Hobbys im Lebenslauf: Ja oder Nein?

Frauenhände, die einen Schal stricken, in Nahaufnahme.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Hobbys können vor allem für Berufsanfänger eine sinnvolle und weithin akzeptierte Ergänzung des Lebenslaufs sein.
  • Besonders empfehlenswert ist die Angabe von Interessen im Lebenslauf, wenn sich die Anforderungen im Hobby und im Job ähneln oder wenn Du über das Hobby interessante Zusatzqualifikationen nachweist.
  • Zu viele Hobbys solltest Du aber auf keinen Fall angeben – und wenn Du Dir unsicher bist, besser gar keine.

Hobbys im Lebenslauf: Für Berufseinsteiger besonders wichtig

Generell musst Du natürlich in einer Bewerbung überhaupt nichts Privates über Dich preisgeben. Dass es naiv oder unprofessionell wirkt, wenn Du im Lebenslauf Interessen angibst, ist allerdings auch nicht richtig. Manche Vorgesetzte und Personaler schätzen es durchaus, ein möglichst vollständiges Bild von einem Bewerber und seiner Persönlichkeit zu bekommen. Das kann besonders wichtig sein, wenn Du zum Beispiel Berufsanfänger bist oder einen Quereinstieg wagst. Deine bisherigen Qualifikationen und Deine Studienschwerpunkte lassen dann vielleicht nur wenige Rückschlüsse auf Dein Profil zu. Dasselbe gilt bei einer Bewerbung um ein Stipendium oder auf einen Ausbildungsplatz.

Lebenslauf mit Hobbys: Pro und Contra

Pro Contra
Du verleihst Deinem Lebenslauf eine individuelle Note und kannst Dein Profil abrunden. Für Fach- und Führungskräfte sind bisherige berufliche Stationen und Weiterbildungen viel wichtiger als Hobbys. Sie sind nur dann von Vorteil, wenn Du damit Qualifikationen nachweisen kannst, die über offizielle Angaben hinausgehen.
Du kannst ggf. auf Qualifikationen für die Stelle hinweisen, die Du anderweitig nicht belegen kannst. Mit den „falschen“ Hobbys kannst Du möglicherweise mehr Schaden anrichten, als wenn Du Privates einfach ganz weglässt.
Manche Hobbys wie Golfen, Polo oder Segeln sprechen für einen bestimmten sozialen Hintergrund – für einige Unternehmen und Positionen kann das vorteilhaft sein. Auch Personaler lesen lieber kürzere Informationen statt ausufernder Unterlagen. Prüfe daher immer, ob die Angabe von Hobbys diese konkrete Bewerbung wirklich interessanter macht.
Ältere Bewerber können mit Hobbys wie Ausdauersportarten ihre körperliche Fitness demonstrieren. Extremsportarten oder solche, die für ein hohes Verletzungsrisiko bekannt sind, könnten Sorgen über zu erwartende Fehlzeiten durch Unfälle wecken.

Hobbys steigern den Erfolg

Viele Bewerber fürchten folgende Situation: Wenn sie ihre Interessen im Lebenslauf angeben, glauben Vorgesetzte in spe vielleicht, sie hätten nicht mehr genug Zeit und Kraft für die Firma übrig. Doch diese Sorge ist unbegründet. Zum einen haben auch Arbeitgeber ein Interesse daran, dass sich die Mitarbeiter in der Freizeit erholen und ihren Neigungen nachgehen. Nur so bleiben sie langfristig motiviert und leistungsbereit. Zum anderen sind manche Hobbys offenbar mit einer besseren Arbeitsleistung verknüpft, wie eine Studie US-amerikanischer Psychologen zeigte. Teilnehmer, die in ihrer Freizeit kreativen Beschäftigungen nachgingen, fanden auch im Job ungewöhnlichere Lösungen für Probleme und waren generell engagierter als ihre Kollegen.

