastruktur etc. gestellt.

Lydia hat durch die Teilnahme an diesen Befragungen einen tiefen Einblick in das alltägliche Leben der einheimischen Bevölkerung bekommen. Diese Erfahrungen haben sie nach eigener Aussage stark geprägt. Das Fazit von Lydias Auslandsaufenthalt: „Ein Schüleraustausch ist nicht ein Jahr in meinem Leben, sondern ein Leben in einem Jahr“.

Erfahrungsbericht III – Freiwilligenarbeit an einer Schule in Südafrika

2013 hat sich Verena ihren langjährigen Traum von einem längeren Aufenthalt im Ausland erfüllt. Die damals 17-Jährige hatte sich entschieden, einen Freiwilligendienst in Südafrika anzutreten. Verena entschied sich für eine Tätigkeit an einer Primary School (Grundschule) in Mandalay. Dieser Ort liegt rund 30 Kilometer von Kapstadt entfernt, ringsherum sind Townships (Wohnsiedlungen für bestimmte Bevölkerungsgruppen) angesiedelt.

Das Leben in Mandalay

Die Schülerin aus Deutschland lebte die gesamte Zeit über in einer Gastfamilie unweit der Schule entfernt. Verena beschreibt die Familie als sehr herzlich, sie sei gut aufgenommen worden. Sie war Teil einer Großfamilie und lebte somit den gleichen Alltag wie die Einheimischen (locals). In ihrem Erfahrungsbericht erzählt Verena, dass sie zum einen abends gefroren hat, weil keine Heizung vorhanden war. Zum anderen habe sie sich aufgrund des hohen Schärfegrades die Zunge am typischen afrikanischen Essen verbrannt. Die Südafrikaner nehmen es mit der Pünktlichkeit nicht so genau wie die Deutschen, beispielsweise bezüglich des Transports. Verena konnte den südafrikanischen Gottesdienst beiwohnen und somit auch am Glauben der Menschen vor Ort teilhaben.

Eindrücke aus der südafrikanischen Schule

Verena unterrichtete in einer Primary School die vierte und fünfte Klasse das Fach IT, sie zeigte den Schülern also das Arbeiten am Computer. Die Schüler waren zwischen 8-13 Jahre alt und interessiert am gegenseitigen Austausch. Da sich die Lehrer generell streng verhalten, musste Verena einen guten Mittelweg zwischen Höflichkeit und der nötigen Autorität finden.

Die Vermittlung des Unterrichtsstoffs war für Verena eine größere Herausforderung als anfangs gedacht, da in vielen Haushalten in den Townships kein Computer vorhanden ist. Zusätzlich zum vermittelten Wissen wollte Verena den Schülern eine Perspektive aufzeigen – mit Bildung und Fleiß der Armut und Perspektivlosigkeit entfliehen. Dies sei jedoch häufig ein schwieriges Unterfangen, da viele Kinder die Hoffnung auf ein besseres Leben bereits aufgegeben hätten.

Bleibende Eindrücke

Sowohl Lydia als auch Verena berichten, dass sie während ihres Auslandsaufenthaltes nicht nur ein vorher fremdes Land, eine andere Kultur und neue Menschen kennengelernt haben. Durch die gemachten Erfahrungen lernt man sich selbst auch besser kennen. In einigen Fällen ändert dies den Blick und die Einstellung auf und für das eigene Leben: Die Wertschätzung des Lebens in Deutschland bzw. in Europa.