Interessen im Lebenslauf: 12 Positiv-Beispiele

Wie schon erwähnt, hängt es vom Einzelfall ab, ob Du im Lebenslauf Deine Interessen angeben solltest oder nicht. Wenn Du einem dieser Hobbys nachgehst, kann es aber nur in den seltensten Fällen schaden, es zu nennen, denn dahinter verbergen sich meist vorteilhafte Eigenschaften.

Hobby Das sagt es über Dich aus Zu diesen Branchen passt es
Fußball (o. anderer Mannschaftssport) Teamfähigkeit, Kommunikation Alle
Kapitän oder Trainer einer Sportmannschaft Führungsqualität, Fähigkeiten im Konfliktlösen Generell Führungspositionen
Musizieren Disziplin, Kreativität Alle
Yoga Selbstbeherrschung, Belastbarkeit Z.B. PR, Kreativwirtschaft
Marathonlauf (o. anderer Ausdauersport) Ehrgeiz, Hartnäckigkeit, Disziplin Z.B. Unternehmensberatung oder Kundenbetreuung
Bloggen Technikaffinität, Denken in Zielgruppen Z.B. Marketing, Kommunikation
Fotografieren Kreativität, Geduld Z.B. PR
Kochen Offenheit für neue Erfahrungen, Geselligkeit Alle
Mitgliedschaft in Vereinen Zuverlässigkeit, Kontaktfreude Vom Verein abhängig
Gärtnern Naturverbundenheit, Geduld, Kreativität Nachhaltig wirtschaftende Unternehmen
Zauberkunst Originalität, Selbstbeherrschung, Kommunikation Alle
Schreinern (o. anderes Handwerk) Kreativität, Traditionalität, Zielstrebigkeit Alle

Noch besser als Hobbys? Engagement und Ehrenamt!

Hobbys im Lebenslauf können dem zukünftigen Chef etwas darüber verraten, was Du für Dich selbst tust – entweder als Ausgleich oder zur persönlichen Entwicklung. Wenn Du jedoch einer ehrenamtlichen Tätigkeit nachgehst, punktest Du meist doppelt. Denn damit stellst Du nicht nur unter Beweis, dass Du Dich mit Hingabe einem bestimmten Thema widmen kannst, sondern auch, dass Du eine soziale Ader hast, zuverlässig bist und zudem gesellschaftliche Verantwortung übernimmst. Genau wie andere Interessen im Lebenslauf kann ein Ehrenamt zudem bestimmte fachliche Kenntnisse und Soft Skills anzeigen.

Verbreitete und gern gesehene Tätigkeiten sind etwa ein Engagement in der Kirche oder in karitativen Einrichtungen, in der Jugendarbeit, in kulturellen Organisationen oder als Elternbeirat. Aber Achtung: Nenne auch hier nur Tätigkeiten, die Du wirklich engagiert und über einen längeren Zeitraum ausgeführt hast – alles andere könnte auffliegen und Dich sehr unglaubwürdig erscheinen lassen.

Kritisch könnte es höchstens werden, wenn Dein ehrenamtliches Engagement sehr zeitraubend wirkt wie beispielsweise die Mitgliedschaft bei einer Freiwilligen Feuerwehr. Oder wenn sie Vorgesetzten aus anderen Gründen nicht „passen“ könnte wie zum Beispiel, weil es sich um einen Gewerkschaftsposten handelt. Natürlich gilt das nicht für alle Firmen. Viele honorieren auch, wie wichtig diese Tätigkeiten gesellschaftlich sind. Ob es Dir nachteilig ausgelegt werden könnte, diese Ehrenämter zu nennen, hängt daher unter anderem von der Unternehmenskultur und der Branche ab. Wie auch bei den Hobbys im Lebenslauf gilt: Nenne keinesfalls zu viele! Sonst wirkst Du schnell sprunghaft oder orientierungslos oder schlimmstenfalls sogar viel zu beschäftigt für den Job, auf den Du Dich eigentlich bewirbst.

Das Hobby zum Beruf machen = Das Hobby kaputt machen?

Du willst Dein Hobby zum Beruf machen und zum Beispiel Grafiker, Profimusiker, Game-Designer oder Tierpfleger werden? Für viele, die intensiv einem Hobby frönen, gibt es keine schönere Vorstellung, als dieser Tätigkeit tagein, tagaus nachzugehen und dafür auch noch bezahlt zu werden! Glaubt man jedoch Wirtschaftswissenschaftlern und Psychologen, ist das mit Vorsicht zu genießen. Denn Studien zeigen: Wenn man für etwas bezahlt wird, was man eigentlich gerne macht, so nimmt die „intrinsische“ Motivation häufig ab. Das bedeutet, die innere Leidenschaft für diese Tätigkeit verkümmert. Nach einer Weile machst Du den Job dann nur noch fürs Geld; die Freude am alten Hobby geht verloren. Zudem akzeptieren Menschen, für die ihr Beruf zugleich eine Berufung ist, eher objektiv schlechtere Arbeitsbedingungen wie ein niedriges Gehalt.

Lebenslauf-Hobbys: Beispiele mit negativem Ruf

Manche Hobbys sind im Lebenslauf eher kritisch zu sehen. Allerdings solltest Du bei der folgenden Tabelle beachten, dass es auch stark auf das Unternehmen und die ausgeschriebene Stelle ankommt, ob Du mit diesen Lebenslauf-Interessen punkten kannst oder nicht. Draufgängerische Hobbys wie Base-Jumping könnten etwa bei einer Stelle im Investmentbanking das nötige Maß an Risikobereitschaft signalisieren. Hinter „Computer“ oder „Internet“ können sich nützliche Dinge wie Programmieren oder Bildbearbeitung verbergen – dann solltest Du diese aber auch so bezeichnen. Und wenn Du Dich bei einem Hersteller von Outdoorkleidung bewirbst, darfst Du natürlich mitteilen, dass Du gerne wanderst (auch wenn Dich das in diesem Fall kaum von Deinen Mitbewerbern abheben wird).

Hobbyart Beispiele Wirkung
Sehr verbreitete Hobbys Lesen, Wandern, Joggen, Fahrrad fahren, Musik hören durchschnittlich bis langweilig
Extremsportarten Haitauchen, Base-Jumping, Wingsuit fliegen, Fallschirmspringen, Apnoetauchen, BMX Downhill verletzungs- oder gar lebensgefährlich
„Langweilige“ Hobbys Fernsehen, Computer, Internet, Dinge sammeln unkommunikativ oder eigenbrötlerisch

Hobbys im Lebenslauf: Stell Dich auf Rückfragen ein

Wenn Du Dich für einen Lebenslauf mit Hobbys entscheidest, gib auf jeden Fall nur Tätigkeiten an, mit denen Du auch wirklich viel Zeit verbringst und in denen Du Dich gut auskennst. Vor allem außergewöhnliche Hobbys provozieren mit großer Sicherheit Nachfragen: Kaffeerösten, Handyweitwurf, Mixed Martial Arts, Teppichknüpfen … Am besten überlegst Du Dir schon vorher, warum Dein Hobby für die Stelle relevant sein könnte. Doch auch bei vermeintlich „normalen“ Hobbys wie Klarinette spielen kann es Dir passieren, dass man im Vorstellungsgespräch Genaueres von Dir wissen möchte. Stellt sich dann heraus, dass Du nur „für drei Monate mal“ in der Kindheit Unterricht genommen hast, kann das schnell peinlich werden.

Interessen im Lebenslauf: 8 Tipps für die Vita

  1. Konzentrier Dich aufs Wesentliche. Auch wenn Du besonders vielseitig interessiert bist: Eine zu lange Liste von Lebenslauf-Hobbys wirkt schnell unglaubwürdig oder beliebig. Zwei bis maximal vier sind genug.
  2. Stell Verknüpfungen her. Nenne Hobbys vor allem dann, wenn sie inhaltlich einen Bezug zur Stelle haben oder wenn Du glaubhaft einen Bezug zwischen den Anforderungen der Tätigkeit und des Jobs herstellen kannst.
  3. Werde konkret. Wenn Du Dich dazu entschließt, Hobbys in den Lebenslauf zu schreiben, sei möglichst präzise und nenne ruhig auch Erfolge wie gewonnene Meisterschaften, Auszeichnungen etc.
  4. Verschweige Extremsport lieber. Du könntest als Draufgänger erscheinen oder wie ein Arbeitnehmer, bei dem mit einer hohen Zahl von Krankheitstagen zu rechnen ist.
  5. Bleib sachlich. Gerate nicht allzu sehr ins Schwärmen – Deine wahre Begeisterung hebst Du Dir schließlich für den Job auf, oder nicht?
  6. Sei ehrlich. Nenne nur Interessen im Lebenslauf, denen Du tatsächlich und auch aktuell noch nachgehst. Alles andere ist Täuschung und kann auffliegen.
  7. Hobbys sind kein Muss. Viele Personaler schätzen die Angabe von Hobbys im Lebenslauf – aber nur dann, wenn sie auch wirklich einen interessanten Mehrwert bei Deiner Beurteilung bieten.
  8. Notfalls weglassen! Wenn Du Dir nicht sicher bist, ob Du bestimmte Interessen im Lebenslauf nennen solltest oder nicht, lautet eine einfache Faustregel: im Zweifelsfall lieber sein lassen.

Wie und wo werden die Hobbys im Lebenslauf aufgeführt?

Hobbys und Ähnliches gehören im tabellarischen Lebenslauf ganz ans Ende. Viele erstellen dafür eine eigene Überschrift wie „Interessen“, „Hobbys“ oder (im Fall von Ehrenämtern) „Engagement“. Bezeichne dabei nicht nur das Hobby selbst möglichst genau, sondern gib auch an, in welcher Organisation oder welchem Verein Du es ausübst und seit wann. Eine weitere Möglichkeit ist es, im Lebenslauf die Hobbys mit anderen „weichen“ Qualifikationen zu einer Rubrik zusammenzufassen. Unter „Kenntnisse und Engagement“ beispielsweise könntest Du Schulungen, Sprachkenntnissen sowie Hobbys und Ehrenämtern jeweils einen Eintrag widmen.

Achte auf die Formulierung!

„Interessen“ klingt üblicherweise seriöser als „Hobbys“, weshalb Du Dich eher für diese Überschrift entscheiden solltest. Sofern sie angemessen ist, macht die Formulierung „Engagement“ noch mehr her, aber trage hier wie gesagt nicht zu dick auf. Musst Du ein karitatives Ehrenamt und die Mitgliedschaft im Basketballverein unter einen Hut bringen, schreibe „Interessen und Engagement“. Achtung: Wenn Du Dich für das Wort „Hobbys“ entscheidest, achte auf die richtige Schreibweise. Die immer häufiger zu lesende Version „Hobbies“ ist im Deutschen schlicht falsch und Rechtschreibfehler können die Chancen Deiner Bewerbung schmälern.

Fazit: Gehören Hobbys in den Lebenslauf?

Wir finden: definitiv! Wenn Du alle zuvor genannten Tipps berücksichtigst und zur Stelle passende Interessen vorzuweisen hast, solltest Du Deine Hobbys im Lebenslauf erwähnen. Das gilt besonders dann, wenn Du Berufseinsteiger also Schul- oder Studienabgänger bist. Gib der Personalerin oder dem Personaler die Chance, sich ein möglichst umfassendes Bild von Dir als Bewerber zu machen, steh zu Deinen Interessen und nutze die Chance auf einen interessanten Small-Talk-Einstieg ins Bewerbungsgespräch.

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